Wenn du dich für Fitness und Muskelaufbau interessierst, hast du wahrscheinlich schon einmal von Creatin gehört. Kreatin ist eine beliebte Substanz in der Muskelzelle und wird häufig als Nahrungsergänzung im Fitnessbereich eingesetzt, um die Leistungsfähigkeit zu verbessern und den Muskelaufbau zu unterstützen. Doch gibt es auch Nachteile? Ein häufig diskutiertes Thema ist, ob Creatin zu Haarausfall führen kann. Auch beim Präparat Kreatin hält sich der Mythos, dass es zu Haarausfall führt.
Besonders junge sportliche Männer in ihren 20er- und 30er-Jahren interessieren sich für die Einnahme von Kreatin, um die Leistungsfähigkeit im Sport zu steigern. Dass Kreatin die Nebenwirkung Haarausfall nachgesagt wird, ist für sie oftmals ein unangenehmer Punkt, schließlich möchte kein Mann im Alter von 20 eine Glatze bekommen.
Wir klären auf, ob Sportler, die dieses Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, wirklich überdurchschnittlich oft von einer Halbglatze betroffen sind und ob die Einnahme von Creatin unter dem Gesichtspunkt der Haargesundheit noch zu empfehlen ist.
Hauptsächlich kommt der Verdacht, dass Creatin mit Haarausfall in Verbindung steht, aus einer einzigen Studie. Der Arzt Johann van der Merwe, untersuchte an der »Rugby Academy SA« in Paarl (Südafrika) im Rahmen seines Philosophie-Master-Abschlusses in Trainingswissenschaft die muskelaufbauende Wirkung von Kreatin.
Dabei wurde an 16 männliche Rugby-Spieler während einer Ladephase von 7 Tagen 25 Gramm Creatin täglich- und in 14 weiteren Tagen 5 Gramm täglich verabreicht. Im Rahmen dieser Studie wurde ein signifikanter Anstieg der Serum-Dihydrotestosteron (DHT)-Konzentration gemessen. Insbesondere stieg das DHT nach der siebentägigen Ladephase um 56 % und blieb nach der 14-tägigen Erhaltungsperiode 40 % über den Ausgangswerten.
Der Verdacht, dass die Einnahme von Creatin zu Haarausfall führt, rührt letztlich daher, dass DHT für einige (aber nicht alle) Formen von Haarausfall verantwortlich gemacht wird und dass bei der Supplementierung an 16 Rugby-Spielern in einer einzigen Studie der DHT-Spiegel signifikant anstieg.
In Zahlen ausgedrückt: Zwölf weitere Studien. In zwölf weiteren Studien wurde der DHT- oder Testosteron-Anstieg durch die Supplementierung mit Creatin untersucht und konnte nicht- oder nicht signifikant genug nachgewiesen werden.
In Johann van der Merwe’s Studie gab es bei keinem der Probanden einen Anstieg von freiem Testosteron. Das wiederum wird allerdings benötigt, damit das Enzym 5-alpha-Reduktase freies Testosteron in DHT umwandeln kann.
Die Studienteilnehmer der Kreatingruppe in van der Merwe’s Untersuchung hatten vor Beginn der Supplementierung einen 23 % niedrigeren DHT-Spiegel, als die Teilnehmer der Placebo-Gruppe. Schon dieser Aspekt kann den signifikanten Anstieg von DHT erklären und ist nicht auf die Supplementierung mit Creatin zurückzuführen.
DHT ist ein Stoffwechselprodukt des männlichen Sexualhormons Testosteron. DHT kann sich an die Rezeptoren der Haarfollikel binden und diese im Laufe der Zeit schrumpfen lassen. Es können keine neuen Haare mehr gebildet werden - die Haare können ausfallen.
Es ist aber wichtig zu verstehen , dass Creatin selbst die Haarfollikel nicht direkt schädigt. Die Sorge besteht vielmehr in einer möglichen hormonellen Veränderung, die bei einigen Individuen auftreten könnte.
Die Annahme, dass die Supplementierung von Kreatin den Haarausfall begünstigt, kam zum ersten Mal 2009 auf. In dem Jahr wurde eine Studie in Südafrika mit 20 Rugby Spielern, im Alter von 20 Jahren, durchgeführt. Man hat zwei Gruppen gebildet. Die eine Gruppe supplementierte eine Woche lang 25 Gramm Kreatin täglich (Ladedosierung) gefolgt von fünf Gramm Kreatin pro Tag über einen Zweitraum von zwei Wochen (Erhaltungsdosierung). Die Einnahme erfolgte jeweils mit 25 Gramm Dextrose. Die zweite Gruppe erhielt ausschließlich Dextrose als Placebo. Ein signifikantes Ergebnis der Studie war, dass nach Einnahme des Kreatins der DHT-Spiegel im Körper anstieg.
