Haarausfall ist ein weit verbreitetes Problem, das Männer und Frauen jeden Alters betreffen kann. Er kann verschiedene Ursachen haben und sich in unterschiedlichen Formen äußern. Dieser Artikel beleuchtet die häufigsten Ursachen von Haarausfall und stellt verschiedene Therapieansätze vor.
Norwood-Skala zur Klassifizierung von Haarausfall bei Männern
Erblick bedingter Haarausfall ist die häufigste Ursache von Haarausfall - bei Männern und Frauen.
Finasterid, besser bekannt unter dem Handelsnamen Propecia, ist ein bei Männern sehr beliebtes Medikament gegen den erblich bedingten Haarausfall. Die Tabletten werden vom Hautarzt verordnet, drohende schwere Nebenwirkungen aber viel zu oft unterschätzt.
Finasterid ist schon seit Jahrzehnten auf dem Markt und wird eigentlich zur Behandlung von Prostataproblemen eingesetzt. Hauptindikation ist eine vergrößerte Prostata bei älteren Männern, denen Finasterid die OP ersparen kann.
Der Wirkstoff Finasterid greift tief in den Stoffwechsel ein, hemmt die sogenannte 5-Alpha-Reduktase in den Zellen, die für die Umwandlung des Sexualhormons Testosteron in das aktivere Dihydrotestosteron (DHT) zuständig ist. Finasterid blockiert die Produktion des DHT mit dem gewollten Nebeneffekt, dass Haare nicht mehr ausfallen.
Doch viele junge Patienten leiden unter schweren Nebenwirkungen: Sie bekommen keine Erektion mehr, haben kein Gefühl mehr in der Eichel, Geschlechtsverkehr ist nicht mehr möglich. Auch die Libido und das Orgasmusgefühl gehen verloren.
Das Besondere: Die Nebenwirkungen treten nicht nur während der Einnahme des Medikaments auf, sondern können unter Umständen auch erst nach dem Absetzen des Präparates auftauchen. Die Nebenwirkungen fassen Experten als sogenanntes Post-Finasterid-Syndrom zusammen, das allerdings nicht als eigenständige Krankheit anerkannt und vielen Ärzten unbekannt ist.
Experten vermuten, dass Finasterid nicht nur in den Testosteron-Stoffwechsel eingreift, sondern das hormonelle Gleichgewicht und damit die ausgeglichene Stimmung dauerhaft schädigt, was schließlich zu einer Depression führt.
Ein Post-Finasterid-Syndrom nachzuweisen ist allerdings schwierig, denn die Blutwerte sind dabei normal, obwohl die Betroffenen weiter unter den Beschwerden leiden.
Frauen leiden häufig auch unter Haarausfall aufgrund einer Veränderung im Hormonhaushalt. Besteht ein Ungleichgewicht zwischen weiblichem Östrogen und männlichem Testosteron, lassen die männlichen Hormone die Haarfollikel schrumpfen. Die Haarwurzel wird schwach.
Bei jüngeren Frauen kann die Abnahme der Haardichte zum Beispiel auch durch ein Polyzystisches Ovar Syndrom (PCOS) bedingt sein. Das Polyzystische Ovarialsyndrom kann bei Frauen zu Symptomen wie Zyklusstörungen, Haarausfall und Unfruchtbarkeit führen.
Die Haare auf dem Kopf fallen aus, dafür wachsen sie an unliebsamen Stellen, der Körper wird männlicher, Akne kommt hinzu, der Kinderwunsch bleibt unerfüllt: Das PCO-Syndrom, ist eine der häufigsten Ursachen von Unfruchtbarkeit. Man geht von einer Million betroffenen Frauen in Deutschland aus - zwischen fünf und zehn Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter leiden an dieser Hormonerkrankung.
Die namensgebenden "Zysten" in den Eierstöcken (Ovarien) sind eigentlich gar keine. Bei den kleinen Bläschen, die im Ultraschall zu sehen sind, handelt es sich um unreife Eizellen. Und nur 70 Prozent der betroffenen Frauen haben überhaupt dieses Symptom.
