Die Geschichte des Friseurhandwerks ist reich an Traditionen und Innovationen. Von den bescheidenen Anfängen des Barbiers auf dem Land bis hin zu modernen Barbershops, die Männer wieder zum Friseur locken, hat sich viel verändert. Dabei spielen sowohl historische Persönlichkeiten als auch aktuelle Trends eine wichtige Rolle.
„Dat is fein, dat wü´n Barbier kriegt,“ sagte um die Jahrhundertwende Bauer Johannes Wenck aus Niedermarschacht. Denn in Obermarschacht auf dem Deich machte sich Wilhelm Lohmann als Friseur selbständig.
Die Haare schneiden konnte man sich dazumal, nur das Rasieren mit dem scharfen Messer, das war denn doch arg riskant. Rasierapparate warteten noch auf ihre Erfindung.
„Als Einundzwanzigjähriger eröffnete mein Großvater dann am 28. Juli 1900 sein Friseurgeschäft,“ notierte Horst Lohmann 1961 in einer Hausarbeit für die Schule.
Einen Salon heutiger Prägung sollte man sich darunter aber nicht vorstellen: Der Barbier suchte seine Kunden zwischen Stove und Avendorf bald mit dem Rad auf - eine Sensation, denn Fahrräder waren eine Seltenheit wie auch die Haarschneidemaschine, die mit Rasiermesser, -pinsel, Seifennapf, Kamm und Schere das Handwerkszeug vervollständigte. Im häuslichen Wohn- und Arbeitszimmer kamen noch die Zangen zum Zähneziehen dazu und der Bohrer, mit dem die Zementplomben vorbereitet wurden. Die Zahnbehandlung gehörte mit zu des Friseurs Pflichten - den anstrengenden und schmerzhaften allemal.
Der Existenzgründung folgte 1906 die Familiengründung: Eine Schuhmacherstochter aus der Nachbarschaft ging mit Wilhelm Lohmann die Ehe ein. Vier Jahre später kauften sie mit Unterstützung des Schwiegervaters ein Haus mit dazugehörigem Grundstück, in dem sich noch heute der Friseursalon befindet.
Die Rauchkate wurde umgebaut, ein Schornstein errichtet und die Ringmauer erneuert. Im früheren Kuhstall wurde die Rasierstube eingerichtet mit einem Tischchen, Spiegel und Handwerkszeug, daneben die Waschschüssel, in die der verbrauchte Seifenschaum gegeben wurde.
Dann erkrankte Wilhelm Lohmann schwer an einer Lungenentzündung und musste das Geschäft schließen - ein schwerer Rückschlag, zumal 1913 gerade der Sohn Herbert geboren war.
Nach der Arbeit bediente er die Kunden aus dem Dorf, die entfernteren konnte er nicht mehr aufsuchen. Nach Kriegsende kam wegen der Abschaffung der Handwerkspflicht schnell starker Wettbewerb auf, den Lohmann jedoch bestand.
Arbeitslosigkeit und Inflation setzten ihm erneut stark zu, so dass er berufsfremde Arbeiten annehmen musste. Schwere gesundheitliche Rückschläge machten das Überleben schwer.
Bereits mit elf Jahren musste Sohn Herbert zu Fuß mit auf Tour, um die Rasierkunden einzuseifen. Die harte Arbeit und der knappe Ertrag verleidete den drei Söhnen frühzeitig den Beruf des Vaters.
Herbert entschloss sich, Schlachter zu werden. Ein doppelter Ellenbogenbruch jedoch beendete die Lehrzeit, Herbert sattelte nun um, wurde doch Friseur.
Herbert Lohmann lernte ein Jahr bei seinem Vater, ehe er eine Lehrstelle in in einem modernen Betrieb in Hamburg-Harburg antrat. Zusätzlich absolvierte er abends noch Wasserwellen- und Ondulationskurse. Bei seiner Gesellenprüfung 1932 war er absolut auf der Höhe seiner Zeit.
Im November eröffnete er den Damensalon - eine mutige Entscheidung. Friseurmeister Lohmann erwarb sich früh einen guten Ruf, weil er immer die neuesten Schnitte und die modernste Technik anbot wie eine Motortrockenhaube.
