Indianer Frisuren Männer Bedeutung: Symbolik und Tradition

Kaum etwas hat so viel Symbolgehalt wie unser natürlicher Kopfschmuck. Das schlägt sich auch in unserer Sprache nieder: Sich die Haare raufen, Haarspalterei betreiben, zu Berge stehende Haare, ein Haar in der Suppe finden, alte Zöpfe abschneiden, an jemandem kein gutes Haar lassen - das sind nur ein paar Beispiele für Redewendungen, in denen Haare eine zentrale Rolle spielen. So erstaunt es nicht weiter, dass das Wort "Locken" zwei Bedeutungen hat, nämlich Haar-Locken und an- beziehungsweise ver-locken. Die Schlussfolgerung liegt nahe, dass Locken "locken". Schöne gepflegte Haare sind erotisch. Eine ungebändigte, lange Mähne zum Beispiel steht für "freizügige Sexualität", sagt die Kulturwissenschaftlerin Nicole Tiedemann-Bischop vom Altonaer Museum in Hamburg. Kurze Haare würden eher eine etwas verhaltene Sexualität signalisieren und geschorene Haare können gleichbedeutend mit Zölibat sein. Aber auch die Haarfarbe ist ausdrucksstark. Während blonde Haare spätestens seit Marilyn Monroe naive Erotik ausstrahlen, verbinden wir mit roten Locken leicht etwas Verruchtes, sexuell Aufregend-Gefährliches.

Nicht nur die Haarlänge oder -farbe sagen in allen Kulturen etwas über die Menschen aus, sondern auch ihre Frisur. Sie war und ist zum Teil immer noch Hinweis auf Geschlecht und soziale Stellung. In Zeiten als Mann und Frau von Welt nicht ohne Perücke das Haus verließen, war die (Zweit-)Frisur zugleich Statussymbol und Kleidungsstück. Bereits die alten Ägypter und Römerinnen trugen Perücken. Im Barock und Rokoko waren hoch aufgetürmte, kunstvoll arrangierte Haarberge modern. König Ludwig XIV., der von Natur aus klein war und gerne größer wirken wollte, war ein eifriger Perückenträger und förderte damit ihre Verbreitung. Weiß gepudert sorgten die Perücken zudem dafür, dass ihre Träger und Trägerinnen gleich alt aussahen. Spätestens mit der französischen Revolution kamen Perücken aus der Mode.

Während das erzwungene Abschneiden von Haaren demütigend ist, steht das freiwillige Abschneiden für Aufbruch und Neustart. Mit dem Bubikopf näherten sich die Frauen den Männern optisch an und machten damit einen weiteren Schritt in Richtung Emanzipation. Für einen Bruch mit den bisherigen Konventionen entschieden sich auch die männlichen Hippies in den 1960er- und 1970er-Jahren, die ihre Haare lang wachsen ließen. Frisuren waren Ausdruck von Gesinnung und Protest. Heutzutage trägt jeder auf dem Kopf, was er will - und fast niemand stört sich mehr daran. Haare haben an Symbolkraft eingebüßt.

Die Art, sein Haar zu tragen, ist immer auch Zeichen von Individualität sowie von Identität mit einer bestimmten Gruppe. Die Indianer Nordamerikas haben schmerzlich zu spüren bekommen, wie mit einer Zwangsfrisur diese Gruppenidentität zerstört werden sollte. Sie wurden nicht nur gezwungen, westliche Kleidung zu tragen, sondern mussten sich auch von ihren traditionell lang getragenen Haaren trennen, die für die Weißen ein Zeichen ungebändigter Kraft und Mangel an Zivilisation war.

Viele Kinder wollen wissen, wie die Frisuren der amerikanischen Ureinwohner oder Indianer damals aussahen. Auf diese Frage gibt es keine einheitliche Antwort. Einige der Stile, die bei den Indianern beliebt waren, unterschieden sich jedoch deutlich von denen der Europäer.

