Im deutschen Fernsehen gibt es gute und schlechte Parodien. Jetzt, wo der große Fußball auf allen Kanälen präsent ist, stellt sich die Frage: Ist Matze Knop wirklich so witzig, wie behauptet wird? Angeblich parodiert Matze Knop kongenial Franz Beckenbauer. Tatsächlich aber demonstriert Matze Knop vor allem, wie genügsam er mit dem komödiantischen Prinzip der Parodie umgeht.
Weil jeder Franz Beckenbauer kennt - so scheint er zu glauben - reicht es, zur Wiedererkennung ein paar simple Merkmale aufzuführen. So sagt er dann "Schau' mer mal", moduliert seine Stimme etwas bayerisch, murmelt "Lichtgestalt" und klebt sich eine Halbglatze auf. Schlägt Matze Knop daraus witzige Funken und überraschende Pointen? Mitnichten. Mit etwas Verkleidung und leidlicher Stimm-Imitation gibt er sich zufrieden. Dann bringt er ein paar allgemeine Fußballweisheiten oder sagt: "Ja, gut äh...".
Sein Witz funktioniert so: Er stellt sich in Maskerade neben Kevin Kuranyi und sagt "Mario Gomez" zu ihm. Ein Kracher! Einmal darf er sogar - auf Youtube ist das noch zu besichtigen - als "Kult-Kaiser" den wirklichen Franz Beckenbauer treffen. Wie nutzt er diese besondere Gelegenheit? Indem er Franz Beckenbauer Spielergebnisse tippen lässt! Der höfliche Franz Beckenbauer erträgt Matze Knop geduldig.
Als der richtige Franz Beckenbauer dann gegangen ist, fragt der Parodist eine Dame: "Wo bin ich denn hingegangen?" Da die Dame aber gar nicht auf die Idee kommt, den Mann mit der angeklebten Glatze mit Beckenbauer zu verwechseln, versteht sie die Frage nicht. Jeder halbwegs ambitionierte Comedian hätte dieses Video als misslungenen Versuch verworfen - Matze Knop aber präsentiert es stolz.
Der Bielefelder Matze Knop hat in Dortmund Journalistik studiert. Dann wurde er Witzbold beim privaten Radio NRW. Dort reüssierte er in der Rolle des tumben Ruhrpott-Proleten "Richie" - und profilierte sich mit dieser Ballermann-Verdoppelung. Bald übertrug er die Rolle ins Fernsehen. Gemeinsam mit Oliver Pocher hat er dann entdeckt, dass es offenbar großen Bedarf gibt, das emotionale Massenerlebnis Fußball mit Humor zu verbinden. Allein - ob in Sketchen, "Panel-Runden" oder Talks: So richtig gelingt es meistens nicht. Am besten sind da noch kurze Radio-Pointen wie es sie zu Lukas Podolski oder Oliver Kahn gab.
Denn Parodie heißt nicht, einfach nachzuahmen, was ohnehin jeder kennt, sondern sich in Gestus, Habitus und Sprache des Dargestellten hineinzuversetzen. Darum konnte Loriot Bernhard Grzimek perfekt parodieren, selbst wenn er ihm nicht zum Verwechseln ähnlich sah. Genaue Beobachtung und präzise Arbeit sind die Basis jeder guten Parodie. Diese Tugenden pflegt Matze Knop nicht. Es gibt Tausende, die sich einbilden, sie könnten Marcel Reich-Ranicki parodieren: Tatsächlich lispeln sie nur.
Vielleicht bin ich ja zu empfindlich? Aber das liegt auch daran, dass es die gute Beckenbauer-Parodie jenseits von Matze Knop längst gibt: "Harald Schmidt: Was tun, Herr Beckenbauer?" ist ebenfalls auf YouTube anzuschauen. Olli Dittrich gibt hier Franz Beckenbauer in ganz anderer Manier. Er verzichtet - anders als noch zu Zeiten von "2 Stühle, eine Meinung" in "RTL-Samstagnacht" - auf jede oberflächliche Pointe, aber bringt "den Kaiser" ironisch zu sich selbst. Wenn er etwa weitschweifig gegensätzliche Ansichten in einen Satz frachtet, das macht Beckenbauer kenntlich. Hier spürt man Arbeit und Genauigkeit.
