Haarausfall hat unterschiedliche Ursachen, Formen und Ausprägungen. Er kann beispielsweise genetisch bedingt vorliegen, durch hormonelle Veränderungen ausgelöst werden, eine Folge von Eisenmangel sein oder auch in stressigen Situationen auftreten. In den letzten Monaten ist auch das Thema Haarausfall durch Corona aufgekommen.
Seit einigen Monaten erreichen uns immer wieder Anrufe, ob Haarausfall als Folge nach einer Corona-Infektion auftreten kann. Es ist bereits bekannt laut einigen Beobachtungen, dass einige Zeit nach der Erkrankung viele Menschen unter Haarausfall leiden.
Nach einer überstandenen COVID-19-Infektion klagen die Patientinnen und Patienten häufig über verschiedene Langzeitfolgen, die Tage, Wochen und sogar Monate anhalten können. Bekannt sind in diesem Zusammenhang vor allem der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns, Konzentrationsschwäche, eingeschränkte Lungenfunktionen und Müdigkeit sowie Abgespanntheit bis hin zum sogenannten Fatigue-Syndrom. Bei manchen Betroffenen sind es auch die Haut und die Haare, an denen sich unliebsame Reaktionen zeigen.
Die Gründe für Haarausfall sind vielfältig und nicht immer sofort ersichtlich. Stressige oder belastende Lebensphasen werden als Beschleuniger für einen Verlust angeführt; Gleiches gilt für hormonelle Schwankungen wie Störungen der Schilddrüse.
Bei Haarausfall werden verschiedene Arten unterschieden. Als mögliche Ursachen kommen Autoimmunerkrankungen infrage, bei der körpereigenes Gewebe angegriffen und zerstört wird - in diesem Fall vor allem die Haarwurzeln. Auch eine Störung der Gefäße, die zu einer schlechteren Versorgung der Haarwurzeln führt, kann Haarausfall begünstigen.
Seit einiger Zeit steht auch eine überstandene Infektion mit dem Coronavirus in Verdacht, noch Monate später die Haare bzw. deren Wurzeln in Mitleidenschaft zu ziehen. Die gute Nachricht: Diese Form des diffusen Haarausfalls ist meist reversibel.
COVID-19 ist eine recht junge Erkrankung, weshalb sich einige Symptome oder Auswirkungen noch nicht genau erklären oder nachvollziehen lassen. Nach überstandener Corona-Erkrankung berichten jedoch einige Personen davon, dass sie mit lichter werdendem Haar und Haarausfall zu kämpfen haben. Medizinischen Annahmen zufolge ist der coronabedingte Haarausfall zum einen auf den körperlichen und psychischen Stress zurückzuführen. Zum anderen gehen Mediziner davon aus, dass sich COVID-19 auch auf die Gefäße der Haarwurzeln auswirken kann. Dadurch werden diese nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Infolgedessen gehen sie von der Wachstumsphase in die Ausfallphase über. Durch die geschwächte Versorgung nimmt auch die Verankerungsfähigkeit ab, wodurch sich das Haar langsam ablöst.
Die Anzeichen sprechen eine klare Sprache: Die Haare auf dem Kopf werden gleichmäßig dünner und die Kopfhaut schimmert verstärkt hindurch. Diffuser Haarausfall, auch Telogenes Effluvium genannt, tritt bei den meisten Betroffenen etwa drei bis sechs Monate nach einem schädigenden Ereignis auf. Das kann beispielsweise ein akuter Eisenmangel oder auch eine hormonelle Umstellung sein. In vielen Fällen geht dem unerwarteten Haarverlust eine schwere körperliche Infektion voraus.
Dr. Thorben Royeck nennt zwei verschiedene Erscheinungsbilder von Haarausfall, die tatsächlich in Verbindung mit Corona stehen: „Als eine schwere Erkrankung für den Körper löst die Infektion am häufigsten ein Telogenes Effluvium aus. Ähnlich verhielt es sich ja schon zuvor mit anderen Viruserkrankungen wie der Influenza. Auch Corona sorgt für die Ausschüttung verschiedener Botenstoffe, die beim Haar die Ausfallphase einleiten können.
