Kreisrunder Haarausfall, auch Alopecia areata genannt, ist eine weitere, aber eher seltene Form des Haarverlustes. Bei kreisrundem Haarausfall handelt es sich um einen lokal begrenzten krankhaften Haarausfall, der überwiegend die Kopf-, seltener die übrige Körperbehaarung angreift. Die Alopecia areata (AA) tritt zu 80 Prozent der Fälle im Kopfbereich auf. Bei Männern kann zusätzlich der Bartwuchs betroffen sein.
Da die kahlen Stellen des kreisrunden Haarausfalls oft deutlich sichtbar sind, belastet er die Psyche und das Wohlbefinden der Betroffenen, die subjektiv mit jedem Haar an Attraktivität und Selbstvertrauen einbüßen.
Der entzündliche Haarausfall beginnt häufig im Kindes- und jungen Erwachsenalter, kann aber prinzipiell in jedem Alter auftreten. Kreisrunder Haarausfall kann in jedem Lebensalter einsetzen, mit einer höheren Wahrscheinlichkeit im zweiten und dritten Lebensjahrzehnt. Er kommt bei ungefähr ein bis zwei Prozent der Bevölkerung vor, wobei Frauen und Männer gleichermaßen betroffen sind.
Die Ursache von kreisrundem Haarausfall wurde bis heute nicht einwandfrei geklärt. Mediziner vermuten, dass er durch Autoimmunkrankheiten ausgelöst wird, also durch Krankheiten, die sich gegen den eigenen Körper richten.
„Bei kreisrundem Haarausfall, in der Fachsprache als Alopecia areata bezeichnet, handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung gegen die in der Haut liegenden Haarbestandteile. Die Ursache dafür ist noch nicht eindeutig geklärt“, sagt Prof. Dr. Michael Tronnier, Chefarzt der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Helios Klinikum Hildesheim.
Die AA ist eine Autoimmunerkrankung, bei der sich die körpereigenen Immunzellen gegen die Strukturen der Haarwurzel richten und Antikörper bilden. Als Folge der fehlgesteuerten Immunreaktion entzünden sich die Haarwurzeln, wodurch die Haare nicht mehr richtig wachsen und es zum kreisrunden Haarausfall kommt“, erklärt Prof. Dr.
In diesem Fall greift das Immunsystem keine Viren und Bakterien, sondern das körpereigene Haar an, da es die Behaarung als Fremdkörper wahrnimmt. Die Entzündung, die dabei ausgelöst wird, behindert das natürliche Haarwachstum: Die Abwehrzellen schädigen den Haarfollikel, wodurch das Haar nicht mehr wie gewöhnlich ausgebildet werden kann. Infolgedessen fällt das Haar aus.
Auch genetische Faktoren scheinen den kreisrunden Haarausfall zu begünstigen. So ist das Erkrankungsrisiko von Verwandten eines Betroffenen erhöht. Die genauen genetischen Hintergründe sind jedoch noch nicht ausreichend erforscht. Da 10 bis 25% der Fälle familiär gehäuft auftritt, ist eine Erblichkeit der kreisrunden Alopezie nicht auszuschließen.
Zusätzlich zu genetischen Ursachen werden äußere Einflüsse wie Umweltfaktoren (unter anderem Infektionen) und psychischer Stress als Auslöser in Betracht gezogen. Über Umwelteinflüsse wie Schadstoffe als mögliche Ursache gibt es bisher kaum Erkenntnisse.
Eine psychische Ursache wurde bisher zwar nicht nachgewiesen, doch Mediziner gehen davon aus, dass auch Stress oder ein schwerer psychischer Schock als Auslöser von kreisrundem Haarausfall infrage kommen.
Kreisrunder Haarausfall tritt oft zusammen mit anderen Erkrankungen auf. Dazu zählen etwa Autoimmunerkrankungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion und die Weißfleckenkrankheit (Vitiligo), aber auch atopische Erkrankungen, also mit Allergieneigung wie Neurodermitis und Heuschnupfen. Neben diesen können auch ein Vitamin D-Mangel sowie psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen vorliegen.
Meist tritt er plötzlich auf. Runde bis ovale kahle Stellen unterschiedlicher Größe bilden sich heraus; die Haut zeichnet sich durch eine Elfenbeinfarbe ab, abgebrochene Haare an den Rändern der kahlen Stellen lassen sich leicht herausziehen.
Welche Symptome treten beim kreisrunden Haarausfall auf? Der Haarausfall beginnt plötzlich und oftmals mit einer Stelle oder wenigen etwa münzgroßen kahlen Stellen. Innerhalb weniger Wochen werden diese Areale größer. Betroffen sind zumeist die Kopfhaut oder die Körperbehaarung, aber auch Augenbrauen oder Bart können diese Form des Haarausfalls aufweisen.
