Haarausfall: Ursachen, Mythen und was wirklich hilft

Haare sind nicht nur Ausdruck der Persönlichkeit, sondern dienen wie ein Seismograph unserem Inneren, betont die Dermatologin und Expertin für krankhaften Haarausfall Prof. Dr. med. Natalie Garcia Bartels. Haarausfall, medizinisch als Alopezie bekannt, ist ein weitverbreitetes Phänomen, das Menschen aller Altersgruppen und Geschlechter betrifft. Trotz seiner Häufigkeit sind viele Missverständnisse und Mythen über Haarausfall verbreitet, die oft zu Verwirrung und falschen Behandlungsmethoden führen.

Wann wird Haarausfall zum Problem?

Haare in der Bürste, im Abfluss oder auf dem Kopfkissen: Bis zu 100 Haare täglich zu verlieren, ist ganz normal. Grundsätzlich gilt: Ein Verlust von 60 bis zu 100 Haaren pro Tag ist unbedenklich, solange er gleichmäßig verteilt ist. „Wenn jedoch über einen Zeitraum von zwei Wochen deutlich mehr Haare ausfallen - etwa in Form von größeren Büscheln in der Bürste oder im Badezimmer - sollte man einen Arzt aufsuchen“, warnt die Expertin.

Die verschiedenen Arten von Haarausfall

Es gibt verschiedene Arten von Haarausfall. Hier sind einige der häufigsten Formen:

  • Androgenetische Alopezie: Die häufigste Form des Haarausfalls ist durch eine genetisch bedingte Überempfindlichkeit der Haare auf männliche Geschlechtshormone bedingt. Typisch sind Geheimratsecken oder eine Tonsur bei Männern und ein dünner werdender Scheitel bei Frauen. „Bei Männern liegt die Wahrscheinlichkeit, bis zum 80. Lebensjahr einen erblich bedingten Haarausfall zu entwickeln, bei etwa 80 bis 90 Prozent. Bei Frauen schätzt man diese Wahrscheinlichkeit auf 30 bis 50 Prozent.
  • Diffuser Haarausfall: Hier fallen die Haare gleichmäßig über den gesamten Kopf aus, ohne dass kahle Stellen entstehen. Das Haar wirkt insgesamt dünner und die Kopfhaut beginnt stärker durchzuschimmern. Oft liegt ein konkreter Auslöser vor: Dazu zählen hormonelle Veränderungen, Stress, Krankheiten, bestimmte Medikamente oder Nährstoffmängel.
  • Alopecia areata: Alopecia areata ist eine Form des örtlich begrenzten, plötzlichen Haarausfalls, bei der sich runde, kahle Stellen im Kopfhaar bilden. Die Erkrankung beginnt meist akut und kann Menschen jeden Alters treffen - häufig bereits im Kindes- oder jungen Erwachsenenalter. Die genaue Ursache ist unbekannt.
  • Traktionsalopezie: Bei der Traktionsalopezie handelt es sich nicht um eine körperliche Erkrankung, sondern um einen Haarausfall durch übermäßige mechanische Belastung des Haars. Meistens sind Frauen betroffen, die häufig enge, straffe Zöpfe tragen.

Wird die Frisur nach Vorliegen einer Traktionsalopezie lockerer oder die Haare offen getragen, kann der Haarwuchs wieder normal einsetzen.

Weitere Ursachen für Haarausfall

Mit zunehmendem Alter werden die Haarwurzeln weniger aktiv, die Zellteilung verlangsamt und die Wachstumsphasen verkürzen sich. Das bedeutet: Die Haare wachsen langsamer, dünner und fallen früher aus. Bei Männern führt Dihydrotestosteron (DHT) oft zu erblich bedingtem Haarausfall, während es bei Frauen in den Wechseljahren der sinkende Östrogenspiegel ist, der das Haar dünner werden lässt.

