Kieselerde für das Haarwachstum: Erfahrungen und wissenschaftliche Erkenntnisse

Fans von Naturheilkunde und -kosmetik schwören schon lange auf Kieselerde. Sie soll ein wahrer Allrounder für Haut, Nägel und auch Haare sein. Doch wie gut wirkt sie wirklich? Macht Kieselerde Haare dichter und schöner? Wie wird sie richtig angewendet und kann sie mitunter auch Nebenwirkungen haben oder gar gesundheitsgefährdend sein?

Kommen wir erst mal zu den Basics. Was ist Kieselerde, lateinisch Silicea terra, überhaupt? Anders als der Name vermuten lässt, besteht sie nicht etwa aus zerkleinerten Kieselsteinen, sondern wird aus der fossilen Kieselalge gewonnen. Kieselerde ist reich an Silizium, einem Mineral, das im menschlichen Körper wortwörtlich eine tragende Rolle spielt. Es befindet sich in Knochen, Knorpel, Bindegewebe, Zahnschmelz, Haut und eben auch den Haaren.

Dementsprechend wird Kieselerde eine positive Wirkung auf den Körper zugesprochen. Sie soll Haare und Fingernägel schnell wachsen lassen und das Bindegewebe stärken und ist somit als Nahrungsergänzungsmittel beliebt. Sie wird in Form von Pulvern, Kapseln und Tabletten verkauft. Außerdem kann Kieselerde Bestandteil von Cremes oder anderen Pflegeprodukten sein.

Kieselerde Kapseln sind eine beliebte Form der Einnahme.

Haarausfall & dünnes Haar: Wachsen die Haare durch Kieselerde besser?

Viele Menschen schwören bei Haarausfall auf Kieselerde. Auch Menschen mit sehr feinem Haar soll sie helfen, eine dickere Haarstruktur aufzubauen und das Haar zu kräftigen. Eine Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) berichtete etwa, dass nach der täglichen Einnahme von Kieselsäure-Gel die Haare der Proband*innen voller wirkten und die Haardicke im Vorher-Nachher-Vergleich um 13 % zunahm.

Auch wenn es vereinzelte Studien gibt, die eine Wirksamkeit von Kieselerde auf die Haardichte nahelegen, gibt es aus wissenschaftlicher Sicht bisher keine ausreichenden Belege. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass bei Nahrungsergänzungsmitteln mit Kieselerde deshalb nicht direkt mit der Wirkung auf Haut, Haare oder Nägel geworben werden darf. Stattdessen braucht es zur Vermarktung folgenden Hinweis: „Traditionell angewendet zur Vorbeugung von brüchigen Fingernägeln und Haaren, zur Kräftigung des Bindegewebes. Diese Angaben beruhen ausschließlich auf Überlieferung und langjähriger Erfahrung.“

Dass es keine wissenschaftlichen Beweise für die Wirkung gibt, heißt allerdings nicht zwangsläufig, dass etwas nicht funktioniert. Denn oftmals wird zu Naturheilmitteln nur wenig geforscht. Letztendlich muss man sich bei einem Mittel wie Kieselerde also auf Erfahrungsberichte verlassen oder es einfach selbst ausprobieren. Im Internet gibt es zum Beispiel auch einige Vorher-Nachher-Bilder zur Anwendung von Kieselerde für die Haare.

Doch natürlich wirkt Kieselerde für die Haare nicht bei jedem gleich gut. Wenn du Probleme mit Haarausfall hast oder deine dünne Haarstruktur stärken möchtest, kann es deshalb nicht schaden, Kieselerde einmal selbst auszuprobieren und zu schauen, ob es nach einigen Wochen oder Monaten einen Effekt gibt.

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Wie wende ich Kieselerde für die Haare richtig an?

