Schon bei dem Wort Läuse juckt und krabbelt es vielen Menschen. Eltern stehen beinahe panisch in Apotheken und hoffen auf schnelle und einfache Hilfe. Trat ein Lausbefall früher meist zum Schulbeginn auf, haben die kleinen flügellosen Insekten heute ganzjährig Saison, denn die kleinen Tiere haben sich gut auf den Wirt eingestellt. Wird eine Laus auf dem Kopf entdeckt, sollte schnell gehandelt werden, denn die Läuseweibchen legen mehrere Eier pro Tag und gehen alle zwei bis drei Stunden auf Nahrungssuche. Bis zu 30 Minuten kann die Blutmahlzeit dauern.
Im Handel sind verschiedene Präparate mit unterschiedlichen Inhaltsstoffen und Einstufungen erhältlich. Verwendet wird beispielsweise der Entschäumer Dimeticon. Das Silikonöl verschließt das Atemsystem der Läuse und Nissen und verhindert ein „Ausschwitzen“ von Wasser - die Tiere ersticken. Präparate wie Nyda (Pohl Boskamp), EtoPril (Dr. Wolff) oder Jacutin Pedicul (Almirall) sind keine Arzneimittel, sondern Medizinprodukte. Je nach Produkt haben sie eine Einwirkzeit von zehn Minuten bis zu mehreren Stunden.
Ein ähnliches Wirkprinzip verfolgt Neem-Extrakt, enthalten in Licener (Hennig). Das Produkt soll sich wie ein Film über die Läuse und Nissen legen. Sind die Polyphenole in die Atemöffnungen eingedrungen, wird der Sauerstofftransport unterbunden. Nissen trocknen aus und sterben ab, da die Wasserschicht aufgelöst wird.
Die Wirksamkeit des Läuse-Shampoos Licener® untersuchten Forscher um Professor Dr. Fathy Abdel-Ghaffar von der Kairo Universität in Gizeh, Ägypten. Für ihre Studie identifizierten sie 65 Kinder im Alter zwischen drei und zehn Jahren mit bestätigtem Kopflausbefall in einem Dorf im Nordwesten der Provinz Gizeh. Alle Mütter der Kinder erhielten eine Einweisung in die Benutzung eines Läusekamms und des Licener Shampoos. Nach der Behandlung kontrollierten die Wissenschaftler des Teams die Köpfe auf lebende Läuse. Hierfür kämmten sie die Haare der Probanden aus, fingen die Tiere auf und untersuchten diese auf Lebenszeichen. Alle Tiere waren immobil und zeigten eine Stunde nach der Behandlung keine Konstriktion des Darms mehr, weshalb sie als tot gelten. Bei Kontrollen an den Tagen fünf und neun nach der Therapie wurden keine lebenden Tiere mehr gefunden. Bei einer weiteren Nachuntersuchung 11 bis 15 Tage nach der Behandlung wurden bei zwei Probanden lebende adulte Weibchen gefunden. Da es sich um erwachsene Tiere handelte, gehen diese vermutlich auf einen erneuten Befall zurück, schreiben die Autoren. Insgesamt bestätigten die Ergebnisse die Daten aus In-vitro-Untersuchungen, denen zufolge eine einzige Anwendung des Produkts die Tiere in allen Stadien der Entwicklung - Eier, Larven und Adulte - abtötet, so die Autoren. Licener Shampoo enthält einen Extrakt aus entölten Neem-Samen. Den Angaben des Herstellers zufolge dringt das sehr flüssige Produkt in das Atmungssystem der Tiere, die Tracheen, ein und blockiert die Sauerstoffaufnahme.
Die Wirksamkeit und Sicherheit von Neem und Dimeticon wurde in einer klinischen Studie verglichen. Beiden Inhaltsstoffen wird eine physikalische Wirkung zugesprochen, wobei bei Licener eine Anwendung genügt und das Vergleichsprodukt nach neun bis elf Tagen ein zweites Mal angewendet werden muss. In der Studie standen sich Licener und Jacutin Pedicul gegenüber. Insgesamt nahmen 119 Kinder ab einem Alter von zwei Jahren an der Untersuchung teil - durchgeführt wurde die Studie in zwei ägyptischen Dörfern zwischen Juli und November vergangenen Jahres.
Behandelt wurde gemäß Gebrauchsanweisung - 61 Kinder waren in der Licener-Gruppe, 58 in der Jacutin-Gruppe - an Tag 1 wurde kurz nach der Prozedur auf lebende Läuse untersucht. Mit Neem behandelte Kinder waren zu 100 Prozent lausfrei, in der Referenzgruppe konnten bei einem Kind lebende Läuse dokumentiert werden. An den Tagen 5 und 9 fand eine erneute Kontrolluntersuchung statt. Die mit Licener behandelten Kinder waren zu beiden Zeitpunkten lausfrei. An Tag 5 wurden bei zwei Kindern und an Tag 9 bei drei mit Dimeticon behandelten Kindern Läuse nachgewiesen. Da die Studie verblindet war, wurden beide Gruppen an Tag 9 erneut mit den entsprechenden Produkten behandelt.
