Chemotherapie-induzierter Haarausfall: Ursachen und Präventionsmaßnahmen

Die Chemotherapie ist eine der am meisten gefürchteten Therapieformen in der Behandlung von Krebserkrankungen. Die Angst vor den typischen Nebenwirkungen ist groß: Übelkeit, Erbrechen, mögliche Infektionen, Haarausfall und die Entwicklung von schmerzhaften Nervenschädigungen an Händen und Füßen, auch Chemotherapie-induzierte Polyneuropathie (CIPN) genannt.

Besonders häufig tritt CIPN bei Patienten auf, die mit Taxan-haltigen Medikamenten wie Paclitaxel, Docetaxel oder nab-Paclitaxel behandelt werden. Aber auch andere Medikamente können zur Ausprägung der CIPN führen. Beim Auftreten akuter Symptome während der Chemotherapie müssen oft die Therapieintervalle verlängert, die Dosis reduziert oder im schlimmsten Fall sogar die Chemotherapie abgebrochen werden, was den langfristigen Therapieerfolg negativ beeinflussen kann.

Haarausfall gehört zu den typischen Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Aber nicht jede Chemo lässt die Haare ausfallen. Etwa 1 bis 4 Wochen nach Therapiebeginn können die Haare mehr oder weniger stark ausfallen. Der Grund: Eine Chemotherapie wirkt auf Zellen, die sich schnell und häufig teilen. Dazu zählen neben Krebszellen auch Haarwurzelzellen.

Im Folgenden werden Beispiele für Zytostatika genannt, bei denen Patientinnen und Patienten sehr häufig, gelegentlich oder selten ihre Haare verlieren:

  • Sehr häufig (betrifft mehr als 1 von 10 Behandelten): Cyclophosphamid, Daunorubicin, Doxorubicin, Epirubicin, Etoposid, Docetaxel, Ifosfamid, Irinotecan, Paclitaxel, Topotecan, Vindesin, Vinorelbin
  • Gelegentlich (kann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen): Amsacrin, Bleomycin, Busulfan, Cytarabin, 5-Fluorouracil, Gemcitabin, Lomustin, Melphalan, Thiotepa, Vinblastin, Vincristin
  • Selten (kann bis zu 1 von 1000 Behandelten betreffen): Capecitabin, Carboplatin, Carmustin, Cisplatin, Fludarabin, 6-Mercaptopurin, Methotrexat, Mitoxantron, Procarbazin, Raltritrexed, Streptozotocin

Meist verlieren die Patientinnen und Patienten nach einer Chemo alle Haare auf dem Kopf. Die Haare fallen in der Regel aber nicht alle auf einmal aus, sondern nach und nach, manchmal auch büschelweise.

Faktoren, die Haarausfall nach einer Chemo wahrscheinlicher machen

Das Risiko für Haarverlust erhöht sich beispielsweise, wenn Patientinnen oder Patienten die Chemo über die Vene direkt ins Blut bekommen, bei einer Chemotherapie mit einer Kombination aus mehreren Wirkstoffen, wenn Betroffene ihre Zytostatika in hohen Dosierungen oder innerhalb kurzer Zeitabstände erhalten.

Prävention von Chemotherapie-induzierter Polyneuropathie (CIPN)

Eine vielversprechende Methode zur Reduzierung von Nebenwirkungen wie CIPN ist die Kühlung von Händen und Füßen während der Chemotherapie.

Seit 2017 werden am Luisenkrankenhaus und in der Hämatoonkologischen Praxis Schmutz/Hegener in Düsseldorf Daten von Krebspatienten dokumentiert, die Hände und Füße während ihrer Chemotherapie mit einem neuartigen Gerät (Hilotherm Chemo Care) kühlen. Das Gerät ist ausgestattet mit Hand-/ Fußmanschetten und ermöglicht eine kontinuierliche, gradgenaue Kühlung der Extremitäten.