Beim PCO-Syndrom handelt es sich um eine Störung im hormonellen Regelkreis von Frauen. Die körperlichen Beschwerden haben häufig deutliche Auswirkungen auf die Psyche der Betroffenen.
Wie die Krankheit entsteht, ist nicht geklärt. Sicher ist, dass die Gene mitentscheiden: Frauen, die betroffen sind, haben oft Mütter mit PCO-Syndrom oder Väter, die hormonell bedingt früh eine Glatze bekommen haben. Außerdem ist der Zusammenhang des Syndroms mit dem Körpergewicht auffällig: Drei von vier Betroffenen sind übergewichtig.
Die meisten Frauen, auch die normalgewichtigen, leiden zudem an einer Insulinresistenz: Ihre Zellen reagieren nicht mehr auf das hormonelle Signal des Insulins, den Zucker aus dem Blut aufzunehmen - der Blutzuckerspiegel steigt. Der Körper produziert daraufhin immer mehr Insulin. Deswegen haben Frauen mit PCO-Syndrom ein erhöhtes Risiko, an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken. Die Insulinresistenz begünstigt wiederum Übergewicht, weil das Hormon den Körper veranlasst, immer mehr Energie zu speichern, zudem fördert es die Produktion männlicher Hormone - ein Teufelskreis.
Die Gynäkologin oder der Gynäkologe wird die Krankengeschichte erfragen, eine körperliche Untersuchung mit Beurteilung der Haut und der Körperbehaarung vornehmen und die Eierstöcke im Ultraschall untersuchen.
Um den Hormonstatus festzustellen und Erkrankungen der Hirnanhangsdrüse und der Nebenniere auszuschließen, sind umfangreiche Blutuntersuchungen notwendig: auf männliche Hormone, weibliche (Zyklus-)Hormone und das Anti-Müller-Hormon, das bei Betroffenen häufig erhöht ist.
Weil mit dem PCO-Syndrom tiefgreifendere Stoffwechselveränderungen verbunden sind, werden auch die Blutfettwerte bestimmt und gegebenenfalls ein Glukose-Toleranz-Test (oGTT) gemacht. Zudem ist eine Untersuchung der Schilddrüsenhormone angeraten, da etwa jede dritte Betroffene auch an einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse leidet, der sogenannten Hashimoto-Thyreoditis.
Auch wenn sich die Krankheit nicht heilen lässt, können die Symptome doch deutlich gemildert werden. Bei Übergewicht bewirkt die Gewichtsabnahme allein oft eine deutliche Besserung.
Eine Veränderung des Lebensstils und der Ernährungsgewohnheiten hilft, den gestörten Hormonhaushalt wieder zu regulieren. Denn wenn die Muskeln aktiv sind und insbesondere das hormonproduzierende Bauchfett schmilzt, reagieren die Zellen besser auf Insulin, der Blutzuckerspiegel sinkt - und damit auch die Produktion männlicher Hormone. Daher sollten vor allem Weißmehlprodukte und Süßigkeiten möglichst gemieden werden.
Falls eine Insulinresistenz nachgewiesen ist, kann begleitend zur Ernährungstherapie zumindest vorübergehend auch eine Therapie mit oralen Diabetes-Medikamenten wie Metformin angezeigt sein. Bei unerfülltem Kinderwunsch kann der Arzt zusätzlich Medikamente verordnen, die die Eierstöcke stimulieren und den Eisprung fördern (Clomifen). Besteht kein Kinderwunsch, kann dagegen der Zyklus mithilfe der Antibabypille stabilisiert werden.
Viel schwerer noch als die körperlichen Probleme wiegen für viele Betroffenen ihre seelischen Nöte.
Kreisrunder Haarausfall - auch Alopecia areata genannt - kann in nahezu jedem Lebensalter auftreten. Dabei gehen die Haare schmerzlos und büschelweise aus. Die Krankheit kann neben dem Kopfhaar auch die übrige Körperbehaarung betreffen. Fallen die Haare komplett aus, sprechen Experten von einer Alopecia areata universalis.
