Eidechsen sind faszinierende Reptilien, die sich durch ihre Anpassungsfähigkeit und Vielfalt auszeichnen. Sie gehören wie die Schildkröten, Panzerechsen (Krokodile) und Brückenechsen zur Klasse der Kriechtiere (Reptilien) und dort zur Ordnung der Schuppenkriechtiere.
Der ganze Körper der Echsen ist von einem Schuppenkleid bedeckt, das aus verhornten Hautschuppen besteht. Diese Schuppen bieten Schutz und spielen eine wichtige Rolle bei der Anpassung an verschiedene Lebensräume.
In Deutschland und in der Schweiz gibt es fünf Arten: die Zauneidechse, die Mauereidechse, die Waldeidechse sowie die östliche und westliche Smaragdeidechse.
Eidechsen sind in den verschiedensten Lebensräumen zu Hause: Manche leben in heißen Wüsten, andere in feuchten, tropischen Wäldern, wieder andere in Savannen. Sie mögen vor allem warme Gegenden und liegen gern auf Steinen, die von der Sonne erwärmt werden. Die meisten Arten halten sich am Boden auf.
Wie alle Reptilien sind Echsen wechselwarm. Ihre Körpertemperatur hängt von der Temperatur der Umgebung ab. Ist es kalt, sind die Tiere deshalb steif und fast unbeweglich. Vor allem am Morgen brauchen sie die Sonne oder wenigstens warme Lufttemperaturen, um auf Beutefang gehen zu können.
Die meisten Eidechsen sind Einzelgänger. Sie sind tagaktiv und verbringen viel Zeit mit der Suche nach Nahrung. Um sich aufzuwärmen, suchen sie einen Felsen oder Stein in der Sonne. Sie gelten als sehr ortstreu und halten sich die meiste Zeit ihres Lebens in einem Gebiet auf.
Eidechsen fressen kleine wirbellose Tiere wie Insekten, Spinnen und Regenwürmer. Manche Arten wie die Mauereidechse verspeisen auch ihre eigenen Artgenossen. Kleine Insekten und Spinnen bilden den Hauptbestandteil der Nahrung von Waldeidechsen. Eidechsen sind Fleischfresser und Lauerjäger.
Eidechsen pflanzen sich unterschiedlich fort: Manche legen Eier, aus denen die Jungen schlüpfen. Bei anderen wachsen die Jungen in den Eiern im Mutterleib heran und schlüpfen während oder kurz nach der Eiablage. Bei den meisten Echsen kümmern sich die Eltern kaum um ihren Nachwuchs.
Die meisten Eidechsen-Arten legen Eier, um sich fortzupflanzen. Diese Eier haben keine harte Kalkschale wie ein Hühnerei, sondern eine weiche Haut. Einige wenige Arten wie die Waldeidechse bringen lebende Junge zur Welt. Bereits kurz nach der Eiablage befreien sich die 2 bis 10 kleinen Eidechsen aus der dünnen Eihaut.
Die Waldeidechse legt keine Eier, sondern gebärt ihre Jungen lebend. Sie ist ovovivipar - das heißt, sie legt bis zu zehn Eier mit einer dünnen, durchsichtigen Hülle, die während der Geburt aufplatzt. Die Embryonen werden im Mutterleib aber nicht vom Mutterorganismus versorgt, sondern ernähren sich vom Dotter in der Eihülle.
Eidechsen können etwas ganz Unglaubliches: Beißt zum Beispiel ein hungriger Marder in ihren Schwanz, zieht die Eidechse einen ihrer Ringmuskeln darin kurz und kräftig zusammen - und der Schwanz oder ein Teil davon fällt an der Stelle ab. Das verwirrt den Angreifer, denn das Schwanzstück kann noch bis zu 20 Minuten lang weiterzappeln. Während der Angreifer noch auf das zuckende Etwas starrt, ist die Eidechse längst im sicheren Erdloch verschwunden.
