Karsten Schwanke: Warnungen vor dem Klimawandel und Anfeindungen gegen Klimaexperten

Der ARD-Meteorologe Karsten Schwanke hat eindringlich vor den Folgen des Klimawandels in Deutschland gewarnt. In einem Interview des SWR-Videopodcasts „Zur Sache! intensiv“ sagte der 56-Jährige, Deutschland werde „Ende des Jahrhunderts keinen deutschen Wald mehr haben“.

Seine öffentliche Haltung zum Klimawandel habe sich seit 2016 verstärkt - ausgelöst durch Extremwetterereignisse wie die Überschwemmung in Braunsbach 2016, den Dürresommer 2018 und die Hitzewellen der Folgejahre. Schwanke, der seit rund 30 Jahren als Meteorologe im Fernsehen arbeitet, bezeichnete sich selbst als „Journalist“ und „Experte“, nicht als Aktivist.

Was zähle sei dann nur noch die lauteste Stimme statt die Faktenlage. Auch Der Psychologe Philipp Schmid von der Uni Erfurt bestätigt, dass neben anderen Wissenschaftler*innen zunehmend auch Meterolog*innen in den Fokus von Angriffen geraten. Das Ziel von Wissenschaftsleugnern sei es, durch persönliche Angriffe Meterolog*innen zum Schweigen zu bringen.

Dramatische Einschätzungen und Prognosen

Dramatische Einschätzung: 45 Grad und mehr könnten nach Ansicht des Fernsehmoderators bereits 2050 in Deutschland erreicht werden. Bis 2050 rechnet Karsten Schwanke zum Beispiel mit den genannten Höchsttemperaturen von 45 Grad Celsius in Deutschland. Daher sei es notwendig, das Ruder herumzureißen, appellierte Schwanke an die Teilnehmer der virtuellen Konferenz, die von der Volksbank Bielefeld-Gütersloh und vom Verein Klimawoche Bielefeld gestaltet wurde. Darauf sei das Land in keinster Weise vorbereitet, mahnt der Meteorologe.

Auch Der ARD-Wetterexperte Karsten Schwanke zeichnet in einem Videopodcast ein düsteres Bild von Deutschlands Zukunft: 45 Grad im Schatten, keine Landwirtschaft mehr, kein deutscher Wald.

Auch in der näheren Zukunft kommen Schwanke zufolge drastische Änderungen auf uns zu. Der Experte prognostizierte gegenüber SWR Temperaturen von bis zu 45 Grad im Schatten noch vor dem Jahr 2050. Solche Temperaturen sind in Deutschland keineswegs normal. Über 40 Grad seien hierzulande erstmals 1983 gemessen worden, 2019 knapp 42 Grad. Bei solch hohen Temperaturen werde es unmöglich, im Freien zu arbeiten.

Was haben die Unwetter mit dem Klimawandel zu tun? Meteorologe Karsten Schwanke | tagesthemen

„Da gehen wir nicht mehr raus. Da gibt’s keine Baustelle, wo noch Leute draußen arbeiten“, sagte Schwanke. Ähnliches sagen auch Experten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) voraus. Gegenüber der Tagesschau erklärte ein Pressesprecher, man erwarte bis 2049, dass die Temperaturen in Deutschland im Schnitt um 1,9 bis 2,3 Grad steigen werden - mit einem starken Anstieg der heißen Tage über 30 Grad. Das heißt zum Beispiel: doppelt so viele heiße Tage in Berlin wie zwischen 1971 und 2000. Tage mit Temperaturen um die 40 Grad würden bis dahin regelmäßig auftreten.

Besonders drastisch äußerte sich Schwanke zur künftigen Migrationsbewegung. „Wenn ich von Klimaflüchtlingen höre, dann haben alle Menschen Bilder im Kopf von Afrikanern, die zu uns kommen. Nein, wir werden fliehen müssen“, sagte der Meteorologe. Tatsächlich waren laut dem Internal Displacement Monitoring Centre (IDMC) zwischen 2008 und 2024 bereits rund 84.000 Menschen gezwungen, innerhalb von Deutschland ihren Wohnort zu wechseln - durch Ereignisse wie etwa Waldbrände, Überschwemmungen und Stürme. Laut Max-Planck-Gesellschaft wird die Zahl von Klimaflüchtlingen global jedoch mit Sicherheit zunehmen.