Alopecia areata ist eine Autoimmunkrankheit. Durch einen Angriff des Immunsystems werden die Haare in ihrem Wachstum so stark gestört, dass sie ausfallen.
Warum es zu dieser Fehlfunktion kommt, konnte bislang nicht genau erforscht werden. "Ein bestimmter Faktor dabei ist auch, dass es Erbanlagen gibt, die zu einer Neigung führen können, eine Alopecia Areata zu entwickeln. Man sieht das auch daran, dass Patienten mit Alopecia Areata häufiger an einer anderen Autoimmunerkrankung leiden, zum Beispiel einer Schilddrüsenerkrankung oder rheumatoiden Arthritis", sagt Dr. Sebastian Kahl.
In Deutschland sind rund 1,5 Millionen Menschen betroffen, weltweit sind es etwa zwei Prozent der Bevölkerung. Dabei kann sich die Autoimmunerkrankung bei Menschen jeden Alters zeigen. Häufig tritt sie bereits bei Kindern erstmals in Erscheinung.
Viele Betroffene hoffen, dass durch eine Behandlung ihre Haare wiederkommen. Zu den herkömmlichen Therapien zählt eine Behandlung mit Kortison oder eine sogenannte DCP-Therapie. Hierbei wird eine Salbe auf die Kopfhaut aufgetragen.
Forscher arbeiten an neuen Therapien. So wurde in den USA der Wirkstoff Baricitinib als Tablette zur Behandlung von Alopecia Areata zugelassen. Bisher hatte man den Wirkstoff dort bei Arthritis und Corona-Patienten im Krankenhaus angewendet.
An den US-Studien mit Baricitinib nahmen insgesamt 1.200 Erwachsene mit starkem kreisrundem Haarausfall teil, die in drei Gruppen aufgeteilt wurden: eine Gruppe bekam ein Placebo, eine zweite täglich eine Dosis von zwei Milligramm und die dritte Gruppe täglich vier Milligramm. Nach etwa einem dreiviertel Jahr wuchsen bei fast 40 Prozent der Personen mit der höchsten Dosis 80 Prozent der Kopfhaare nach. Für die Forschenden ein vielversprechendes Ergebnis.
Zudem haben die neuen Wirkstoffe mögliche Nebenwirkungen. Darauf wies der Alopecia Areata Deutschland e.V.
Diejenigen, die sich für eine Behandlung entscheiden, müssen die Kosten größtenteils selbst tragen, da die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht dafür aufkommen.
"Es gibt im Gesetz eine Vorlage, in der es heißt: Haarerkrankungen sind prinzipiell Lifestyle-Erkrankungen. Da hat der Gesetzgeber vorgegeben, dass alle Haarerkrankungen zum Lebensstil gehören. Sie haben aber nicht bedacht, dass es ja auch autoimmunologisch bedingte Haarerkrankungen gibt, wie die Alopecia Areata", erklärt Prof. Dr. Ulrike Blume-Peytavi, stellvertretende Direktorin der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Charité in Berlin. Für sie ist klar, dass sich das ändern muss. Eine Behandlung einer Alopecia Areata sollte eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen sein.
Bislang gibt es kein Medikament, mit dem kreisrunder Haarausfall dauerhaft geheilt werden kann. Laut Deutscher Dermatologischer Gesellschaft kommt es bei etwa 50 Prozent der Betroffenen nach dem ersten Haarausfall innerhalb eines Jahres zu einer Spontanheilung. Das heißt, die Haare wachsen von selbst wieder nach. Das sei insbesondere bei Menschen mit gering ausgeprägter Alopecia Areata der Fall.
Vielen hilft der Austausch mit anderen - auch Änni und Max. Vereine und Selbsthilfegruppen informieren und beraten deutschlandweit zu dem Thema.
