Die Welt der Haarmode ist vielfältig und hat sich im Laufe der Geschichte stetig weiterentwickelt. Von den alten Ägyptern, die ihre Haare schmückten und färbten, bis hin zu den modernen Trends des 21. Jahrhunderts, haben Haare immer eine wichtige Rolle als Ausdruck von Stil, Persönlichkeit und sogar sozialem Status gespielt. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die Entwicklung der Haarmode und den Einfluss von Kurt Cobain, dem legendären Sänger von Nirvana.
Kurt Cobain, Ikone einer ganzen Generation (Foto: picture alliance/dpa)
Das Streben der Menschen nach Schönheit hat sich schon seit Menschengedenken auch in seiner Haarpracht gezeigt.
Schon die alten Ägypter um 3000 v. Chr. haben viel Wert darauf gelegt, sich mit ihren Haaren zu schmücken und geschickt Farben einzusetzen. Auch der gealterte Ramses II benutzte regelmäßig Farbtöne, um sein graues Haar zu verjüngen, und ältere Menschen trugen schon zu dieser Zeit Perücken. Gewaschen haben die alten Ägypter ihr Haar und ihre Perücken regelmäßig mit einer Mischung von Wasser und Zitrussäften, wodurch das Haar glatt und glänzend wurde. Auch Mandelöl als Conditioner nach der Haarwäsche gehörte schon dazu. Um das Haar zu formen, benutzten die Ägypter Fett aus Bienenwachs. Die Lieblingsfarbe seiner Zeit war Schwarz oder Rotorange. Schon um 4000 v. Chr. war Henna die populärste Farbe.
Nach den Ägyptern zwangen die Griechen der Antike ihren Haarstil der bis dahin bekannten Welt auf. Die verheirateten griechischen Frauen trugen lange Haare in Zöpfen als Zeichen ihres Ehestatus, und das Schneiden von Haaren und der Frisurenstil zeigten den sozialen Status auf. Im antiken Griechenland entstanden auch die ersten Friseurgeschäfte, diese wurden aber zunächst nur von Männern frequentiert, um Gespräche über Philosophie, Politik und öffentliche Themen zu führen. In dieser Zeit kam auch der Haarschmuck voll zur Geltung, und die Griechen parfümierten ihre Köpfe mit Mandelöl, Blumen, aromatischen Düften und Gewürzen. Da der größte Teil der Bevölkerung schwarze Haare hatte, die Lieblingsfarbe der Griechen aber Blond war, nutzten sie eine Mischung aus der Safran Blume, um diesen Ton zu gewinnen.
Die Römer gaben ihrem Aussehen und ihrem Haar eine besondere Bedeutung. Die Frisuren der Römer bezeichneten den gesellschaftlichen Status, das Alter, die politische und religiöse Stellung oder auch ihre Ansichten. Spätestens jetzt wurden Haare zum Status. Mit dem Sieg über Griechenland brachte Rom die ganze griechischen Kultur unter ihren Einfluss, ohne sie zu zerstören. Auch die Sitte von den rasierten Haaren mit Hilfe von Barbieren wurde von den Römern übernommen. Glatzen waren bei den Römern nicht erwünscht, weil es als Zeichen physischen Mangels galt. Nur der große Feldherr Julius Caesar verdeckte seine Glatze nicht. Der griechische Einfluss brachte die Tradition der Barbiere und Friseurgeschäfte auch nach Rom. Auch Haarglätteisen kannten die Römer schon, und die Perücken waren hauptsächlich aus menschlichem Haar gefertigt, die blonden Haare kamen von germanischen Sklaven und die schwarzen aus Indien, Wasserstoffperoxid wurde als Bleichmittel eingesetzt. Den römischen Patrizier Frauen und Männern hat es, was ihre Haarpracht angeht, an nichts gemangelt.
Nach der Niederlage der Römer ging es mit der Haarpracht und den Bärten zunächst nicht vorbei. Bis zum 5. Jahrhundert herrschten erst mal die Germanen, und diesen war ihre Haarpracht äußerst wichtig. Die Merowinger Könige trugen sehr langes und lockiges Haar. Ab dem 5. Jahrhundert bestimmte nun die Kirche, lange Haare waren verpönt und man sollte sie auch nicht mehr zeigen. Und Bärte galten als barbarisch. Im 10. Jh. fing die Katholische Kirche an Edikte gegen lange Haare auch bei Männern zu verhängen. Bärte und langes Haar wurden als Symbol des Heidentums (der Germanen) gebrandmarkt, und auch der Perücke ging es an den Kragen.