Bei Gefahr abtauchen: Bei Störungen bringt sich die Waldeidechse im Gestrüpp, unter Totholz oder in Erdlöchern in Sicherheit. Nicht immer gelingt ihr das allerdings problemlos und so ist sie bei Gefahr wie andere Eidechsenarten in der Lage, den Schwanz an vorgebildeten Bruchstellen abzuwerfen. Während das hin und her zuckende Schwanzteil die Aufmerksamkeit von Fressfeinden wie Turmfalke und Hauskatze auf sich zieht, kann die nun schwanzlose Eidechse ins dichte Unterholz fliehen.
Zum Glück wächst der Schwanz nach einigen Wochen wieder nach! Allerdings ist die Haut auf dem neuen Stück blasser. Der Schwanz wächst nach. Trotzdem funktioniert der Trick nur ein Mal. Der nachwachsende Schwanz ist eher eine Art Knorpelstab. Kürzer und unförmiger.
Eidechsen tun dies, weil sie mit der Zunge riechen und so ihre Beute oder Nahrung aufspüren können. Sie können auch sehr gut sehen.
Einige Echsen sind raffinierte Räuber: Chamäleons erledigen ihre Beute mit einem Zungenschuss: Die bedächtigen Tiere lauern meist auf einem Ast auf Beute.
Charakteristisch für die Waldeidechse ist das sogenannte Halsband: eine Reihe großer Schuppen an der Unterseite des Halses. Mit einer Gesamtlänge von maximal 18 cm ist die Waldeidechse unsere kleinste einheimische Art. Davon nimmt der Schwanz knapp zwei Drittel ein.
Wie alle Reptilien hat auch die Waldeidechse Schuppen. Am Rücken sind diese Schuppen relativ klein. Auf dem Bauch und am Kopf hingegen sind es regelmäßig angeordnete, große Schilder.
Auf ihrer Oberseite sind die Tiere in verschiedenen Brauntönen gefärbt - von hellbraunbeige über kupferrotbraun bis schwarzbraun. Die Kehle und der Hals sind in der Regel hellgrau. Ansonsten ist die Zeichnung der Tiere sehr variabel.
Männchen und Weibchen sind deutlich voneinander zu unterscheiden. Die Weibchen haben meist zwei dunkle Seitenstreifen und einen dunklen Rückenstreifen, dieser ist bei den Männchen mehr oder weniger aufgelöst. Die Bauchseite ist bei den Weibchen gelblich oder hellbraun mit keinen oder wenigen Punkten. Die Männchen zeigen eine kräftige Färbung der Unterseite von Dottergelb bis Tiefrot mit zahlreichen schwarzen Punkten und Flecken. Die Männchen haben außerdem etwas größere Köpfe und dickere Schwanzwurzeln als die Weibchen.
Die frischgeborenen Jungtiere sind bronzefarben bis schwarzbraun mit einem schwärzlichen Schwanz.
Die Waldeidechse hat noch andere deutsche Trivialnamen. In Norddeutschland heißt sie auch Mooreidechse, im Süden der Republik wird sie dagegen Bergeidechse genannt - immer ihrem hauptsächlichen regional Lebensraum entsprechend.
Die Waldeidechse ist ein bodenbewohnendes Tier, das eher selten klettert. Die Tiere lieben es, sich auf Altholz zu sonnen, etwa auf Holzhaufen und Baumstümpfen oder auf Bohlenwegen, Uferstegen und Holzbrücken.
Sie ist vor allem an Waldrändern und auf Waldlichtungen im Gestrüpp anzutreffen. Waldeidechsen sind aber auch typische Bewohner sumpfiger und mooriger Lebensräume und besiedeln unsere Mittelgebirge ebenso wie die Alpen oberhalb der Baumgrenze.
In Deutschland kommt die Waldeidechse fast flächendeckend vor. Die Art fehlt nur in den Marschgebieten an der Nordsee und in stark landwirtschaftlich geprägten Regionen, etwa der Magdeburger Börde. Insgesamt mag es die Waldeidechse etwas feuchter und kühler als ihre einheimischen Verwandten.