Diffuser Haarausfall ist eine häufige Form von Haarverlust. Gleichmäßig, über den ganzen Kopf verteilt, fallen die Haare aus. Die Ursachen sind vielfältig. Mögliche Auslöser sind zum Beispiel Schilddrüsenerkrankungen, bestimmte Medikamente, chronische Erkrankungen, Autoimmunkrankheiten, schwere Infekte wie eine Grippe, Mangelernährung (beispielsweise Eisen, Zink, Selen, Vitmin D oder Vitamin A) oder eine Chemotherapie.
Einige Kopfhauterkrankungen können vorübergehend oder dauerhaft zu Haarverlust führen. Dazu zählen schwere Ekzeme der Kopfhaut oder Pilzerkrankungen. Auch Druck und Zug auf die Haare kann zum Ausfall führen.
Schuppenflechte auf der Kopfhaut (Psoriasis capitis) löst Symptome wie Juckreiz, rote Flecken, Plaques und sogar Haarausfall aus. Die Schuppenflechte, auch Psoriasis genannt, zählt zu den häufigsten chronischen Entzündungskrankheiten in Deutschland. Schätzungen zufolge sind rund zwei Prozent der Bevölkerung betroffen, also etwa über 1,5 Millionen Menschen. Bei etwa 50 bis 80 Prozent der Patientinnen und Patienten betrifft die Psoriasis auch die Kopfhaut (Psoriasis capitis, übersetzt: Kopfhautpsoriasis). Im Englischen heißt die Erkrankung Scalp psoriasis - inzwischen wird der Begriff auch hier öfter genutzt.
Die Schuppen sind am Kopf besonders sichtbar, das belastet Betroffene psychisch oft schwer. Oft tritt die Psoriasis an der Kopfhaut erstmals in der Pubertät oder bei jungen Erwachsenen bis zum 40. Lebensjahr auf, später dann meist zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr. Männer und Frauen sind etwa gleich häufig von der Schuppenflechte betroffen, dabei wird zwischen leichter, mittelschwerer und schwerer Psoriasis unterschieden.
Symptome der Kopfhautpsoriasis
Als Hauptursache für Psoriasis gilt eine genetische Veranlagung. Zu Grunde liegt aber eine Autoimmunerkrankung, die zu Entzündungen der Haut führt und die Erneuerung der Hautzellen um das etwa Zehnfache beschleunigt. Der natürliche Abstoßungsprozess der toten und verhornten Zellen funktioniert dadurch nicht mehr. Die Haut verdickt und schuppt sich - typisch sind silbrige Hautschuppen. Durch Juckreiz und darauf folgendes Kratzen werden Schuppen "verteilt", außerdem können kleine Wunden entstehen. Dazu kommen Plaques (erythemato-squamösen Plaques), das sind weißliche, manchmal klebrige Beläge aus abgestorbenen Zellen, die an der Haut haften.
Als größter Risikofaktor für Schuppenflechte allgemein gilt die familiäre Belastung, also genetische Faktoren, obwohl die genauen Ursachen noch nicht geklärt sind. Auch Nikotin und übermäßiger Alkoholkonsum können einen Schub auslösen oder befördern. Außerdem kann eine Belastung der Haut, zum Beispiel durch häufiges heißes Duschen oder Sonnenbrand, einen Schub bewirken. Bei Juckreiz zu kratzen, kann die Psoriasis der Kopfhaut ebenso verschlimmern und zu kleinen Wunden führen.
Grundproblem bei Kopfhautpsoriasis: Weil sich die Haut durch die Schuppenflechte verdickt, kann das Haar beim Wachsen die Plaques oft nicht mehr durchbrechen und es wird verdrängt. Nur in schweren Fällen kommt es aber zu klassischem Haarausfall.
Für Betroffene ist es oft schwierig zu erkennen, ob für die Schuppen auf dem Kopf Psoriasis capitis ursächlich ist, oder es sich lediglich um eine trockene Kopfhaut handelt, die durch Flüssigkeitsmangel, übertriebene Körperpflege oder agressive Reinigungsmittel verursacht werden kann. Typisch für Schuppen durch Psoriasis sind dagegen die roten Flecken, Entzündungen auf der Kopfhaut und Juckreiz.
