Kreisrunder Haarausfall (Alopecia Areata): Ursachen, Behandlung und Erfahrungen

Der kreisrunde Haarausfall, auch bekannt als Alopecia Areata (AA), ist eine Autoimmunerkrankung, bei der sich das körpereigene Immunsystem gegen die eigenen Haarfollikel wendet. Diese Autoimmunreaktion führt zu Entzündungen, die das Haarwachstum stören und schließlich zum Ausfall der Haare führen. Dabei treten typischerweise eine oder mehrere kreisrunde kahle Stellen auf dem Kopf auf.

Von Alopezia totalis spricht man bei Verlust aller Kopfhaare, von Alopezia universalis bei Verlust aller Körperhaare. Die unterschiedlichen Typen des Haarausfalls bei Frauen werden in Fachkreisen mithilfe der Ludwig- Skala beschrieben.

Die Ursachen für den kreisrunden Haarausfall sind bis heute unklar. Es wird vermutet, dass eine „Fehlinformation“ des Immunsystems ein Auslöser für diese Form des Haarverlusts sein könnte. Einer der Faktoren für das Auftreten von Alopezie können psychische Belastungen sein.

Die ehrliche und ernüchternde Erkenntnis zu Alopecia Areata ist leider, dass es derzeit keine Heilung gibt. Obwohl die Krankheit weltweit bekannt ist und enorme Anstrengungen unternommen werden, die Ursachen zu erforschen, wurde noch keine Therapie gefunden, die die Krankheit ursächlich heilen kann. Es gibt Symptomtherapien, unter denen es zu einer teilweisen oder sogar vollständigen Wiederbehaarung kommen kann. Sehr häufig kommt es nach Absetzen der Therapien jedoch erneut zum Haarausfall. Viele Hautärzte raten daher ihren Patienten zunächst abzuwarten. Für viele Betroffene unverständlich und nur schwer durchführbar.

Gerade bei betroffenen Kindern fällt es den Eltern schwer, abzuwarten und dem Haarverlust lediglich tatenlos zuzusehen. Hierbei kommen vielleicht jedoch Selbstheilungskräfte in Gang, die sonst unterdrückt werden würden. Immerhin liegt die Spontanheilungsrate (also, erneutes Haarwachstum ohne vorherige Therapie) bei 75-80% - und ist damit genauso hoch wie unter den bekannten Therapie-Ansätzen!

Autoimmunerkrankungen wie die Alopecia areata (AA), der kreisrunde Haarausfall, kann man bis heute nicht heilen. Aber es gibt in Deutschland zugelassene moderne Medikamente, mit denen Symptome gelindert werden können. Dazu gehören neben anderen die JAK-Inhibitoren (JAKi). In verschiedenen Studien zeigten die JAKi bei moderater bis schwerer AA, dass die Therapie erfolgreich zu einem Nachwachsen der Haare führt.

Für die Behandlung der schweren Alopecia areata stehen mit den Januskinase-Inhibitoren Baricitinib (für Erwachsene) sowie Ritlecitinib (ab dem Alter von zwölf Jahren) neue, zugelassene Therapieoptionen zur Verfügung. Allerdings muss die Behandlung als Dauermedikation stattfinden, sonst kommt es zu einem erneuten Haarausfall. Es ist nur ein vorübergehender Effekt. Wie bei nahezu allen Medikamenten zeigen die klinischen Studien und der Praxisalltag, dass es auch sogenannte Non-Responder gibt, also Menschen, bei denen es nicht zu der erwarteten positiven Wirkung kommt.

Kaum ein Mittel verkörpert den Einstieg in die medikamentöse Therapie der Alopecia Areata so sehr, wie Kortison. Vielfach werden bei kleinen Herden von kreisrundem Haarausfall, oftmals zu Beginn der Erkrankung, kortisonhaltige Medikamente in Form von Lösungen oder Cremes eingesetzt. Die Wirkung äußerlich aufgebrachter Glukokortikoid-Präparate ist bei der Alopecia Areata allerdings wegen eingeschränkter Eindringtiefe in die Haut sehr begrenzt. Zusätzlich gibt es auch noch die Kortison-Injektionen in die Kopfhaut, sowie intravenöse Infusion (Pulstherapie).

Die Zink-Therapie beruht auf der Erkenntnis, dass es sich bei der Alopecia Areata um eine Störung des Immunsystems handelt. Aufgrund einer „Fehlinformation“ des Immunsystems versucht der Organismus, die Haarwurzel mit einer Entzündung zu zerstören. Das dem Körper zugeführte Zink wirkt als Immunstimulator und sorgt über komplizierte biochemische Reaktionen für einen Ausgleich eines Zell-Missverhältnisses im Immunsystem, das mit dem Auftreten der „Fehlinformation“ in Zusammenhang zu stehen scheint.

Thymuspeptide, wie sie in Thymuskin® eingesetzt werden, regen die Zellen des Immunsystems zur Differenzierung und Vermehrung an. Diese Stimulation setzt an den Zellen Botenstoffe frei, die modulierend auf das gesamte Netzwerk des Immunsystems wirken. Aufgrund von Erfahrungen aus Anwendungsbeobachtungen an mehreren deutschen Haut- und Universitätskliniken wurde Thymuskin® auch bei Patienten mit Alopecia Totalis und Universalis eingesetzt. In 65% der Fälle setzte nach 9 bis 12 Monaten (bei täglicher Anwendung als Haarshampoo) ein sichtbares Haarwachstum am Kopf und / oder Körper ein. Die Effektivität dieses Therapie-Ansatzes übersteigt somit nicht die Spontan-Heilungsrate und ist daher leider ebenfalls nicht gesichert.