Laut Studienautoren zeigte das Testprodukt Licener eine höhere ovizide Wirkung als das Referenzprodukt. „Die Studie zeigt, dass die Einmalbehandlung mit Licener sowohl Läuse als auch die Eier zu 100 Prozent abgetötet hat“, so Hennig. Eine zweite Behandlung ist damit nicht notwendig.
Infografik über Kopfläuse
Weitere Produkte im Kampf gegen Kopfläuse ist Oligodecen-Öl (Mosquito, Wepa). Das Präparat soll, genauso wie Kokosöl, Kopfläuse in jedem Entwicklungsstadien unschädlich machen. Ein feiner Ölfilm soll die Parasiten umhüllen und so die Atmungsöffnungen verkleben.
Das chemisch hergestellte Permethrin ist in Infectopedicul enthalten und kann gegen Kopflausbefall und Scabies eingesetzt werden. Das Insektizid wirkt neurotoxisch bei Läusen und Nissen. Es wird über die Körperoberfläche aufgenommen und lähmt den Parasiten. Der Tod tritt jedoch erst später ein. Bei nicht toxischer Dosis können die Läuse enzymatisch entgiften und sich wieder erholen. Auch die Entwicklung von Resistenzen wird diskutiert.
Pyrethrumextrakt im Goldgeist ist ein Insektizid, das aus verschiedenen Chrysanthemenblüten gewonnen wird und neurotoxisch auf die Kopfläuse wirkt. Die dermale Resorption ist nur gering.
Auch für das Produkt Mosquito® med Läuse Shampoo 10 wurden in diesem Jahr klinische Daten veröffentlicht. Das Mineralöl-basierte Medizinprodukt testeten Forscher um Luise Wolf vom Auftragsforschungsinstitut Cardiosec in Erfurt in einer Vergleichsstudie mit dem Pyrethrum-basierten Präparat Goldgeist® Forte solution. Eingeschlossen wurden insgesamt 107 Kinder, die älter als ein Jahr waren und einen nachgewiesenen Kopflausbefall aufwiesen. 53 Probanden erhielten zwei Behandlungen mit dem Läuse-Shampoo, die restlichen 54 Kinder wurden zweimal mit dem Vergleichsprodukt behandelt. Die Heilungsraten waren in beiden Gruppen hoch, berichten die Forscher im Fachjournal »Plos one« (DOI: 10.1371/journal.pone.0156853). 24 Stunden nach der ersten Behandlung waren 90 Prozent der Probanden in der Shampoo-Gruppe und 80 Prozent in der Vergleichsgruppe läusefrei. An Tag zehn betrug diese Rate 94 Prozent versus 90 Prozent. Beide Produkte wurden gut vertragen, wobei bei einigen Probanden mildes Brennen und Juckreiz auftraten.
Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz von der Goethe-Universität in Frankfurt am Main war wissenschaftlicher Berater der Zeitschrift »Ökotest« beim Test der Läuse-Shampoos im Jahr 2015. Er weist darauf hin, dass zur Behandlung des Kopflausbefalls die Anwendung eines vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit geprüften und in der Entwesungsmittelliste aufgeführten Arzneimittels oder Medizinprodukts empfohlen werden kann. Hier sind neben Allethrin- und Permethrin-haltigen Präparaten auch die zwei Dimeticon-basierten Medizinprodukte Nyda® und Jacutin Pedicul® Fluid gelistet (»Bundesgesundheitsblatt« 2016, DOI; 10.1007/s00103-016-2326-7). Letztere wirken rein physikalisch und enthalten kein Insektizid, weshalb sich gegen diese keine Resistenzen bilden können. Alle übrigen Antiläusemittel müssen nicht zwangsläufig als unwirksam eingestuft werden, so Schubert-Zsilavecz gegenüber der PZ.
Gels, Sprays, Lotionen und Shampoos - der Markt ist voll von Läusemitteln aller Art, die schnelle Wirksamkeit bei kleinem Preis versprechen. Aber Vorsicht: Bei manchen Mitteln erschließt sich erst im Kleingedruckten eine lange Einwirkzeit (45 Minuten gegenüber 10 Minuten beim Nyda-Anti-Läuse Spray/nicht Express-Ausführung). Die meisten Präparate verwenden außerdem Silikone, die sehr schädlich für die Umwelt sind.