Der erste Gehilfe wurde eingestellt, der erste Lehrling ausgebildet. Herbert Lohmanns Steckenpferd wurde das Preisfrisieren, bei dem er oft erfolgreich abschnitt. Der Ruf seines Friseurgeschäfts hing eng mit den Leistungen bei Wettbewerben zusammen.
1942 heirateten Herbert und Ilse Lohmann. Der Bräutigam musste wieder in den Krieg ziehen, Ilse besuchte fünf Monate lang die Friseurfachschule in Hamburg und vertrat ihren Mann im Betrieb. Bald wurde Sohn Horst geboren.
Kurz vor Kriegsende musste Obermarschacht geräumt werden, dann wurden die Fremdarbeiter einquartiert. Erst im Oktober konnten die Familien in ihre Häuser zurückziehen, Herbert Lohmann war aus der Gefangenschaft zurückgekehrt.
Herbert und Ilse Lohmann verzagten nicht, räumten auf und machten sauber, aus den Trümmern wurde das Brauchbare herausgesucht, wieder ein Neubeginn. Bis zur Währungsreform 1948 war praktisch nichts zu bekommen, alles basierte auf Tauschhandel.
Nach der Währungsreform kam zunächst kaum ein Kunde. Das „Kopfgeld“ von 40,- DM wurde für andere Dinge ausgegeben. Kaum konnte Lohmann seine Angestellten bezahlen. Dann war auch diese Durststrecke überwunden und es ging aufwärts.
Die privaten Ausgaben standen hinter der Geschäftsausstattung zurück. Dann kam die „Kaltwelle“ auf. Die Kaltwelle bescherte dem Friseurhandwerk einen Aufschwung, weil alle Frauen eine Dauerwelle haben wollten.
Die Lohmanns verließen sich nicht auf alte Verdienste, sondern nahmen an Wettbewerben und Fachveranstaltungen teil.
Bereits 1950 konnte das 50-jŠhrige Geschäftsjubiläum gefeiert werden, allerdings ohne Firmengründer Wilhelm Lohmann, der ein Vierteljahr zuvor verstorben war.
Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter war für den Sportler Herbert Lohmann, der nur durch großes Pech die Teilnahme am Radrennen bei den Olympischen Spielen 1936 verpasst hatte, der Schlüssel für den handwerklichen Erfolg.
Bereits Anfang der 60er Jahre arbeiteten drei Gehilfen und zwei Lehrlinge mit im Geschäft, das sich guten Zuspruchs von Nah und Fern erfreute. Wer bei Lohmann gelernt hatte, machte sich häufig auch selbständig wie Dieter Stürmer in Winsen oder Hans Hugo Harms in Handorf.
Herbert Lohmann jun. hatte beide Talente seines Vaters geerbt: das handwerkliche und das sportliche. Er fuhr erfolgreich Radrennen und absolvierte die Friseurlehre mit enormem Erfolg bis hin zur Teilnahme an Weltmeisterschaften.
Der berufliche Weg mündete jedoch nicht in Marschacht, sondern in einem Lüneburger Salon. Bei der Suche nach einem Geschäftsnachfolger fiel Herbert Lohmann frühzeitig Ernst-Martin Jürgens aus Tespe auf.
Er baute ein neues Team um sich auf, nahm wie der „alte Lohmann“ mit seinem Team an zahlreichen Wettbewerben erfolgreich teil und frisierte die Modelle bei Modenschauen u.a. im Geesthachter Kaufhaus.
36 Jahre führte Martin Jürgens nun das traditionsreiche Friseurgeschäft mit der Nr. 20 auf dem Deich in Obermarschacht. 2016 verstarb „Matten“ nach kurzer schwerer Krankheit. Schnell musste ein Nachfolger gefunden werden.
Herr Hallinger, haben Sie damit gerechnet, dass Sie mal im »Playboy« sein werden?
Martin Hallinger (lacht): Würden Sie damit rechnen?
Nein. Aber bei Ihnen ist es jetzt soweit.
Hallinger: Im »Playboy« war schon alles Mögliche drin. Aber noch nie ein Berchtesgadener Bader. Es wurde Zeit.
Warum haben Sie diese Auszeichnung erhalten. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Hallinger: Ich habe viele treue Kunden. Bereits vor 15 Jahren habe ich damit begonnen, den Herrenbereich auszubauen. Und dann hat sich das entwickelt. Wahrscheinlich auch deshalb, weil ich in den sozialen Medien sehr aktiv bin.
