Kahle Stellen auf dem Kopf sind oft ein Albtraum. Zwar sind die Ursachen für den kreisrunden Haarausfall noch nicht abschließend geklärt, vieles spricht aber für eine Fehlreaktion des Immunsystems. In diesem Fall richten sich die Abwehrmechanismen des Körpers gegen körpereigene Haarzellen. Hier erfahren Sie mehr über Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten.
Unter einer Alopecia areata versteht man einen Haarausfall, bei dem sich die haarlosen Stellen kreisrund präsentieren. Sie verläuft schubweise ohne Juckreiz und heilt nicht-narbig ab. Die Erkrankung betrifft Frauen und Männer gleichermaßen.
Normalerweise verlieren wir jeden Tag bis zu 100 Kopfhaare. Diese Zahl kann individuell etwas abweichen und auch im Jahresverlauf gewissen Schwankungen unterliegen. Wird sie jedoch über einen längeren Zeitraum deutlich überschritten, so spricht man von krankheitsbedingtem Haarausfall.
Die auch für die Haargesundheit zuständigen Hautärzte unterscheiden mehrere verschiedene Formen des übermäßigen Haarverlustes. Zeigt sich der Haarausfall kreisrund, so sprechen sie von der Alopezia areata (kreisrunder Haarausfall). Typisch für diese Form des Haarausfalls ist das Auftreten deutlich abgegrenzter, etwa münzgroßer kahler Stellen. Neben dem Kopfhaar kann hiervon auch die Körperbehaarung betroffen sein.
Vor allem Kinder und junge Menschen sind betroffen.
Die Ursachen für den kreisrunden Haarausfall sind bislang noch nicht eindeutig ermittelt. Man vermutet jedoch, dass es sich um eine Fehlreaktion des Immunsystems handelt. Vieles spricht dafür, dass sich bei den betroffenen Frauen die Immunabwehr der Haut fälschlicherweise gegen die Haarfollikel richtet.
Normalerweise zielt unser Immunsystem nur darauf ab, körperfremde Krankheitserreger unschädlich zu machen. Bei Frauen mit kreisrundem Haarausfall scheint es jedoch so zu sein, dass die Immunzellen die Haarwurzeln angreifen. Diese entzünden sich, was zu einer Störung des Haarwachstums führt.
An den betroffenen Stellen befinden sich viele Haarfollikel in einer Art Schlafzustand. Sie sind jedoch nicht komplett zerstört. Sobald der Angriff durch die Immunzellen nachlässt, ist es möglich, dass an derselben Stelle das Haar ganz normal wieder nachwächst.
Typisch für den kreisrunden Haarausfall ist ein wellenförmiger Verlauf, bei dem die Symptome kommen und gehen. Warum es zu dieser selbstzerstörerischen Reaktion des Immunsystems kommt, ist nicht bekannt. Allerdings finden die Ärzte bei jedem dritten Patienten auch eine erhöhte Allergiebereitschaft.
Zudem scheint kreisrunder Haarausfall teilweise in Verbindung mit anderen Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto oder Rheuma aufzutreten.
Die genaue Ursache der AA ist noch nicht vollständig geklärt, doch ist es allgemein anerkannt, dass der Kollaps des Immunprivilegs des Haarfollikels eine entscheidende Rolle in der Entstehung der Krankheit spielt.
Der Entzündungsprozess der Erkrankung wird über das Einwandern von Immunzellen in und um den Haarfollikel vermittelt. Dadurch kommt es zu einem Bienenschwarm-ähnlichen Infiltrat (siehe Bild). Daran sind Lymphozyten wie T-Zellen und NK-Zellen sowie Mastzellen und dendritische Zellen beteiligt.
Die Entzündungsreaktion ist auch über Botenstoffe (Zytokine) vermittelt. Entscheidende Zytokine bei AA sind Interferon-γ-, Interleukin-2- und Interleukin-15.
Das Aufflammen einer AA führt zu einer deutlich verkürzten Anagen (Wachstums)-Phase des Haarwachstumszyklus.
Es wird vermutet, dass auch genetische Faktoren einen Einfluss haben.