Stellt sich nur die Frage, wie du Kieselerde zu dir nehmen musst, damit sie die bestmögliche Wirkung entfaltet. Zwar gibt es Shampoos und Haarkuren mit Kieselerde, am sinnvollsten ist es jedoch, sie als Nahrungsergänzungsmittel zu sich zu nehmen. Das geht sowohl in Form von Tabletten und Kapseln als auch in Pulverform. Eine genaue Empfehlung dazu, wie viel des Produkts du täglich zu dir nehmen solltest, findest du meist direkt auf der Packung. In der Regel werden drei Kapseln oder drei Esslöffel des Pulvers täglich, also morgens, mittags und abends empfohlen. Nimmst du die Kieselerde in Pulverform zu dir, musst du dieses in einem Glas Wasser auflösen. Erste Ergebnisse sollten sich nach ca. drei bis vier Wochen zeigen.

Kieselerde ist auch als Pulver erhältlich, das einfach in Wasser aufgelöst werden kann.

Hat Kieselerde für die Haare Nebenwirkungen?

Bevor du Kieselerde längerfristig zu dir nimmst, solltest du dir jedoch auch möglicher Risiken durch den Verzehr des Nahrungsergänzungsmittels bewusst sein. In einigen Produkten wurden gesundheitsbedenkliche Mengen an Blei nachgewiesen. Außerdem könne Kieselerde bei langfristiger Anwendung laut dem Herausgeber des Branchenmagazins „arznei-telegram“, Wolfgang Becker-Brüser, die Niere schädigen. Ähnlich wie die positive Wirkung von Kieselerde ist jedoch auch das nicht wissenschaftlich eindeutig nachgewiesen.

Richtig ist jedoch, dass für Silizium-Verbindungen in Nahrungsergänzungsmitteln vom Bundesinstitut für Risikobewertung maximale Tagesmengen empfohlen werden. Bei Siliziumoxid sind das 350 mg/Tag, bei Kieselsäure (Silicagel) 100 mg/Tag bei Cholin-stabilisierter Orthokieselsäure 10 mg/Tag und bei organischem Silizium (Monomethylsilantriol) 10 mg/Tag.

Nachhaltige negative Effekte auf den menschlichen Körper durch den Konsum von Kieselerdeprodukten konnten bislang nicht nachgewiesen werden. Dennoch macht wohl auch in diesem Zusammenhang die Dosis das Gift. Kritiker des Nahrungsergänzungsmittels behaupten sogar eine Anwendung der Heilerde könne die Nieren schädigen. Befürworter hingegen kontern mit dem Argument, dass das Spurenelement Silicium nahezu in jeder Körperzelle vorhanden ist und somit eine externe Zufuhr nicht schädlich sein kann. In einem Punkt sind sich aber beide Parteien einig: Eine Überdosierung über einen längeren Zeitraum hinweg kann sehr wohl ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen. So sind bei einem Missbrauch der Präparate die Bildung von Harn- und Nierensteinen, sowie Beeinträchtigungen der Atemwege möglich.

Auch schwangeren Frauen wird vom Konsum des Nahrungsergänzungsmittels abgeraten, da es noch keine wissenschaftlichen Studien dazu gibt, wie sich die Einnahme auf die Gesundheit des ungeborenen Kindes auswirkt. Beim Kauf ist zudem darauf zu achten, dass man auf ein Produkt mit hoher Qualität zurückgreift. Zu vermeiden sind hingegen Mischprodukte bestehend aus vielen verschiedenen Gesteinsarten.

Was sollte ich bei der Einnahme von Kieselerde bedenken?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt je nach Silizium-Verbindung maximale Tagesmengen in Nahrungsergänzungsmitteln. Das sind bei Verwendung von Siliziumdioxid höchstens 350 Milligramm pro Tag, bei Kieselsäure (Silicagel) 100 Milligramm pro Tag, bei Cholin-stabilisierter Orthokieselsäure 10 Milligramm pro Tag oder bei organischem Silizium (Monomethylsilantriol) 10 Milligramm pro Tag.