Telogenes Effluvium kann dabei durch zahlreiche Ursachen bedingt sein. Dr. Royeck: Das Telogene Efflvium verursacht einen reversiblen Haarausfall. Das heißt, dass die Haarfollikel erhalten bleiben und nach dem ausgefallenen Haar ein neues Haar nachwächst.
Wie lange dauert Haarausfall nach Corona?
In der Regel beginnt der Haarausfall zwei bis drei Monate nach der Infektion und kann etwa drei bis sechs Monate andauern, bevor sich das Haarwachstum wieder normalisiert.
In unserer Praxis haben wir den Zusammenhang zwischen Corona und Haarausfall schon früh erkannt. Die Zahl der Patienten, die aufgrund einer Corona-Erkrankung oder Corona-Impfung unter Haarausfall litten, nahm stetig zu.
Es ist nicht ungewöhnlich, dass Fieber, Stress und die körperliche Belastung bei Erkrankung Haarausfall begünstigt. Jedoch steckt bei Corona mehr als das dahinter. Die Haarausfall-Muster bei COVID-19 Erkrankungen ähneln anderen Haarausfall-Mustern.
Corona beschädigt Gefäße, aktuellen Erkenntnissen zufolge greifen Autoantikörper die innere Haut der Gefäße an (Endothel). Woraufhin die Versorgung von Zellen und Organen nicht mehr optimal funktioniert. Durch eine Unterversorgung der Haarfollikel mit Sauerstoff und Nährstoffen werden sie geschädigt und funktionieren nicht mehr richtig bzw. sterben ab. Das zeigt sich im anagenen Effluvium (Haarausfall in der Wachstumsphase der Haare mit unterschiedlichen Haarlängen). Die Folge ist diffuser Haarausfall, welcher sich über das gesamte Kopfhaar erstreckt.
Wir stellen immer wieder fest, dass Corona Autoimmunerkrankungen auslöst bzw. reaktiviert. Die Professorin und Leiterin der Immundefekt-Ambulanz, Carmen Scheibenbogen der Charité Universitätsklinik in Berlin stellte treffend fest: “Long-COVID hat alle Anzeichen einer Autoimmunkrankheit.” Corona führt also zumindest bei manchen Erkrankten dazu, dass das Immunsystem fehlgesteuert reagiert. Dabei werden körpereigene Zellen und Organe als Fremdkörper bzw.
Bei der Diagnose spielen dann ganz unterschiedliche Faktoren eine Rolle: So wirft der Dermatologe einen Blick auf die Kranken- und Familiengeschichte des Patienten, untersucht Haut, Haare und Nägel und wendet einen Zupftest an. Auch der gesundheitliche Zustand der Kopfhaut wird im wahrsten Sinne des Wortes unter die Lupe genommen.
Um einen fortschreitenden diffusen Haarausfall rechtzeitig identifizieren zu können, braucht es Aufmerksamkeit: Finden sich beispielsweise plötzlich deutlich mehr Haare als gewöhnlich in der Bürste oder auf dem Kopfkissen, sollte eine ärztliche Abklärung stattfinden.
Wichtig sei daher zusätzlich der genaue Blick auf die Kopfhaut: „Stehen die Haare nicht mehr wie gewohnt dicht nebeneinander? Erblickt man Rötungen? Kleine Pusteln oder Schuppungen? All diese Signale verlangen eine Untersuchung beim Dermatologen.” Dieser geht bei der Ursachenforschung Schritt für Schritt vor: Liegt eine Entzündungsreaktion vor? Falls ja - eher im vorderen, seitlichen oder hinteren Bereich der Kopfhaut? Sind Vernarbungen sichtbar? Zeigen sich Dichteminderungen oder sogar kahle Stellen?
