Kreisrunder Haarausfall, medizinisch als Alopecia areata (AA) bekannt, ist eine spezielle Form des Haarausfalls, bei der die Haarfollikel durch eine übermäßige Immunreaktion geschädigt werden. Etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung sind betroffen, wobei Frauen und Männer zu gleichen Anteilen betroffen sind. Die Erkrankung tritt in der Regel plötzlich (akut) auf und kann in vielen Fällen von allein wieder verschwinden (Spontanremission). Die Erstdiagnose wird oft im Kindes- und Jugendalter gestellt. Die Beschwerden lassen sich durch eine möglichst frühzeitige Behandlung deutlich lindern.
Typisches Bild von kreisrundem Haarausfall
Kreisrunder Haarausfall ist durch fleckenartige, runde bis ovale kahle Stellen, sogenannte Herde, gekennzeichnet. Dabei ist ein einzelner Herd, mehrere verteilte Stellen oder größere zusammenlaufende Areale möglich. In diesen Bereichen findet sich zumeist kein einziges Haar, weshalb sie deutlich zu erkennen sind. Die kahlen Stellen entstehen am häufigsten am Kopf, betreffen also das Kopfhaar und bei Männern den Bart. Sie können aber auch an allen anderen Körperbereichen auftreten. Der kreisrunde Haarausfall verläuft oft in Stadien, das bedeutet, dass am Anfang meist nur einzelne wenige kahle Bereiche vorzufinden sind, die sich mit der Zeit mehren. Er kann sich auch zu einem vollständigen Haarverlust ausdehnen.
Kennzeichnend sind deutlich abgegrenzte, runde bis ovale haarlose Stellen an Kopf und anderen Körperbereichen. Das Haarlichtungsmuster reicht von einer einzelnen kahlen Stelle bis hin zu vielen verteilten oder miteinander verwachsenen haarlosen Arealen. Betroffen sind Menschen aller Altersstufen und ebenso viele Männer wie Frauen.
Beim kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata) bilden sich meist einzelne, runde, haarlose Flecken im Kopfhaar. Seltener betroffen sind Gesichtsbehaarungen wie Bart, Augenbrauen, Wimpern oder das Körperhaar. Zudem befinden sich am Rand der Flecken meist kurze, abgebrochene Haare, die zur Kopfhaut hin dünner werden. Man nennt diese umgangssprachlich Kolben-, Ausrufezeichen- oder Komma-Haare. Menschen mit kreisrundem Haarausfall können außerdem Probleme mit den Finger- und Zehennägeln haben. Typischerweise bilden sich Grübchen oder Tüpfel im Nagel.
Manchmal fallen ausschließlich die farbigen (pigmentierten) Haare aus; schon vorhandene, aber bislang kaum aufgefallene graue Haare bleiben übrig. Das erweckt den Eindruck, als sei die Person innerhalb kürzester Zeit ergraut.
Bei kreisrundem Haarausfall scheinen mehrere Faktoren zusammen zu kommen. Fachleute haben festgestellt, dass die häufigste Ursache eine Autoimmunreaktion ist, der eine Entzündungsreaktion folgt. Im Verlauf der Entzündung greifen bestimmte Immunzellen, die T-Lymphozyten, oder Substanzen des Immunsystem wie Zytokine die Haarfollikel an definierten, abgegrenzten Stellen an. Es kommt in der Folge zu einer Unterversorgung der Follikel (Follikeldystrophie), wodurch die Haare ausfallen. Studien zeigten, dass es zudem eine genetische Veranlagung für AA zu geben scheint. Sie haben festgestellt, dass es eine Häufung unter Familienmitgliedern, insbesondere unter Verwandten ersten Grades, gibt. Kreisrunder Haarausfall ist offenbar auch mit Allergien assoziiert.
Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass es sich um eine Autoimmunreaktion handelt. Genauer gesagt, erkennt das Immunsystem die körpereigenen Haare fälschlicherweise als fremd und bildet Abwehrstoffe dagegen. In der Folge entzünden sich die Haarwurzeln: Die Haare wachsen nicht mehr richtig und fallen aus.
Alopecia areata kann im Zusammenhang mit einer anderen Erkrankung auftreten. Mitunter gehen weitere Autoimmunerkrankungen mit kreisrundem Haarausfall einher.
Eine Störung in den Genen oder des Immunsystems ist vermutlich nicht die alleinige Ursache. Fachleute sprechen von einem multifaktoriellen Geschehen, bei dem möglicherweise auch Umweltfaktoren und andere gesundheitliche Aspekte wie bestehende Grunderkrankungen eine Rolle spielen. Mangelernährung oder schädliche Umwelteinflüsse sollen jedoch kein Grund für den kreisrunden Haarausfall sein.
In manchen Familien kommt kreisrunder Haarausfall gehäuft vor. Fachleute vermuten deshalb, dass diese Form des Haarausfalls erblich bedingt sein kann.
Manche Menschen mit kreisrundem Haarausfall berichten, zum Zeitpunkt des Haarausfalls starkem emotionalem Stress ausgesetzt gewesen zu sein. Bei einem Großteil der Betroffenen ist das hingegen nicht der Fall. Stress könnte daher in einem gewissen Maß ein Mitauslöser sein. Einzelne Studien weisen zudem darauf hin, dass geringe Mengen von Vitamin D im Blut kreisrunden Haarausfall begünstigen könnten.
Ob Stress und Vitamin D tatsächlich eine Rolle spielen, ist aber bisher wissenschaftlich nicht sicher belegt.
Da Haarausfall im Allgemeinen verschiedene Ursachen haben kann, erfolgt in der Regel zunächst ein ausführliches Patientengespräch, in dem der Arzt die Krankengeschichte erfasst (Anamnese). Anschließend erfolgen eine körperliche Untersuchung und eine genaue Inspektion der betroffenen Stellen. Dabei achtet der Arzt darauf, ob ein bestimmtes Haarlichtungsmuster vorliegt, das für einen kreisrunden Haarausfall spricht. Außerdem untersucht er auf Entzündungen und Schuppungen. Diese könnten beispielsweise auf eine Psoriasis oder Ekzeme anderer Ursachen hindeuten.
Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata) ist in der Regel an der Art erkennbar, wie sich das Haar lichtet - also an den typischen runden kahlen Stellen am Kopf. Mitunter entstehen die Flecken an den Augenbrauen oder im Bart. Neben der Kopf- und Gesichtsbehaarung untersuchen Ärztinnen und Ärzte das Körperhaar, denn auch dort kann kreisrunder Haarausfall auftreten. Zudem schauen sie sich die Nägel an. Denn bei Menschen mit Alopecia areata kann es zu Nagelveränderungen wie Tüpfelnägel kommen.
Zusätzlich sucht die Ärztin oder der Arzt mit einem Auflichtmikroskop (Dermatoskop) die lichten Stellen nach den typischen abgebrochenen Haaren ab - den „Ausrufezeichen-Haaren“. Außerdem kann die Ärztin oder der Arzt einen Zupftest machen. Lassen sich die Haare an den Rändern der kahlen Stellen leicht auszupfen, weist das ebenfalls auf kreisrunden Haarausfall hin. Insbesondere schaut sie oder er nach den Haarbälgen und Poren. Sind diese noch sichtbar, ist das ein Zeichen dafür, dass die Haare grundsätzlich wieder nachwachsen können. Zudem können die Poren gelb oder schwarz verfärbt sein.
Gewebe zu entnehmen, also eine Biopsie zu machen, ist in der Regel nicht notwendig. Das kommt nur dann infrage, wenn trotz einer gründlichen Untersuchung und eines ausführlichen Gesprächs die Diagnose unklar ist.
Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung. Sind nur wenige kahle Stellen vorhanden und die psychische Belastung durch den Haarverlust gering, empfehlen Ärzte zumeist, den Verlauf zunächst zu beobachten. Bleibt der Haarausfall bestehen, verschlimmert er sich oder tritt er erneut auf, gibt es verschiedene Behandlungsmethoden. Sie alle zielen darauf ab, die Beschwerden zu lindern, indem sie die Immunreaktion unterdrücken.
Bei vielen Menschen mit kreisrundem Haarausfall (Alopecia areata) wachsen die Haare innerhalb eines Jahres von allein nach. In solch einem Fall ist keine Behandlung notwendig. Das Problem: Es lässt sich nicht sicher vorhersagen, bei wem die Haare nachwachsen und bei wem nicht. Für die Behandlung von Alopecia areata stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Diese reichen von Medikamenten zur äußerlichen (topischen) Anwendung auf der Kopfhaut, über eine topische Immuntherapie bis hin zum Einsatz sogenannter JAK-Inhibitoren in Tablettenform. Ziel dieser Therapien ist, die Entzündung an den Haarwurzeln zu stoppen und die Haarwurzeln dazu anzuregen, neue Haare zu bilden und nachwachsen zu lassen. Im besten Fall wachsen die Haare nach, ohne erneut auszufallen. Ein gewisses Risiko für künftige Haarausfall-Schübe bleibt jedoch bestehen.
Welche Therapie zum Einsatz kommt, richtet sich immer auch nach den persönlichen Bedürfnissen. Wichtig: Nicht immer stellt sich nach einer Behandlung der gewünschte Erfolg ein. Vor allem bei schwerem kreisrundem Haarausfall und einem frühen Erkrankungsbeginn kommt es häufig zu Rückfällen. Außerdem haben alle Therapien Nebenwirkungen.
In verschiedenen Studien zeigten die JAKi bei moderater bis schwerer AA, dass die Therapie erfolgreich zu einem Nachwachsen der Haare führt. Für die Behandlung der schweren Alopecia areata stehen mit den Januskinase-Inhibitoren Baricitinib (für Erwachsene) sowie Ritlecitinib (ab dem Alter von zwölf Jahren) neue, zugelassene Therapieoptionen zur Verfügung. Allerdings muss die Behandlung als Dauermedikation stattfinden, sonst kommt es zu einem erneuten Haarausfall. Es ist nur ein vorübergehender Effekt.
Vielfach werden bei kleinen Herden von kreisrundem Haarausfall, oftmals zu Beginn der Erkrankung, kortisonhaltige Medikamente in Form von Lösungen oder Cremes eingesetzt. Die Wirkung äußerlich aufgebrachter Glukokortikoid-Präparate ist bei der Alopecia Areata allerdings wegen eingeschränkter Eindringtiefe in die Haut sehr begrenzt. Zusätzlich gibt es auch noch die Kortison-Injektionen in die Kopfhaut, sowie intravenöse Infusion (Pulstherapie).
Die topische Immuntherapie besteht im wiederholten Auftragen eines speziellen Kontaktallergens am Kopf. Hierdurch wird ein allergisches Kontaktekzem erzeugt und unterhalten. In der so behandelten Kopfhaut wird neues Haarwachstum angeregt. Beide Substanzen stellen derzeit keine zugelassenen Medikamente dar und benötigen eine aufwendige Behandlung. Daher sollte diese Methode generell nur bei ausgedehnten und schwerwiegenden Formen der Alopecia Areata angewendet werden.
Die Zink-Therapie beruht auf der Erkenntnis, dass es sich bei der Alopecia Areata um eine Störung des Immunsystems handelt. Das dem Körper zugeführte Zink wirkt als Immunstimulator und sorgt über komplizierte biochemische Reaktionen für einen Ausgleich eines Zell-Missverhältnisses im Immunsystem, das mit dem Auftreten der „Fehlinformation“ in Zusammenhang zu stehen scheint.
