Wer andere für sich einnehmen möchte, feilt auch an seiner Optik. Von Kopf bis Fuß. Bleiben wir oben. Bei den Haaren. Hier wird gelockt, gefärbt, geschnitten und gestylt, was das Zeug hält. Letzteres auch gerne mit Gel.
Nicht jedes Gel hält, was es verspricht. Wer über genügend Material verfügt, versucht schon mal, dieses mit Haargel in Form zu bringen. Was nicht jedem gelingt. Denn so mancher verklebte Schopf fällt trotz Schmiere zusammen wie ein Hefeteig. Warentest weiß, mit welchen Mitteln Strähnen an ihrem Platz bleiben.
Denn das genetische Programm des Homo Sapiens lügt nicht. Es gilt, von möglichst vielen potentielle Sexualpartner als attraktiv wahrgenommen zu werde. Auch wenn die narzisstische Selbstoptimierung in manchem Fall anderes vermuten lässt.
Doch abgesehen vom ästhetischen Ergebnis, gelingt auch mit der Schmiere nicht jede Frisur. Oder genauer, sie hält nicht. Sondern fällt nach kurzer Zeit zusammen wie ein Hefeteig. Und dies obwohl entsprechende Produkte gerne mit Werbeversprechen wie "mega starker Halt" und "extreme Looks" werben.
Styling-Gele können Haare zu Berge stehen lassen. Damit gelingen Spikes- oder Igel-Looks ebenso wie chaotische Bettfrisuren oder streng nach hinten gelegte Haare. Sie sind für kurze Haare geeignet.
Im Unterschied zu den mitunter recht schmierigen Haarwachsen trocknen Gele nach dem Stylen und werden fest. Während man Wachs-Frisuren nachträglich immer wieder verändern und nacharbeiten kann, bleibt eine Gel-Frisur den ganzen Tag so, wie sie morgens geformt wurde. Vorausgesetzt, man hat ein Gel erwischt, das sich nicht vorzeitig aus dem Staub macht.
Im Unterschied zum Haarspray, mit dem eine fertige Frisur fixiert wird, formt man mit Styling-Gelen die Haare und fixiert sie gleichzeitig. Es gibt Gele, die sich zum Föhnen eignen und andere, die an der Luft trocknen sollen. Die meisten lassen sich beliebig in das feuchte oder trockene Haar einarbeiten, je nachdem, welches Ergebnis angestrebt wird.
Im feuchten Haar läuft es auf einen Wet-Look hinaus, während ein natürlicher Look gelingt, wenn das Gel im trockenen Haar verteilt wird. Es gibt allerdings Haargele, die mithilfe von Feuchthaltemitteln speziell für den Wet-Look gemacht sind.
Laut einer Untersuchung der Stiftung Warentest fehlt es jedem zweiten Haargel an Durchhaltekraft - die Frisur bleibt nicht so lange in Form wie versprochen, wie der Test zeigt. Nur 5 von 15 Produkten schneiden denn auch mit "gut" ab. Der Rest ist Mittelmaß. Aber zumindest wurde kein Produkt schlechter als "befriedigend" bewertet.
Stiftung Warentest hat in der September-Ausgabe 2018 insgesamt 15 Haargele getestet, die einen starken Halt versprachen. Neben der Verpackung und Kennzeichnung nahm Stiftung Warentest die Haargele auch in Bezug auf den kritischen Duftstoff Lilial näher unter die Lupe.
Die Stiftung Warentest hat die Haargele mehreren Prüfungen unterzogen. Zwei Friseure beurteilten mithilfe von 22 Prüfpersonen das Stylingpotenzial der Gele - etwa in Bezug auf Festigkeit, Volumen und Glanz der Frisuren. Im zweiten Schritt benutzten Testpersonen die Haargele zu Hause und bewerteten, wie sie sich im Alltag anwenden lassen. Und schließlich prüften wir die Haltbarkeit der Gele im Labor. Dazu schüttelten wir beispielsweise gegelte Haarlocken, um so eine Tragedauer von einem Tag zu simulieren (siehe Foto).