Weitere mögliche Ursachen und Faktoren:
Manche Menschen mit kreisrundem Haarausfall berichten, zum Zeitpunkt des Haarausfalls starkem emotionalem Stress ausgesetzt gewesen zu sein. Bei einem Großteil der Betroffenen ist das hingegen nicht der Fall. Stress könnte daher in einem gewissen Maß ein Mitauslöser sein.
Einzelne Studien weisen zudem darauf hin, dass geringe Mengen von Vitamin D im Blut kreisrunden Haarausfall begünstigen könnten.
Ob Stress und Vitamin D tatsächlich eine Rolle spielen, ist aber bisher wissenschaftlich nicht sicher belegt.
Beim kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata) bilden sich meist einzelne, runde, haarlose Flecken im Kopfhaar. Seltener betroffen sind Gesichtsbehaarungen wie Bart, Augenbrauen, Wimpern oder das Körperhaar.
Zudem befinden sich am Rand der Flecken meist kurze, abgebrochene Haare, die zur Kopfhaut hin dünner werden. Man nennt diese umgangssprachlich Kolben-, Ausrufezeichen- oder Komma-Haare.
Menschen mit kreisrundem Haarausfall können außerdem Probleme mit den Finger- und Zehennägeln haben. Typischerweise bilden sich Grübchen oder Tüpfel im Nagel.
Bei manchen Menschen fallen ausschließlich die farbigen (pigmentierten) Haare aus; schon vorhandene, aber bislang kaum aufgefallene graue Haare bleiben übrig. Das erweckt den Eindruck, als sei die Person innerhalb kürzester Zeit ergraut.
Alopecia areata kann im Zusammenhang mit einer anderen Erkrankung auftreten.
Verschiedene Formen des kreisrunden Haarausfalls:
Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata) ist in der Regel an der Art erkennbar, wie sich das Haar lichtet - also an den typischen runden kahlen Stellen am Kopf. Mitunter entstehen die Flecken an den Augenbrauen oder im Bart.
Neben der Kopf- und Gesichtsbehaarung untersuchen Ärztinnen und Ärzte das Körperhaar, denn auch dort kann kreisrunder Haarausfall auftreten.
Zudem schauen sie sich die Nägel an. Denn bei Menschen mit Alopecia areata kann es zu Nagelveränderungen wie Tüpfelnägel kommen.
Zusätzlich sucht die Ärztin oder der Arzt mit einem Auflichtmikroskop (Dermatoskop) die lichten Stellen nach den typischen abgebrochenen Haaren ab - den „Ausrufezeichen-Haaren“.
Außerdem kann die Ärztin oder der Arzt einen Zupftest machen. Lassen sich die Haare an den Rändern der kahlen Stellen leicht auszupfen, weist das ebenfalls auf kreisrunden Haarausfall hin.
Insbesondere schaut sie oder er nach den Haarbälgen und Poren. Sind diese noch sichtbar, ist das ein Zeichen dafür, dass die Haare grundsätzlich wieder nachwachsen können. Zudem können die Poren gelb oder schwarz verfärbt sein.
Gewebe zu entnehmen, also eine Biopsie zu machen, ist in der Regel nicht notwendig. Das kommt nur dann infrage, wenn trotz einer gründlichen Untersuchung und eines ausführlichen Gesprächs die Diagnose unklar ist.
Der kreisrunde Haarausfall wird in jedem Fall vom Arzt behandelt. Wenn Sie entsprechende Symptome bei sich beobachten, suchen Sie auf jeden Fall einen Arzt oder einen Facharzt für Hauterkrankungen (Dermatologe) auf.
Bei vielen Menschen mit kreisrundem Haarausfall (Alopecia areata) wachsen die Haare innerhalb eines Jahres von allein nach. In solch einem Fall ist keine Behandlung notwendig. Das Problem: Es lässt sich nicht sicher vorhersagen, bei wem die Haare nachwachsen und bei wem nicht.
Für die Behandlung von Alopecia areata stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Diese reichen von Medikamenten zur äußerlichen (topischen) Anwendung auf der Kopfhaut, über eine topische Immuntherapie bis hin zum Einsatz sogenannter JAK-Inhibitoren in Tablettenform.
Ziel dieser Therapien ist, die Entzündung an den Haarwurzeln zu stoppen und die Haarwurzeln dazu anzuregen, neue Haare zu bilden und nachwachsen zu lassen.