Wie wir bereits eingangs erwähnt haben, zeigten Forschungen, dass DHT mit der Haarwurzel reagiert und diese schrumpfen lässt. Die Forschungsergebnisse und die Erkenntnisse aus der Studie führten sehr wahrscheinlich zu der Annahme, dass ein erhöhter DHT Spiegel für den Haarausfall bei Männern verantwortlich ist.
Allerdings gibt es starke Zweifel daran, dass die Studie über den Haarausfall durch Creatine aussagekräftig ist. Das liegt vor allem daran, dass es sich, mit 20 Teilnehmern, um einen sehr kleine Studie gehandelt hat und die Studie nicht direkt untersucht hat, ob die Teilnehmer tatsächlich Haarausfall entwickelt haben.
Es wurde nicht genannt, welches Kreatin Produkt für die Studie verwendet wurde. Die Menge, die an Kreatin eingenommen wurde, ist das fünf-fache der empfohlenen Tagesdosis. In der Studie gibt es keinen Hinweis darauf, wann die Blutabnahme bei den Teilnehmern durchgeführt wurde. Unsere Hormone unterliegen gewissen Schwankungen, die täglich stattfinden. Aufgrund der Mängel sind die Ergebnisse der Studie invalide.
Weitere Studien, die sich mit der Supplementierung von Kreatin und dessen Wirkung auf den Testosteronspiegel und damit auf das freiliegende Testosteron (welches in DHT umgewandelt wird) auseinandersetzten, konnten keinen signifikanten Anstieg oder Effekt feststellen. Kreatin ist nicht dafür verantwortlich, dass es zum typischen Haarausfall bei Männern kommt.
Die Ursachen für Haarausfall sind vielfältig. Über 80 Prozent aller Männer und über 25 Prozent der Frauen leiden an Haarausfall. Der Großteil dieser Personen ist jedoch von erblich bedingtem Haarausfall betroffen.
Es gibt verschiedene Arten von Haarausfall:
Färbungen können Grund für Haarverlust sein, da die Haarwurzeln nicht mehr vollständig mit Nährstoffen versorgt werden. Auch Hitze ist ein entscheidender Faktor, da Haare hitzeempfindlich sind und nicht übermäßiger Hitze ausgesetzt werden sollten. Verzichten Sie außerdem auf chemische Zusätze in Pflegeprodukten, da diese das Haar strapazieren können.
Solltest du bemerken, dass du Haarausfall durch die Einnahme von Creatin erlebst, gibt es mehrere Maßnahmen, die du ergreifen kannst, um diesem Problem entgegenzuwirken. Zunächst ist es wichtig, ein Shampoo zu verwenden, das die Haarwurzeln unterstützt und stärkt. Solche Shampoos enthalten häufig Inhaltsstoffe wie Biotin, Koffein und verschiedene Vitamine, die die Kopfhaut und die Haarfollikel nähren und somit den Haarausfall reduzieren können.
Ein weiterer Schritt könnte der Besuch bei einem Spezialisten sein, um den Grad des Haarausfalls zu beurteilen und geeignete Behandlungsoptionen zu besprechen. In schwereren Fällen kann eine Haartransplantation in Erwägung gezogen werden. Bei einer Haartransplantation werden gesunde Haarfollikel von einem Teil der Kopfhaut in den betroffenen Bereich transplantiert, was eine langfristige Lösung für den Haarausfall darstellen kann.
Es ist auch ratsam, die Creatin-Dosierung zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen oder eine Pause in der Supplementierung einzulegen, um zu sehen, ob sich der Zustand der Haare verbessert. Eine Kombination dieser Maßnahmen kann helfen, den Haarausfall zu kontrollieren und gleichzeitig die Vorteile von Creatin zu nutzen.
Dass Creatin Haarausfall verursacht, ist ein Mythos, der auf einem Indiz innerhalb einer Studie beruht, die viele wichtige Aspekte nicht berücksichtigte. Wichtiger ist, dass die Ergebnisse dieser Studie nicht nur argumentativ in Frage gestellt werden können, sondern auch anhand zahlreicher weiterer Studien, welche belegen, dass die Einnahme von Creatin nicht zu einem signifikanten Anstieg von Testosteron oder DHT führt.
Zu diesem Ergebnis kommt letztlich auch eine Meta-Studie des »Journal of the International Society of Sports Nutrition« aus 2021: »Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die aktuelle Beweislage nicht darauf hindeutet, dass eine Kreatinsupplementierung das Gesamttestosteron, freies Testosteron, DHT erhöht oder Haarausfall/Kahlheit verursacht.«
Da überschüssiges Kreatin vom Körper durch den Urin ausgeschieden wird, keine Nebenwirkungen bei einer maßvollen Einnahme bekannt sind und die aktuelle Studienlage den Zusammenhang zwischen Kreatin und Haarausfall nicht bestätigen kann, kann die Einnahme von Creatin als Nahrungsergänzungsmittel nicht für Haarausfall verantwortlich gemacht werden.
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