Innovative Ansätze zur Behandlung von Haarausfall: JAK-Inhibitoren und mehr

Haarausfall betrifft viele Menschen: rund 40 Prozent aller Männer und 20 Prozent aller Frauen sind davon betroffen. Die Forschung in diesem Bereich schreitet stetig voran, und es gibt vielversprechende neue Therapieansätze.

Quelle: haarzentrum-an-der-oper.de

Alopecia Areata: Ein Überblick

Die Alopecia areata (AA) ist eine chronische, immunvermittelte Krankheit, die durch akut einsetzenden Haarausfall gekennzeichnet ist. Nach dem anlagebedingten Haarausfall ist die Alopecia areata die zweithäufigste Ursache für Haarausfall. Die Wahrscheinlichkeit, mindestens einmal im Leben an einer AA zu erkranken, beträgt 2 %. Die AA betrifft die Geschlechter gleichermaßen und tritt in allen Altersgruppen und ethnischen Gruppen auf. Bei 40 % der Patienten tritt die AA das erste Mal vor dem 20. Lebensjahr auf - bei ca. 85% zeigt sich die AA bis zum 40.

Wie entsteht die AA?

Die genaue Ursache der AA ist noch nicht vollständig geklärt, doch ist es allgemein anerkannt, dass der Kollaps des Immunprivilegs des Haarfollikels eine entscheidende Rolle in der Entstehung der Krankheit spielt. Der Entzündungsprozess der Erkrankung wird über das Einwandern von Immunzellen in und um den Haarfollikel vermittelt. Daran sind Lymphozyten wie T-Zellen und NK-Zellen sowie Mastzellen und dendritische Zellen beteiligt. Die Entzündungsreaktion ist auch über Botenstoffe (Zytokine) vermittelt. Entscheidende Zytokine bei AA sind Interferon-γ-, Interleukin-2- und Interleukin-15. Das Aufflammen einer AA führt zu einer deutlich verkürzten Anagen (Wachstums)-Phase des Haarwachstumszyklus. Es wird vermutet, dass auch genetische Faktoren einen Einfluss haben.

Systemische JAK-Inhibitoren: Ein Durchbruch in der Behandlung

Systemische JAK-Inhibitoren haben ein neues Kapitel bei der Behandlung der Alopecia areata (AA) aufgeschlagen. Seit 2022 ist der JAK-1/2-Inhibitor Baricitinib EU-weit zur Behandlung von AA zugelassen, als Konsequenz der positiven Ergebnisse der BRAVE-AA1- und BRAVE-AA2-Studien. In diesen Studien wurden insgesamt 1200 Erwachsene mit ≥50% Haarausfall im SALT-Score (Severity of Alopecia Tool) randomisiert auf einmal täglich 2mg oder 4mg Baricitinib oder ein Placebo.

Der SALT-Score ist eine gewichtete Summe des prozentualen Haarausfalls in den vier Quadranten der Kopfhaut und reicht von 0 (kein Haarausfall) bis 100 (vollständiger Haarausfall). In der 4-mg-Gruppe erreichten 34% der Teilnehmer einen SALT-Score-Wert ≤20, 24,9% einen SALT-Wert ≤10.

In seinem Vortrag über JAK-Inhibitoren bei AA betonte Prof. Brett King, Yale University School of Medicine in New Haven (USA), dass Baricitinib nicht der einzige wirksame JAK-Inhibitor zur Behandlung der AA darstellt. Ebenfalls über positive Studiendaten verfügen demnach die JAK-Inhibitoren Ritlecitinib und Deuruxolitinib.

Langzeitdaten und Studienergebnisse

Inzwischen liegen auch Langzeitdaten zur Baricitinib-Behandlung vor. So wurde am AAD ein Poster zur Anwendung über einen Zeitraum von drei Jahren vorgestellt. Grund für die Studienverlängerung der BRAVE-AA-Studien bestand darin, die Langzeitwirksamkeit von Baricitinib zu testen, da die meisten Patienten mit schwerer AA langfristig behandelt werden müssen.

Insgesamt behielten 89,1% der mit der hohen Baricitinib-Dosis und 83,6% der mit der niedrigen Dosis behandelten Teilnehmer in Woche 152 einen SALT-Score ≤20 bei. Ausserdem stieg der Prozentsatz der Patienten, die vollständig oder fast vollständig nachgewachsene Augenbrauen und Wimpern hatten, von Woche 52 bis Woche 152: 70% in der 4-mg-Baricitinib-Gruppe und 68,4% in der 2-mg-Gruppe hatten nach 52 Wochen ein vollständiges oder fast vollständiges Nachwachsen der Augenbrauen erreicht. Dieser Prozentsatz stieg in Woche 152 auf 80% in der 4-mg-Gruppe und auf 66,7% in der 2-mg-Gruppe.

