Wenn dein Kaninchen sich häufig kratzt oder kahle Stellen im Fell zeigt, könnten Milben oder Hautpilzinfektionen dahinterstecken. Milben und Hautpilz sind für Kaninchen nicht nur lästig, sondern können unbehandelt zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen. In diesem Artikel zeigen wir dir, woran du Milben und Hautpilz bei Kaninchen erkennst, welche Mittel wirklich helfen und was du bei Hausmitteln beachten solltest.
Viele Symptome lassen darauf schließen, dass sich dein Mümmelmann Kaninchen-Milben eingefangen hat. Manche Symptome sind rein körperlich, andere äußern sich im Verhalten deines Kaninchens. Typische Symptome für Milben bei Kaninchen sind intensives Kratzen, häufiges Putzen, plötzlicher Haarausfall oder schuppige Haut. Auch Unruhe oder Rückzug können Warnzeichen sein.
Die rein physischen Symptome betreffen vor allem das Hautbild und das Fell. Sind Kaninchen-Milben die Ursache, bilden sich im Fell oft Schuppen. Auch Haarausfall ist ein häufig gesehenes Symptom. Dieser Haarausfall kann auch soweit gehen, dass sich kahle Stellen bilden. Entweder fallen die Haare direkt durch den Einfluss der Kaninchen-Milben aus oder der Prozess wird durch das Kratzen des Kaninchens verursacht. Juckreiz ist nämlich ebenfalls ein häufiges Symptom bei Kaninchen-Milben. Das Kratzen löst aber nicht nur die Haare aus der Haut, sondern verursacht auch wunde Stellen, die im weiteren Verlauf Verkrustungen bilden können. Siehst du also bei deinem Kaninchen vermehrt Schuppen, kahle Stellen oder verkrustete Wunden, kann das auf Kaninchen-Milben zurückzuführen sein. Bei manchen Milbenarten können auch Hautausschläge in Form von kleinen roten Pusteln auftreten.
Aber nicht nur rein physische Symptome sprechen oft für einen Milbenbefall. Auch die Psyche der Kaninchen leidet unter den Parasiten. Du selbst weißt wahrscheinlich, wie frustrierend es sein kann, wenn der Mückenstich auch nach dem Kratzen noch weiterjuckt. Genauso ist das mit Kaninchen. Diese haben das Problem, dass sie manche Körperstellen einfach nicht erreichen können, um durch Kratzen und Schubbern das Jucken wenigstens für den Augenblick zu lindern. Das schlägt massiv auf die Psyche und kann zwei Extreme zur Folge haben. Entweder dein Kaninchen wird ungewöhnlich unruhig, läuft gehetzt im Käfig herum, will sich nicht anfassen lassen und fängt Raufereien mit Artgenossen an. Es kann sogar auch passieren, dass dich dein Kaninchen beißt oder nach dir schnappt, wenn du es anfassen möchtest, obwohl das normalerweise sehr untypisch für dein Kaninchen ist. Die andere Extreme ist abnormal ruhiges Verhalten. Sitzt dein Kaninchen in der Ecke, will nicht fressen oder sich bewegen und wirkt apathisch, dann kann das auch für Kaninchen-Milben sprechen. Achte also neben der körperlichen Verfassung auch auf das Verhalten deines Nagers.
Mit bloßem Auge sind Milben beim Kaninchen meist nur schwer erkennbar. Einige Arten wie Cheyletiellen treten jedoch als kleine weiße Punkte auf, die sich bewegen - daher ihr Spitzname ‚Walking Dandruff‘. Haarbalgmilben hingegen leben tief in den Haarfollikeln und sind ausschließlich unter dem Mikroskop sichtbar. Besonders bekannt ist auch die Ohrmilben Psoroptes cuniculi, die sich in der Ohrmuschel und im äußeren Gehörgang ansiedelt und dort typische Symptome wie Krustenbildung und starken Juckreiz verursacht.
Wenn du beim Streicheln kleine, weiße Punkte oder lose Schuppen entdeckst, lohnt sich ein näherer Blick. Mithilfe eines Flohkamms oder einer Lupe lassen sich manchmal bewegliche Milben erkennen.