Hormonelle Schwankungen bei Frauen können in verschiedenen Lebensphasen eine Rolle spielen: „Dies kann bereits im Pubertätsalter mit einer unregelmäßigen Periode beginnen. In der Menopause sind Haarprobleme ebenfalls häufig - etwa 50 Prozent der Frauen sind davon betroffen. Während der Schwangerschaft sorgt das hormonelle Überangebot dafür, dass die Wachstumsphase der Haare verlängert wird - das Haar wirkt voller und kräftiger.

Besonders bei Ernährungsumstellungen - etwa beim Verzicht auf Fleisch - können Eisen- oder Vitamin-B12-Mängel auftreten. Die Expertin weist darauf hin, pflanzliche Alternativen, Eier oder Milchprodukte zu konsumieren.

Schilddrüsenerkrankungen, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Viruserkrankungen wie Grippe und Covid-19 oder Autoimmunerkrankungen können das Haarwachstum stören. Häufiger sind jedoch äußere Ursachen für Haarbruch verantwortlich. „Zu viel Hitze, zu starkes Ziehen an nassen Haaren oder Auskämmen von Haarspray können das Haar spröde machen“, warnt Garcia Bartels.

Akute Stresssituationen wie Verletzungen, Operationen oder emotionale Belastungen können diffusen Haarausfall auslösen - oft mit einer Verzögerung von vier bis zwölf Wochen.

Haarausfall stoppen: Was hilft wirklich?

Haarausfall ist für viele Betroffene ein belastendes Thema, doch die gute Nachricht ist: Er ist behandelbar. Die Diagnose beginnt mit einem ausführlichen Gespräch, anschließend werden die Kopfhaut und die Haare untersucht. In einigen Fällen kommt eine computergestützte Haardiagnostik zum Einsatz, erklärt Garcia Bartels: „Dabei wird ein kleines Areal rasiert und mit einer Videosonde die Dichte der Haare sowie der Haarausfall gemessen.

Behandlungsmöglichkeiten

  • Medikamentöse Behandlungen: „Beim genetischen Haarausfall gibt es örtliche Präparate wie Minoxidil (für Männer und Frauen) oder Finasterid (nur für Männer), auch als Tablette“, so die Expertin. Alternativ können Frauen das Alfatradiol nutzen - ein östrogenähnlicher Wirkstoff, der lokal auf der Kopfhaut gegen erblich bedingten Haarausfall wirkt. Diese Mittel verlangsamen den Fortschritt des Haarausfalls und können die Haardichte verbessern.
  • Haartransplantation: Bei anlagebedingtem Haarausfall kann eine Haartransplantation helfen.
  • Immuntherapien: Bei kreisrundem Haarausfall kommen spezielle Reiz- und Immuntherapien zum Einsatz.
  • Meso- und PRP-Therapie: Bei der Meso-Therapie zum Beispiel handelt es sich um eine Methode aus der Alternativmedizin. Es werden ausgewählte Medikamente, homöopathische Mittel, Vitamine, Spurenelemente oder Hyaluronsäure in die Kopfhaut injiziert. Eine weitere Möglichkeit ist die PRP-Therapie. PRP steht für Platelet Rich Plasma. Es handelt sich um eine Eigenbluttherapie.

Die Rolle der Ernährung und Pflege

Ob Glanz, Fülle oder Stärke - gesunde Haare brauchen Pflege von innen und außen. „Für die innere Haargesundheit ist eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitamin B12, Biotin, Zink und Eisen entscheidend, um Mangelzustände zu vermeiden“, betont Garcia Bartels. Doch Vorsicht: Nahrungsergänzungsmittel sollten nur bei nachgewiesenem Mangel eingenommen werden. „Es ist ein Irrglaube, dass mehr Vitamine oder Nahrung automatisch kräftigeres Haar bedeuten.

Die äußere Haargesundheit hängt stark von der sanften Pflege ab. „Haare wachsen etwa einen Zentimeter pro Monat. Bis sie Schulterlänge erreichen, haben sie zwölf Monate oder länger äußere Einflüsse ertragen müssen“, erklärt die Expertin.