Im besten Fall wachsen die Haare nach, ohne erneut auszufallen. Ein gewisses Risiko für künftige Haarausfall-Schübe bleibt jedoch bestehen.
Welche Therapie zum Einsatz kommt, richtet sich immer auch nach den persönlichen Bedürfnissen. Wichtig: Nicht immer stellt sich nach einer Behandlung der gewünschte Erfolg ein. Vor allem bei schwerem kreisrundem Haarausfall und einem frühen Erkrankungsbeginn kommt es häufig zu Rückfällen. Außerdem haben alle Therapien Nebenwirkungen.
Hier ist eine Tabelle, die die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten zusammenfasst:| Behandlungsmethode | Beschreibung | Anwendung |
|---|---|---|
| Kortison (topisch) | Entzündungshemmende Präparate | Auftragen auf die kahlen Stellen |
| Kortison (Injektion) | Kortison wird in die Haut gespritzt | Direkt in die haarlosen Stellen |
| Kortison (systemisch) | Einnahme von Kortison-Tabletten | Bei stärker ausgeprägtem Haarausfall |
| Minoxidil | Fördert die Durchblutung der Kopfhaut | Als Lösung, Spray oder Schaum |
| Lichttherapie | UV-B-Licht oder Excimer-Laser | Regelmäßige Sitzungen in der Arztpraxis |
| Immuntherapie mit DCP | Löst eine Allergie auf der Kopfhaut aus | Wird auf die Kopfhaut gepinselt |
| Reiztherapie mit Dithranol | Alternative zur DCP-Behandlung | Äußerliche Anwendung |
| JAK-Inhibitoren | Hemmstoffe gegen Januskinasen | Tabletteneinnahme |
Es gibt zahlreiche weitere Therapieformen, um Alopecia areata zu behandeln. Allerdings ist die Datenlage hinsichtlich der Erfolgsquote oft sehr begrenzt.
Der Austasch mit anderen Menschen hilft oft dabei, besser mit dem Haarausfall umzugehen.
Jeder Mensch geht unterschiedlich damit um, Haare zu verlieren. Manche kommen gut damit klar, für andere ist es ein einschneidendes Erlebnis.
Kreisrunder Haarausfall fällt leicht auf und kann dazu führen, dass sich Betroffene unwohl fühlen.
Tritt der Haarverlust sehr plötzlich auf oder ist er sehr stark ausgeprägt, kann das emotional enorm belasten.
Mitunter passiert es, dass Menschen aufgrund des Haarausfalls gemobbt und sozial ausgegrenzt werden - vor allem bei Kindern und Jugendlichen ist dieses Risiko groß.
In solchen Fällen lässt sich einiges tun, um den Leidensdruck zu mindern.
Manchen hilft es, den Kopf zu rasieren - viele Männer greifen zu dieser Maßnahme.
Andere tragen lieber eine Perücke oder ein Haarteil. Man bekommt den Haarersatz ärztlich verordnet. Die Krankenkassen übernehmen dafür unter bestimmten Voraussetzungen ganz oder teilweise die Kosten. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse zu den genauen Konditionen.
Wer kreisrunden Haarausfall an den Wimpern hat, kann erwägen, künstliche Wimpern zu tragen.
Sind die Augenbrauen betroffen, kann man künstliche Augenbrauen aufkleben, die Augenbrauen mit Schminke nachzeichnen oder tätowieren lassen (Permanent-Make-up). Bevor man sich für die eine oder andere Maßnahme entscheidet, ist eine Beratung zu den Kosten sowie zu den Vor- und Nachteilen der Methode sinnvoll.
Wenn der Haarausfall trotz kosmetischer Maßnahmen sehr stark belastet und psychische Symptome wie Depressivität oder Ängstlichkeit hinzukommen, ist professionelle psychotherapeutische Hilfe sinnvoll.
Vielen Menschen mit kreisrundem Haarausfall hilft es, sich in Selbsthilfegruppen auszutauschen. Das Gespräch mit Menschen, die selbst mit Haarausfall zu tun haben und die Probleme und Herausforderungen kennen, bewirkt oft schon viel.
Zudem bieten sie eine Plattform, um einen besseren Umgang mit der Erkrankung zu finden.
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