Zur Diagnose eines nichtentzündlichen Telogenen Effluviums bietet sich ergänzend eine Mikronährstoffanalyse an, auch spielen Hormonschwankungen, etwa der Schilddrüsenhormone, eine Rolle. Und auch vorangegangene Infektionen sollten erörtert werden.
Haarausfall ist keine Diagnose, sondern ein Symptom. Dr. Royeck: Die Ursachen von Haarausfall sind äußert vielfältig.
Bei fortbestehenden Entzündungsreaktionen der Kopfhaut (Rötungen, Schmerzen, Schwellungen) sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen. Weiterhin gilt die Faustregel, dass bei Ausfall von mehr als 100 Haaren pro Tag eine Abklärung erfolgen kann.
Es ist immer wichtig, die Ursache des Haarausfalls zu kennen. Ihr Haus- oder Facharzt untersucht den Haarausfall, indem er alle weiteren gesundheitlichen Probleme ausschließt. Durch ein vollständiges Blutbild erhält er Aufschluss über Ihren allgemeinen Gesundheitszustand, wobei Haarausfall keineswegs immer eine Folge von Corona ist. Vor allem wenn die Erkrankung ohne hohes Fieber verlief, kann die Ursache eine andere sein.
Die Patientinnen und Patienten sollten zunächst Ruhe bewahren und sich ärztlichen Rat einholen. Mediziner gehen davon aus, dass der coronabedingte Haarausfall in vielen Fällen reversibel ist, sobald sich die Haarwurzeln wieder etwas erholt haben. Anti-Haarausfall-Shampoos oder ähnliche Produkte helfen dabei in der Regel nicht. Stattdessen können sich die Betroffenen jedoch darauf konzentrieren, die Versorgung der Haarwurzeln zu unterstützen und optimale Voraussetzungen für das gesunde Haarwachstum zu schaffen.
Die modernste Möglichkeit zur Verjüngung der Haut und zur Behandlung von Haarausfall ist die sogenannte PRP-Therapie. Sie ist auch unter den Bezeichnungen Eigenblutbehandlung, Vampire Lift und Plasmabehandlung bekannt.
Bei der Therapie wird dem Patienten zunächst eine kleine Menge Blut entnommen, die dann speziell aufbereitet wird. Durch Zentrifugation wird das Blutplasma isoliert. Dabei handelt es sich um das PRP (platelet-rich plasma; plättchenreiches Plasma). Das PRP wird anschließend unter die Haut beziehungsweise in die Kopfhaut injiziert. Dort entfaltet es seine positive Wirkung: Die körpereigenen Regenerationsprozesse und die Neubildung von Zellen werden angeregt.
Die PRP-Therapie findet ambulant statt und dauert etwa eine Stunde. Eine örtliche Betäubung sorgt dafür, dass die Behandlung ohne Schmerzen verläuft. Mit Einschränkungen oder Ausfallzeiten ist in der Regel nicht zu rechnen. PRP ist reich an Stammzellen und Wachstumsfaktoren. Es unterstützt gezielt die Reparaturmechanismen des Körpers. Da es sich ausschließlich um natürliche Substanzen handelt, ist die PRP-Therapie zudem sehr gut verträglich und belastet den Körper nicht. Sie kann mit anderen Behandlungsmethoden kombiniert werden.
Dr. Royeck: Da der Haarausfall in der Regel reversibel ist, positiv bleiben, Ruhe bewahren und nicht in ein Gedankenkreisen rund ums Haar geraten. Bitte keine wilde Anwendung von Antihaarausfall-Lotion oder -shampoos etc. Diese können wie bereits beschrieben keinen Wechsel zurück in die Wachstumsphase bewirken. Stattdessen optimale Bedingungen für die neuen Haare schaffen, d. h. z. B.
Eine entsprechende Stellschraube ist beispielsweise der Verzicht aufs Rauchen, schadet dies doch den Blutgefäßen, die die Haarfollikel versorgen. Auch das Vermeiden von Stress und damit verbundenen Schlafmangel kann günstige Voraussetzungen für wiedererlangtes Wachstum schaffen. Hinzu kommt das erwähnte Gegenchecken der wichtigsten Mikronährstoffe wie Vitamin D3, Zink, Biotin Jod und Eisen - Letzteres ist vor allem bei einer vegetarischen Ernährung essentiell.
