Kreisrunder Haarausfall: Ursachen und Behandlung

Der kreisrunde Haarausfall (Alopecia areata) ist eine der am weitesten verbreiteten Erkrankungen mit Haarverlust. Obwohl in Deutschland über eine Millionen Menschen davon betroffen sind, ist die Ursache noch nicht völlig geklärt. Bei der Erkrankung mit Alopecia areata entstehen meist plötzlich runde kahle Stellen auf dem Kopf. Die Erkrankung kann allerdings auch in Schüben verlaufen. Manchmal tritt kreisrunder Haarausfall außerdem im Gesicht auf, wie an den Wimpern, den Augenbrauen, im Bart oder an der Behaarung des Körpers. Außerdem kann beim sogenannten Ophiasis-Typ, einer Sonderform des kreisrunden Haarausfalls, der Haarverlust im Nacken beginnen und sich rundherum um den Haaransatz entlangziehen.

Kreisrunder Haarausfall tritt stellenweise am Kopf oder am ganzen Körper auf. Er kommt bei ungefähr ein bis zwei Prozent der Bevölkerung vor, wobei Frauen und Männer gleichermaßen betroffen sind. Kreisrunder Haarausfall kann in jedem Lebensalter einsetzen, mit einer höheren Wahrscheinlichkeit im zweiten und dritten Lebensjahrzehnt.

Beim kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata) bilden sich meist einzelne, runde, haarlose Flecken im Kopfhaar. Seltener betroffen sind Gesichtsbehaarungen wie Bart, Augenbrauen, Wimpern oder das Körperhaar. Zudem befinden sich am Rand der Flecken meist kurze, abgebrochene Haare, die zur Kopfhaut hin dünner werden. Man nennt diese umgangssprachlich Kolben-, Ausrufezeichen- oder Komma-Haare. Menschen mit kreisrundem Haarausfall können außerdem Probleme mit den Finger- und Zehennägeln haben. Typischerweise bilden sich Grübchen oder Tüpfel im Nagel.

Die kahlen Stellen im Haar können zusammenfließen und zu einem kompletten Haarverlust auf dem Kopf (totalis) oder am Körper (universalis) führen. Hier fallen die Haare bandförmig am Hinterkopf und Nacken aus. Die Haare oben und seitlich am Kopf sind nicht betroffen.

"Kreisrunder Haarausfall" - Hirslanden & TeleZüri: Gesundheitssendung CheckUp

Ursachen von kreisrundem Haarausfall

Welche Ursachen genau hinter kreisrundem Haarausfall stecken, ist bisher nicht bekannt. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass es sich um eine Autoimmunreaktion handelt. Darunter versteht man eine fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems. Genauer gesagt, erkennt das Immunsystem die körpereigenen Haare fälschlicherweise als fremd und bildet Abwehrstoffe dagegen. In der Folge entzünden sich die Haarwurzeln: Die Haare wachsen nicht mehr richtig und fallen aus.

In manchen Familien kommt kreisrunder Haarausfall gehäuft vor. Fachleute vermuten deshalb, dass diese Form des Haarausfalls erblich bedingt sein kann. Manche Menschen mit kreisrundem Haarausfall berichten, zum Zeitpunkt des Haarausfalls starkem emotionalem Stress ausgesetzt gewesen zu sein. Bei einem Großteil der Betroffenen ist das hingegen nicht der Fall. Stress könnte daher in einem gewissen Maß ein Mitauslöser sein.

Einzelne Studien weisen zudem darauf hin, dass geringe Mengen von Vitamin D im Blut kreisrunden Haarausfall begünstigen könnten. Ob Stress und Vitamin D tatsächlich eine Rolle spielen, ist aber bisher wissenschaftlich nicht sicher belegt.

Wie wird kreisrunder Haarausfall diagnostiziert?

Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata) ist in der Regel an der Art erkennbar, wie sich das Haar lichtet - also an den typischen runden kahlen Stellen am Kopf. Mitunter entstehen die Flecken an den Augenbrauen oder im Bart. Neben der Kopf- und Gesichtsbehaarung untersuchen Ärztinnen und Ärzte das Körperhaar, denn auch dort kann kreisrunder Haarausfall auftreten. Zudem schauen sie sich die Nägel an. Denn bei Menschen mit Alopecia areata kann es zu Nagelveränderungen wie Tüpfelnägel kommen.

Zusätzlich sucht die Ärztin oder der Arzt mit einem Auflichtmikroskop (Dermatoskop) die lichten Stellen nach den typischen abgebrochenen Haaren ab - den „Ausrufezeichen-Haaren“. Außerdem kann die Ärztin oder der Arzt einen Zupftest machen. Lassen sich die Haare an den Rändern der kahlen Stellen leicht auszupfen, weist das ebenfalls auf kreisrunden Haarausfall hin.

