Kreisrunder Haarausfall, medizinisch als Alopecia areata bekannt, ist eine Erkrankung, bei der sich runde, kahle Stellen auf dem Kopf oder seltener auch im Bart oder am gesamten Körper ausbreiten. Oft ist der Haarverlust mit einem hohen Leidensdruck verbunden.
Meist lässt sich Alopecia areata leicht von anderen Formen des Haarausfalls unterscheiden: Bei einem erblich bedingten Haarausfall werden die Haare beispielsweise zunehmend lichter - bei der Alopecia areata bilden sich plötzlich kahle, örtlich begrenzte und runde Flecken.
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.
In Deutschland sind etwa eine Million Menschen von kreisrundem Haarausfall betroffen. Weltweit leiden etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung darunter. Frauen und Männer sind gleichermaßen betroffen. In den meisten Fällen beginnt der Haarausfall vor dem 40. Lebensjahr, meist schon im Kinder- oder Jugendalter.
Abhängig vom Verlauf und Ausmaß unterscheiden Fachleute drei Formen:
Kreisrunder Haarausfall ruft charakteristische Symptome hervor: Besonders am Kopf bilden sich innerhalb kurzer Zeit runde, scharf begrenzte kahle Flecken unterschiedlicher Größen.
Im Randbereich finden sich häufig kurze, dicke Haare, die sich leicht herausziehen lassen. Typisch sind auch sogenannte Ausrufezeichenhaare: Diese werden aufgrund einer gestörten Verhornung zur Wurzel hin schmaler. Auch diese Haare fallen im weiteren Verlauf der Erkrankung aus. Kahle Stellen breiten sich zunehmend aus.
Die Haut der kahlen Flecken wirkt gesund, es sind also keine Rötungen oder Vernarbungen zu sehen. Da die Haut zuvor behaart und somit vor der Sonne geschützt war, ist sie in der Regel sehr hell.
Kreisrunder Haarausfall betrifft vor allem den Kopf, mitunter aber auch andere behaarte Körperstellen, zum Beispiel:
In der stärksten Ausprägung kann Alopecia areata zum Verlust der gesamten Körperbehaarung führen (Alopecia areata universalis).
Bislang sind die genauen Ursachen von kreisrundem Haarausfall bei Frauen und Männern nicht geklärt. Jedoch vermuten Fachleute eine Störung des Immunsystems: Körpereigene Immunzellen greifen Haarfollikel an, welche sich in der Folge entzünden.
Haarfollikel sind die Haarwurzel umgebende Strukturen, die sie in der Kopfhaut verankern. Durch die Entzündung stoppt das Haarwachstum und die Haare fallen aus.
Warum sich vermutlich das Immunsystem gegen die Haarfollikel richtet, ist bislang nicht abschließend erforscht. Möglicherweise ist eine genetische Veranlagung ein wichtiger Faktor. Leidet ein Familienmitglied darunter, ist es wahrscheinlich, dass auch dessen Kinder zu Haarverlust neigen.
Expert*innen sind sich jedoch sicher, dass Alopecia areata keine Folge von Mangelernährung oder äußeren Einflüssen wie Luftverschmutzung ist.
Es wird vermutet, dass auch psychische Einflüsse wie emotional belastende Ereignisse kreisrunden Haarausfall beeinflussen. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen scheint Stress ein wesentlicher Faktor zu sein.
Die*der Ärztin*Arzt stellt die Diagnose vor allem anhand des typischen Aussehens der haarlosen Areale auf der Kopfhaut. Charakteristisch für Alopecia areata sind Ausrufezeichenhaare, die Richtung Wurzel und Haarfollikel schmaler werden. Aber auch dicke, kurze Haare, die schnell ausfallen und einfach herausgezogen werden können, sind ein Anzeichen.
Darüber hinaus untersuchen Fachleute die Fingernägel hinsichtlich typischer Längsrillen und Grübchen.
Im Rahmen des ärztlichen Gesprächs wird zum Beispiel erfragt, seit wann der Haarverlust vorliegt und ob weitere Erkrankungen, etwa Neurodermitis, Psoriasis oder Asthma, bestehen.