Milben kommen nicht einfach so aus dem Nichts. Meist stecken bestimmte Auslöser oder Umstände hinter einem Parasitenbefall. Milben können durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren übertragen werden, etwa in Tierheimen, bei Ausstellungen oder beim Einzug eines neuen Kaninchens. Aber auch kontaminierte Einstreu, Heu oder Pflegeutensilien können die Parasiten einschleppen. Manche Milbenarten sind sogar als „Mitbringsel“ im Futter versteckt. Einmal im Gehege, verbreiten sich die Parasiten rasch von Tier zu Tier. Besonders bei engem Körperkontakt oder gemeinsamen Schlafplätzen findet die Übertragung leicht statt.
Milben gelangen meist durch Kontakt mit infizierten Tieren oder kontaminierter Einstreu und Umgebung ins Gehege.
Folgende Faktoren führen zu einem geschwächten Immunsystem und können einen Befall begünstigen:
Es gibt verschiedene Milbenarten, die Kaninchen befallen können, jede mit ihren eigenen spezifischen Symptomen und Auswirkungen:
| Milbenart | Symptome | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Raubmilben | Schuppen, Kahlstellen | Leben auf der Hautoberfläche |
| Grabmilben | Extremer Juckreiz, Schmerzen | Leben unter der Haut |
| Ohrmilben | Krustenbildung, starker Juckreiz im Ohr | Befallen den Gehörgang |
| Herbstgrasmilben | Juckreiz, Haarausfall, Quaddeln | Treten saisonal auf |
Typische Symptome von Ohrmilben
Milben bei Kaninchen sollten immer ernst genommen werden. Unbehandelt führen die Parasiten nicht nur zu Hautproblemen, sondern können das Immunsystem schwächen und das Wohlbefinden massiv beeinträchtigen. Die klassische Behandlung erfolgt über sogenannte Akarizide, also Mittel gegen Milben. Tierärzte verschreiben häufig Spot-On-Präparate mit Ivermectin, Selamectin oder Fluralaner. Diese werden direkt auf die Haut aufgetragen und wirken systemisch.
Ein ergänzendes, frei verkäufliches Mittel ist Reudanon gegen Parasiten. Es enthält den pflanzlichen Wirkstoff Geraniol, der Milben wirksam bekämpft und dabei besonders hautfreundlich ist. Reudanon ist ideal zur Unterstützung der tierärztlichen Therapie oder zur Nachsorge geeignet.
Milde Hausmittel wie Kokosöl, Schwarzkümmelöl oder verdünntes Essigwasser können helfen, Parasiten vom Fell fernzuhalten. Teebaumöl wird häufig als Wundermittel genannt, ist aber für Kaninchen potenziell giftig. Schon kleinste Mengen können zu Vergiftungen führen.
Zur Behandlung der Ohrräude säubert die Tierärztin oder der Tierarzt zunächst vorsichtig die Ohren des Kaninchens. Dabei werden Sekret, Ohrenschmalz und nur die locker sitzenden Hautkrusten entfernt. Für die medikamentöse Therapie der Ohrräude sind Wirkstoffe geeignet, die Milben abtöten (Akarizide). Sind die Ohren des Kaninchens entzündet, erhält das Tier zudem Antibiotika, welche die Bakterien abtöten oder im Wachstum hemmen. Die Behandlung der Ohrräude beim Kaninchen erfordert Zeit. Auch zu Hause müssen Sie die entsprechenden Wirkstoffe über einige Wochen bei Ihrem Kaninchen anwenden. Gleichzeitig ist es wichtig, dass Sie die Ohren des Tieres regelmäßig reinigen. Tragen Sie stattdessen spezielle Wundsalbe auf, dies fördert die Heilung der Ohrräude. Nach wenigen Wochen gehen die Borken vollständig zurück. Eine Ohrräude beim Kaninchen hat in der Regel eine gute Prognose.
Wichtig: Nimm Veränderungen im Verhalten oder im Fellbild deines Kaninchens ernst. Ein Tierarztbesuch ist bei Verdacht immer ratsam. Der Profi erkennt nicht nur, um welche Milbenart es sich handelt, sondern kann auch gezielt behandeln.