Was wäre unsere Themenwoche Nachahmer ohne ein Gespräch mit dem wohl bekanntesten Nachahmer der Nation? Ob Spieler, Trainer oder Funktionäre - Comedian Matze Knop hat so einige Figuren aus der Welt des Fußballs in seinem Repertoire. Von Franz Beckenbauer und Jürgen Klopp über Joachim Löw und Luca Toni bis zu Cristiano Ronaldo und Philipp Lahm. Sachverstand bringt er bei seinen Parodien reichlich mit: Knop ist leidenschaftlicher Fußballfan und selbst als Amateurfußballer in der Kreisliga A beim SV RW Horn aktiv.
Im Interview mit FUSSBALL.DE erklärt Matze Knop, was den Fußball so lustig macht und worauf es bei einer guten Imitation ankommt. Außerdem verrät er, wie seine "Opfer" reagieren und welche Figur er selbst auf dem Platz macht.
FUSSBALL.DE: Herr Knop, Fußball ist ja eigentlich eine bierernste Sache, was macht ihn dennoch lustig?
Matze Knop: Fußball ist außerdem die schönste Nebensache der Welt. Und bei Nebensachen darf man auch mal lachen. Das ist ganz, ganz wichtig. Was aber nicht heißt, dass man den Fußball in seiner Ernsthaftigkeit, in seinen Grundzügen erschüttern sollte.
Sie parodieren Fußballer - wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Knop: Ich habe immer schon Stimmen nachmachen können, habe das in der Schule schon in der letzten Reihe gemacht. Dann bin ich selbst Fußballspieler, mein Vater ist Trainer, mein Bruder spielt. Die ganze Familie spielt, bis auf meine Mutter, die immer unsere Sportklamotten waschen musste. Irgendwann habe ich dann Stimmen nachahmen und Fußball zusammengebracht. Und ich habe es nicht bereut. Es macht einfach großen Spaß.
Wie viele Charaktere gehören mittlerweile zu Ihrem Repertoire?
Knop: Es sind irgendwie 40 bis 600. Aktuell sind immer um die 20. Es fallen ja immer welche weg, wenn ein Trainer irgendwo wechselt, wenn einer seine Karriere beendet. Es sind auf jeden Fall ganz schön viele. Ich müsste mich wirklich mal hinsetzen und zählen.
Welche Eigenschaften müssen die Fußballer mitbringen, um von Ihnen imitiert zu werden?
Knop: Ich sag' mal so: Der Arzt würde sagen „Diagnose dicke Hose“. Nicht umsonst habe ich mein neues Stand-up Comedy Programm so getauft. Ich parodiere einen Fußballer nur, wenn er auch ein bisschen auf den Putz haut, ob nun durch ein spielerisches Element oder durch sein Auftreten außerhalb des Platzes. Irgendwas muss schon polarisieren, damit ich sage: Ja! So ein Zlatan Ibrahimovic ist natürlich bestens geeignet oder Cristiano Ronaldo und Frank Ribery. Es gibt viele, aber manchmal könnten es gerne mehr sein. Ich ärgere mich zum Beispiel, wenn bei einer Mannschaft 18 Spieler denselben Haarschnitt haben. Da würde ich denen gerne zurufen: „Jungs, traut Euch was! Macht wieder Fokuhila, dann seid ihr eher reif für die Parodie".
Wer ist die beste Witzfigur im Fußball und warum?
Knop: Ich selbst. Wenn ich sonntags in der Kreisliga A auflaufe, muss ich mir wirklich Mühe geben, dass die Gegner mich als Fußballer respektieren und nicht deshalb den Ball ins Aus schießen, weil ich mir gerade 'nen Knoten in die Beine spiele... Aber Spaß beiseite. Ich würde das gar nicht an einer Person festmachen. Wir haben viele unheimlich tolle Fußballer, aber auch viele, die zumindest verbal mal daneben liegen. Und da freue ich mich drüber, finde das sehr sympathisch. Meiner Meinung nach ist die Bundesliga die mittlerweile erfolgreichste Liga weltweit. Das finde ich toll. Ich sehe sie noch vor der Premier League oder auch der Primera División. So ein Lothar, so ein Calli, so ein Kloppo, Beckenbauer, Guardiola oder Ribery, das sind schon alles markante Typen.
Hilft es Ihnen, wenn ein Spieler ein Markenzeichen, wie zum Beispiel Ronaldos Cowboystellung, oder einen Spleen, wie zum Beispiel hinkend den Platz zu betreten, hat?
Knop: Ja natürlich. Alles, was irgendwie anders ist, was außergewöhnlich ist, was polarisiert oder auffällt, ist immer von Vorteil. So ein kleiner oder etwas größerer, kleiner Dialekt würde Thomas Müller helfen, dass ich ihn parodiere.