Schuppenflechte ist zwar nicht heilbar, aber generell gut behandelbar. Es gibt bei Psoriasis am Kopf allerdings ein Grundproblem: Die Haare auf der Kopfhaut erschweren den direkten Zugang zur betroffenen Haut und können beim Auftragen von Tinkturen, Schäumen oder Shampoos leiden.
Damit Wirkstoffe später optimal in die erkrankte Kopfhaut eindringen können, muss der Schuppenpanzer zunächst mit Hornhautlösern entfernt werden. Dafür werden vor allem freiverkäufliche Produkte mit Salicylsäure verwendet, die keratolytisch, schmerzlindernd und entzündungshemmend wirken. Alternativ - aber nicht gleichzeitig - können Mittel mit Harnstoff (Urea) verwendet werden. Für eine schonendere chemische oder auch physikalische Abschürfung können Betroffene auch kosmetische Produkte anwenden.
Zur Weiterbehandlung der Kopfhautpsoriasis werden dann spezielle Schäume und Shampoos verwendet die ebenfalls Salicylsäure oder Harnstoff (Urea) enthalten - oft in Kombination mit Zink oder Schwefel. Sie enthalten meist zudem Bestandteile, die die Feuchtigkeit in der Haut halten.
Dass UV-Licht in bestimmten geringen Dosen und mit bestimmten Teilen des Lichtspektrums grundsätzlich bei Psoriasis helfen kann, ist lange bekannt. Deshalb rät Expertin Dr. Seda Yayla-Bozdağ Betroffenen zu einem Lichtkamm. Die UV-Strahlung aus dem Lichtkamm bremst die viel zu schnelle Zellteilung der Haut und beruhigt die roten Entzündungsherde. In Sachen Lichtspektrum kann zwischen UV-A und UV-B gewählt werden, je nachdem, was für Patientinnen und Patienten besser funktioniert. UV-Licht kann aber das Risiko für Hautkrebs erhöhen, deshalb sollte die Bestrahlungszeit kontrolliert erfolgen.
Bei der Untersuchung fragen Ärztin oder Arzt ausführlich nach der Vorgeschichte der Patientin, bisherigen Untersuchungen und Therapien sowie Symptomen. Dann werden die Haare unter der Lupe betrachtet und geprüft, ob sie brüchig sind. Ein Zupftest zeigt, ob sich die Haare schnell lösen. Anschließend wird die Haarwurzel untersucht. Ein sogenanntes Trichogramm zeigt, in welcher Wachstumsphase die Haare ausfallen. Weitere Erkenntnisse kann eine computergestützte Haaranalyse liefern.
Je früher die passende Behandlung eingeleitet wird, umso größer ist die Erfolgschance der Therapie. Zunächst muss aber die genaue Ursache des Haarausfalls gefunden sein, erst dann erstellt der Arzt einen individuellen Therapieplan.
Ist ein bestimmtes Medikament für Haarausfall verantwortlich, kann möglicherweise ein alternatives Präparat ausprobiert werden.
Es gibt verschiedene Therapieansätze, die je nach Ursache des Haarausfalls eingesetzt werden können.
Es gibt zwei Wirkstoffe, die dem Haarausfall wirksam entgegensteuern können. Der Blutdrucksenker Minoxidil lässt bei erblich bedingtem Haarausfall in einigen Fällen neue, kräftigere Haare nachwachsen. Allerdings kann das Medikament Nebenwirkungen wie Kreislaufbeschwerden und Haarwuchs im Gesicht verursachen. Gegen hormonbedingten Haarausfall verschreiben Dermatologinnen und Dermatologen Tabletten, die Anti-Androgene enthalten.
Bei diagnostiziertem Haarausfall können Hautärzte als Therapie die Injektion koffeinhaltiger Präparate in die Kopfhaut verschreiben.