Ihre Verbreitung erstreckt sich weiter über das gemäßigte Nord-Asien bis zum Pazifik. Westlichstes Verbreitungsgebiet ist Irland, nach Osten hin erstreckt sich ihr Areal bis auf die Inseln Sachalin und Hokkaido im Nordpazifik. Kein anderes Reptil lässt sich noch so weit im Norden finden: Die Waldeidechse fühlt sich auch noch an der Küste des Eismeeres und der russischen Barent-See wohl.
Die Waldeidechse gehört zu den weniger gefährdeten einheimischen Reptilien, doch ist insgesamt relativ wenig über die Häufigkeit der Vorkommen und Bestandsentwicklung der Art bekannt. Zumindest regional gerät sie offenbar zunehmend in Gefahr - dies vor allem durch Zerstörung ihrer Lebensräume, etwa von Mooren und Heiden, Brachen, Feldhecken oder Wegrändern.
Gefährlich für die Waldeidechse ist auch die regelmäßige Mahd von Böschungen und das Auffüllen älterer Kiesgruben mit Erde. Lebensraum geht ebenfalls verloren, wenn Ruderalflächen, also brach liegende Gebiete, wieder landwirtschaftlich genutzt oder bebaut werden.
Der Waldeidechse ist geholfen, wenn ihr Lebensraum nicht mehr eingeschränkt wird: Wenn Moore und Feuchtgebiete nicht trocken gelegt werden, wenn Heidegebiete und die Ruderalflächen das bleiben, was sie sind, wenn der Mensch nicht anfängt im Wald aufzuräumen, sondern Totholz und Baumstümpfe verrotten lässt. Vor allem sollten Lichtungen als Sonneninseln im Wald erhalten bleiben, damit das Reptil sich dort aufwärmen kann. Aktiv kann man der Waldeidechse helfen, indem man Biotope vernetzt, Totholz aufstapelt oder Steinhaufen anlegt. Sonnenexponierte Wegraine, Hecken, Waldränder oder alte Bahnstrecken sollten behutsam gepflegt werden und nicht blind abgemäht.
Unter dem lateinischen Namen Lacerta agilis ordnete Linne 1758 die Zauneidechse in die wissenschaftliche Nomenklatur ein. Die Zauneidechse ist ein in Mittel- und Osteuropa sowie Vorderasien verbreitetes Reptil, das auch in verschiedenen Unterarten vorkommt. In unserer Region lebt die Nominatrasse Lacerta agilis.
Die wechselwarme Echse wird etwa 24 cm , selten 30 cm lang, wobei der Schwanz etwa eineinhalb mal so lang ist wie der Kopf und Rumpf zusammen. Sie hat einen verhältnismäßig gedrungenen Körperbau mit ziemlich kurzen Gliedmaßen. Ihr Schwanz ist an der Wurzel höher als breit und verjüngt sich allmählich. Nur undeutlich zeichnet sich die Kehlfalte ab.
Das Halsband setzt sich aus sieben bis zwölf Schilden zusammen und weist einen gesägten Hinterrand auf. Die Bauchschilde wirken im Umriss trapezförmig. Die Echse hat einen kurzen, oben abgeplatteten Kopf mit hohen Seitenplatten. Das Nasenloch ist von 3 oder 4 Schildchen umgeben. Der Hinterkopf ist breiter als der Hals und deshalb abgesetzt.
Äußerst unterschiedlich ist je nach Individuum, Geschlecht, Alter und Jahreszeit die Färbung. Bei beiden Geschlechtern finden wir ein dunkles bis rotbraunes Längsband auf dem Rücken, welches mit weißen, dunkelbraun umrandeten Augenflecken durchsetzt ist, seitlich begrenzt von je einem kremfarbenen oder bei den Männchen hellgrünen Längsstreifen.
Im Frühjahr trägt das Männchen als Prunkfarbe grüne Flanken mit schwarzen Flecken und eine hellgrün gefärbte Unterseite. Die Weibchen sind schlichter braun gezeichnet und ihre Bauchfläche sieht weiß bis gelblich aus und trägt dunkle Punkte. Die Grundfarbe der Echsen von Oberkopf, Schwanz und Gliedmaßen ist bräunlich und die Flecken der Flanken weiß gekörnt.