Gibt es Dinge, auf denen Sie besonders gerne herumreiten?
Knop: Nein, das kann ich nicht sagen. Die Themen sind vielfältig und auch die Parodien. Ich spreche ja zum Beispiel in meinem Live-Programm nicht nur über Fußball, sondern auch über Beziehungsproblematiken, Ernährungsthemen und vieles mehr. Ich habe auch viele Damen im Publikum. Auch über die Mädels kann man tolle Witze machen. Umgekehrt passiert es mir aber auch, dass über mich gelacht wird - unfreiwillig.
In welcher Rolle gefallen Sie sich am besten?
Knop: Ich finde mich als Matze Knop schon ganz ok. Nein, ich muss anders antworten. Mein Programm heißt ja „Diagnose Dicke Hose“. Ich finde mich als Matze Knop mittlerweile ziemlich gut. (lacht) Aber ich finde es auch toll, dass ich in Rollen schlüpfen kann und dass ich schauspielerische Arbeit leisten darf. Ich habe einen tollen Beruf. Ich bin gerne Comedian und freue mich immer, wenn viele Menschen zu mir kommen, mal zwei Stunden abschalten können und viel lachen. Es hätte für mich schlimmer laufen können.
Wie reagieren Ihre "Opfer" auf die Parodien?
Knop: Gut bis sehr gut. Anfangs sind sie immer ein wenig vorsichtig und verhalten. Später reagieren sie immer positiv, weil ich die Menschen und ihre Leistung respektiere. Das ist mir wichtig. Die haben ja eine Menge für ihren Erfolg und ihre Bekanntheit geleistet. Da ist es mir ein wichtiges Anliegen, das zu respektieren.
Wie lange dauert es, eine Rolle einzustudieren?
Knop: Zwischen drei und sechs Wochen - je nachdem wie faul ich bin.
Bei welchem Star ist die Maske am aufwändigsten?
Knop: Bei allen, bei denen eine Glatze geklebt werden muss, zum Beispiel Niki Lauda, Franz Beckenbauer oder Frank Ribery. Bei Felix Magath kommt noch die Nase hinzu. Das sind eigentlich die aufwändigsten. Da sitze ich dann als Mann zwei Stunden in der Maske und langweile mich. Zum Glück hat man heute überall Internet.
Gibt es auch unnachahmliche Typen?
Knop: Kann ich gar nicht sagen. Ich glaube, dass man jeden auf irgendeine Art und Weise parodieren kann. Aber so ein paar Ecken und Kanten, stimmlich und optisch, von der Mimik, der Gestik oder dem Habitus machen es mir auf jeden Fall leichter.
Könnten Sie auch einen Amateurfußballer nachmachen und wäre das noch witzig?
Knop: Das wäre für die Mannschaftskollegen sicherlich sehr witzig. Ich spiele ja auch in einer solchen Truppe und da würden mir spontan zehn Leute einfallen, die ich parodieren könnte. Was den kommerziellen Erfolg angeht, wäre das wohl etwas begrenzt auf das Dorf, in dem ich kicke.
Welchen Spieler werden Sie als nächstes aufs Korn nehmen?
Knop: Das verrate ich nicht. Das ist wie mit dem Prototypen eines Autos. Das nennt man doch auch Erlkönig. Der wird erst enthüllt, wenn er fertig ist.
Franz Beckenbauer spielt in der Kreisliga A bei Viktoria Lippstadt. Allerdings ist er dann nicht Franz Beckenbauer, sondern Matze Knop. Immer wieder sonntags. Ist das Wochenende vorbei, verwandelt sich der 34-jährige Komiker für seine Bühnen-Auftritte und fürs Fernsehen wieder in den Kaiser, zur Zeit seine populärste Rolle.
NRZ: Sie spielen natürlich Libero?
Matze Knop: Naja, ich erkläre das mal anders. Ich spiele in der Mitte der Dreier-Abwehrreihe von Viktoria Lippstadt. Wenn ich auf dem Platz bin, achte ich darauf, dass wir eine Raumdeckung haben und die Gegenspieler übergeben. Wenn ich nicht spiele, sieht das schnell mal anders aus. Dann fallen die Jungs in die Manndeckung zurück und verfolgen ihren Gegenspieler bis aufs Klo.
NRZ: Und das machen Sie, seit Sie laufen können?
Knop: So ungefähr, ich habe mit fünf Jahren angefangen. Mein Vater war Jugendtrainer bei Borussia Lippstadt und hat dort Karl-Heinz und Michael Rummenigge trainiert.
