Lisa Fitz: Zwischen Kabarett und Kontroverse

Lisa Fitz, eine bekannte Figur im deutschen Kabarett, steht seit Jahrzehnten auf der Bühne. Sie ist bekannt für ihre scharfzüngigen Programme, die oft politische und gesellschaftliche Themen aufgreifen. Doch ihre Auftritte sind nicht immer unumstritten.

Lisa Fitz bei einem Auftritt (2019)

Frühe Karriere und Einfluss

Lisa Fitz entstammt der bayerischen Künstlerdynastie Fitz, zu der auch Florian David, Michael, Veronika und ihr Sohn Nepo Fitz gehören. Seit dem 10. Lebensjahr steht sie auf der Bühne. Dem breiten Publikum wurde sie durch Auftritte in Fernsehshows, TV-Filmen und Kabarett-Sendungen bekannt. Seit 1981 wesentlich an der Entwicklung des deutschen Kabaretts beteiligt, präsentierte sie als erste Frau in Deutschland Soloprogramme mit eigenen Texten. Lisa Fitz hat die Frauenbewegung in Deutschland nachhaltig beeinflusst und unterstützt.

Zahlreiche Engagements folgten - als Schauspielerin auf der Bühne und in Filmen. In über 40 Jahren Kabarett mit mehr als 4500 Sologastspielen sahen ihre Shows über 2 Mio. Menschen. Für Ihre einzigartige Leistung um die Kultur wurde sie u. a. mit dem Bayerischen Kabarettpreis ausgezeichnet. Eine ihrer Stärken war dabei seit jeher der Humor. Lisa Fitz ist als Freigeist bekannt für liberale Gesinnung, d. h. sie steht für eine offene und tolerante Gesellschaft.

Bühnenprogramme und Rollen

In ihren Programmen schlüpft Lisa Fitz oft in verschiedene Rollen, um unterschiedliche Perspektiven aufzuzeigen. Andere Perücke, neues Outfit, passender Tonfall und Dialekt: Die Verwandlung war perfekt. Eine illustre Damenriege hielt Männlein und Weiblein, Mächtigen und Otto Normalverbraucher den Spiegel vor. In ihrem großen und kleinen Kosmos agierten Putzfrau Hilde Eberl, die Feministin Inge von Stein, die CSU-Abgeordnete Gerda Wimmer und Geheimagentin Olga Geheimnikowa, die auf die USA ein wachsames Auge hatte, wahrlich weltmeisterlich. Zwischen Blödsinn und Tiefsinn, lustigen Pointen und bitteren Wahrheiten balancierte Lisa Fitz auf schmalem Grat. Singend, sprechend und schauspielernd verteilte die Künstlerin ihre Watschen. Wo’s hakte im Großen und im Kleinen wussten Hilde, Inge, Gerda und Olga ganz genau. Gezielt suchten und fanden sie das berühmte Haar in jeder Suppe.

Mit Besen, Kittelschürze und Dauerwellen-Perücke „bewaffnet“, machte Hilde aus ihrer Abneigung gegen Amazon, dem deutschen Schilderwald, Politikern mit Nebenjobs und hirnlose Nachmittagssendungen im Fernsehen keinen Hehl. Das Zukunftsszenario von Drohnen, die Pakete ausliefern, war ihr nicht geheuer. Jeglicher Nachbarschaftskultur erteilte die Gute eine klare Absage. Was sie am meisten nervte: dass für Männer das Fußballtor „Himmelstor und göttliche Viagra“ ist. Darüberhinaus sah sie sich von Berufs wegen genötigt, die allgegenwärtige Überwachung anzuprangern und das „Volk“ aufzuklären. Mit ihrer tiefen, rauchigen Stimme machte sie dabei den Tom Waits-Song „Yesterday is here“ zum Genuss. Olga, die Russin mit herbem Charme, ritt schwarzhumorig auf ihrem Lieblingsthema Geostrategie herum. Was besser ist, ein armes Land mit reichem Präsident wie Russland oder ein Land, das den Banken gehört wie die USA stellte sie zur Diskussion. Gegen das „Horstifat“ und Integration als heißes Thema stichelte Lisa Fitz als fesche CSU-Abgeordnete. Fracking? Ja. In eigener Person gab die Künstlerin abschließend ihre Schmunzelgeschichte „Salz fehlt“, mitten aus dem Leben gegriffen, zum Besten.

Der einfache, dabei sehr überzeugende Kunstgriff, in vier sehr verschiedenen Rollen zu schlüpfen und erst ganz zum Schluss als Kabarettistin Lisa Fitz selbst in Erscheinung zu treten, ermöglichte es der Trägerin des Deutschen Kleinkunstpreises und des Bayerischen Kabarettpreises unterschiedliche Missstände aus wechselnden Perspektiven in den Blick zu nehmen und doch als Lisa Fitz hinter ihren Figuren kenntlich zu bleiben. Da ist die inzwischen 65-Jährige immer noch die selbstbewusste, streitbare und bisweilen auch provokante Satirikerin. Ob als Putzfrau, als intellektuelle und leidenschaftliche Journalistin, als russische Agentin Olga Geheimnikova oder als emanzipierte CSU-Abgeordnete Gerda Wimmer repräsentiert sie vier mehr oder weniger grelle Weibsbilder, die ihre jeweilige, immer von schwarzem Humor gefärbte Weltsicht unverblümt über die Rampe bringen. Jede dieser „Weltmeisterinnen“ hat ihre eigene Sicht der Dinge und ihr ultimatives Patentrezept für ein gelingendes soziales Miteinander. Allesamt zeigten sie sich offensichtlich dazu bereit, zumindest symbolisch die geballte Faust in die Luft zu recken.

