Kreisrunder Haarausfall: Ursachen, Symptome und Behandlung

Kreisrunder Haarausfall, auch bekannt als Alopecia areata, ist eine häufige Autoimmunkrankheit, die sich durch kreisrunden Haarausfall manifestiert, meist in klar begrenzten Arealen der Kopfhaut.

Typisches Bild von Alopecia areata mit kreisrunden kahlen Stellen.

In schweren Fällen kann sie auch zu einer kompletten Kahlheit führen. Etwa 0,2 % der Weltbevölkerung leiden an Alopecia areata. Die Erkrankung hat ein geschätztes Lebenszeitrisiko von 1,7 % und ist eine häufige Ursache für abrupt einsetzenden Haarausfall. Sie tritt aber seltener auf als androgenetische Alopezie oder Telogeneffluvium.

Wer ist betroffen?

Beide Geschlechter sind gleichermaßen betroffen. Obwohl Alopecia areata in jedem Alter auftreten kann, ist die Inzidenz unter jüngeren Altersgruppen höher. Alopecia areata ist die häufigste Form des Haarausfalls bei Kindern.

Was bedeutet Alopecia areata / kreisrunder Haarausfall? Ursachen? Therapie?

Ursachen von kreisrundem Haarausfall

Die Ursache von kreisrundem Haarausfall wurde bis heute nicht einwandfrei geklärt. Mediziner vermuten, dass er durch Autoimmunkrankheiten ausgelöst wird, also durch Krankheiten, die sich gegen den eigenen Körper richten. Genauer gesagt, erkennt das Immunsystem die körpereigenen Haare fälschlicherweise als fremd und bildet Abwehrstoffe dagegen.

In der Folge entzünden sich die Haarwurzeln: Die Haare wachsen nicht mehr richtig und fallen aus. Die Entzündung, die dabei ausgelöst wird, behindert das natürliche Haarwachstum: Die Abwehrzellen schädigen den Haarfollikel, wodurch das Haar nicht mehr wie gewöhnlich ausgebildet werden kann.

Da 10 bis 25% der Fälle familiär gehäuft auftritt, ist eine Erblichkeit der kreisrunden Alopezie nicht auszuschließen. Die familiäre Häufung liegt bei etwa 15 %, wobei die Ausprägung der Erkrankung unter den betroffenen Familienmitgliedern unterschiedlich sein kann.

Alopecia areata scheint ihren Ursprung im Immunsystem zu haben. Die Deregulierung des Immunsystems führt dazu, dass das Immunsystem Follikel mit wachsenden Haaren an bestimmten Stellen der Kopfhaut angreift. Da nur die Haare in der Wachstumsphase angegriffen werden, bleiben die Follikel mit Haaren, die sich nicht in der Wachstumsphase befinden, intakt.

Eine psychische Ursache wurde bisher zwar nicht nachgewiesen, doch Mediziner gehen davon aus, dass auch Stress oder ein schwerer psychischer Schock als Auslöser von kreisrundem Haarausfall infrage kommen. Die spezifischen Auslöser der Alopecia areata sind nicht bekannt, aber es scheint, dass emotionaler oder physischer Stress, Virusinfektionen oder Medikamente eine Rolle spielen könnten.

Weitere mögliche Ursachen und beeinflussende Faktoren:

  • Genetische Ursache möglich: In manchen Familien kommt kreisrunder Haarausfall gehäuft vor.
  • Rolle von Stress und Vitamin D wird diskutiert: Manche Menschen mit kreisrundem Haarausfall berichten, zum Zeitpunkt des Haarausfalls starkem emotionalem Stress ausgesetzt gewesen zu sein.

Symptome der Alopecia areata

Die Erkrankung setzt in der Regel sehr schnell ein. In manchen Fällen hört sie nach Auftreten von einer oder wenigen kahlen Stellen auf, in anderen Fällen schreitet sie weiter fort und führt einem kompletten Verlust der Kopf- oder sogar der Körperbehaarung.

Beim kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata) bilden sich meist einzelne, runde, haarlose Flecken im Kopfhaar. Seltener betroffen sind Gesichtsbehaarungen wie Bart, Augenbrauen, Wimpern oder das Körperhaar. Die kahlen Stellen im Haar können zusammenfließen und zu einem kompletten Haarverlust auf dem Kopf (totalis) oder am Körper (universalis) führen.