In einigen Produkten wurden gesundheitlich bedenkliche Mengen an Blei nachgewiesen. Es ist zwar verboten, Nahrungs­ergänzungsmittel in den Handel zu bringen, die mehr als 3 Milligramm Blei pro Kilogramm enthalten. Allerdings lassen sich nach Einschätzung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit gesundheitliche Schädigungen für den Menschen nicht sicher ausschließen - so gering der Bleigehalt in einem Produkt auch sein mag. Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel sollten daher so wenig Blei wie möglich enthalten (Minimierungsgebot).

Was ist Kieselerde? Kieselerde, oder auch Silicea terra, bezeichnet Mineralien oder Meeresablagerungen (fossile Zellhüllen von Kieselalgen) mit hohem Siliziumgehalt. Als Nahrungs­ergänzungsmittel oder traditionelles Arzneimittel werden sie in Form von Pulvern, Kapseln oder Tabletten verkauft.

Braucht der Körper Kieselerde? Ein wesentlicher Bestandteil von Kieselerde ist Silizium. Silizium kommt im menschlichen Körper vor allem in Knochen, Zahnschmelz und Bindegewebe vor und wird über die Nahrung (zum Beispiel Wasser, Getreide und Getreideprodukte, Gemüse) aufgenommen. Silizium gilt beim Menschen als nicht-essenzielles Spurenelement. Physiologische Funktionen z.B. im Zusammenhang mit der Elastizität des Bindegewebes oder der Mineralisierung der Knochen werden zwar diskutiert, konnten bisher aber nicht nachgewiesen werden.

Silizium ist in vielen Lebensmitteln enthalten.

Tipp: Mehr als Kieselerde trägt eine gesunde Lebensweise zu schöner Haut, Haaren und Nägeln bei. Bewegen Sie sich regelmäßig und rauchen Sie nicht. Eine ausgewogene Ernährung mit u.a. täglich fünf Portionen Obst und Gemüse sowie reichlich Vollkornprodukten versorgt Sie mit allen nötigen Nährstoffen. Silizium steckt außerdem natürlicherweise in vielen Lebensmitteln wie Gerste, Hafer, Kartoffeln, Paprika und Spinat.

Diese Mineralstoffverbindungen sind gemäß EU-Richtlinie 2002/46/EG, Anhang II (Fassung vom 17. Juli 2024) für Silizium/Kieselerde in Deutschland und anderen EU-Ländern in Nahrungsergänzungsmitteln zugelassen:

  • cholinstabilisierte Orthokieselsäure
  • Siliziumdioxid
  • Kieselsäure (In Gelform (Silicagel))
  • organisches Silizium (Monomethylsilantriol) für flüssige Produkte** als neuartige Zutat zugelassen

Quellen:

  • medizin transparent (2023): Silizium: zur Nahrungsergänzung nutzlos? (abgerufen am 21.01.2025).
  • Verein für unabhänige Gesundheitsberatung (UGB). Brauchen wir eine extra Portion Silicium bzw. Kieselerde? (abgerufen am: 21.01.2025)
  • European Food Safety Authority (2009). Calcium silicate and silicon dioxide/silicic acid gel added for nutritional purposes to food supplements. (abgerufen am: 21.01.2025)
  • Informationsdienst der Chemischen und Veterinär­untersuchungsämter (CVUA) Stuttgart, Karlsruhe, Freiburg und Sigmaringen sowie des Staatlichen Tierärztlichen Untersuchungsamtes (STUA) Aulendorf - Diagnostikzentrum. Schwermetalle und toxische Spurenelemente - Bilanz 2013. (abgerufen am: 21.01.2025)
  • Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz. Blei in Lebensmitteln - Hintergrundinformationen. Stand: 23.08.2024 (abgerufen am: 21.01.2025)
  • European Commission. EU Register of nutrition and health claims made on foods. (abgerufen am 21.01.2025)
  • BfR (2024): Aktualisierte Höchstmengenvorschläge für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten LebensmittelnStellungnahme Nr.

tags: #kieselerde #haarwachstum #erfahrungen

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