Lisa Fitz lieh jedem der Charaktere außerdem ihre kraftvoll rauchige Gesangsstimme, ließ die Putzfrau jodeln, die Journalistin den Blues singen und Olga eine russische Weise. Als Lisa Fitz selbst sang sie die friedfertig beschauliche Konstantin-Wecker-Komposition „Nacht werd’s“ und „Das Kamel“ nach Duke Ellington mit einem Text ihres Vaters, des Musikers und Volksschauspielers Walter Fitz. Ein abwechslungsreicher Abend und allerbestes Kabarett.

Lisa Fitz – Die Anti-Deutschen | NDS

Kritik und Kontroversen

Allerdings stieß nicht jedes Programm auf ungeteilte Zustimmung. Ausländerverunglimpfung und Frauenbeschimpfung: Lisa Fitz galoppierte durch die politischen Themen der Zeit, präsentierte ein krudes, auf billige Lacher zielendes Potpourri aus Verschwörungsschrott, Politikerbashing, Ausländerverunglimpfung und Frauenbeschimpfung (ausgerechnet am internationalen Frauentag). Demonstrationen seien von der Regierung gesteuert, die Öffentlich-Rechtlichen Propagandaschiffe, Politiker ohne Ausbildung, protestierende Bauern würden von den Medien durchweg als rechtsextrem verunglimpft, über die Ukraine wüssten die Leute nix, aber sie redeten mit. Eine Politikerin wurde als „oide Schäs’n“ bezeichnet, eine wegen ihres Übergewichts beleidigt, bei einer Transgender-Frau stand die „scheiße“ aussehende Perücke im Vordergrund.

Furcht vor Fremden (also Ausländern) sei uns in die Wiege gelegt, erzählte Lisa Fitz, Frauen reagierten darauf mit „Flucht oder Paarung“. Wenn ein schwarzer Mann in Deutschland für ein Parfum werbe, während im Hintergrund ein weißes Pferd fliege („sind wir Weißen jetzt Tiere, hohoho?“), dann kann Frau Fitz dieses Land allmählich gar nicht mehr verstehen. Rassistisch sei das aber nicht gemeint, sondern, Tenor, man müsse doch noch sagen dürfen… Homosexuelle, Schwarze, Krieg, Maske, Klimahysterie… alles zu viel, die Masse Mensch infiltriert, unfähig zu denken, an allem irgendwie die Regierenden schuld, genau genommen: die dumme Ampel mit ihrem geldgierigen, ahnungslosen Personal. Wer ist die einzige ernst zu nehmende Alternative? Genau. Das kam auch noch.

Keine Ironie, keine Tiefenschärfe, kein hintergründiger Witz, keine Weiterdrehe oder Aufdeckung, wie man sie von politischem Kabarett erwarten würde, (unfreiwillig) komisch war eigentlich nur eine Episode. Da streifte sie ohne erkennbaren Zusammenhang die Highheels ab und latschte wiederkäuend und singend als Kamel über die Bühne - ein Ausschnitt aus einem alten Programm.

Uli und Salka Boettcher und Tommi Seitzinger, die Betreiber des Hoftheaters, sagten nach dem Abend, sie seien schockiert. Was Fitz geboten habe, sei populistisch, hetzerisch und einfältig.

Beispiele für kritisierte Aussagen:

  • Verunglimpfung von Ausländern und Frauen
  • Verschwörungstheorien
  • Beleidigungen von Politikern und Transgender-Personen

Anerkennung und Publikum

Trotz der Kritik zieht Lisa Fitz weiterhin Publikum an. Dass Fitz aber immer noch zieht, war am Freitag im Hoftheater zu erleben - der Abend war ebenso wie die Veranstaltung am Vortag ausverkauft.Applaudiert wurde kräftig: Das Publikum sang bei ihren Liedern kaum mit, so sehr Fitz sich auch darum bemühte. Applaudiert aber wurde kräftig. Freuten sich die Leute über ihre bayrische Sprache und Gassenhauer aus alten Zeiten, bei denen Fitz ihre immer noch beeindruckende Stimme mit ihrer bunt bedruckten Gitarre selbst begleitete? War es Respekt vor ihrer Lebensleistung? Oder gefiel manchem tatsächlich ihr gehässig-selbstgefälliger Blick auf die Probleme der Welt?

„Was das große Vergnügen beim Zuschauen und Zuhören im Auftritt von Lisa Fitz ausmacht, ist: erstens ihre meisterhafte Kunst, Botschaften zuzuspitzen und dabei mundartlich absolut sauber zu bleiben; zweitens die zeitschonende Geradlinigkeit und Lakonie ihrer Gedanken; drittens ihre Fähigkeit, messerscharf zu analysieren und das Ergebnis als Carpaccio zu servieren - roh, aber schmackhaft; und viertens ihre unbändige Energie von der ersten bis zur letzten Minute. Da hat sie denen, die sie sich vornimmt, so viel voraus, dass man sie mit Fug und Recht die „Tina Turner der bayerischen Satire“ nennen darf. Denn singen, auch das beweist sie an diesem Abend, kann sie so gut und so mitreißend wie eh und je.

„Dass ihre Witze nicht geflüstert sein würden, konnte man sich vorab denken: Wie ein Erdbeben rauschte Lisa Fitz durch das Bürgerhaus, bürstete mit ihrem neuen Programm „Flüsterwitz“ lang sämtliche Klischees und Oberflächlichkeiten der Zeit gegen den Strich, tobte und teilte aus, sang, provozierte, parodierte und rezitierte, dass es eine wahre Pracht und geistig herausfordernde Freude war.


Programm "Weltmeisterinnen"

tags: #Lisa #Fitz #Perücke

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