Typische Symptome:

  • Runde oder ovale kahle Flecken am Haupthaar
  • Im fortgeschrittenen Stadium kann völlige Kahlheit (Glatze) auftreten
  • Sogenannte „Ausrufezeichenhaare“ an den Rändern der kahlen Stellen (abgebrochene Haare, die zur Spitze hin immer dünner werden und sich leicht ausreißen lassen)
  • Die schuppenfreie kahle Haut kann eine Elfenbeinfarbe aufweisen

Ausrufezeichenhaare sind ein typisches Symptom von Alopecia areata.

Weitere Erscheinungsformen:

  • Alopecia areata totalis: Fehlen der gesamten Kopfbehaarung, inklusive Augenbrauen und Wimpern.
  • Alopecia areata universalis: Komplette Körperbehaarung fällt aus, inklusive Augenbrauen, Wimpern und Nasenhaare.
  • Alopecia areata vom Ophiasis-Typ: Hier fallen die Haare bandförmig am Hinterkopf und Nacken aus. Die Haare oben und seitlich am Kopf sind nicht betroffen.
  • Alopecia areata diffusa: Wie kommt es zu kreisrundem Haarausfall?

Zusätzliche Symptome:

  • Zudem befinden sich am Rand der Flecken meist kurze, abgebrochene Haare, die zur Kopfhaut hin dünner werden.
  • Menschen mit kreisrundem Haarausfall können außerdem Probleme mit den Finger- und Zehennägeln haben. Typischerweise bilden sich Grübchen oder Tüpfel im Nagel.
  • Bei manchen Menschen fallen ausschließlich die farbigen (pigmentierten) Haare aus; schon vorhandene, aber bislang kaum aufgefallene graue Haare bleiben übrig. Das erweckt den Eindruck, als sei die Person innerhalb kürzester Zeit ergraut.

Diagnose von kreisrundem Haarausfall

Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata) ist in der Regel an der Art erkennbar, wie sich das Haar lichtet - also an den typischen runden kahlen Stellen am Kopf. Mitunter entstehen die Flecken an den Augenbrauen oder im Bart.

Neben der Kopf- und Gesichtsbehaarung untersuchen Ärztinnen und Ärzte das Körperhaar, denn auch dort kann kreisrunder Haarausfall auftreten. Zudem schauen sie sich die Nägel an. Denn bei Menschen mit Alopecia areata kann es zu Nagelveränderungen wie Tüpfelnägel kommen.

Diagnostische Schritte:

  • Gründliche Untersuchung der Kopfhaut mit einem Auflichtmikroskop (Dermatoskop)
  • Zupftest: Lassen sich die Haare an den Rändern der kahlen Stellen leicht auszupfen, weist das ebenfalls auf kreisrunden Haarausfall hin.
  • Untersuchung der Haarbälge und Poren

Gewebe zu entnehmen, also eine Biopsie zu machen, ist in der Regel nicht notwendig. Das kommt nur dann infrage, wenn trotz einer gründlichen Untersuchung und eines ausführlichen Gesprächs die Diagnose unklar ist.

Dermatoskopische Untersuchung der Kopfhaut zur Diagnose von Alopecia areata.

Behandlung von kreisrundem Haarausfall

Aufgrund der hohen Spontanheilungsraten der Alopecia areata ist für einige Patienten, insbesondere in weniger schweren Fällen, in der Regel keine Behandlung erforderlich. Zwischen 35 % und 50 % der Patienten erholen sich innerhalb eines Jahres. Nur in den schwerwiegendsten Fällen (unter 10 %) ist eine vollständige Erholung der Haare selten.

Bei vielen Menschen mit kreisrundem Haarausfall (Alopecia areata) wachsen die Haare innerhalb eines Jahres von allein nach. In solch einem Fall ist keine Behandlung notwendig. Das Problem: Es lässt sich nicht sicher vorhersagen, bei wem die Haare nachwachsen und bei wem nicht.

Ziel dieser Therapien ist, die Entzündung an den Haarwurzeln zu stoppen und die Haarwurzeln dazu anzuregen, neue Haare zu bilden und nachwachsen zu lassen. Im besten Fall wachsen die Haare nach, ohne erneut auszufallen. Ein gewisses Risiko für künftige Haarausfall-Schübe bleibt jedoch bestehen.

Behandlungsoptionen:

  • Kortison: Üblicherweise kommen Präparate mit entzündungshemmendem Kortison zum Einsatz - meist zum Auftragen auf die kahlen Stellen.
  • Minoxidil: Dieser Wirkstoff soll die Durchblutung der Kopfhaut fördern und somit das Haarwachstum anregen.
  • Lichttherapien: Lichtbehandlungen mit UV-B-Licht, mitunter auch als Excimer-Laser bezeichnet, haben einen gewissen therapeutischen Stellenwert und können mit anderen Behandlungen kombiniert werden.
  • Immuntherapie mit DCP: Mit dieser Maßnahme möchte man das Immunsystem dazu bringen, den „Angriff“ auf die Haarwurzeln zu unterlassen.
  • Reiztherapie mit Dithranol: Fachleuten zufolge birgt diese Behandlung weniger Risiken und eignet sich daher vor allem bei Kindern.
  • JAK-Inhibitoren: JAK-Inhibitoren, also Hemmstoffe gegen diese Kinasen, ermöglichen es, die Entzündungsprozesse zu unterdrücken.

