Im Rahmen der Abiturprüfungen im Fach Deutsch in Baden-Württemberg wurde unter anderem Juli Zehs Roman „Corpus Delicti. Ein Prozess“ als Grundlage für eine Erörterungsaufgabe gewählt. Dabei sollten die Schülerinnen und Schüler anhand eines Textes des Germanisten und Rechtswissenschaftlers Jan Wittmann beurteilen, inwiefern dessen Aussagen über den Justizapparat im Roman auf dessen Vertreter Sophie Stock und Lutz Rosentreter zutreffen.
Dieser Artikel bietet eine detaillierte Analyse des Romans, seiner Themen und seiner Relevanz im Kontext aktueller gesellschaftlicher Debatten.
Juli Zeh auf der Frankfurter Buchmesse 2018
Juli Zeh, geboren 1974, ist eine deutsche Schriftstellerin und Juristin. Sie hat zahlreiche Romane, Erzählungen und Theaterstücke veröffentlicht und sich auch politisch engagiert. Ihre Werke zeichnen sich oft durch eine Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und politischen Fragen aus.
„Corpus Delicti. Ein Prozess“ erschien im Jahr 2009. Der Roman spielt in einer fiktiven, zukünftigen Gesellschaft, in der die Gesundheit der Bürger oberste Priorität hat. Der Staat kontrolliert das Leben der Menschen bis ins kleinste Detail, um Krankheiten vorzubeugen. Mia Holl, die Protagonistin, gerät in Konflikt mit diesem System, als sie den Tod ihres Bruders Moritz betrauert und sich weigert, sich den Regeln der „Methode“ zu unterwerfen.
Der Roman behandelt eine Vielzahl von Themen, die auch heute noch relevant sind:
Die Auseinandersetzung mit diesen Themen macht den Roman zu einem wichtigen Beitrag zur aktuellen gesellschaftlichen Debatte.
Die Figuren in „Corpus Delicti“ sind komplex und vielschichtig. Mia Holl ist eine starke, aber auch verletzliche Protagonistin, die sich gegen ein übermächtiges System auflehnt. Die Vertreter des Systems, wie Sophie Stock und Lutz Rosentreter, sind ambivalent dargestellt und verkörpern unterschiedliche Facetten der Macht.
Sowohl das Recht als auch die Literatur sind sprachlich verfasst. Als rhetorisch ist die adressaten- und wirkungsbezogene Geformtheit von Rechtstexten und literarischen Texten zu beschreiben. Dabei umfasst ,Rhetorik‘ mehr als den Einsatz bestimmter ,rhetorischer Mittel‘ (elocutio-Rhetorik). Wie gerade die sog. ,neue Rhetorik‘ im Anschluss an Aristoteles geltend gemacht hat, ist die Argumentation wesentliches Element der rhetorischen Kommunikation.
Für Aristoteles ist die Rhetorik eine τέχνη, d.h. eine formale Disziplin, die zwar keine Wissenschaft darstellt, weil sie nicht auf untrüglichem Wissen beruht, sondern auf die allgemeine Meinung zielt, doch, schreibt er im Folgenden, haben alle Wissenschaften „auf gewisse Weise an beiden Anteil“, d.h. Inwieweit man von einer Systematik der antiken Rhetorik (,rhetorisches System‘) sprechen kann, wird diskutiert, aber es gibt Konstanten in den rhetorischen Lehrbüchern und Traktaten, die eine „Systembindung“ (Ueding 2005, 5) nahelegen, auch im Fall von historisch späteren Spielarten und Transformationen der Rhetorik.
„Corpus Delicti“ ist ein Roman, der zum Nachdenken anregt und die Leser dazu auffordert, sich mit den grundlegenden Fragen der menschlichen Existenz auseinanderzusetzen. Er bietet keine einfachen Antworten, sondern zeigt die Komplexität der Probleme und dieNotwendigkeit, sich kritisch mit der Welt auseinanderzusetzen.
Die Auseinandersetzung mit dem Roman im Deutschunterricht und in Abiturprüfungen zeigt seine Bedeutung für die Vermittlung wichtiger gesellschaftlicher und ethischerFragestellungen.
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