Lange, glatte Haare selber schneiden: Anleitungen für zu Hause

Viele Friseure raten davon ab, sich selbst die Haare zu schneiden, da sie täglich schiefe Ponys und chaotische Stufen korrigieren müssen. Doch es gibt gute Gründe, selbst zur Schere zu greifen: Man spart Geld, vermeidet unerwünschte Haarschnitte und lange Wartezeiten.

Mit den richtigen Tipps, Tools und Schnitttechniken können Sie Ihre Haare ganz einfach selbst schneiden - egal ob Spitzen, Pony oder Locken. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Fehler vermeiden und zu Hause ein professionelles Ergebnis erzielen.

Warum sollte ich mir die Haare selbst schneiden?

Es ist nicht gerade günstig, regelmäßig zum Friseur zu gehen, vor allem, wenn es nur darum geht, die Spitzen zu schneiden oder Spliss in den Griff zu bekommen. Und wer schafft es schon mittwochs um 11 Uhr zum Haareschneiden?

Hinzu kommt die Schwierigkeit, einen Friseur zu finden, der genau versteht, was Sie wollen und wirklich nur so viel wegschneidet, wie Sie möchten. Wer kennt es nicht: Man verlangt "Nur die Spitzen!" und verlässt den Laden mit 5 Zentimeter kürzerer Matte.

Wenn die Haare also am besten jetzt sofort ab sollen und das Ganze auch bitte keine Unsummen kosten soll, sind Sie hier genau richtig! Wir verraten, was Sie beim Haarschnitt zu Hause beachten müssen, welches Equipment Sie dafür brauchen, und haben einfache Schnitt-Anleitungen für Sie zusammengestellt.

Worauf muss ich achten, wenn ich mir die Haare selbst schneide?

Essenziell ist es zu bedenken, dass die Haare im nassen Zustand länger aussehen - weil sich Locken und Wellen aushängen und selbst glatte Haare sich platt am Ansatz anschmiegen, wenn sie nass sind. Du solltest beim Schneiden auch nicht zu kräftig an den Strähnen ziehen. Die Haare springen danach wieder hoch, und der Pony ist plötzlich kürzer als gedacht. Ups!

Wichtig ist es außerdem, die Haare gut abzuteilen, damit du am Ende nicht versehentlich eine Strähne erwischst, die gar nicht geschnitten werden sollte. Schneiden solltest du grundsätzlich nie waagerecht. Viel besser ist es, die Schere senkrecht in die Haare zu halten und Strähne für Strähne zu kappen. Das dauert länger. Aber es verhindert unschöne Schnittkanten und ungleiche Ecken in den Haaren.

Trocken oder nass schneiden? Die richtige Methode für Ihren Haartyp

Nass schneiden wirkt immer professionell. Tatsächlich schneiden aber auch viele gute Friseure die Haare in manchen Fällen lieber trocken. Es sagt also nichts über die Qualität des Schnitts aus, ob die Haare nass oder trocken geschnitten werden. Welche Schnitttechnik die richtige ist, hängt von der Haarstruktur ab.

  • Glatte Haare: Am besten nass schneiden - durch die Feuchtigkeit hängen sich auch die letzten Knicke aus, und Sie gehen sicher, dass am Ende wirklich alle Haare gleich lang sind. Denken Sie daran, dass die Haare jetzt länger aussehen, als sie tatsächlich sind. Also lieber zu wenig als zu viel abschneiden, kurz föhnen, kontrollieren und sonst noch einmal nass machen und nachbessern.
  • Locken: Am besten trocken schneiden. So sehen Sie genau, wie die Haare später fallen. Nass sind die Haare bei Locken nämlich viel, viel länger, und Sie wissen gar nicht genau, wie viel Sie abschneiden müssen, damit es später auch trocken gut aussieht.

Welche Schere brauche ich zum Haareschneiden?

Eine gute Schere ist das A und O. Es gibt auch spezielle Haarscheren in der Drogerie und online, die für den Heimbedarf ausreichen. Mit 10-20 Euro sind Sie immer noch günstiger dabei als für einen Haarschnitt. Auf keinen Fall sollten Sie Ihre Haare mit der Küchenschere (viel zu groß) oder einer Bastelschere (viel zu stumpf) schneiden.

Für dicke Haare gibt es auch spezielle Effilierscheren zum Ausdünnen.

Spitzen selber schneiden | DIY

Wann sollte ich doch lieber zum Profi?