Insbesondere schaut sie oder er nach den Haarbälgen und Poren. Sind diese noch sichtbar, ist das ein Zeichen dafür, dass die Haare grundsätzlich wieder nachwachsen können. Zudem können die Poren gelb oder schwarz verfärbt sein. Gewebe zu entnehmen, also eine Biopsie zu machen, ist in der Regel nicht notwendig. Das kommt nur dann infrage, wenn trotz einer gründlichen Untersuchung und eines ausführlichen Gesprächs die Diagnose unklar ist.

Behandlungsmöglichkeiten bei kreisrundem Haarausfall

Da die genaue Ursache von Alopecia areata nicht bekannt ist, gibt es auch keine ursächliche Therapie. Es gibt allerdings verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die darauf abzielen, neues Haarwachstum anzuregen. Manchmal helfen sie, oftmals sind sie aber auch erfolglos. Bei vielen Menschen mit kreisrundem Haarausfall (Alopecia areata) wachsen die Haare innerhalb eines Jahres von allein nach. In solch einem Fall ist keine Behandlung notwendig.

Für die Behandlung von Alopecia areata stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Diese reichen von Medikamenten zur äußerlichen (topischen) Anwendung auf der Kopfhaut, über eine topische Immuntherapie bis hin zum Einsatz sogenannter JAK-Inhibitoren in Tablettenform. Ziel dieser Therapien ist, die Entzündung an den Haarwurzeln zu stoppen und die Haarwurzeln dazu anzuregen, neue Haare zu bilden und nachwachsen zu lassen. Im besten Fall wachsen die Haare nach, ohne erneut auszufallen. Ein gewisses Risiko für künftige Haarausfall-Schübe bleibt jedoch bestehen.

Welche Therapie zum Einsatz kommt, richtet sich immer auch nach den persönlichen Bedürfnissen. Wichtig: Nicht immer stellt sich nach einer Behandlung der gewünschte Erfolg ein. Vor allem bei schwerem kreisrundem Haarausfall und einem frühen Erkrankungsbeginn kommt es häufig zu Rückfällen. Außerdem haben alle Therapien Nebenwirkungen. Zu Beginn einer Therapie kommen üblicherweise Präparate mit entzündungshemmendem Kortison zum Einsatz - meist zum Auftragen auf die kahlen Stellen.

Um sicher sagen zu können, ob die äußerliche Behandlung anschlägt, muss man die Präparate für mindestens drei Monate anwenden, maximal für fünf bis sechs Monate. Solange dauert es, bis die Entzündung nachlässt, die Haarwurzeln sich erholen und ein neues Haar nachwachsen kann. Ein nächster Schritt in der Therapie kann darin bestehen, Kortison in die Haut der haarlosen Stellen zu spritzen. Da manche Menschen diese Maßnahme als sehr schmerzhaft empfinden können, eignet sie sich nicht für jede Person.

Ist der Haarausfall stärker ausgeprägt, können Ärztinnen und Ärzte Kortison als Tabletten in Form einer Stoß- oder Pulstherapie einsetzen. Das Medikament kommt dabei in abnehmender Dosierung und über einen kurzen Zeitraum zum Einsatz oder in einem On-Off-Schema - also einem Wechsel von Einnehmen („On“) und Absetzen („Off“). Mitunter wird die äußerliche Anwendung oder das Spritzen von Kortison mit der Einnahme von Kortison-Tabletten kombiniert.

Weitere Therapieansätze

Grundsätzlich ist es möglich, unterstützend Minoxidil als Lösung, Spray oder Schaum anzuwenden. Dieser Wirkstoff soll die Durchblutung der Kopfhaut fördern und somit das Haarwachstum anregen. Setzt man Minoxidil nach der Kortison-Behandlung ein oder parallel dazu, könnte sich das positiv auf das Haarwachstum auswirken. Minoxidil-Präparate sind frei verkäuflich und für die Anwendung beim anlagebedingten Haarausfall bestimmt. Für den Einsatz bei Alopecia areata sind sie nicht zugelassen. Lassen Sie sich ärztlich zur richtigen Anwendung und den möglichen Nebenwirkungen beraten.

Lichtbehandlungen mit UV-B-Licht, mitunter auch als Excimer-Laser bezeichnet, haben einen gewissen therapeutischen Stellenwert und können mit anderen Behandlungen kombiniert werden. Der Nachteil ist, dass mehrere Therapiesitzungen nötig sind und man sich dafür regelmäßig in der ärztlichen Praxis einfinden muss. Hinzu kommt, dass sich durch das Bestrahlen der Haut mit UV-Licht das Hautkrebs-Risiko erhöht. Dieses steigt umso eher, je länger die Therapie dauert.