Wo kommen Ihre Kunden her?
Hallinger: Etwa 60 Prozent kommen aus dem Berchtesgadener Land. Ich habe aber auch viele Kunden aus München, Rosenheim und Traunstein. Auch aus Salzburg kommen einige.
Seit einigen Jahren gehen Männer wieder gerne zum Friseur. Woher kommt der Hype um die Barbershops?
Hallinger: Von exakt zwei Friseuren: Schorem in Rotterdam und Barbershop Lissabon. Die haben vor 15 Jahren damit begonnen, sich auf Männer zu konzentrieren. Von ihnen stammt der Stil der Barbershops, wie man ihn heute kennt.
Die Wiederkehr der Pomade haben wir übrigens Schorem zu verdanken, der eine eigene Marke ins Programm nahm. Schorem hat zwölf Friseure. Und ein Barber, ein Bader, ist nichts anderes als ein Herrenfriseur.
Früher waren die Bereiche für Herren und Damen getrennt. Ende der 70er kam es dann groß in Mode, alles zusammenzulegen. Aber, ich habe nach einigen Jahren gemerkt: Heh, das geht nicht. Männer und Frauen gehen sich beim Friseur gegenseitig auf die Nerven.
Deshalb habe ich das wieder getrennt. Denn Frauen wollen nicht, dass ihnen ein fremder Mann dabei zuschaut, wenn ihnen die Haare gewaschen werden. Genauso wenig will sich ein Mann lustige Sprüche anhören, wenn er sich rasieren lässt.
Dafür will er beim Friseur Whisky trinken?
Hallinger: Ja. Das kam halt noch dazu. Die Getränke, die Lässigkeit. Stierschädel und Blechschilder an der Wand. Wobei es auch früher schon Friseurläden mit Bewirtung gab.
Sind Ihre Kundinnen neidisch auf die Männer?
Hallinger: Nein. Die gratulieren mir. Im Damensalon ist es genauso lässig. Nur halt anders... Die Mädels wollen unter sich bleiben. Manchmal fühle selbst ich mich schon wie ein Störfaktor. Da denke ich mir: Jetzt wäre ich lieber ein Weibi.
Was ändert sich nach der »Playboy«-Auszeichnung?
Hallinger: Das ist eine geile Image-Geschichte. Aber mehr wie arbeiten können wir auch nicht.
Alexis Bugs Realsatire fragt: Was, wenn die Großeltern des US-Präsidenten Donald Trumps den kleinen Weinort Kallstadt in der Pfalz nie verlassen hätten?
„Als ich die Idee hatte, aus Trump wieder einen Pfälzer zu machen, da hatte ich ein Bild vor mir. Und dieser Typ war Friseur“, erzählt Alexis Bug. Damals wusste er noch nicht, dass Opa Trump tatsächlich Friseur war.
Seit acht Jahren spielt Alexis Bug nun schon Toni Trump und tourt mit seinem Programm erfolgreich durch Deutschland.
Als Parodie sieht der 52-Jährige die Kunstfigur Toni Trump nicht: Sein Outfit sei eher als Zitat zu verstehen und die Figur als ein Spiegelbild der Widersprüche und Verblendungen, die in der Politik existieren.
Um die Rolle authentisch spielen zu können, hat sich Alexis Bug intensiv mit Donald Trump auseinandergesetzt. Wenn man reaktionäre Bewegungen verhindern wolle, müsse man solche Menschen ernst nehmen und mit ihnen kommunizieren - ob in den USA oder in Deutschland.
Alexis Bugs abgewandelter Trump-Charakter reiht sich in eine mittlerweile lange Liste von Parodien des Präsidenten ein: Der US-Schauspieler Alec Baldwin ist wohl der bekannteste Trump-Satiriker.
Satire hat eine doppelte Funktion: Sie soll unterhalten und Missstände aufzeigen. Alexis Bugs Satirefigur hingegen bewegt sich weit genug von der echten Vorlage weg - sowohl geographisch wie auch sprachlich. Damit verweist er vielmehr, wie Trumps Selbstdarstellung auch außerhalb des USA wirkt.
Früher war meist die erste Frage: „Wie geht es Ihnen und was machen wir heute für eine Frisur?“ Wenn die Kundin dann antwortete, hörte man (damit meine ich mich) schon gar nicht mehr richtig zu, denn ich wollte ja hören, dass es dem Kunden gut geht und dass sie mir sagt, ich solle etwas Schönes aus ihr machen.