Komplizierte Kurzhaarschnitte oder ein flotter Stufenschnitt? Das geht zuhause in die Hose. Wenn Sie aber bloß die kaputten Spitzen kappen wollen oder den nervig langen Pony aus dem Blickfeld haben möchten, können Sie auch ruhig selbst Hand anlegen.

Überlegen Sie aber wirklich genau, ob Sie sich das Do-it-yourself-Experiment zutrauen. Wer im Kunstunterricht in der Grundschule schon nicht so wirklich sauber ausschneiden konnte, sollte es vielleicht lieber lassen.

Haar-Schneide-Anleitungen für zu Hause

Lange glatte Haare gerade auf eine Länge schneiden

Bevor Sie alle Haare absäbeln, sollten Sie wissen, dass selbst vermeintlich gerade abgeschnittene Haare beim Friseur nie auf eine Länge gekappt werden. Die vorderen Strähnen sind immer etwas kürzer als die hinteren, so fällt die Mähne schöner, wenn Sie die Haare nach vorn über die Schultern legen. Wären alle Haare auf einer Länge, würde genau das komisch aussehen.

Ihr Ziel sollte es also sein, eine U-Form bzw. einen leichten Bogen in die Spitzen zu schneiden. Das klappt am besten so:

  1. Die Haare waschen und mit einem Handtuch ausdrücken.
  2. Die feuchten Strähnen gründlich kämmen.
  3. Einen Mittelscheitel bis in den Nacken ziehen.
  4. Beide Haarhälften nach vorn über die Schulter legen.
  5. Mit einer Hälfte starten: Eine schmale Strähne zwischen Zeige- und Mittelfinger klemmen. Die Strähne straff ziehen und die Finger knapp oberhalb der Stelle positionieren, an der Sie die Spitzen kappen wollen. Alles, was unten vorsteht, kommt gleich ab.
  6. Schneiden Sie die Haare unterhalb der Finger ab. Halten Sie die Schere dafür leicht schräg und so, dass die Spitze nach oben in Richtung der Finger zeigt. Schneiden Sie kleine Mini-Zacken in die Haare. Keine Sorge, die sieht man später nicht. Viel eher entstehen Kanten, wenn Sie alles stumpf auf eine vermeintlich einheitliche Länge schneiden.
  7. So gehen Sie Strähne für Strähne vor. Die erste Partie dient dabei als Orientierung für die spätere Länge. Kontrollieren Sie zwischendurch, indem Sie immer wieder durch die Haarspitzen kämmen.
  8. Die zweite Haarhälfte angleichen. Muster auf der Kleidung können helfen. Also am besten ein Ringelshirt anziehen. Dann sind beide Seiten später garantiert gleich lang.

Spliss entfernen: Kaputte Spitzen selbst schneiden

Je länger Ihre Haare sind, desto eher neigen sie zu Spliss. Um das zu vermeiden, sollten Sie gespaltene Enden regelmäßig schneiden, etwa alle 4-6 Wochen. Dafür müssen Sie nicht alle Haare absäbeln und auch nicht zum Profi. So funktioniert ein Spliss-Schnitt zu Hause:

  1. Teilen Sie im trockenen Haar eine schmale, etwa 5 Zentimeter breite Strähne ab.
  2. Zwirbeln Sie die Haare komplett ein.
  3. Halten Sie den Zwirbelzopf gegen das Licht.
  4. Was jetzt hervorsteht, sind die kaputten Spitzen. Denn sie sind starrer als gesunde, weiche Haarspitzen, die sich mühelos mit eindrehen lassen.
  5. Kappen Sie die hervorstehenden Härchen genau an der Stelle, an der sie aus dem Zopf stehen.
  6. Mit der gleichen Technik strähnenweise durch den ganzen Schopf vorarbeiten. Ja, das ist mühselig - aber rettet Ihnen langfristig viele Zentimeter!