Eine Explosion von Extravaganz für Haare und Perücken und Freiheit brachte das 18 Jahrhundert. Es begann die Zeit der großen Eleganz. Eine neue soziale Ordnung wurde hergestellt, die bürgerliche Gesellschaft vertrieb den Adel und drängte die Kirche in ihre Grenzen. Das neue Bürgertum imitierte die Kleidung und die Frisuren des Adels. Das Tragen von Perücken war sehr populär und verbreitete sich in ganz Europa. Ludwig XIV hatte 40 Perückenmacher, die für ihn in Versailles Perücken herstellten. Auch die Frauen trugen nun Perücken und anhand der Verarbeitung konnte man schon wie in grauer Vorzeit erkennen, welchen Beruf diese Person ausübt oder welchen gesellschaftlichen Status diese Person hat. Die Barbiere sattelten um und wurden Perückenmacher.
Das 19. Jahrhundert war ein großer Wurf für die Haarpflege. Ab Mitte des Jahrhunderts kamen Locken und welliges Haar groß in Mode. Nachts trugen die Damen Lockenwickler aus Metall, um die Form der Locken zu erhalten. 1872 präsentierte der französische Friseur Marcel Grateau seinen patentierten Haarlockenstab. Die Kanadierin Martha Matilda Harper entwickelte das erste Konzept eines modernen Schönheitssalon. Das Motto war “Gesundheit ist Schönheit“. Sie entwickelte ein eigenes Shampoo für das Waschen von Haaren. “Harper Salon" wurde ein Welterfolg. Und 1890 entwickelte Alexandre Godefroy in seinem Salon in Paris die erste Maschine fürs Haareföhnen. 1903 brachte die Firma Schwarzkopf das erste Haarwaschpulver auf den Markt, und der Barbierberuf erlebte eine neue Blüte.
Von 1901 bis zum Jahr 2000 änderten sich ständig die Stiltransformationen für Haare. Mit dem Aufkommen des Films, des Kinos bestimmten erstmals die Schauspieler wie man seine Haare trägt und was in Mode ist. Sie diktierten die Trends, die Frisuren und die Kleidung. Die Revolution bei den Frisuren kam aber erst nach dem Ersten Weltkrieg. Frauen trugen nun kurze, oft wellige Haare, als Symbol für ihre Freiheit und gewonnener Unabhängigkeit, die sie von alten gesellschaftlichen Strukturen befreite. Die Männer hatten nun glatt rasierte Gesichter und kurze Haare. Nach dem zweitem Weltkrieg, ab den 50er Jahren, begann eine Zeit des großen Umbruchs. Von nun an bestimmte die Jugendkultur bis in unsere Tage, was man trägt und wie die Frisur aussieht. Erlaubt war, was gefällt. Die alte prallte mit voller Wucht auf die neue Welt. Die Jugendidole waren die Beatles und James Dean.
Das 21. Jahrhundert hat bis heute nichts neues gebracht. Alles ist stromlinienförmig geworden, jeder trägt seine Haare wie es ihm bzw. ihr gefällt. Alle Farben sind erlaubt und sogar die Glatze ist kein Manko, sondern ein Sexsymbol. Die jungen Männer haben den Bart wiederentdeckt und somit findet sich bald an jeder Ecke nicht nur ein Frisör sondern auch ein Barber-Shop. Eine Botschaft ist nicht zu erkennen und auch keine einheitlichen Werte, außer Karriere machen und schnell viel Geld verdienen.
Kurt Cobain, der Frontmann der Grunge-Band Nirvana, war nicht nur ein musikalisches Genie, sondern auch eine Modeikone. Sein Look, der oft als "Glam-Grunge" bezeichnet wird, war eine Mischung aus Schmuddeligkeit und Glamour. Cobain trug oft verwaschene T-Shirts, Retro-Männerhemden und abgetragene Strickjacken. Seine Haare waren meist klebrig, schlampig und ungewaschen. Dieser Look war ein Protest gegen gesellschaftliche Positionen, die er ablehnte.