Häufig befinden sich noch sehr kurze Haare in diesen Bereichen. Die Haut sieht nicht verändert oder entzündet aus.
Symptome der Alopecia areata:
Weitere Formen der Alopecia areata:
Bei manchen Menschen fallen ausschließlich die farbigen (pigmentierten) Haare aus; schon vorhandene, aber bislang kaum aufgefallene graue Haare bleiben übrig. Das erweckt den Eindruck, als sei die Person innerhalb kürzester Zeit ergraut.
In einigen Fällen haben Betroffene zusätzliche Veränderungen der Fingernägel mit Dellen, Rillen oder schleifpapierartigen rauen Stellen.
Die Ausprägung des kreisrunden Haarausfalls ist recht unterschiedlich. Bleiben die Areale rund und abgegrenzt, sprechen Experten von der mildesten Form, der Alopecia reticularis.
In der Regel reicht bereits das klinische Bild - die typischen runden kahlen Stellen -für die Diagnose des kreisrunden Haarausfalls aus.
Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata) ist in der Regel an der Art erkennbar, wie sich das Haar lichtet - also an den typischen runden kahlen Stellen am Kopf. Mitunter entstehen die Flecken an den Augenbrauen oder im Bart.
"Zunächst schaue ich mir die Haare am Kopf, im Gesicht und an Körper an, danach untersuche ich die Kopfhaut genauer.
Neben der Kopf- und Gesichtsbehaarung untersuchen Ärztinnen und Ärzte das Körperhaar, denn auch dort kann kreisrunder Haarausfall auftreten. Zudem schauen sie sich die Nägel an. Denn bei Menschen mit Alopecia areata kann es zu Nagelveränderungen wie Tüpfelnägel kommen.
Zusätzlich sucht die Ärztin oder der Arzt mit einem Auflichtmikroskop (Dermatoskop) die lichten Stellen nach den typischen abgebrochenen Haaren ab - den „Ausrufezeichen-Haaren“.
Außerdem kann die Ärztin oder der Arzt einen Zupftest machen. Lassen sich die Haare an den Rändern der kahlen Stellen leicht auszupfen, weist das ebenfalls auf kreisrunden Haarausfall hin.
Insbesondere schaut sie oder er nach den Haarbälgen und Poren. Sind diese noch sichtbar, ist das ein Zeichen dafür, dass die Haare grundsätzlich wieder nachwachsen können. Zudem können die Poren gelb oder schwarz verfärbt sein.
Gewebe zu entnehmen, also eine Biopsie zu machen, ist in der Regel nicht notwendig. Das kommt nur dann infrage, wenn trotz einer gründlichen Untersuchung und eines ausführlichen Gesprächs die Diagnose unklar ist.
Glücklicherweise ist der kreisrunde Haarausfall in den meisten Fällen reversibel, also rückgängig zu machen. Und noch eine gute Nachricht: Bei einem Großteil der Fälle verschwinden die kahlen Stellen nach etwa 3-6 Monaten von allein. Trotzdem sollte bei dieser Form des Haarausfalls ein Arzt hinzugezogen werden. Regaine® und andere Mittel gegen Haarausfall können in diesem Fall leider keine Abhilfe schaffen.
Die Behandlung einer Alopecia areata ist nicht immer einfach und von verschiedenen Faktoren, wie der Ausprägung der Erkrankung sowie Begleitdiagnosen abhängig.
Was hilft bei kreisrundem Haarausfall? Diese Frage beschäftigt die Betroffenen wohl am meisten. Da die genaue Ursache von Alopecia areata nicht bekannt ist, gibt es auch keine ursächliche Therapie. Es gibt allerdings verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die darauf abzielen, neues Haarwachstum anzuregen. Manchmal helfen sie, oftmals sind sie aber auch erfolglos.
Die verschiedenen Therapien entfalten ihre Wirkung entweder lokal (vor Ort) oder systemisch (im ganzen Körper) und sollen das Haarwachstum wieder anregen:
Nicht selten wachsen die Haare wieder nach, sobald die Haarfollikel nicht mehr angegriffen werden.
„Da es sich um eine entzündliche Erkrankung handelt, beobachten wir oft eine Verbesserung unter Kortison. Diese Form der lokalen Therapie kann Betroffenen durchaus helfen und die Haare wieder wachsen lassen.
Zwar hat der kreisrunde Haarausfall keine Auswirkungen auf die Lebenserwartung, dennoch ist die psychische Gesundheit oft sehr erheblich beeinträchtigt.
Der Verlauf einer Alopecia areata ist schwer vorherzusagen und individuell sehr unterschiedlich. Bei einigen Betroffenen, die nur eine leichte Ausprägung haben, kommt es oft zu einer spontanen Rückbildung. Die kahlen Stellen wachsen wieder zu und kommen nicht mehr zurück.