Thymuspeptide, wie sie in Thymuskin® eingesetzt werden, regen die Zellen des Immunsystems zur Differenzierung und Vermehrung an. Diese Stimulation setzt an den Zellen Botenstoffe frei, die modulierend auf das gesamte Netzwerk des Immunsystems wirken.
Verschiedene Behandlungsmethoden können in Betracht gezogen werden
Vorbeugend lässt sich gegen kreisrunden Haarausfall im Grunde nichts tun. Seine Auslöser sind unbekannt und lassen sich somit nicht vermeiden. Um zu verhindern, dass die Erkrankung weiter fortschreitet, empfehlen Fachleute Betroffenen daher, bei den ersten Anzeichen den Haarverlust dermatologisch untersuchen zu lassen.
Einige Hersteller von Produkten mit Inhaltstoffen wie Zink oder Vitamin D werben damit, dass diese sich positiv auf das Immunsystem und Haarwachstum auswirken würden. Dafür gibt es bislang jedoch keine wissenschaftlichen Belege.
Häufig wachsen die ausgefallenen Haare nach mehreren Monaten von selbst wieder nach. Es ist jedoch möglich, dass die Haare erneut ausfallen. Wie genau die Erkrankung im Einzelnen verläuft, lässt sich nur schwer vorhersagen.
Bei ungefähr der Hälfte der Menschen mit mildem kreisrundem Haarausfall wachsen die Haare nach der ersten Episode innerhalb von einem Jahr nach. Ein Großteil aller betroffenen Personen erlebt mehr als ein Haarausfall-Ereignis im Lauf des Lebens.
Es gibt Faktoren, die einen wiederkehrenden Haarausfall wahrscheinlicher machen. Dazu zählen:
Jeder Mensch geht unterschiedlich damit um, Haare zu verlieren. Manche kommen gut damit klar, für andere ist es ein einschneidendes Erlebnis. Kreisrunder Haarausfall fällt leicht auf und kann dazu führen, dass sich Betroffene unwohl fühlen. Tritt der Haarverlust sehr plötzlich auf oder ist er sehr stark ausgeprägt, kann das emotional enorm belasten. Mitunter passiert es, dass Menschen aufgrund des Haarausfalls gemobbt und sozial ausgegrenzt werden - vor allem bei Kindern und Jugendlichen ist dieses Risiko groß. In solchen Fällen lässt sich einiges tun, um den Leidensdruck zu mindern.
Manchen hilft es, den Kopf zu rasieren - viele Männer greifen zu dieser Maßnahme. Andere tragen lieber eine Perücke oder ein Haarteil. Man bekommt den Haarersatz ärztlich verordnet. Die Krankenkassen übernehmen dafür unter bestimmten Voraussetzungen ganz oder teilweise die Kosten. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse zu den genauen Konditionen. Wer kreisrunden Haarausfall an den Wimpern hat, kann erwägen, künstliche Wimpern zu tragen. Sind die Augenbrauen betroffen, kann man künstliche Augenbrauen aufkleben, die Augenbrauen mit Schminke nachzeichnen oder tätowieren lassen (Permanent-Make-up). Bevor man sich für die eine oder andere Maßnahme entscheidet, ist eine Beratung zu den Kosten sowie zu den Vor- und Nachteilen der Methode sinnvoll.
Wenn der Haarausfall trotz kosmetischer Maßnahmen sehr stark belastet und psychische Symptome wie Depressivität oder Ängstlichkeit hinzukommen, ist professionelle psychotherapeutische Hilfe sinnvoll.
Vielen Menschen mit kreisrundem Haarausfall hilft es, sich in Selbsthilfegruppen auszutauschen. Das Gespräch mit Menschen, die selbst mit Haarausfall zu tun haben und die Probleme und Herausforderungen kennen, bewirkt oft schon viel. Zudem bieten sie eine Plattform, um einen besseren Umgang mit der Erkrankung zu finden.
Der Alopecia Areata Deutschland e.V. bietet Unterstützung und Informationen
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