Das beste Stylingergebnis und den stärksten Halt erreicht ein Haargel vom Friseur. Mit 6,95 Euro pro 100 Milliliter ist es aber auch recht teuer (Schwarzkopf Professional Osis+ Rock).
Als Testsieger ging das Produkt "Professional Osis + Rock Hard" von Schwarzkopf (Note: 1,7) mit dem Härtegrad "Ultra strong 4" hervor. Mit diesem Haargel konnte das beste Styling erreicht werden. Sehr gute Ergebnisse erzielte das Produkt auch bei der Haltbarkeit. Der kritische Duftstoff Lilial konnte nicht festgestellt werden.
Ähnlich gut, mit 1,03 Euro pro 100 Milliliter, aber viel günstiger, ist ein Haargel vom Drogeriemarkt (DM Balea Men Maximum Power Styling Gel). Das günstigste gute Gel kostet 57 Cent pro 100 Milliliter und ist bei Aldi Süd zu haben (Kür Styling Haargel Ultimate).
Den zweiten Platz belegte das Produkt "Balea Men Maximum Power Styling Gel" von dm (Note: 1,8) mit dem Härtgrad "Turbo-Halt 8". Das Haargel bietet sehr guten Halt und verzichtet ebenfalls auf den kritischen Duftstoff Lilial.
Besonders hervorzuheben ist hier das Produkt "Kür Styling Haargel Ultimate" von Aldi Süd (Note: 1,9), welches nicht nur besonders günstig ist, sondern gleichzeitig den dritten Platz im Test belegt. Auch hier wird auf den kritischen Duftstoff verzichtet.
Für 57 Cent je 100 Milliliter wurden außerdem "Isana Styling Gel For Men" von Rossmann (Note: 2,6), "Elkos Hair Styling Gel" von Edeka (Note: 2,7) sowie "t. Today Power Gel Extreme Look" von Rewe und Penny (Note: 2,7) getestet.
Das teuerste Produkt im Test kostet rund 25 Euro pro Tube und ist nur befriedigend, weil es im Haltbarkeitstest mit am schlechtesten abschnitt (Marlies Möller Design Styling Gel).
Während sehr günstige Gele mit an der Spitze der Tabelle sind, konnte das teuerste im Test nicht überzeugen. Das Friseurprodukt von Marlies Müller kostet im Schnitt 24,50 Euro und hatte eine der schlechtesten Haltbarkeiten im Test.
Insgesamt vier Haargele sind mit 57 Cent je 100 Milliliter die günstigsten Produkte des Tests - und sie schließen im Vergleich nicht mal schlecht ab.
Vier Gele enthalten einen Duftstoff, der unter dem Namen Lilial gehandelt wird. Der wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU (SCCS) stuft Lilial kritisch ein: Möglicherweise kann er das Erbgut verändern. Solange es keine Entwarnung gibt, hat Lilial nach Ansicht der Stiftung Warentest in den Produkten nichts zu suchen. Alle vier Gele bekamen Punktabzug (unter anderem L'Oréal Studio Line Spurenlos FX Styling Gel).
Stiftung Warentest entdeckte insgesamt zwei Produkte mit dem kritischem Duftstoff Lilial. Eines davon findet sich auf dem letzten Platz wieder:
Das Produkt "Styling Gel Power" von 3 Wetter Taft (Note: 3,1) bildet das Schlusslicht im Test und konnte vor allem mit seiner Haftung nicht überzeugen. Der enthaltene Duftstoff Lilial führte zu einer weiteren Abwertung.
Die beiden Schlusslichter wurden - wie die Styling-Gele Elkos Hair von Edeka und Hairwell von Netto Markendiscount - abgewertet, weil sie den Duftstoff Butylphenyl Methylpropional beinhalten. Er wird unter dem Namen Lilial gehandelt und steht unter dem Verdacht, Erbgut beeinträchtigen zu können. So konnte bereits in Tierversuchen gezeigt werden, dass Lilial die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigt.