Der Sauerstoffbedarf des Gewebes, der Stoffwechsel sowie die Durchblutung werden reduziert und weniger toxische Substanzen verletzen die Nerven an Händen und Füßen. Mit einer Geräteeinstellung von 10 bis 12°C werden Hände und Füße kontinuierlich 30 Minuten vor Beginn, während und bis 60 Minuten nach der Chemotherapie gekühlt. Die Patienten empfinden diese Kühlung als wesentlich angenehmer als herkömmliche Versuche, mit Hilfe von Eishandschuhe zu kühlen.

Bisher wurden Daten von 186 Patienten ausgewertet. 144 von ihnen entschieden sich für die prophylaktische Anwendung des neuen Thermoheilverfahrens und kühlten Hände und Füße bei jeder Chemotherapie, beginnend mit der ersten Chemotherapie. Nur acht Patienten entwickelten kurzfristig Symptome der CIPN mit Schmerzen und Beeinträchtigungen im Alltag (Grad 2), eine Patientin gab den Toxizitätsgrad 3 an. 93 Prozent der Patientinnen, die das kontrollierte Thermoheilverfahren vorbeugend angewandt haben, blieben frei von schweren Symptomen.

Die Ergebnisse erweisen sich als nachhaltig: 4, 7, 10 bis 13 Monate nach Ende der Chemotherapie sind 96 bis 98 Prozent der Patienten ohne limitierende Symptome oder Beschwerden. Zum Vergleich: In der Gruppe derer, die nicht vorbeugend kühlten (n=38), entwickelten 50 Prozent der Patienten schmerzhafte, limitierende Symptome (Grad 2 & 3).

Schwere, nicht reversible Ausprägungen der CIPN können häufig vermieden werden. Die Langzeitprognose für viele Patienten mit einer Krebserkrankung hat sich durch viele innovative Therapiekonzepte in den letzten Jahren stark verbessert, daher sollte auch die Vermeidung schwerer Langzeitkomplikationen, die die Lebensqualität der Patienten stark beeinflussen, mehr in den Fokus gerückt werden.

Erfreulicherweise hören immer mehr Patienten und behandelnde Ärzte von dieser Methode und wenden sie an. Es bleibt zu hoffen, dass die Therapie bald nicht nur in vielen Kliniken und Praxen standardisiert wird, sondern dass sich bald auch die Krankenkassen an den anfallenden Kosten beteiligen werden, zumal die Anwendung für Patienten und Pflegepersonal so simpel ist.

Kühlhaube schützt gegen Haarverlust bei Chemotherapie

Bei Haarausfall oder Nebenwirkungen an Haut oder Fingernägeln kann Kühlung helfen. Der Erfolg davon ist abhängig von der jeweiligen Chemotherapie und genauere Daten hierzu werden noch erhoben. Um erfolgten Haarausfall zu kaschieren, erhalten die Patientinnen ein Rezept für eine Perücke.

Was helfen kann, mit dem Verlust der Haare zurecht zu kommen

Der unfreiwillige Verlust der Haare kann sehr belastend sein. Folgende Maßnahmen können Ihnen den Umgang damit erleichtern:

  • Fragen Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin: Er oder sie kann Ihnen am besten erklären, welche Nebenwirkungen bei Ihrer Chemo auftreten können.
  • Setzen Sie sich schon vor Ihrer Therapie mit einem möglichen Haarausfall auseinander. Eine psychologische Unterstützung kann hilfreich sein, wenn der drohende Haarverlust Sorgen macht.
  • Wenn Sie nach dem Haarverlust eine Perücke tragen möchten, können Sie sich bereits vor Ihrer Therapie um einen Haarersatz kümmern und mit der Krankenkasse klären, wer die Kosten dafür trägt.
  • In Selbsthilfegruppen und Gesprächen mit anderen Betroffenen können Sie Ihren eigenen Kummer äußern und erfahren, wie andere mit ähnlichen Problemen umgehen.

Die Haare fangen meist wieder an nachzuwachsen, wenn die Krebsmedikamente im Körper abgebaut sind: in der Regel innerhalb von 3 bis 6 Monaten.

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