Haare sind nicht nur Ausdruck der Persönlichkeit, sondern dienen wie ein Seismograph unserem Inneren, betont die Dermatologin und Expertin für krankhaften Haarausfall Prof. Dr. med. Natalie Garcia Bartels. Haarausfall, medizinisch als Alopezie bekannt, ist ein weitverbreitetes Phänomen, das Menschen aller Altersgruppen und Geschlechter betrifft. Trotz seiner Häufigkeit sind viele Missverständnisse und Mythen über Haarausfall verbreitet, die oft zu Verwirrung und falschen Behandlungsmethoden führen.
Haare in der Bürste, im Abfluss oder auf dem Kopfkissen: Bis zu 100 Haare täglich zu verlieren, ist ganz normal. Grundsätzlich gilt: Ein Verlust von 60 bis zu 100 Haaren pro Tag ist unbedenklich, solange er gleichmäßig verteilt ist. „Wenn jedoch über einen Zeitraum von zwei Wochen deutlich mehr Haare ausfallen - etwa in Form von größeren Büscheln in der Bürste oder im Badezimmer - sollte man einen Arzt aufsuchen“, warnt die Expertin.
Es gibt verschiedene Arten von Haarausfall. Hier sind einige der häufigsten Formen:
Wird die Frisur nach Vorliegen einer Traktionsalopezie lockerer oder die Haare offen getragen, kann der Haarwuchs wieder normal einsetzen.
Mit zunehmendem Alter werden die Haarwurzeln weniger aktiv, die Zellteilung verlangsamt und die Wachstumsphasen verkürzen sich. Das bedeutet: Die Haare wachsen langsamer, dünner und fallen früher aus. Bei Männern führt Dihydrotestosteron (DHT) oft zu erblich bedingtem Haarausfall, während es bei Frauen in den Wechseljahren der sinkende Östrogenspiegel ist, der das Haar dünner werden lässt.
Hormonelle Schwankungen bei Frauen können in verschiedenen Lebensphasen eine Rolle spielen: „Dies kann bereits im Pubertätsalter mit einer unregelmäßigen Periode beginnen. In der Menopause sind Haarprobleme ebenfalls häufig - etwa 50 Prozent der Frauen sind davon betroffen. Während der Schwangerschaft sorgt das hormonelle Überangebot dafür, dass die Wachstumsphase der Haare verlängert wird - das Haar wirkt voller und kräftiger.
Besonders bei Ernährungsumstellungen - etwa beim Verzicht auf Fleisch - können Eisen- oder Vitamin-B12-Mängel auftreten. Die Expertin weist darauf hin, pflanzliche Alternativen, Eier oder Milchprodukte zu konsumieren.
Schilddrüsenerkrankungen, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Viruserkrankungen wie Grippe und Covid-19 oder Autoimmunerkrankungen können das Haarwachstum stören. Häufiger sind jedoch äußere Ursachen für Haarbruch verantwortlich. „Zu viel Hitze, zu starkes Ziehen an nassen Haaren oder Auskämmen von Haarspray können das Haar spröde machen“, warnt Garcia Bartels.
Akute Stresssituationen wie Verletzungen, Operationen oder emotionale Belastungen können diffusen Haarausfall auslösen - oft mit einer Verzögerung von vier bis zwölf Wochen.
Haarausfall ist für viele Betroffene ein belastendes Thema, doch die gute Nachricht ist: Er ist behandelbar. Die Diagnose beginnt mit einem ausführlichen Gespräch, anschließend werden die Kopfhaut und die Haare untersucht. In einigen Fällen kommt eine computergestützte Haardiagnostik zum Einsatz, erklärt Garcia Bartels: „Dabei wird ein kleines Areal rasiert und mit einer Videosonde die Dichte der Haare sowie der Haarausfall gemessen.
Ob Glanz, Fülle oder Stärke - gesunde Haare brauchen Pflege von innen und außen. „Für die innere Haargesundheit ist eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitamin B12, Biotin, Zink und Eisen entscheidend, um Mangelzustände zu vermeiden“, betont Garcia Bartels. Doch Vorsicht: Nahrungsergänzungsmittel sollten nur bei nachgewiesenem Mangel eingenommen werden. „Es ist ein Irrglaube, dass mehr Vitamine oder Nahrung automatisch kräftigeres Haar bedeuten.
Die äußere Haargesundheit hängt stark von der sanften Pflege ab. „Haare wachsen etwa einen Zentimeter pro Monat. Bis sie Schulterlänge erreichen, haben sie zwölf Monate oder länger äußere Einflüsse ertragen müssen“, erklärt die Expertin.
Rund um das Thema Haarausfall kursieren viele Mythen, die oft für Verwirrung sorgen. Hier sind einige der häufigsten:
Einer Traktionsalopezie lässt sich vorbeugen, indem man Stress für die Haare so weit wie möglich reduziert. Dazu gehört insbesondere das richtige Styling und der richtige Haarschmuck. Es spricht nichts dagegen, auch mal eine straffe Frisur zu tragen. Das sollte man aber nicht täglich tun. Wenn die Frisur durch Zug an den Haaren schmerzt, sollte man sie direkt lösen. Auch chemischen Stress für die Haare sollte man vermeiden - dazu gehören vor allem Färben, Tönen und Blondieren. Psychisch mit sich im Reinen zu sein ist auch gut für die Haare - manche Menschen neigen dazu, bei Stress an den Haaren zu ziehen oder sich die Haare auszureißen.
Haarausfall kann viele Gründe haben, doch es gibt ebenso viele Möglichkeiten, etwas dagegen zu tun. Wer auf eine ausgewogene Ernährung, schonende Pflege und mögliche Auslöser achtet, ist auf der sicheren Seite. Es ist wichtig, bei Bedenken bezüglich Haarausfall einen Facharzt zu konsultieren, der individuelle Beratung und Behandlungsmöglichkeiten bieten kann.
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