Wie sie hier sehen können, trugen nicht nur Cowboys Bandanas, sondern auch die Indianer. Willst du den Indianer Bandana Look adoptieren, dann komm vorbei. Die häufigsten Frisuren der indianischen Frauen waren einfache Frisuren (mit oder ohne Pony) oder lange Zöpfe (entweder zwei Zöpfe oder ein einziger Zopf). Im Südosten trugen viele Frauen von Stämmen wie den Creek und Chickasaw ihr Haar in einem Dutt oder Zopf am Oberkopf. Andere südwestliche Indianerinnen zogen es vor, ihr Haar auf Schulterlänge geschnitten zu halten. Um diese Frisur herzustellen, wickelte die Mutter einer jungen Frau ihr Haar um ein Stück gebogenes Holz, um ihm eine runde Form zu geben, und entfernte dann den Holzrahmen. Nur unverheiratete junge Frauen trugen diese aufwendige Frisur. Seminolen-Frauen gaben ihrem Haar diese scheibenartige Form, indem sie es um einen schrägen Papprahmen wickelten (der dann unter ihrem Haar an Ort und Stelle blieb).

Die häufigsten Frisuren der indianischen Männer waren fließende Frisuren, lange Zöpfe oder rasierte Köpfe. Aber es gab viele verschiedene Versionen von jeder dieser Grundfrisuren. Die Kammfrisur ist oft als Mohawk oder Mohikaner Frisur bekannt, nach zwei Stämmen, die sie häufig trugen. Männer mit rasiertem Kopf und Männer mit langen Zöpfen trugen manchmal künstliche Wappen. Langes schulterlanges Haar mit einem Stoffband oder bandana um die Stirn wurde im 19. Jahrhundert im Südwesten zu einem beliebten Stil. Andere Männer aus dem Südwesten drehten ihre Haare zu langen Rollen, die modernen Dreadlocks ähneln, die sie mit Ton glätteten und kämmten.

Amerikanische Ureinwohner aus einigen Stämmen der Plains und des Westens legen immer noch großen spirituellen Wert auf ihr Haar und schneiden es nur, wenn sie in Trauer sind. Andere spezielle Frisuren, wie Locken und "Kürbisblüten"-Frisuren, werden nur bei religiösen und kulturellen Anlässen getragen. Das Stirnband kann mit Perlenstickerei oder Naturleder verziert sein. zu tragen. Erst jetzt so langsam wieder fangen immer mehr junge Leute an, vor allem die Frauen, wieder lange Haare mit Stolz zu tragen. Sie fühlen in ihrem tiefsten Inneren, dass lange Haare etwas Wunderbares sind. Auch junge Männer fangen wieder an sich lange Haare wachsen zu lassen. Meist haben jene noch ein paar kleine Probleme mit der Verwandtschaft, aber sie tun es trotzdem und fühlen sich dabei gut.

Jeder Indianerstamm hat seine eigenen Bräuche, Frisuren und seinen eigenen Federschmuck. Die Sioux sehen anders aus als die Hopi und Navajo oder als die Irokesen, die durch ihre besonderen Frisuren unverkennbar sind. Alle Stämme vereint aber der Federschmuck der Indianer, dessen Federn immer von einem Steinadler stammen. Die Federn stehen für die Tapferkeit, die diesen großen wilden und mächtigen Vogel auszeichnen. Es gehörte zu den Aufgaben der jungen Krieger, die Federn des Adlers im Gebirge zu suchen.

Die Federn, die die Krieger der einzelnen Stämme mit nach Hause bringen, werden unterschiedlich beschnitten. Jeder Stamm beschneidet seine Federn anders, sie benutzen diese Schnittarbeiten als eine Art symbolartige Sprache. Jeder Indianer konnte an der Feder erkennen, von welchem Stamm ein Krieger stammt. Nur der Häuptling eines Stammes hatte das Recht, eine Federhaube zu tragen. Dieser Federschmuck der Indianer stand für große Tapferkeit, für viel Erfahrung im Kampf, aber auch für die große Weisheit eines Anführers. Heute tragen die Indianer ihren Federschmuck nur noch zu ganz besonderen Anlässen.