Die Substanz Minoxidil kommt sowohl bei gewöhnlicher Kahlheit als auch beim kreisrunden Haarausfall als Medikament zum Einsatz. Der Wirkstoff verstärkt die Durchblutung um die Haarfollikel und fördert so das Haarwachstum.
Im Juni 2022 hat die Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) den Wirkstoff Baricitinib als ersten JAK-Inhibitor zur Behandlung von Erwachsenen mit schwerem kreisrundem Haarausfall zugelassen. Zunächst wurde der Wirkstoff 2020 als Mittel gegen rheumatoide Arthritis zugelassen. Im Juni 2022 erweitere die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) die Zulassung um die Behandlung der Alopecia areata bei Erwachsenen.
Krankenkassen sind allerdings bisher nicht verpflichtet, die noch hohen Behandlungskosten zu übernehmen.
Auch eine Einnahme von Vitamin D hat möglicherweise positive Effekte bei kreisrundem Haarausfall. Wissenschaftlich belegt ist das allerdings noch nicht.
Oft werden bei kreisrundem Haarausfall (oder sonstigem Haarausfall) Zink-Präparate empfohlen. Das Spurenelement ist unter anderem wichtig für ein starkes Immunsystem sowie für gesunde Haut und Haare. Die Einnahme von Zink hilft bei kreisrundem Haarausfall allerdings vermutlich nur dann, wenn tatsächlich ein Zinkmangel besteht.
Bei mehr als der Hälfte der Betroffenen bildet sich der Haarausfall nach sechs bis zwölf Monaten von selbst wieder zurück. Daher ist es sinnvoll, mit einer aktiven Behandlung abzuwarten. Es gibt einige Therapieansätze, die Menschen mit Alopecia areata individuell ausprobieren können. Allerdings ist die Datenlage noch nicht ausreichend, um abschließend die Wirksamkeit zu beurteilen.
Der zeitliche Verlauf ist unterschiedlich. Bei manchen Betroffenen fallen über einen kurzen oder einen längeren Zeitraum nur wenige Haare aus. Bei anderen Menschen werden schon nach wenigen Wochen deutliche Lücken sichtbar. Bei mehr als der Hälfte der Patientinnen und Patienten wachsen die Haare innerhalb von sechs bis zwölf Monaten wieder nach.
Insbesondere wenn nicht der Haaransatz betroffen ist und die kahlen Stellen in der Mitte der Kopfhaut liegen, sind die Chancen für eine spontane Heilung gut. Haarausfall, der nach einer Infektionskrankheit oder einer Geburt einsetzt, bessert sich ebenfalls häufig spontan innerhalb von wenigen Monaten.
Sind die Haare wieder nachgewachsen, hinterlässt die Erkrankung keine Narben auf der Haut.
In der Regel dauert das vollständige Nachwachsen der Haare mehrere Monate. Mitunter weist das nachgewachsene Haar eine veränderte Pigmentierung auf, die Haarfarbe hat sich also verändert.
Der stellenweise auftretende Haarverlust kann auch erneut vorkommen oder einen chronischen Verlauf nehmen, sodass die Haare nicht mehr vollständig nachwachsen. Bei kreisrundem Haarausfall, der länger als ein Jahr andauert, vor der Pubertät einsetzt oder sehr stark ausgebreitet ist, sind die Aussichten auf eine Besserung geringer. Außerdem erleben insgesamt etwa 30 bis 50 Prozent der zunächst geheilten Personen einen Rückfall.
Gleichzeitig zum kreisrunden Haarausfall leiden manche Menschen unter anderen an Autoimmunerkrankungen wie einem erblich bedingt gestörten Zuckerstoffwechsel (Diabetes mellitus Typ 1), der Weißfleckenkrankheit Vitiligo (pigmentlosen Hautflecken) oder autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen.
Jeder Mensch geht unterschiedlich damit um, Haare zu verlieren. Manche kommen gut damit klar, für andere ist es ein einschneidendes Erlebnis.
Kreisrunder Haarausfall fällt leicht auf und kann dazu führen, dass sich Betroffene unwohl fühlen.
Tritt der Haarverlust sehr plötzlich auf oder ist er sehr stark ausgeprägt, kann das emotional enorm belasten. Mitunter passiert es, dass Menschen aufgrund des Haarausfalls gemobbt und sozial ausgegrenzt werden - vor allem bei Kindern und Jugendlichen ist dieses Risiko groß.
In solchen Fällen lässt sich einiges tun, um den Leidensdruck zu mindern.
Eine überraschend erfolgreiche "Therapiemethode" ist die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe: Patienten mit kreisrundem Haarausfall profitieren von der gemeinsamen Aufarbeitung der Krankheit mit anderen Betroffenen. Besonders bei Kindern verzeichnet die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe manchmal größere Erfolge als jede medikamentöse Behandlung.
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