Therapie Beschreibung Hinweise
Kortison Entzündungshemmende Präparate zur äußerlichen oder innerlichen Anwendung Häufig erste Wahl, Langzeiterfolge variieren
Minoxidil Fördert die Durchblutung der Kopfhaut und regt das Haarwachstum an Unterstützend zu anderen Therapien
UV-B-Licht Lichtbehandlung zur Anregung des Haarwachstums Erhöhtes Hautkrebsrisiko bei längerer Anwendung
DCP Löst eine allergische Reaktion auf der Kopfhaut aus, um das Immunsystem abzulenken Nicht in Deutschland zugelassen, Anwendung in spezialisierten Zentren
Dithranol Reiztherapie, die weniger Risiken birgt und sich besonders bei Kindern eignet Zur äußerlichen Anwendung bei Schuppenflechte zugelassen, "Off-Label-Use" bei kreisrundem Haarausfall
JAK-Inhibitoren Unterdrücken Entzündungsprozesse und ermöglichen es den Haaren, wieder nachzuwachsen Können Nebenwirkungen haben, Kostenübernahme durch Krankenkassen nicht immer gewährleistet

Falls nach Therapieversuchen mit Kortison nicht zu erkennen ist, dass Haare nachwachsen, besteht die Möglichkeit einer Behandlung mit Diphenylcyclopropenon (DCP). Die Substanz wird auf die Kopfhaut gepinselt und löst an den behandelten Stellen gezielt eine Allergie aus. Mit dieser Maßnahme möchte man das Immunsystem dazu bringen, den „Angriff“ auf die Haarwurzeln zu unterlassen. Vereinfacht gesagt, wird das Immunsystem durch die künstlich hervorgerufene allergische Reaktion von der Entzündung an den Haarwurzeln abgelenkt.

Alternativ zur DCP-Behandlung kommt eine Reiz-Therapie mit Dithranol infrage. Fachleuten zufolge birgt diese Behandlung weniger Risiken und eignet sich daher vor allem bei Kindern. Hierbei handelt es sich um Präparate, die zur äußerlichen Anwendung bei Menschen mit Schuppenflechte zugelassen sind. Ärztinnen und Ärzte dürfen sie aber bei kreisrundem Haarausfall verordnen („Off-Label-Use“).

JAK steht für Januskinasen. Inhibitor bedeutet Hemmstoff. Januskinasen sind Enzyme, die Entzündungsprozesse fördern, die mit kreisrundem Haarausfall in Zusammenhang stehen. JAK-Inhibitoren, also Hemmstoffe gegen diese Kinasen, ermöglichen es, die Entzündungsprozesse zu unterdrücken. In der Folge erholen sich die Haare und können wieder nachwachsen.

Im Juni 2022 hat die Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) den Wirkstoff Baricitinib als ersten JAK-Inhibitor zur Behandlung von Erwachsenen mit schwerem kreisrundem Haarausfall zugelassen. Die Hemmstoffe werden als Tabletten eingenommen. Die Krankenkassen sind nicht verpflichtet, die Kosten für die bisher noch teure Behandlung zu übernehmen. Es ist daher sinnvoll, sich vor Therapiebeginn eine Zusage zur Kostenübernahme einzuholen.

Eine Behandlung mit JAK-Inhibitoren vermag es ebenfalls nicht, den Haarausfall zu heilen. Bereits einige Wochen nach Absetzen der Tabletten können die Haare wieder ausfallen. Zudem birgt die Einnahme Nebenwirkungen, sodass Untersuchungen vor der ersten Einnahme und regelmäßig während der Therapie notwendig sind. Da JAK-Inhibitoren das Immunsystem leicht unterdrücken, ist es sinnvoll, vor Beginn der Therapie den Impfstatus zu prüfen und wichtige fehlende Impfungen nachzuholen.

Jeder Mensch geht unterschiedlich damit um, Haare zu verlieren. Manche kommen gut damit klar, für andere ist es ein einschneidendes Erlebnis. Kreisrunder Haarausfall fällt leicht auf und kann dazu führen, dass sich Betroffene unwohl fühlen. Tritt der Haarverlust sehr plötzlich auf oder ist er sehr stark ausgeprägt, kann das emotional enorm belasten. Mitunter passiert es, dass Menschen aufgrund des Haarausfalls gemobbt und sozial ausgegrenzt werden - vor allem bei Kindern und Jugendlichen ist dieses Risiko groß.

In solchen Fällen lässt sich einiges tun, um den Leidensdruck zu mindern. Vielen Menschen mit kreisrundem Haarausfall hilft es, sich in Selbsthilfegruppen auszutauschen. Das Gespräch mit Menschen, die selbst mit Haarausfall zu tun haben und die Probleme und Herausforderungen kennen, bewirkt oft schon viel. Zudem bieten sie eine Plattform, um einen besseren Umgang mit der Erkrankung zu finden.

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