Den Federschmuck der Indianer kann heute jeder, wenn auch in einer einfachen Form, als Kette um den Hals oder als Ohrring tragen. Handelt es sich um echten und authentischen Federschmuck der Indianer, sind es noch echte Adlerfedern, vielfach handelt es sich jedoch um die Federn von anderen Vögeln. Der Federschmuck der Indianer findet sich heute in vielen schönen Schmuckstücken. Die Federn, verarbeitet mit Silber, machen als Anhänger an einer Kette eine sehr gute Figur. Die zarten Federn an Ohrringen sind bis heute in Handarbeit gefertigt und schmücken nicht nur die Ohren der Damen.

Wo Federn bis heute eine sehr wichtige Rolle spielen, ist in den klassischen Traumfängern. Da ist zum Beispiel Aleyki. Sein Haar trägt er geflochten in einem Zopf, der ihm bis zur Taille reicht. Oder Yuyak und Naupak, zwei Teenagerjungs. Auch sie lassen ihr Haar wachsen und wachsen und schneiden es nicht. Oft lassen sie es sich von ihrem Vater zusammenbinden.

Und Nestor, ein 16-Jähriger. Für ihn sind seine langen Haare ein Symbol für die Verbindung zwischen den Generationen. Die Fotografin Irina Werning reist seit 20 Jahren durch Lateinamerika, auf der Suche nach Menschen mit besonders langen Haaren . Bisher fotografierte Werning vor allem die Frisuren von Frauen. Fotografin Werning vebrachte einen Monat in Otavalo. Die Otavaleños, erzählt sie, verdienten ihr Geld mit Handarbeiten, die sie auf dem großen Markt der Stadt verkaufen. Im Vergleich zu anderen Indigenen Gruppen in der Region, die mit Armut und Diskriminierung kämpfen, haben die Otavaleños ein recht gutes Einkommen. Sie gelten als wirtschaftlich erfolgreich - und sind zugleich bis heute tief mit ihrer Kultur und ihren Traditionen verbunden.

Gerade in indigenen Bevölkerungen hat ungeschnittenes Haar eine Bedeutung, die weit über das Schönsein hinausgeht. Langes Haar steht für Wohlstand, die Verbindung zur Natur oder einen alten Glauben. »In einigen Gemeinden heißt es, wenn man die Haare schneidet, schneidet man Gedanken ab«, sagt Werning. Die Haare sind Metaphern. Ein einzelnes Haar, erzählen ihr die Menschen oft, sei schwach, aber zum Zopf geflochten werde es stark. Die Gruppe der Otavaleños sei, so die Fotografin Werning, bekannt für ihren Geschäftssinn und ihren wirtschaftlichen Erfolg beim Verkauf von Handwerkskunst. Auch Frauen tragen bei den Otavaleños langes Haar. Die Frisur hat also nichts mit Genderunterschieden zu tun.

»Zur Zeit der Kolonisierung Ecuadors durch die Spanier wurde den Menschen ihr Haar gewaltsam abgeschnitten, als Zeichen der Dominanz der neuen Kolonialherren«, erzählt Werning. Langes Haar galt als Hinweis auf die indigene Herkunft eines Menschen. Und indigen zu sein, das sei oft ein Nachteil gewesen, sagt Werning, etwas, das man besser versteckte. In den zwei Jahrzehnten, in denen die Fotografin Werning nun das Haar Indigener fotografiert, habe sie, sagt sie, einen Rückgang dieser Tradition beobachtet. Langes Haar - mehr als eine persönliche Entscheidung. Nicht so bei den Otavaleños. In der Gemeinschaft gibt es seit Neuestem einen Gegentrend: Viele junge Männer lassen ihr Haar wieder wachsen. Tragen es mit Stolz. Und überreden sogar Väter und Onkel, die Kurzhaarschnitte tragen, es ihnen nachzutun. Es sind hier also ausnahmsweise mal die Jungen, die die Eltern daran erinnern, eine Tradition am Leben zu lassen.

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