Weitere Therapieansätze:

  • Hautreizende Stoffe (Anthralin, Dithranol, Chrysarobin, Capsaicin, Pfeffertinktur)
  • Glukokortikoide ("Kortison") in Form von Cremes, Lösungen oder Injektionen
  • PUVA (Psoralen plus UV-A)

Unterstützende Maßnahmen:

  • Zink und Vitamin D: Die Einnahme von Zink hilft bei kreisrundem Haarausfall allerdings vermutlich nur dann, wenn tatsächlich ein Zinkmangel besteht.
  • Selbsthilfegruppen: Patienten mit kreisrundem Haarausfall profitieren von der gemeinsamen Aufarbeitung der Krankheit mit anderen Betroffenen.
  • Alternative Heilmethoden: Homöopathie, Schüßler-Salze

Ein Dermatologe muss für jeden Patienten individuell beurteilen, um die beste Behandlung für diesen Patienten zu finden. Welche Therapie zum Einsatz kommt, richtet sich immer auch nach den persönlichen Bedürfnissen. Wichtig: Nicht immer stellt sich nach einer Behandlung der gewünschte Erfolg ein. Vor allem bei schwerem kreisrundem Haarausfall und einem frühen Erkrankungsbeginn kommt es häufig zu Rückfällen. Außerdem haben alle Therapien Nebenwirkungen.

Umgang mit dem Haarverlust

Jeder Mensch geht unterschiedlich damit um, Haare zu verlieren. Manche kommen gut damit klar, für andere ist es ein einschneidendes Erlebnis.

Kosmetische Maßnahmen:

  • Den Kopf rasieren
  • Eine Perücke oder ein Haarteil tragen
  • Künstliche Wimpern oder Augenbrauen verwenden

Wenn der Haarausfall trotz kosmetischer Maßnahmen sehr stark belastet und psychische Symptome wie Depressivität oder Ängstlichkeit hinzukommen, ist professionelle psychotherapeutische Hilfe sinnvoll.

Verlauf und Prognose

Wie genau die Erkrankung im Einzelnen verläuft, lässt sich nur schwer vorhersagen.

  • Bei ungefähr der Hälfte der Menschen mit mildem kreisrundem Haarausfall wachsen die Haare nach der ersten Episode innerhalb von einem Jahr nach.
  • Ein Großteil aller betroffenen Personen erlebt mehr als ein Haarausfall-Ereignis im Lauf des Lebens.

Faktoren, die Rückfälle begünstigen:

  • Beginn der Erkrankung im Kindesalter
  • Dauer des Haarausfalls länger als ein Jahr
  • Bandartiger Haarausfall am Hinterkopf und Nacken
  • Schwere Verläufe mit komplettem Haarverlust
  • Erkrankungen der Nägel
  • Neigung zu Allergien (Atopie)
  • Auftreten von kreisrundem Haarausfall in der Familie

Zusammenhang mit anderen Erkrankungen

Kreisrunder Haarausfall tritt oft zusammen mit anderen Erkrankungen auf. Dazu zählen etwa Autoimmunerkrankungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion und die Weißfleckenkrankheit (Vitiligo), aber auch atopische Erkrankungen, also mit Allergieneigung wie Neurodermitis und Heuschnupfen.

Tabelle: Behandlungsmöglichkeiten bei Alopecia Areata

Behandlung Beschreibung Anwendung Mögliche Nebenwirkungen
Kortison (topisch) Entzündungshemmend Creme oder Lösung Hautirritationen, Dünnerwerden der Haut
Kortison (Injektion) Entzündungshemmend Injektion in die Kopfhaut Schmerzen, Hautatrophie
Minoxidil Fördert die Durchblutung Lösung, Spray oder Schaum Hautirritationen, vermehrter Haarwuchs an anderen Körperstellen
JAK-Inhibitoren (Baricitinib) Unterdrückt Entzündungsprozesse Tabletten Beeinträchtigung des Immunsystems, Infektionen
DCP (Diphenylcyclopropenon) Löst eine allergische Reaktion aus Wöchentliches Auftragen auf die Kopfhaut Ekzeme, starke Hautreizungen

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