Nach 52 Wochen hatten 70,8% der mit 4mg Baricitinib behandelten Patienten und 68,3% der mit 2mg Baricitinib behandelten Patienten vollständig oder fast vollständig nachgewachsene Wimpern, auch diese Prozentsätze stiegen auf 80,9% bzw.

Der JAK-Inhibitor Ritlecitinib wurde in einer Phase-2b/3-Studie an Jugendlichen (12 Jahre) und Erwachsenen untersucht, wobei hier Jugendliche nach Ausführung von Prof.

Der dritte systemische JAK-Hemmer mit Wirkbelegen ist Deuruxolitinib: In der höchsten Dosis erreichten 42% der Patienten einen SALT-Score ≤20. Dass sich auch mit diesem JAK-Hemmer ein langfristig hohes Ansprechen erreichen lässt, zeigten die ebenfalls von Prof. King vorgestellten Studienergebnisse mit Deuruxolitinib nach 68-wöchiger Therapie.

Die Daten stammen aus zwei offenen Verlängerungsstudien der in Europa und in den USA durchgeführten THRIVE-AA1- und THRIVE-AA2-Studien. Nach 68 Wochen erreichten 76,6% der mit 8mg zweimal täglich behandelten Patienten und 66,7% der mit zweimal täglich 12mg Deuruxolitinib behandelten Patienten in der OC-Analyse einen SALT-Score ≤20.

Dagegen erwies sich die Lokaltherapie mit JAK-Inhibitoren bei AA als unwirksam. In einer Phase-2-Studie wurden Patienten mit AA mit einer 1,5%igen RuxolitinibCreme im Vergleich zu Placebo behandelt - leider ohne Erfolg. Ähnlich verliefen nach Ausführung von Prof. King sowohl eine randomisierte doppelblinde Studie mit einer topischen Delgocitinib-Zubereitung als auch eine offene Studie mit einer Tofacitinib-Salbe. Bei AA sollten seiner Einschätzung nach JAK-Inhibitoren also stets systemisch verabreicht werden.

Prognostische Faktoren und Therapiehinweise

Bei der Therapie der AA gilt ungeachtet des eingesetzten JAK-Inhibitors: Patienten, die zu Behandlungsbeginn noch Haare aufweisen, erreichen ein deutlich besseres Ansprechen. So erreichten in einer Studie mit Baricitinib insgesamt 39% der Patienten nach 52 Wochen einen SALT-Score ≤20. Diesen Endpunkt erreichten mit 51,2% deutlich mehr Patienten, die zu Baseline noch 50% bis 94% ihres Kopfhaars hatten, doch nur 27,7%, die zu Studienbeginn entweder keine oder nur mehr 5% der Kopfhaare aufwiesen.

Ein weiterer wesentlicher prognostischer Faktor ist die Dauer des aktuellen Schubs: So war Baricitinib deutlich wirksamer, wenn dieser weniger als vier Jahre dauerte, wohingegen ein schlechteres Behandlungsergebnis bei Schüben mit einer Dauer von über vier Jahren erreicht wurde. Mit der Behandlung abzuwarten, macht nach Ausführung von Prof.

Alle Patienten sollten nach Empfehlung von Prof. King darüber aufgeklärt werden, dass die Behandlung dauerhaft durchgeführt werden muss. Ein Behandlungsstopp führe bei den meisten Patienten zu einem Ausfall der Haare. Es dauere dann Monate, bis sie erneut nachwachsen.

Ein Spezialfall stellten AA-Patienten mit gleichzeitig bestehender ausgeprägter atopischer Dermatitis, signifikanten Allergien und/oder einer IgE-Konzentration von200 dar.

Behandlung von Alopecia Areata bei Kindern

In der Pädiatrie fehlen derzeit Behandlungsmöglichkeiten mit einem guten Nutzen-Risiko-Verhältnis für AA. Andererseits gibt es Daten, die nahelegen, dass eine frühe Intervention bereits bei der ersten Manifestation der AA im Kindesalter evtl. die weitere Krankheitsprogression aufhalten könnte.