Mythen rund um Haarausfall

Rund um das Thema Haarausfall kursieren viele Mythen, die oft für Verwirrung sorgen. Hier sind einige der häufigsten:

  • Mythen über Kopfbedeckungen: Es besteht ein hartnäckiger Glaube, dass das ständige Tragen von Hüten oder Mützen Haarausfall verursachen kann. Diese Annahme beruht auf der Idee, dass Kopfbedeckungen die Kopfhaut ersticken und so das Haarwachstum stören. Jedoch zeigen wissenschaftliche Studien, dass Haarausfall hauptsächlich durch genetische Veranlagung, hormonelle Faktoren und bestimmte Gesundheitszustände beeinflusst wird.

    Haarausfall wegen Mütze? Haartransplantation wegen Haarausfall

    Tatsächlich ist das ständige Tragen von Mützen nicht Schuld am Haarausfall. Langes Tragen von Mützen kann jedoch Feuchtigkeit stauen, die sich mit Talg vermischt und das Wachstum bestimmter Keime begünstigt.
  • Mythos: Haarausfall betrifft nur ältere Menschen. Während das Risiko für Haarausfall mit dem Alter zunimmt, können auch jüngere Menschen davon betroffen sein.
  • Mythos: Häufiges Haarewaschen verursacht Haarausfall. Tatsächlich ist regelmäßiges Haarewaschen wichtig für die Aufrechterhaltung der Hygiene der Kopfhaut und kann helfen, Haarprobleme wie Schuppen und Kopfhautentzündungen zu verhindern, die wiederum Haarausfall fördern können.
  • Mythos: Haare können durch Waschen oder Kämmen ausfallen. „Haarausfall entsteht in der Kopfhaut, wo das Haar produziert wird. Waschen oder Kämmen kann diesen Prozess nicht auslösen“, sagt Garcia Bartels.
  • Mythos: Die Kopfhaut muss atmen. „Die Kopfhaut atmet nicht - Sauerstoff wird über die Blutgefäße zugeführt“, stellt die Haarexpertin klar.
  • Mythos: Ein Haarschnitt lässt das Haar schneller oder dicker nachwachsen. Ein Haarschnitt lässt das Haar nicht schneller oder dicker nachwachsen - das Haar wächst an der Wurzel. Was man schneidet, ist totes Hornmaterial.
  • Mythos: Stress ist die Hauptursache für Haarausfall. Während es zutrifft, dass extrem hoher Stress zu einer Form des Haarausfalls namens Telogen-Effluvium führen kann, ist der häufigste Haarausfall, die androgenetische Alopezie, genetisch bedingt. Stress kann das Ergrauen beschleunigen, ist aber selten der alleinige Auslöser. Daneben spielen abgesehen von der familiären Veranlagung auch Eisenmangel, Vitamin-B12-Mangel, Schilddrüsenerkrankungen oder Schlafmangel eine Rolle. Auch Rauchen, Alkoholmissbrauch und Drogenkonsum können das Ergrauen fördern, erklärt die Dermatologin.

Tipps zur Vorbeugung von Haarausfall

Einer Traktionsalopezie lässt sich vorbeugen, indem man Stress für die Haare so weit wie möglich reduziert. Dazu gehört insbesondere das richtige Styling und der richtige Haarschmuck. Es spricht nichts dagegen, auch mal eine straffe Frisur zu tragen. Das sollte man aber nicht täglich tun. Wenn die Frisur durch Zug an den Haaren schmerzt, sollte man sie direkt lösen. Auch chemischen Stress für die Haare sollte man vermeiden - dazu gehören vor allem Färben, Tönen und Blondieren. Psychisch mit sich im Reinen zu sein ist auch gut für die Haare - manche Menschen neigen dazu, bei Stress an den Haaren zu ziehen oder sich die Haare auszureißen.

Fazit

Haarausfall kann viele Gründe haben, doch es gibt ebenso viele Möglichkeiten, etwas dagegen zu tun. Wer auf eine ausgewogene Ernährung, schonende Pflege und mögliche Auslöser achtet, ist auf der sicheren Seite. Es ist wichtig, bei Bedenken bezüglich Haarausfall einen Facharzt zu konsultieren, der individuelle Beratung und Behandlungsmöglichkeiten bieten kann.

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