Die Jungtiere sind oft bräunlich getönt und besitzen auffällige Augenflecken auf den Seiten und am Rücken. Auf der Mitte des Rückens erstrecken sich 8 bis 16 Längsreihen verschmälerter Schuppen. Sehr alte Zauneidechsen werden teilweise vollkommen grün. Lokal verbreitet sind auch rotrückige Zauneidechsen ohne Zeichnung. Volljährige männliche Jungtiere, die gerade geschlechtsreif werden, sind im Sommer oft grün gefärbt .
Die Zauneidechsen besiedeln Magerbiotope, Steinbrüche, Kiesgruben, Wildgärten und ähnliche Lebensräume. Sie lieben trockenes Gelände im Flach- und Hügelland an recht sonnigen Stellen und bevorzugen Eisenbahn- und Hochwasserdämme.
Sie sind recht verträglich und oft in Grüppchen anzutreffen. Oft suchen sie die verlassenen Erdgänge kleiner Säugetiere auf oder graben sich selber Löcher, in die sie sich bei Gefahr flüchten. Doch verhält sich diese Art nicht besonders scheu.
Das Sonnenbaden ist regional verschieden. Ab einer Außentemperatur von achtzehn Grad Celsius erscheinen die wechselwarmen Echsen in den frühen Morgenstunden oder vormittags und dann wieder am späten Nachmittag und gehen dazwischen auf Beutefang. Während dieser aktiven Zeit beträgt ihre durchschnittliche Temperatur einunddreißig bis zweiunddreißig Grad.
Bei Bedrohung durch Fressfeinde kann die Echse einen Teil ihres Schwanzes an einer von mehreren Sollbruchstellen abwerfen. Das abgeworfene Anhängsel zappelt und zieht die Aufmerksamkeit des Feindes auf sich, währenddessen die Eidechse fliehen kann. Später wächst der Schwanz wieder nach, bleibt aber dann kürzer.
Als Nahrung dienen der Zauneidechse vor allem Insekten wie Heuschrecken, Käfer und deren Larven. Zu ihrem Beutespektrum zählen auch Wanzen, Ameisen sowie Spinnen und Regenwürmer. Ihren Durst stillen sie von Tau- und Regentropfen.
Je nach Witterung kriechen die Zauneidechsen im Frühjahr aus ihren Winterquartieren. Ab Anfang März erscheinen zunächst erst die Jungtiere, dann die Männchen und erst einige Wochen später die Weibchen an der Oberfläche. Bei schönem Wetter wird zunächst ein Sonnenbad genommen, um den wechselwarmen Organismus auf Betriebstemperatur zu bringen. Anschließend gehen sie auf Nahrungssuche und für gewöhnlich folgt bald die erste Häutung. Die Zauneidechsen häuten sich regelmäßig und stoßen dabei ihre alte Haut in Fetzen ab.
Ende April oderAnfang Mai beginnt die Paarungszeit, die bis Ende Juni andauert. Treffen während dieser Zeit Männchen aufeinander, kann es zu ritualisierten Droh- und Imponiergebärden kommen. Fühlt sich das auserkorene Weibchen noch nicht paarungsbereit, beißt es das Männchen und versucht so es fernzuhalten. Findet das Männchen ein williges Weibchen, geht der eigentlichen Paarung ein so genannter Paarungsmarsch voraus.
Zur Eiablage werden meist im Juni sonnige, sandige Plätze aufgesucht, wo das Weibchen in einer selbst gegrabenen Erdmulde 4 bis 20 Eier mit pergamentartiger Hülle ablegt. Die Entwicklungszeit ist von der Umgebungstemperatur abhängig, da die Eier von der Sonne ausgebrütet werden. Die Reifungsdauer kann 2 bis 3 Monate betragen. Der Schlüpfvorgang dauert mehrere Stunden bis zu einem Tag. Die Schlüpflinge sind etwa fünfzig bis sechzig Millimeter lang und gleichen den Erwachsenen vollkommen. Sie beginnen sofort ihr selbstständiges Leben und ernähren sich zunächst von kleinsten Kerbtieren und deren Larven, winzigen Spinnen und jungen Schnecken.
tags: #haben #eidechsen #schuppen
Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen
Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.