Diese therapeutische Lücke könne Coacillium schliessen, eine Lösung mit botanischen Extrakten (22,5%) von Zitrone, Zwiebel, Kakao und Guaran - so die Ansicht von Prof. Bianca Piraccini, Universität Bologna (Italien). An der Phase-2/3-Studie RAAINBOW nahmen 62 AA-Patienten im Alter von 2 bis 18 Jahren mit einem SALT-Score von 25-50 (entspricht mässiger AA) und 50-95 (schwerer AA) teil.

Der primäre Studienendpunkt wurde erreicht, so betrug die mittlere Veränderung des SALT-Scores an Woche 24 in der Verumgruppe 22,9% gegenüber -8,0% in der Placebogruppe (p<0,0001). Im Anschluss an die Behandlungsphase von 24 Wochen wurde eine behandlungsfreie Studienphase von weiteren 24 Wochen durchgeführt.

Bemerkenswerterweise verbesserte sich der SALT-Score nach dem Absetzen von Coacillium weiter von 44 in Woche 24 auf 29 in Woche 48, 24 Wochen nach der letzten Anwendung der Lösung. Bei 82% der Teilnehmer, die mit der pflanzlichen Lösung behandelt wurden, wuchs das Haar nach Absetzen der Behandlung weiter. In Woche 48 erreichte fast die Hälfte (46,7%) der Teilnehmer in der Interventionsgruppe einen SALT-Wert ≤20 (verglichen mit 9,1% in der Placebogruppe; P=0,0031), ein Drittel der Teilnehmer erreichte sogar einen SALT-Wert ≤10 (verglichen mit 0% in der Placebogruppe; P=0,0065).

Die Lösung wurde im Allgemeinen gut vertragen, nur ein Patient brach die Behandlung aufgrund eines Ekzems ab, das sich nach Behandlungsende zurückbildete. Wie Prof. Piraccini in ihrer Schlussfolgerung betonte, ist Coacillium das erste Medikament, das bei AA eine anhaltende Remission nach der Behandlung zeigt.

Kreisrunder Haarausfall: Neue Therapie mit JAK-Inhibitoren macht Hoffnung

Weitere Therapieansätze bei Haarausfall

Neben den JAK-Inhibitoren gibt es auch andere vielversprechende Therapieansätze bei Haarausfall.

DHT-Blocker

Dihydrotestosteron (DHT) ist ein Abbauprodukt des männlichen Hormons Testosteron. Bei genetisch bedingter Veranlagung verkleinert DHT die Haarfollikel, sodass die Haare mit der Zeit dünner werden und schließlich ausfallen. Dieser Prozess wird als androgenetische Alopezie bezeichnet und betrifft sowohl Männer als auch Frauen.

DHT-Blocker hemmen die Umwandlung von Testosteron in DHT oder blockieren die Wirkung von DHT an den Haarfollikeln. Dadurch wird der schädigende Einfluss auf die Haarwurzeln reduziert, was das Fortschreiten des Haarausfalls verlangsamen oder stoppen kann. In vielen Fällen wird das Haar wieder kräftiger und dichter.

Es gibt verschiedene Arten von DHT-Blockern:

  • Medikamentöse DHT-Blocker (z. B. Finasterid in Tablettenform)
  • Topische Lösungen (z. B. Minoxidil in Kombination mit DHT-hemmenden Inhaltsstoffen)
  • Natürliche DHT-Blocker (z. B.

DHT-Blocker sind besonders bei erblich bedingtem Haarausfall geeignet. Männer profitieren häufig stärker von medikamentösen Lösungen, während Frauen eher auf topische oder pflanzliche Produkte zurückgreifen. Eine ärztliche Beratung ist wichtig, um die passende Behandlung zu finden und mögliche Nebenwirkungen zu berücksichtigen.

Medikamentöse DHT-Blocker wie Finasterid können Nebenwirkungen haben, beispielsweise Libidoverlust, Erektionsstörungen oder Stimmungsschwankungen. Pflanzliche und topische Varianten gelten in der Regel als nebenwirkungsärmer, ihre Wirksamkeit kann jedoch schwächer sein. Deshalb ist eine ärztliche Begleitung empfehlenswert.

Die Wirkung von DHT-Blockern setzt nicht sofort ein. Erste sichtbare Verbesserungen zeigen sich meist nach 3 bis 6 Monaten regelmäßiger Anwendung. Für ein nachhaltiges Ergebnis ist eine kontinuierliche Behandlung notwendig.