Typische Symptome von Hautpilz
Anders als beim Meerschweinchen, erkranken Kaninchen relativ selten an Hautpilzen. Aus einer deutschen Studie geht hervor, dass Trichophyton mentagrophytes bei Kaninchen in bis zu 79 % der krankmachende Hautpilz ist. Als weitere Dermatophytenspezies konnten bei den Kaninchen T. terrestre (14,5 %), M. gypseum(9,6 %) und M. canis (2,4 %) nachgewiesen werden.
Achtung! Hautpilz kann auf den Menschen übertragen werden. Kinder und immungeschwächte Personen sollten von erkrankten Tieren ferngehalten werden. Achten Sie auf entsprechende Hygiene-Maßnahmen und kuscheln Sie während der Erkrankung nicht mit Ihrem Kaninchen!
Viele Kaninchen sind mit Pilzsporen infiziert, ohne das es zu Symptomen kommt. Ihr Abwehrsystem ist gut, so dass der Pilz keine Chance hat. Durch Stress, (nicht erkannte) Krankheiten und andere Faktoren, die das Immunsystem beeinträchtigen, kann der Hautpilz sich plötzlich ausbreiten, es kommt zu Haarausfall (oft, aber nicht immer kreisrund), meist ohne oder selten mit sehr leichten Juckreiz. Besonders häufig wird Hautpilz beim Kaninchen an den Ohren, an den Augen, im Nacken, auf der Nase und an den Füßen festgestellt. Die Stelle(n) sind oft mit einem weißlichen Schleier überzogen, schorfig (Schuppen), wund oder sogar nässend, ähnlich einer Wunde.
Wichtig ist, grundsätzlich die Ursache zu finden und abzustellen. Hat das Kaninchen gute Haltung in einem großen Gehege, ein Partnertier und ist keinem Stress ausgesetzt, sollte die ursächliche Erkrankung gefunden werden. Oft sind es versteckte Erkrankungen wie z. Ohrenentzündungen oder Gebärmuttererkrankungen, welche das Tier chronisch schwächen.
Starker Hautpilzbefall am gesamten Körper mit Schuppen, Haarausfall, Verfilzungen Hausmittel (Apfelessig, Ägyptisches Schwarzkümmelöl, Aloe Vera, Clendula-Tinktur, Heilerde, Kaisernatron, Kokosöl, Kolloidales Silber, Propolis-Salbe oder kolloidale Silbersalbe) können bei häufigen Auftragen sehr kleiner Pilzstellen den Pilz örtlich verdrängen, oft kommt er jedoch wieder oder tritt an weiteren Stellen auf.
Besser wirksam sind Mittel, die auf mit Hautpilz betroffene Stellen aufgetragen werden. Um den Hautpilz nachhaltig vom Tier zu beseitigen, sind Waschungen mit speziellen Shampoo (z.B. Malaseb® Shampoo) oftmals unumgänglich. Diese sind jedoch durchaus mit Stress verbunden, so dass im Einzelfall abgewogen werden muss.
Bei starken oder auf dem Tier verteilten Befall hilft ein Pilzmittel zum Eingeben am besten, da es im ganzen Körper wirkt. Zum Beispiel Itraconazol (z.B. Itrafungol®).
Gegen den Juckreiz hilft Fenistil®.
Oft ist es nötig, die Grunderkrankung festzustellen und zu behandeln, denn viele kranke/geschwächte Kaninchen sind durch eine andere Krankheit so geschwächt, dass der Pilz kaum behandelt werden kann. Die Behandlung muss gewissenhaft und mindestens zwei Wochen über die Genesung hinaus durchgeführt werden.
Zusätzlich sollte das Immunsystem unterstützt und aufgebaut werden.
UV-Licht (UV-Lampe oder Sonnenlicht ohne Fensterglas dazwischen) wirkt ebenfalls heilungsfördernd.
Fettsäuren, z.B. aus Leinöl, Leinsamen, Sonnenblumenkernen Schwarzkümmelsaaten oder deren Pressprodukte unterstützen die Heilung und Regeneration der Haut.
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