Hier ist eine Übersicht über einige gängige Läusemittel mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen:
| Produkt | Form | Wirkstoff | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|---|
| Hedrin Spray Gel | Gel | Dimeticon, Penetrol | Schnelle Anwendung | Silikone enthalten |
| Hennig Arzneimittel Licener Shampoo | Shampoo | Neemöl | Natürliche Inhaltsstoffe, Umweltfreundlich | Höherer Preis, Eigengeruch |
| Nitwits All-In-One Kopflausmittel | Sprühlösung | Dimeticon (Silikonöl) | Einfache Anwendung | Silikone enthalten |
Zum Schutz vor Läusen sollten lange Haare am Besten zu einem Zopf geflochten werden. Außerdem kann ein Weidenrindenshampoo unterstützend angewendet werden. Mützen oder Kappen können beim Spielen einen Übergang von Kopf zu Kopf verhindern, wichtig ist jedoch, dass die Kinder die Kopfbedeckungen nicht untereinander tauschen. Kleidung und Bettwäsche sind bei 60 Grad zu waschen.
Weitere Tipps:
Haben Sie den Verdacht, dass die kleinen Tierchen es sich auch bei Ihnen auf dem Kopf gemütlich machen möchten? Dritter Hinweis: Schwieriger ist das Entdecken der kleineren Larven und Eier (Nissen). Vierter Hinweis: Wenn Sie es ganz genau wissen wollen, geben Sie nach der Haarwäsche mit Ihrem gewohnten Shampoo eine Pflegespülung (kein Läusemittel, sondern einfach einen stark pflegenden Conditioner) auf das Haar und verteilen alles gut darin. Dann kämmen Sie Ihr Haar mit einem feinzinkigen Kamm (Zinkenabstand weniger als 0,3 mm!) durch (die Pflegestoffe in der Spülung erleichtern das Durchkämmen, zusätzlich kann die Spülung die Tierchen unbeweglich machen). Den Kamm streifen Sie auf einem Handtuch ab und beobachten, ob sich im Schaum Läuse oder Eier befinden. Falls ja oder falls sich im Schaum nach einiger Zeit Läuse bewegen, müssen Sie mit einem Läusemittel weiterbehandeln.
Silikon kennen Sie vielleicht von Backformen oder aus der Inhaltsstoffe- Liste im Haaröl (oder der Läusemittelverpackung). Am häufigsten kommen wir damit über Körperpflegemittel wie Shampoos, Hautcremes, Deos usw. in Kontakt. Gerade Läusemittel enthalten jede Menge davon, in vielen Läusemitteln ist Dimethicon (englisch: Dimethicone) nämlich der Hauptwirkstoff. Dimethicon verschließt im Läusemittel sozusagen die Atemöffnungen im Lauskörper, sodass die Tierchen sterben. Obwohl Silikon beziehungsweise Dimethicon als gesundheitlich unbedenklich gilt, gibt es doch Hinweise darauf, dass einige Siloxanformen (die „schlechten“ Silikone) möglicherweise organschädigend und krebserregend wirken können. Die „schlechten“ Silikone sind wasserunlöslich, können sich mit der Zeit ansammeln, anlagern und als Rückstände im Haar bleiben (bekannt als „Build up“-Effekt). Nachhaltig sind Silikone zumindest in Kosmetika nicht. Silikon ist lange haltbar und damit schwer oder überhaupt nicht biologisch oder chemisch abbaubar.
Kopfläuse sind lästig, aber gut behandelbar - vorausgesetzt, man wählt ein wirksames Mittel und wendet es korrekt an. Für die Übertragung entscheidend ist der direkte Haar-zu-Haar-Kontakt - er begünstigt die Weitergabe. Läuse treten ganzjährig auf. Für Eltern wichtig: Panik ist unnötig, aber zügiges Handeln erforderlich. Eine korrekte Erstbehandlung, rechtzeitige Wiederholungsbehandlung und systematisches Auskämmen brechen den Kreislauf zuverlässig.
Die wichtigsten Schritte zur erfolgreichen Läusebehandlung:
Große Putzaktionen sind dagegen überflüssig, denn Kopfläuse überleben abseits des Kopfes nur kurz; waschen Sie eng am Kopf getragene Textilien wie Mützen, Schals oder den Kopfkissenbezug optional bei 60 °C oder legen Sie sie für 48 Stunden in einen geschlossenen Beutel - entscheidend bleiben dennoch die Behandlung und die konsequente Kammkontrolle).
Nach Infektionsschutzgesetz (IfSG) dürfen Kinder am Tag nach der ersten wirksamen Behandlung wieder in Kita/Schule - die zweite Anwendung muss nicht abgewartet werden. Oft genügt eine Elternbestätigung; teils wird ein Attest verlangt.
Aus heutiger Sicht sprechen Evidenz, Verträglichkeit und Resistenzlage für Dimeticon-haltige Präparate als erste Wahl. Entscheidend ist nicht nur das „richtige“ Mittel, sondern die richtige Anwendung: trockene Haare, ausreichende Menge, korrekte Einwirkzeit, Wiederholung nach 7-10 Tagen und engmaschige Kammkontrolle für zwei Wochen.
Häufig gestellte Fragen:
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