NRZ: Und so sind Sie Bayern-Fan geworden?
Knop: Gar nicht mal. Als ich noch klein war, hatte ich große Sympathien für Schalke. Dann hatte ich eine Freundin, die Borussia-Dortmund-Fan war, also bin ich ein paar Mal mit zum BVB gefahren. Meine nächste Freundin wohnte auch noch direkt am Borsigplatz, und ich bin so halb bei ihr eingezogen.
NRZ: Geht doch gar nicht!
Knop: Ja, ich weiß, jetzt stöhnen alle Fußball-Fans: Was ist das denn für einer. Und jetzt setze ich noch einen drauf: Als ich in Bielefeld beim Radio gearbeitet habe, habe ich Uli Stein und Thomas von Heesen kennen gelernt und mochte auf einmal auch die Arminia.
NRZ: Maskottchen beim MSV?
Knop: Das war in meiner Zeit als Supa-Richie. Diese Figur ist vor ein paar Jahren durch Radio NRW bekannt geworden, und jeder Verein im Ruhrgebiet dachte: Hey, der Supa-Richie gehört zu uns. Zuerst rief der MSV an, und ich bin im Laufe der Jahre dort acht Mal bei den Spielen aufgetreten.
NRZ: Das achte dann wohl nicht...
Knop: ...genau. Eine Niederlage gegen den HSV, bei dem damals Ailton und Barbarez im Sturm spielten.
NRZ: Nie mehr was gehört?
Knop: Nö. Aber ich habe noch vier oder fünf original MSV-Trikots von damals, die ich heute immer noch beim Training anziehe. Die anderen halten sich dann immer die Hand vors Gesicht und stöhnen.
NRZ: Aber Ihr Herz schlägt für Dortmund. Oder für Schalke?
Knop: Zu dem Thema erzähle ich mal von einem Auftritt im Westfalen-Stadion, als Dortmund gegen Schalke spielte. Ich ging in der Pause raus auf den Rasen zur BVB-Fantribüne, sang als Supa-Richie mein Lied, und Schwarz-Gelb jubelte. Dann habe ich mich umgedreht und ein paar Schritte Richtung Schalker Fans gemacht. Pfiffe und Stinkefinger. Also wieder zurück, und jetzt auch aus dem BVB-Block nur noch Pfiffe. Neben mir stand Norbert Dickel, der Stadionsprecher, und sagte: „Bist du wahnsinnig, hier zu den Schalkern zu gehen? Sieh zu, wie du da raus kommst!” Dann war er weg, und ich stand allein im tobenden Stadion.
NRZ: Also gehen Sie lieber gar nicht mehr ins Stadion?
Knop: Selten, aber das liegt einfach an der fehlenden Zeit.
NRZ: Als Franz Beckenbauer auf der Tribüne?
Knop: Das habe ich natürlich auch schon gemacht. Aus der Entfernung muss ich ziemlich echt aussehen.
NRZ: Was sagt der echte Franz, wenn er Sie trifft?
Knop: Wir sind uns einmal im Stadion unter dem Motto „Kaiser trifft Kaiser” begegnet. Ich habe gesagt: „Ich glaub', ich stehe heute neben mir.” Der Franz war locker und hat gelacht.
NRZ: Und was sagt der FC Bayern zur Bayern-WG, die Sie mit Oliver Pocher in der ARD eröffnet haben?
Knop: Uli Hoeneß habe ich kürzlich noch beim 60. Geburtstag von Eintracht Frankfurts Chef Heribert Bruchhagen getroffen, er hat aber nichts zu dem Thema gesagt. Oliver Kahn schweigt auch.
NRZ: Wie lange brauchen Sie eigentlich, um sich von Matze Knop in Franz Beckenbauer zu verwandeln?
Knop: Der Maskenbildner braucht anderthalb Stunden, denn die Glatze ist schon eine sehr aufwendige Sache. Es gibt für Franz vier auffällige Merkmale, die stimmen müssen.
NRZ: Sie nähern sich Ihren Figuren tatsächlich über Äußerlichkeiten?
Knop: Nein, ich komme ja vom Radio und erarbeite mir daher zuerst die Stimme. Franz ist leicht, aber Jürgen Klinsmann ist zum Beispiel sehr schwer.
NRZ: Ist Fußball noch Hobby oder mittlerweile Arbeit?
Knop: Beides, aber mein wirklich großes Hobby ist der Mau-Mau-Club von Lippstadt. Wir spielen einmal im Monat nach strengen Regeln, und das macht die Abende teurer als Golf.
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