Alle Haargele enthalten wasserlösliche Polymere, auch Filmbildner genannt. Diese Kunststoffe sorgen erst für die gelartige Konsistenz der Produkte und dafür, dass das Haar fest wird. Sie werden mit Lösemitteln wie Wasser oder Alkohol kombiniert. Wenn die Lösemittel verdunsten, setzen sich die Polymere am Haar ab, überziehen es wie ein feines Netz und härten aus. Die ökologischen Auswirkungen der Polymere sind unzureichend erforscht und schwer abzuschätzen. Darum haben wir die verwendeten Polymere nicht bewertet.
Polymere, ob auf künstlicher oder natürlicher Basis, sind unverzichtbar für die Eigenschaften der Gele. Verdunstet das Lösemittel, bleibt ein netzartiger Überzug, der auf den Haaren aushärtet und ihnen den gewünschten Halt verleiht.
Während Umweltverbände wie der BUND Polymere zu Mikroplastik zählen, sind sie das nach Umweltbundesamt, Europäischer Union und Umweltprogramm der Vereinten Nationen nicht. Aus Sicht des Umweltbundesamtes ist Mikroplastik als „Plastik-Partikel, die fünf Millimeter und kleiner sind“, definiert. Darüber hinaus sei Mikroplastik fest und nicht wasserlöslich, was nicht auf die Polymere in Haargelen zutrifft. Dennoch sind sie schwer abbaubar und einschätzbar, was die Wirkung auf die Umwelt betrifft.
Während die Polymere im Haargel offensichtlich von keiner Seite als eindeutig ungesund eingestuft werden, findet man auf den Listen der Inhaltsstoffe oftmals andere schädliche Substanzen. Dazu gehören zum Beispiel synthetische UV-Filter oder auch Konservierungsstoffe, die etwa das krebsverdächtige Formaldehyd abspalten. Auch synthetische Duftstoffe werden nicht immer vertragen. Phthalate können im Körper wie Hormone wirken. Wer diesen riskanten Stoffen komplett aus dem Weg gehen möchte, greift nach einer Naturkosmetik.
Fazit: Gute Stylingergebnisse lassen sich mit vielen Produkten erzielen, doch im Punkt Haltbarkeit sollten Nutzer lieber realistische Erwartungen haben. Nur zwei Gele hielten die Locken super in Form: ein günstiges aus der Drogerie und ein teureres aus dem Friseurfachhandel. Vier Haargele werteten wir wegen des Duftstoffs Lilial ab. In Inhaltsstofflisten taucht er unter dem Namen Butylphenyl Methylpropional auf. Grund für die Abwertung: Lilial kann möglicherweise das Erbgut verändern. Im Tierversuch zeigte sich zudem, dass Lilial die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen kann.
Styling-Gele im Vergleich: von Festigkeiten und Inhaltsstoffen. Viele Hersteller bieten Styling-Gele in verschiedenen Festigkeitsgraden an. Je nach Haarstruktur, Haarlänge und Frisurenwunsch hat man die Wahl zwischen mittlerem, starkem oder ultrastarkem Halt. Alle Gele werden auf der Basis von Wasser und Alkohol hergestellt, zu denen sich neben weiteren Inhaltsstoffen vor allem Filmbildner gesellen, die für den Halt zuständig sind.
Als Filmbildner dienen in der Regel Polymere. Diese Kunststoffe setzen sich auf der Haaroberfläche fest, während Wasser und Alkohol verdunsten. Ein Gel für besonders starken Halt hat also besonders viele Polymere im Gepäck.
Ein gutes Gel zeichnet sich dadurch aus, dass es sich nicht innerhalb eines Tages in Luft auflöst. Manche halten sogar noch am nächsten Tag. Experten sind allerdings der Meinung, dass Hairstyling-Produkte den Haaren und der Kopfhaut zuliebe abends ausgewaschen werden sollten. Wer dagegen ständig gegelte Haare hat, sollte seinem Kopf gelegentlich eine Tiefenreinigung mit einem Spezialshampoo gönnen. Sonst werden die von der Außenwelt abgeschlossenen Haare mit der Zeit womöglich so spröde, dass Bruchgefahr besteht. Die Kopfhaut ist natürlich auch dankbar, wenn sie wieder atmen kann.