Hypnose bei Alopecia Areata

Willemsen et al. (2006) führten eine Hypnotherapiebehandlung bei 21 Alopeziepatienten durch. Nur solche Patienten nahmen an der Studie teil, bei denen ein extensiver Haarverlust von mindestens 30 % seit mindestens 3 Monaten vorlag und die mit konventioneller Therapie nicht mehr behandelbar waren, die aber weitergeführt wurde (außer in 2 Fällen). Alle 3 Wochen fand eine hypnotische Sitzung statt. Die Patienten waren gehalten mindestens zweimal pro Woche eine Selbsthypnose durchzuführen.

Signifikanter Haarwuchs war definiert als Zunahme der Kopfbehaarung auf 75 - 100 %. Patienten die dieses Kriterium erreichten benötigten im Durchschnitt 4,8 Sitzungen. Patienten, die unter diesem Kriterium blieben, nahmen im Durchschnitt an 7,1 Sitzungen teil. In den therapeutischen Sitzungen erhielten die Patienten nach einer Hypnoseinduktion mit Suggestionen zur Entspannung und Sicherheit symptomorientierte Suggestionen sowie persönliche metaphorische Suggestionen. (Willemsen & Vanderlinden, 2008). 12 von 21 Patienten (57 %) erreichten das von den Autoren definierte Erfolgskriterium.

Im Durchschnitt lag die Zunahme der Kopfbehaarung bei den erfolgreich behandelten Patienten bei 97.5%. Bemerkenswert ist, dass bei 4 Patienten mit Verlust aller Körperhaare (AU) eine 100-prozentige Zunahme der Körperhaare auftrat. Allerdings war 6 Monate nach Abschluß der Behandlung wieder eine minimale bis signifikante Abnahme des Haarwuchses zu beobachten. Alle Patienten füllten eine Symptom Check List (SCL-90) zu Beginn und am Ende der Therapie aus. Dabei zeigte sich eine hochsignifikante Abnahme der Angst- und Depressionswerte.

Es gibt auch Berichte von Personen, die durch Audio-CDs mit geführten Meditationen und Hypnose positive Erfahrungen gemacht haben. Diese CDs zielen darauf ab, Entspannung zu fördern, negative Gedanken loszulassen und das Immunsystem zu stärken.

Typische Ausprägung von Alopecia Areata

Weitere Behandlungsansätze und Erfahrungen

Neben den genannten Therapien gibt es weitere Ansätze, die Betroffene ausprobiert haben:

  • Topische Immuntherapie: Hierbei wird eine künstliche Allergie auf den kahlen Stellen erzeugt, um das Haarwachstum anzuregen.
  • Mesotherapie/Mesohair: Eine individuell zusammengestellte Vitaminlösung wird in die Kopfhaut injiziert, um die Haarfollikel zu stärken.
  • Eigenbluttherapie (PRP): Eigenblut wird aufbereitet und wieder in die Kopfhaut injiziert, um das Haarwachstum zu fördern.

Viele Betroffene suchen nach Möglichkeiten, den Haarausfall zu kaschieren:

  • Haarverdickungen durch Extensions: Eine oft gewählte Methode, um mehr Fülle vorzutäuschen.
  • Perücken: Individuell angefertigte Perücken, die heutzutage nicht mehr direkt als „unecht“ erkennbar sind.
  • Eigenhaartransplantation: Die nachhaltigste Therapie, um den Haarverlust auszugleichen.

Ludwig-Skala zur Einteilung des Haarausfalls bei Frauen

Es ist wichtig zu beachten, dass die Erfahrungen mit verschiedenen Behandlungen individuell variieren können. Was bei einer Person funktioniert, muss nicht unbedingt bei einer anderen Person wirksam sein.

Androgenetische Alopezie - Ursachen, Symptome und Behandlung | dermanostic Hautlexikon

Psychische Belastung und Bewältigungsstrategien

Gerade für Frauen bedeutet der Haarausfall oft eine enorme Einschränkung der Lebensqualität. Erschreckend oft ist er mit einer Krankheit assoziiert. Isolation.

Der Blick in den Spiegel war für Leonie Kalin anfangs kaum auszuhalten. "Ich habe mich selbst nicht mehr erkannt", sagt sie. Es seien viele Tränen geflossen, auch bei ihren Eltern, die ihr bei Arzt- und Friseurterminen halfen. "Mit jedem Kämmen ist ein weiteres Haarbüschel ausgefallen, da mussten wir alle weinen", erinnert sich ihr Vater Jens Kalin. Seine Tochter sah für ihn "fürchterlich krank" aus - etwas, das er von der heute 24-Jährigen so nicht kannte.

Leonie Kalin hat gelernt, offen mit ihrer Erkrankung umzugehen und teilt ihre Erfahrungen in Videos. Sie erhält viele positive Rückmeldungen und möchte anderen Betroffenen Mut machen.

tags: #kreisrunder #haarausfall #hypnose #erfahrungen

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