DHT-Blocker können den Haarausfall verlangsamen und teilweise neues Wachstum anregen. Sie stellen jedoch keine dauerhafte Lösung bei fortgeschrittenem Haarverlust dar. In solchen Fällen bietet eine Haartransplantation eine effektive Ergänzung, während DHT-Blocker anschließend helfen können, das Ergebnis langfristig zu sichern.

Haartransplantation

Die KÖ-HAIR Klinik Düsseldorf ist eine der ersten Adressen in Europa, wenn es um moderne und erfolgreiche Methoden der Eigenhaarverpflanzung geht. Die Techniken unserer Haartransplantation beruhen auf der Tatsache, dass bei den meisten Männern und Frauen, die an Haarverlust leiden, meistens der Bereich am Hinterkopf nicht von der Alopezie betroffen ist.

Bei KÖ-HAIR arbeiten wir mit zwei verschiedenen Methoden der Haartransplantation, die sich in erster Linie durch die Entnahme der Haarfollikel unterscheiden. Bei der FUT-Methode wird ein feiner Hautstreifen vom dicht bewachsenen Hinterkopf entnommen, aus dem die Grafts extrahiert werden. Der Schnitt wird sorgsam vernäht und hinterlässt nur eine sehr feine Narbe, die unter dem längeren Deckhaar verschwindet. Diese Methode der Haar-OP wenden wir vor allem an, wenn kleinere Kopfhautareale oder Bereiche transplantiert werden sollen - beispielsweise Geheimratsecken, Augenbrauen oder der Bart.

PRP-Therapie

Die PRP-Therapie ist eine minimalinvasive Behandlung, die mit Eigenblut einen der effektivsten Wirkstoffe für die Zellregeneration nutzt. Genauer gesagt verwenden wir bei dieser Therapie das blutplättchenreiche Plasma (PRP). Dazu entnehmen wir dem Patienten etwa 20 Milliliter Blut, die anschließend in einem speziellen Verfahren aufbereitet werden, so dass wir das plättchenreiche Plasma separieren können. Dort sorgt es dank seiner hohen Anzahl an Wachstumshormonen für eine Regeneration der Hautgefäße und eine Neubildung von Bindegewebe.

Die PRP-Therapie bei Haarausfall eignet sich für alle Frauen und Männer, die etwas gegen lichter werdendes Haar und Haarverlust unternehmen möchten, bei denen eine Haartransplantation medizinisch noch nicht indiziert ist. Aber auch Patientinnen und Patienten, die sich einer Haarverpflanzung bei KÖ-HAIR unterziehen, können von der Wirkung des plättchenreichen Plasmas profitieren und das Behandlungsergebnis zusätzlich unterstützen.

Überblick über verschiedene DHT-Blocker und ihre Eigenschaften

Hier ist eine Tabelle, die die verschiedenen Formen von DHT-Blockern, ihre Vor- und Nachteile sowie ihre Eignung zusammenfasst:

Form Vorteile Nachteile Geeignet für
Medikamentöse DHT-Blocker (z. B. Finasterid) Klinisch nachgewiesene Wirksamkeit; besonders effektiv bei erblich bedingtem Haarausfall; einfache Anwendung (Tablettenform) Risiko für Nebenwirkungen (z. B. Libidoverlust, Erektionsstörungen, Stimmungsschwankungen); nur für Männer zugelassen (bei Frauen nicht empfohlen); Wirkung nur bei kontinuierlicher Einnahme Männer mit fortgeschrittenem erblich bedingtem Haarausfall
Topische DHT-Blocker (z. B. Lösungen mit Minoxidil + DHT-hemmenden Inhaltsstoffen) Lokale Anwendung direkt an der Kopfhaut; nebenwirkungsärmer als orale Medikamente Regelmäßige Anwendung erforderlich (meist 1-2x täglich); Ergebnisse oft erst nach mehreren Monaten sichtbar; teilweise Hautreizungen möglich Männer und Frauen mit beginnendem oder mittelgradigem Haarausfall
Natürliche DHT-Blocker (z. B. Kürbiskernextrakt, Sägepalmextrakt) Weniger Nebenwirkungen; oft rezeptfrei erhältlich Wirksamkeit nicht immer ausreichend belegt; Ergebnisse können variieren Männer und Frauen mit leichtem Haarausfall oder zur unterstützenden Behandlung

tags: #Inhibitoren #Haarausfall

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