Wer einmal zu viel Gel aufgetragen hat, muss es nicht unbedingt mit einem Shampoo auswaschen und wieder von vorn anfangen. Oft hilft es, die Haare mit den Händen locker durchzurubbeln, wobei man den Kopf vorzugsweise über die Badewanne hält. Von einem starken Gel bleibt danach trotzdem genug übrig.
Neben den Testsiegern empfiehlt die Stiftung Warentest die Naturkosmetika dm Alverde und Rossmann Alterra. Beide Produkte verzichten auf synthetische Polymere und schnitten ebenfalls mit der Note „Gut“ ab. Die beiden Produkte setzen alternativ zu den konventionellen Haargelen auf natürliche Polymere wie Schellack oder Xanthan-Gummi. Diese Inhaltsstoffe werden durch Mikroorganismen vollständig abgebaut. Die Frisurenfestiger auf natürlicher Basis bieten nach Angaben der Tester eine gute Haltbarkeit, allerdings seien Konsistenz und Duft gewöhnungsbedürftig.
Leider können natürliche Styling-Gele aber nur selten mithalten, wenn es um die gewünschten Effekte geht.
Neben dem Test werden weitere beliebte Frisierhilfen vorgestellt. Schaumfestiger sorgt bei Föhnfrisuren für eine voluminöse Haarpracht. Wachs eignet sich, um Strähnen und Spitzen herauszuarbeiten. Es bietet weniger Halt als Gel, lässt sich aber noch nachträglich formen. Pasten, die häufig unter englischen Begriffen wie mud oder clay (Schlamm oder Lehm) verkauft werden, kombinieren Eigenschaften von Gel und Wachs und machen die Haare matt. Ein wenig Glanz und Festigkeit bietet Frisiercreme. Pomade basiert meist auf Paraffin und Vaseline. Dadurch glänzt das Haar stark. Haarspray soll die fertige Frisur fixieren und vor Wind und Wetter schützen.
„Haargel ist heute wieder ein Thema, anders als noch vor wenigen Jahren“, sagt Steven Meth vom Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks. „Stylingprodukte dürfen im Haar wieder sichtbar sein. Im Moment sieht man Gel auch bei langem Haar auf dem Laufsteg.“
Deutschlandweit greifen rund vier Millionen Menschen mehrmals pro Woche zu Haargel, ergab eine Umfrage der Arbeitsgemeinschaft Verbrauchs- und Medienanalyse. Meist sind es Männer.
Von Haargel erwarten wir, dass es die Haare formt, aber nicht verklebt oder beschwert. Und dass es Wind und Wetter trotzt, aber leicht auswaschbar ist.
Auf vielen Tuben steht ein Haltegrad, der zeigen soll, wie stark das Gel ist. Im Test reicht er von 4 bis 8. Nutzern hilft er nur begrenzt: Es gibt keine einheitliche Definition.
Unsere Tabelle zeigt Bewertungen für 15 Haargele, darunter klassische Marken wie L‘Oréal und Wella, Friseurprodukte von Marlies Möller und Schwarzkopf Professional sowie günstige Produkte von dm, Rossmann, Aldi Süd und Edeka.
Die Gele wurden im Hinblick auf das Stylingergebnis (zum Beispiel Festigkeit, Volumen, Glanz) und die Haltbarkeit geprüft.
| Produkt | Note | Preis pro 100 ml | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Schwarzkopf Professional Osis+ Rock Hard | 1,7 | 6,95 Euro | Bester Halt, sehr gutes Styling |
| DM Balea Men Maximum Power Styling Gel | 1,8 | 1,03 Euro | Sehr guter Halt, kein Lilial |
| Kür Styling Haargel Ultimate (Aldi Süd) | 1,9 | 0,57 Euro | Günstig, kein Lilial |
| Marlies Möller Design Styling Gel | Befriedigend | ca. 24,50 Euro pro Tube | Teuer, schlechte Haltbarkeit |
| 3 Wetter Taft Styling Gel Power | 3,1 | - | Schlechter Halt, enthält Lilial |
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