Es heißt ja, der Friseur sei ein Psychologe und sei unter anderem auch da, um sich um die Sorgen seiner Kunden zu kümmern. In Wirklichkeit haben wir selber genug Dinge, die uns beschäftigen, sodass wir über „Small Talk“ selten hinauskommen.
Damit möchte ich keinem Friseur zu nahe treten, ich weiß, es gibt auch Ausnahmefriseure und -friseurinnen, aber im ganz normalen Friseuralltag ist es so - und kein Friseur wurde so ausgebildet, dass er zuhören kann, um zu erkennen, was der Kunde wirklich sagen möchte.
So ging ich dann meist schnell zur Tagesordnung über, das heißt zur Frisur. Ich fühlte mich jedes Mal geschmeichelt, wenn die Kundin es mir überließ, ihr eine schöne Frisur zu „machen“.
Ich war ja schließlich der, der wusste, was Mode war und was zu ihrer Gesichtsform passte. Ich war ja nicht vergebens so bemüht, gute Kontakte mit der Crème de la Crème der Frisurenmodebranche zu pflegen. Mit anderen Worten: So wurde mein Ego gepflegt und das hatte es damals sehr nötig.
Oft kamen Kunden mit einem Bild und sagten, dass sie so eine Frisur haben wollten - damals kränkte mich das, denn ich wollte ja nichts kopieren (obschon das ein Leichtes gewesen wäre - hatte ich das ja in meiner Lehrzeit bis zum Umfallen geübt), sondern ich wollte derjenige sein, der wusste, was gut für den Kunden war.
Erst nach meiner „Wende“ suchte ich nach Möglichkeiten herauszufinden, was der Kunde mir mit diesem Bild aussagen wollte.
Bei der geleisteten Arbeitszeit zu betrügen, kann Arbeitnehmer teuer zu stehen kommen. Das zeigt jetzt ein Fall aus Köln. Hier wurde ein Fahrkartenkontrolleur im öffentlichen Nahverkehr, der zugleich Ersatzmitglied im Betriebsrat war, fristlos entlassen, wie Prozessakten des Landesarbeitsgerichts Köln (LAG) zeigen.
Der Vorwurf: Der 55-Jährige soll knapp 26 Stunden Arbeitszeit falsch dokumentiert und in dieser Zeit private Termine wie Friseur- oder Fitnessstudio-Besuche erledigt haben. Um dem Verdacht nachzugehen, engagierte der Arbeitgeber eine Detektei. Deren Überwachung bestätigte den Verdacht.
Der Mitarbeiter bestritt die Vorwürfe und kritisierte die heimliche Überwachung als unzulässig. Seiner Meinung nach dürften die so gewonnenen Beweise nicht verwendet werden. Vor Gericht wollte er die Kündigung kippen - ohne Erfolg.
Das Arbeitsgericht gab dem Arbeitgeber recht. Die Richter stuften das Verhalten des Kontrolleurs als schweren Vertrauensbruch ein. Die heimliche Überwachung sei verhältnismäßig und datenschutzrechtlich zulässig gewesen. Auch der Betriebsrat sei korrekt beteiligt worden.
Besonders bitter für den Gekündigten: Er muss auch noch die über 21.000 Euro zahlen, die dem Arbeitgeber durch die Einschaltung der Detektei entstanden sind. Gegen dieses Urteil zog er vor das Landesarbeitsgericht (LAG) - doch auch dort blitzte er ab.
Nach Ansicht des LAG war die Überwachung durch die Detektei gerechtfertigt - und zwar auf Basis des § 26 Bundesdatenschutzgesetz (BDSG). Der Mitarbeiter hatte mehrfach absichtlich Pausen nicht eingetragen und stattdessen private Dinge während der Arbeitszeit erledigt. Ein solcher Verstoß wiegt schwer und kann eine fristlose Kündigung nach § 626 BGB rechtfertigen.
Die Detektei hatte ihn nur während der Arbeitszeit im öffentlichen Raum beobachtet - also dort, wo ihn ohnehin jeder hätte sehen können. Auch die Überwachungsdauer war begrenzt.
tags: #Martin #der #Friseur #Geschichte
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