Wichtig ist, dass andere für den Haarausfall denkbare Auslöser ausgeschlossen werden. Kahle Stellen können zum Beispiel auch Symptom einer Pilzinfektion der Kopfhaut sein, der sogenannten Tinea capitis. Vor allem bei jungen Betroffenen sollte auch eine sogenannte Trichotillomanie als mögliche Ursache in Betracht gezogen werden.
Kreisrunder Haarausfall ist nicht heilbar. Es gibt verschiedene Behandlungsmethoden, die bestenfalls nur eine kurzfristige Wirksamkeit zeigen. Meist fallen die Haare nach Absetzen der Mittel erneut aus. Daher raten Fachleute Betroffenen häufig dazu, abzuwarten, ob der Haarausfall von selbst nachlässt und die Haare wieder nachwachsen.
Zum Einsatz können verschiedene Medikamente in Form von Cremes, Haarwassern, Tabletten oder Injektionen kommen. Dazu zählen folgende Wirkstoffe:
Menschen mit kreisrundem Haarausfall berichten oftmals von einem hohen Leidensdruck - was meist zusätzlichen Stress bedeutet. Umso wichtiger ist es, Stress so gut es geht zu reduzieren. Aktive Ruhepausen im Alltag, Entspannungstechniken, Meditation oder Yoga sind einige beispielhafte Maßnahmen.
Vor allem der Besuch einer Selbsthilfegruppe scheint sich in Bezug auf den plötzlichen Haarverlust als hilfreich zu erweisen.
Der Verlauf bei kreisrundem Haarausfall ist individuell. Häufig kommt es zu einer Spontangenesung:
Die ersten neuen Haare sind häufig flaumartig, also kurz, zart und hell. Anschließend kommen längere Haare nach, die ebenfalls schwach oder wenig pigmentiert sind. Später wachsen dann Haare in der ursprünglichen Farbe nach.
Bei etwa jeder zweiten betroffenen Person tritt die Erkrankung irgendwann erneut auf. Wie viel Zeit zwischen den Schüben vergeht, ist unterschiedlich. Bei einigen Menschen sind es nur wenige Monate, bei anderen Jahrzehnte.
Es ist mittlerweile kein Geheimnis mehr, dass die Einnahme der Pille, also orale Kontrazeptiva, diffusen Haarausfall verursachen kann. Ein Grund dafür sind bestimmte Gestagene, die in der Pille enthalten sind. Diese künstlich hergestellten Hormone ähneln dem Schwangerschaftshormon Progesteron, kommen jedoch im natürlichen Hormonhaushalt des Körpers nicht vor.
Einige Gestagene, die eine androgene Wirkung haben, können diffusen Haarausfall begünstigen. Zu diesen gehören beispielsweise Norethisteron, Levonorgestrel und Tibolon.
Glücklicherweise gibt es Möglichkeiten, den Haarausfall zu mildern. Ein Wechsel zu einer Pille mit geringerem Gestagengehalt kann eine mögliche Lösung sein. Gestagene wie Desogestrel, Gestoden oder Norgestimal, die eine geringere androgene Wirkung haben, können dabei helfen, den Haarausfall zu reduzieren.
Zudem klagen viele Frauen über diffusen Haarausfall nach dem Absetzen der Pille. Der Grund hierfür liegt im starken Absinken der Östrogenspiegel im Körper. Dadurch wechseln die Haare im Wachstumsstadium (Anagenphase) plötzlich in das Ruhe- und Ausfallsstadium (Telogenphase). Durch den veränderten Haarzyklus bemerkt man den vermehrt einsetzenden Haarausfall oft erst einige Wochen nach Absetzen des Medikaments.
In der Regel normalisiert sich der Haarausfall im Laufe der Zeit von selbst, und die verlorenen Haare beginnen nachzuwachsen.
Sollte der Haarausfall jedoch über mehrere Monate anhalten oder sehr stark ausgeprägt sein, ist es ratsam, einen Facharzt/eine Fachärztin zur Abklärung aufzusuchen. Eine professionelle medizinische Einschätzung kann dabei helfen, mögliche Therapieansätze zu identifizieren.
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