Cobains Einfluss auf die Mode ist bis heute spürbar. Viele junge Menschen lassen sich von seinem Stil inspirieren und tragen ähnliche Kleidungsstücke und Frisuren. Der Grunge-Look ist ein zeitloser Trend, der immer wieder neu interpretiert wird.
Kurt Cobains Look, der oft als "Glam-Grunge" bezeichnet wird, war eine Mischung aus Schmuddeligkeit und Glamour.
Auch im Herbst/Winter gibt es wieder neue Haartrends. Sonja Fischer, Diepersdorfer Friseurin und Creative Director des Bayerischen Friseurhandwerks, stellt die Frisurentrends für Herbst/Winter vor. Einer der angesagten Looks nennt sich „New Romantik“. Diese neuen Styling ist - wie der Name schon vermuten lässt - von der Epoche der Romantik, aber auch vom viktorianischen Zeitalter abgeleitet. Außerdem sind die New Wave Bewegung, Punk und Grunge maßgebend für den neuen Trend auf dem Kopf. „Frisuren, die die Ästhetik vergangener Epochen zitieren, zeitgemäß und modern umgesetzt“, erklärt Fischer in ihrer Pressemitteilung.
„Locken bestimmen im Herbst/Winter durchgängig die Mode - egal ob bei Frauen oder Männern“, so Fischer. Schmuddelig und schick zugleich: „Glam-Grunge“ als neuer Wintertrend bei Männern. „Glam-Grunge-Look“ - damit spielt Friseurin Sonja Fischer auf berühmte Stars an wie Schauspieler Keanu Reeves, oder den bereits verstorbenen Sänger Kurt Cobain von der Band Nirvana. „Und auch 2021 dürfen die Haare wieder lang sein - und lockig“, bestätigt Fischer. Für Männer, die kürzere Seiten- und Nackenpartien bevorzugen, passt die Mode perfekt. Hauptsache sie tragen längeres „gecurltes“ Deckhaar mit Übergang dazu. Sind die Locken in Form geknetet und bedecken die gesamte Stirn, nennt sich dieser Haarschnitt „Authentic„, erklärt die Friseur-Weltmeisterin und Jurorin der Frisurenmesse.
Auch Frauenmode ist in dieser Saison glamourös. Wer dem Wintertrend 2021/22 folgen will, macht einen auf „Mistery Girl“ - also geheimnisvolles Mädchen. Diese Frisur zeichnet sich aus durch enge und hochangesetzte Locken der 80er-Jahre mit exaktem Mittelscheitel und mit aufgehellten Längen und Spitzen. In der Kurzhaarmode liegt der Fokus klar auf dem überlangem Deckhaar und dem Kontrast zu den kürzeren Konturen, sagt Sonja Fischer. Mit der locker aus dem Gesicht frisierten Stirnwelle entsteht eine echte „New-Wave-Queen“, so die Friseurwelteisterin. Die Welle über der Stirn zeichnet die „New-Wave-Queen“ aus.
Hier eine Zusammenfassung der aktuellen Haartrends:
| Trend | Beschreibung | Inspiration |
|---|---|---|
| New Romantik | Frisuren, die die Ästhetik vergangener Epochen zitieren, zeitgemäß und modern umgesetzt | Romantik, viktorianisches Zeitalter, New Wave, Punk, Grunge |
| Glam-Grunge | Schmuddelig und schick zugleich, lange und lockige Haare | Kurt Cobain, Keanu Reeves |
| Authentic | Längeres „gecurltes“ Deckhaar mit Übergang, Locken bedecken die gesamte Stirn | - |
| Mistery Girl | Enge und hochangesetzte Locken der 80er-Jahre mit exaktem Mittelscheitel und mit aufgehellten Längen und Spitzen | - |
| New-Wave-Queen | Kurzhaarmode mit überlangem Deckhaar und Kontrast zu den kürzeren Konturen, Stirnwelle | - |
Die Haarmode ist ein Spiegelbild der Gesellschaft und ihrer Werte. Sie ist ein Ausdruck von Individualität, Kreativität und Rebellion. Ob man sich nun für einen klassischen Look oder einen avantgardistischen Stil entscheidet, die Haare sind ein wichtiger Teil unserer Identität.
tags: #kurt #cobain #perücke #aussehen
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