Herbert Grönemeyer und das sensible Thema Haartransplantation

„Wann ist ein Mann ein Mann?“, fragte Herbert Grönemeyer schon 1984. Erst, wenn er viele Muskeln hat? Wenn er dichtes Haar hat? Vor allem letzteres gilt als sensibles Thema in der Männerwelt, ist Haarausfall doch mit viel Unsicherheit behaftet.

Haarausfall kann für Männer ein sensibles Thema sein.

Eine Lösung, die häufig angepriesen wird: Haartransplantationen. Längst kann man sich damit nicht nur die Haarpracht auf dem Kopf auffüllen, sondern auch lichte Stellen im Bart verdichten lassen. Lennart Flottemesch ist diesen Schritt vor circa drei Jahren gegangen und hat sich einer Barttransplantation unterzogen. Er geht auf Instagram offen mit seinem Eingriff um, zeigt seinen und 90.000 Abonnentinnen und Abonnenten das Vorher-Nachher-Ergebnis in einem Video. „Ich persönlich finde einen vollen Bart sehr schön“, sagt der heute 32-Jährige. Zuvor sei der nicht so dicht gewesen.

Jan Böhmermann beschäftigt sich im ZDF Magazin Royale mit der Fragilität von einigen Männern. Statt der politischen Sehnsucht nach einer Rückkehr ins letzte Jahrhundert oder dem Erhalt des Status Quo thematisiert Böhmermann nun Haare. Genauer: Haarausfall.

Letztendlich dreht sich das ZDF Magazin also um die Frage, was eigentlich Männlichkeit sein soll: Dem Drang, dem gesellschaftlichen Ideal eines Mannes zu entsprechen, oder die Abweichungen zu akzeptieren. Böhmermann wirft damit keine neue Frage auf, schließlich hat etwa sein musikalischer Gast Herbert Grönemeyer im Lied „Männer“ schon 1984 davon gesungen.

Böhmermann geht mit Empathie und Spott an das Thema Haarausfall heran. Empathisch zeigt er sich gegenüber allen, die sich mit der biologischen Normalität abfinden. Spöttisch zeigt er sich dagegen gegenüber allen, für die Haarausfall einen Verlust ihrer Männlichkeit bedeutet und die unbedingt etwas dagegen tun wollen.

Und auch allgemein zieht der ZDF-Moderator über Männer her, die sich Haare transplantieren lassen: „Männer, die etwas werden wollen, legen sich lieber unters Messer als zufrieden zu sein mit dem, was sie sind: lächerliche Typen. Lächerliche Typen, die wegen etwas, das fast jedem Mann früher oder später passiert, Geld ausgeben, für sowas hier.“ Anschließend folgt ein Video, in dem erklärt wird, wie eine Haartransplantation durchgeführt wird.

Im Falle von Männern, die einem toxischen Ideal von Männlichkeit nacheifern und Unternehmen, die aus falschen Versprechungen ein millionenschweres Geschäftsmodell machen, ist Kritik definitiv angebracht. Abseits dieses einzelnen Aspekts wird die ZDF Magazin-Folge dem Anspruch nicht gerecht, investigative Themen zu behandeln oder Debatten anzustoßen.

DHI vs FUE Haartransplantation! (Vor- und Nachteile)

„Männer haben's schwer, nehmen's leicht, außen hart und innen ganz weich." So sang Herbert Grönemeyer 1984 über Männer. Die Aufzählung der durchaus schätzenswerten Eigenschaften von Männern ist damit noch nicht zu Ende. Im kommenden Jahr wird Herbert Grönemeyers Hit "Männer" 40 Jahre alt - für (manche) Männer ein einschneidendes Alter. Einige lassen sich ihre Geheimratsecken wegmachen, andere hören auf zu rauchen. Zum Weltmännertag einige Thesen aus "Männer" mal genauer angeschaut.

"Männer kriegen dünnes Haar" Egal, ob Jürgen Klopp, Elon Musk oder Christian Lindner: Männer wollen schön sein und die mit "dünnem Haar" lassen sich auch deshalb immer häufiger Haare transplantieren. Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) zufolge, die der Deutschen Presse-Agentur vorab vorliegen, machten Haartransplantationen in diesem Jahr hierzulande etwa 7,1 Prozent unter allen ästhetisch-plastischen Behandlungen aus. Das waren 5,3 Prozentpunkte mehr im Vergleich zu den beiden Vorjahren.

Entwicklung der Haartransplantationen in Deutschland.

Offiziell wird die DGÄPC-Statistik für das Jahr 2023 am 30. November veröffentlicht. Demnach kletterten Haartransplantationen bei Männern von Rang 15 der beliebtesten Eingriffe in Deutschland auf Rang 5 - ein Rekord. Ein Blick in die verschiedenen Generationen zeigt außerdem: Die Transplantationen sind vor allem bei Männern bis 50 beliebt.

Der Eingriff wurde zum ersten Mal bereits Anfang des 19. Jahrhunderts von dem deutschen Chirurgen Johann Friedrich Dieffenbach beschrieben, wie der Facharzt für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie und Präsident der DGÄPC, Alexander Hilpert, sagt. Allerdings war die Haar-Nachhilfe in Deutschland lange mit viel Scham behaftet. Erst vor rund zehn Jahren nahm es der Fußballtrainer Jürgen Klopp als einer der ersten ganz locker: "Ja, es stimmt, ich habe mich einer Haartransplantation unterzogen. Und ich finde, das Ergebnis ist ganz cool geworden, oder?", sagte er 2013. In anderen Ländern hingegen sei das schon länger kein allzu großes Thema, sagt Hilpert.

Abschließend lässt sich sagen, dass sich das Bild des Mannes wandelt und Schönheitsideale einem stetigen Wandel unterliegen. Während Herbert Grönemeyer 1984 noch die "dünnen Haare" als gegeben hinnahm, suchen Männer heute aktiv nach Lösungen, um diesem vermeintlichen Makel entgegenzuwirken. Haartransplantationen sind dabei nur eine von vielen Möglichkeiten.

tags: #herbert #gronemeyer #haartransplantation

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