Pony nachschneiden: So vermeiden Sie Styling-Pannen

Grundsätzlich gilt: Hast du noch keinen Pony, willst aber unbedingt Stirnfransen tragen, solltest du beim ersten Mal lieber zum Friseur oder zur Friseurin. Der Profi kann die ideale Breite, Dicke und Länge des Ponys für deine Gesichtsform und Haarstruktur bestimmen. Bist du bereits Ponyträgerin, ist selbst Nachschneiden mit der richtigen Technik kein Problem. So geht's:

  1. Safety first: Binde einen Pferdeschwanz, um die umliegenden Haare nicht versehentlich zu kürzen.
  2. Style den Pony so, wie du ihn sonst auch trägst.
  3. Bestimme einen Referenzpunkt für die spätere Länge. Das kann das Augenlid, die Augenbraue oder der Wimpernkranz sein.
  4. Starte in der Mitte vom Pony.
  5. Klemme eine feine Strähne zwischen Zeige- und Mittelfinger, ohne Spannung auf das Haar auszuüben. Ziehst du an den Haaren, wirken sie länger als sie sind, und du neigst dazu, zu viel abzuschneiden.
  6. Jetzt wird's ernst: Halte die Schere senkrecht und kappe die Strähne, indem du mehrfach hineinschnippelst. So entsteht später keine stumpfe Schnittkante.
  7. Arbeite dich zu den Seiten hin vor und orientiere dich dabei immer wieder an deinem Referenzpunkt und den Strähnen, die du schon geschnitten hast.
  8. Tipp: Es hilft, zwischendurch einen Schritt zurückzugehen und den Zwischenstand mit etwas Abstand zu kontrollieren. So erkennst du Unebenheiten besser. Alles gut? Dann wieder ran an den Spiegel.

Locken schneiden: Technik für definierte, volle Curls

Lockige Haare solltest du - wie bereits erwähnt - am besten trocken schneiden. Nur so siehst du, wie sich die Haare kringeln. Für einen komplett neuen Schnitt solltest du auf jeden Fall zum Profi gehen. Willst du nur die kaputten Spitzen loswerden, klappt das auch zuhause und zwar so:

  1. Bürste deine Locken vor dem Schneiden nicht. Dadurch löst du die Kringelstruktur und kannst nicht mehr erkennen, wie die Haare eigentlich fallen.
  2. Teile das Deckhaar oberhalb der Ohren ab und stecke es locker fest.
  3. Schaue dir die offenen Haare genau an. Sind sie vorn etwas kürzer als hinten? Prima, dann kannst du dich an die Grundform halten und nur die kaputten Enden schneiden. Anderenfalls sollte es dein Ziel sein, ebendiesen leichten Bogen in die Haare zu schneiden. (Warum, haben wir bei den glatten Haaren oben erklärt.)
  4. Greife Locke für Locke und halte die Strähne ins Licht.
  5. Kaputt ist der Teil, ab dem die Strähne sich nicht mehr schön kringelt, sondern undefiniert und frizzy wirkt. Genau diesen Part solltest du abschneiden.
  6. Strähne für Strähne vorarbeiten und dabei immer wieder im Spiegel kontrollieren.
  7. Tipp: Wenn die Haare nach oben hin immer ein Stückchen kürzer werden, fallen die Locken später besonders voluminös.

Verschiedene Kantenformen

Die "Kante" ist aber variierbar und kann V-förmig, abgerundet bzw. U-förmig oder gerade gestaltet werden.

Das V: Wirkt sehr natürlich, denn V-Kanten sind Kanten, wie sie ungeschnitten wachsen. Es wirkt streckend und lässt optisch ein paar Pfunde verschwinden. Auch nimmt es den erdrückenden Effekt von dickem, oder lockigen oder welligem Haar, von der Trägerin.

Das U: Ist eine Kante, die nicht mehr so natürlich wirkt wie das V, aber lange nicht so unnatürlich wie eine schnurgerade Kante. Die Vorteile liegen auch hier klar auf der Hand: Eine noch recht natürlich wirkende, trotzdem "Substanz" habende Kante, die sich trotzdem noch gut frisieren lässt.

Die gerade Kante: Hat den Vorteil, das die komplette Länge für Frisuren ausgenutzt werden kann. Jedoch betont eine gerade Kante natürlich die Körperpartie, auf der sie liegt. Eine gerade Kante ist bei Locken und Wellen meist eine wenig zufriedenstellende Option: Das wirkt dann unnatürlich.

Kantenform Vorteile Geeignet für Weniger geeignet für
V-Form Natürliches Aussehen, streckend, reduziert erdrückenden Effekt Lange, dicke, wellige oder lockige Haare Sehr dünnes Haar, Haare kürzer als Taillenlänge
U-Form Natürlich wirkend, Substanz in der Kante, gut frisierbar Glatte bis wellige Haare, alle Zopfumfänge -
Gerade Kante Komplette Länge für Frisuren nutzbar - Locken und Wellen (wirkt unnatürlich)

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