Unzureichende Vorbereitung auf Extremwetterereignisse

Besonders kritisierte Schwanke die unzureichende Vorbereitung auf Extremwetterereignisse. Am Beispiel der Flutkatastrophe im Ahrtal machte er deutlich, wie schlecht Deutschland gerüstet sei. Die Pegelmessung in Altenahr sei am 14. Juli 2021 um 20:15 Uhr ausgefallen, weil die Brücke mit dem Messgerät weggerissen wurde. Die wieder aufgebaute Pegelmessung sei erneut am Brückengeländer angebracht worden. „Beim nächsten Mal werden wir wieder ohne Daten dastehen“, kritisierte der Meteorologe.

Schwanke widersprach der gängigen Einschätzung, das Ahrtal-Ereignis sei ein 400- bis 1000-jährliches Ereignis. Der Meteorologe warnte auch vor noch extremeren Regenereignissen. Zwei Wochen vor der Ahrtal-Flut habe es in Brandenburg „zweieinhalbmal so viel Regen“ gegeben wie im Ahrtal.

Die Priorität des Klimaschutzes in der Politik rutsche „gerade von Tag zu Tag weiter nach hinten“, beklagte Schwanke. Das sei „in der Tat dramatisch“.

Zunehmende Anfeindungen gegen Klimaexperten

"Ein weiteres Mietmaul, dem man nicht mehr zuzuhören braucht", "Ein Systemschwätzer ist er, sonst nichts" - Anfeindungen wie diese erleben Karsten Schwanke, Wettermoderator der ARD, und Özden Terli vom ZDF immer häufiger. Denn in ihren Wetterberichten spielt die Klimakrise eine immer größere Rolle. Während dabei vor einigen Jahren noch kritische Fragen zu wissenschaftlichen Erkenntnissen im Mittelpunkt gestanden hätten, gebe es nun vermehrt gezielte Diffamierungen und Einschüchterungsversuche gegen ihn als Person, berichtet auch Schwanke.

Die Angriffe reichen dabei über Beleidigungen und die Unterstellung von Lügen bis hin zu Drohungen. Terli erlebt außerdem rassistische Anfeindungen. Auch dass beide für öffentlich-rechtliche Sender tätig sind, wird immer wieder thematisiert. Vorgeworfen wird ihnen dabei Hysterie, Übertreibung und ideologisch motivierte Panikmache.

Für Schwanke ein Grund mehr, in seinen Wettermoderationen immer wieder auf Klimafakten hinzuweisen. Er sieht in den Angriffen den gezielten Versuch, Berichterstattung zum Thema Klima zu unterdrücken, indem man den denjenigen, der diese Sachen vorträgt, permanent diskreditierte. Terli schließt nicht aus, sich zukünftig vollständig aus dem Netzwerk X zurückzuziehen, sollten die Angriffe in der Art weiter zunehmen.

Empfehlungen für Klimaschutzmaßnahmen

Auf die Frage, was jede und jeder Einzelne sofort zum Klimawandel beitragen kann, empfahl er Rad zu fahren oder öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Mehr Grünflächen statt Asphalt und Beton, Installation von Wasserspeichern müssten das Ziel sein, so Schwanke. Menschen in dicht besiedelten Städten bekommen die sommerliche Hitze schon jetzt besonders stark zu spüren, denn zwischen den Häuserzeilen steht die Luft. Mehr Grün ist eine weitere seiner Empfehlungen.

Aber: Pflanzen könnten ihre kühlende Wirkung nur entfalten, wenn sie auch im Sommer bewässert werden. Lagerhallen und andere gewerbliche Gebäude mit Flachdach sollten von vornherein so konstruiert sein, dass sie eine 40 Zentimeter dicke Erdschicht tragen und begrünt werden können.

Neben den Dauerthemen E Mobilität, Solar und Wind brachte er vor allem die Batterie- und Speichertechnik ins Spiel und sparte auch das Thema Wasser nicht aus. „Wir werden nicht nur eine Diskussion über neue Talsperren führen müssen“ - auch der zunehmenden Versiegelung schob Schwanke eine große Rolle zu. „Über Abläufe, Kanäle und die Flüsse gelangt das Wasser zu schnell in die Nordsee. Wir müssen den Regen wieder unserem Grundwasser zuführen“, mahnte der Diplom-Meteorologe.

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