Dafür werden Haare am Hinterkopf entnommen. An den kahlen Stellen setzt der Arzt Mikroschlitze und verpflanzt die Transplantate. Dabei bestimmt er auch die Dichte und Richtung, in der die Haare in Zukunft wachsen sollen. Das Ganze geschieht in Millimeterarbeit.
Die Eigenbluttherapie ist eine Behandlungsmethode, bei der körpereigenes Blut entnommen und als Plasma aufbereitet in den Körper zurückgegeben wird. Die Wirkung ist wissenschaftlich noch umstritten.
Bei der Eigenbluttherapie sollen körpereigene Stoffe aus dem Blut verschiedene Selbstheilungsmechanismen stimulieren, um unterschiedliche Beschwerden wie Gelenkschmerzen zu lindern. Es gibt verschiedene Arten von Eigenbluttherapien - allen gemeinsam ist, dass Blut aus der Vene entnommen wird und im Labor die festen roten Blutzellen abgetrennt werde, sodass die gewünschten Blutbestandteile im flüssigen Plasma vorliegen. Das wird anschließend in den Körper zurückgespritzt. Je nach Behandlungsziel erfolgt die Injektion in oder unter die Haut, in einen Muskel, eine Sehne oder in ein Gelenk.
Beim gängigsten Verfahren wird sogenanntes "plättchenreiches Plasma" (PRP) hergestellt, eine Form ist das analog konditionierte Plasma (ACP). Blut besteht bis zu 55 Prozent aus Plasma. Das Plasma transportiert die roten und weißen Blutkörperchen sowie die Blutplättchen. Dazu kommen verschiedene Botenstoffe sowie Wachstums- und Gerinnungsfaktoren. Mit einer Zentrifuge lassen sich die verschiedenen Inhaltsstoffe des Bluts voneinander trennen. Dabei setzen sich unten die schweren Bestandteile ab, die roten Blutzellen. Oben verbleibt das flüssige Plasma mit seinen Botenstoffen und Wachstumsfaktoren. Blutplättchen und Plasma zusammen ergeben das sogenannte plättchenreiche Plasma.
Blutplättchen sind in der Lage, bei einer Verletzung die Wunde zu verkleben und sie starten die Wundheilung, indem andere Zellen herbeigerufen werden. Dieser Heilungseffekt soll bei der Eigenbluttherapie mit Plasma in Regionen einsetzen, die zwar keine frische Verletzung haben, aber Heilung bedürfen, wie zum Beispiel bei Sehnenentzündungen oder Gelenkbeschwerden. Über 300 Botenstoffe und Wachstumsfaktoren können aus aktivierten Thrombozyten freigesetzt werden.
In der Orthopädie ist die Eigenblutbehandlung nach der PRP/ACP-Methode etabliert: Wenn bei Schmerzen Physiotherapie, Stoßwellen und Cortisonspritzen keine ausreichende Besserung bewirken, wird gegebenenfalls eine Behandlung mit aufbereitetem Eigenblut versucht, zum Beispiel bei Arthrose, Sehnenbeschwerden (Tennisarm, Golferarm), bei Muskelverletzungen und anderen degenerativen Erkrankungen. Auch bei schlecht heilenden Knochenbrüchen kommt das plättchenreiche Plasma zum Einsatz.
Immer häufiger wird Blutplasma in der Kieferchirurgie eingesetzt, wie beim Knochenaufbau, der bei Zahnimplantaten notwendig ist. Dazu wird die Gerinnungseigenschaft des Blutes genutzt. Entscheidend ist ein spezieller Klebstoff im Blut, das Fibrin. Aus dem Kiefer der Betroffenen wird etwas Knochenmasse inklusive Stammzellen entnommen. Mit tierischem Knochenersatzmaterial und dem speziell aufbereiteten Blutplasma vermischt, wird daraus ein fester, kleiner Schwamm, der dann als knöcherne Grundlage für das Zahnimplantat eingesetzt wird.