Lassen Sie sich auf Nährstoffmängel untersuchen, da ein Mangel an bestimmten Vitaminen und Mineralien zu Haarausfall führen kann. Eisen, Vitamin D, Vitamin B12 und Zink sind für die Erhaltung eines gesunden Haarschopfs unerlässlich.
Es kann auch hilfreich sein, den Stress zu reduzieren, dem Sie ausgesetzt sind. Meditation oder Atemübungen können dabei helfen, die normale Haarfunktion wiederherzustellen.
Was tun gegen Haarausfall nach Corona?
Bei anhaltendem Haarausfall nach einer Corona-Infektion sollte man mögliche Nährstoffmängel ärztlich abklären lassen und dem Körper durch ausgewogene Ernährung, Pflege und Ruhe optimale Bedingungen für die Erholung bieten.
Wir konnten schnell feststellen (ca. 3 bis 4 Behandlungen) das sich nach kürzester Zeit eine Regeneration der Haarwurzel wieder einstellt und die Zellen aktiviert werden. Der Haarausfall wurde wieder auf normal zurückgestellt und die Haare wuchsen und gingen ihrem natürlichen verlauf nach.
Eine weitere Facette der Corona-Erkrankung ist das sogenannte Long COVID-Syndrom, bei dem Menschen nach der Genesung von COVID-19 noch anhaltende Symptome haben. Haarausfall kann ein Teil dieser Symptome sein. Bei einigen Betroffenen tritt der Haarausfall mehrere Monate nach der Infektion auf. Langzeitfolgen von COVID-19 werden derzeit wissenschaftlich untersucht.
Long COVID, ist ein Zustand, bei dem die Symptome von COVID-19 bei manchen Menschen über die akute Phase hinaus anhalten und das tägliche Leben beeinträchtigen. Einige häufige Symptome von Long COVID sind Müdigkeit, Kurzatmigkeit, Husten, Brustschmerzen, Gelenk- und Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Schwindel, Verlust des Geschmacks- oder Geruchssinns, Schlafstörungen und Konzentrationsprobleme. Auch Haarausfall wird als Symptom von Long Covid gemeldet.
In einer im Mai 2022 veröffentlichen Studie wurde die Häufigkeit von Haarausfall (telogen effluvium) bei COVID-19-Patienten untersucht. Die Studie ergab, dass von 198 Patienten, die wegen COVID-19 behandelt wurden, 48 (also 24%) unter Haarausfall litten.
Eine im Oktober 2022 veröffentliche Studie untersuchte die Häufigkeit von Haarausfall nach COVID-19-Infektion in Saudi-Arabien und die damit verbundenen Faktoren. Von den 806 Teilnehmern berichteten 52,7 % über Haarausfall nach einer COVID-19-Infektion.
Eine im Juli 2022 veröffentliche Studie der Universtät Birmingham untersuchte Symptome und Risikofaktoren im Zusammenhang mit COVID-19. Die Studie untersuchte 115 Symptome bei 486.149 Erwachsenen mit einer bestätigten SARS-CoV-2-Infektion und verglich die Häufigkeit von Symptomen mit 1.9 Millionen Menschen ohne Infektion. Unter den 62 Symptomen, die nach 12 Wochen signifikant mit SARS-CoV-2 assoziiert waren, waren Anosmie, Haarausfall, Niesreiz, Ejakulationsschwierigkeiten und verminderte Libido am häufigsten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Haarausfall nach einer Corona-Infektion ein komplexes Thema ist, das viele verschiedene Aspekte umfasst. Es ist wichtig, die Ursachen zu verstehen, die Symptome zu erkennen und die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten zu kennen. Bei anhaltenden Problemen sollte immer ein Arzt oder Spezialist konsultiert werden, um die bestmögliche Lösung zu finden.
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