Die Eigenblutbehandlung wird als moderne Methode gegen Haarausfall propagiert. Sie soll sowohl bei erblichem Haarausfall bei Männern helfen, als auch beim kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata) Verbesserungen bringen. Außerdem wird sie zusätzlich nach Haartransplantationen angeboten. Die körpereigenen Regenerations- und Heilungskräfte sollen durch das Eigenblut unterstützt und das Zellwachstum noch bestehender Haarfollikel gesteigert werden.
Zwar werden Behandlungserfolge in bestimmten Fällen beschrieben und viele Patienten sind mit der Therapie zufrieden. Die Studien zur Wirksamkeit von Blutplasma als Medikament sind zum Teil widersprüchlich.
Da für das Zentrifugieren von Blut kein einheitliches und standardisiertes Verfahren existiert, haben die Plasmakonzentrate unterschiedliche Zusammensetzungen, zum Beispiel bei den Gerinnungsfaktoren oder Immunzellen. Das macht es schwierig, deren Wirkung in Studien miteinander zu vergleichen.
Laut Transfusionsgesetz darf Blut nur durch eine Ärztin oder einen Arzt oder von Fachpersonal unter ärztlicher Aufsicht entnommen werden. Die Injektionen können schmerzhaft sein, Schwindel und Übelkeit danach sind möglich. Als Nebenwirkung der Behandlung mit Eigenblut können allergische Reaktionen bis hin zum allergischen Schock (Anaphylaxie) auftreten. Insbesondere wiederholte Eigenbluttherapien können zur Bildung von Autoantikörpern führen. Bei gestörter Blutgerinnung können großflächige, blaue Flecken (Hämatome) entstehen.
Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für Plasmatherapien noch nicht. Die Behandlungen müssen die Betroffenen selbst zahlen.
| Therapie | Beschreibung | Kostenübernahme durch Krankenkasse |
|---|---|---|
| Medikamente (Minoxidil, Anti-Androgene) | Wirkstoffe, die dem Haarausfall entgegenwirken | Ja, in bestimmten Fällen |
| Koffein-Injektionen | Injektion koffeinhaltiger Präparate in die Kopfhaut | Ja, in bestimmten Fällen |
| Haartransplantation | Verpflanzung von Haaren vom Hinterkopf auf kahle Stellen | Nein, in der Regel |
| Eigenbluttherapie | Rückgabe von aufbereitetem Eigenblut in den Körper | Nein |
Ob Öle, Seren oder Pulver zum Einnehmen: Im Einzelhandel werben viele Produkte damit, Haarverlust "aktiv" zu bekämpfen - mit natürlichen Inhaltsstoffen wie Bambus oder Basilikum. Expertinnen und Experten zweifeln jedoch an der Aussagekraft von oft kleinen und über einen kurzen Zeitraum durchgeführten Herstellerstudien. Auch Nahrungsergänzungsmittel versprechen mitunter eine hohe Wirksamkeit bei Haarausfall, ihre Wirksamkeit ist oft jedoch nicht belegt.
Die Produkte enthalten neben Vitaminen häufig auch Spurenelemente oder Extrakte, manchmal in sehr hohen Dosen. Diese sind per se nicht schädlich, jedoch kann der Körper beispielsweise zu viel Vitamin A - dessen Tagesbedarf einige der Vitaminkapseln vollständig decken - nicht ausscheiden. Eine langfristig zu hohe Aufnahme von Vitamin A kann zu trockener Haut und Haarausfall führen.
Grundsätzlich gilt: Wer sich ausgewogen und ausreichend ernährt, muss in der Regel keine Nahrungsergänzungsmittel gegen Haarausfall einnehmen.
Dennoch gibt es einige Tipps und Tricks, wie Frauen dünne Haare pflegen und kaschieren können. Mittlerweile haben sich einige Friseurinnen und Friseure darauf spezialisiert. Beim Fönen - und auch bei starker Sonneneinstrahlung - ein Hitzeschutzspray auftragen. Für mehr Volumen Haarspray und Styling-Schaum für den Haaransatz verwenden.
tags: #ndr #mediathek #visite #haarausfall #ursachen #therapie
Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen
Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.