Überflüssige Haare, egal wo am Körper, können sehr störend sein. Besonders ärgerlich sind die, die plötzlich auftauchen und dort eigentlich gar nicht hingehören - zum Beispiel am Kinn. Doch es gibt Unterschiede in den Ursachen und Ausprägungen von verstärktem Haarwuchs.
Von Hirsutismus spricht man, wenn Frauen dichte Körperbehaarung an Stellen aufweisen, die normalerweise eher bei Männern stark behaart sind. Typisches Symptom von Hirsutismus: Bei der Frau sind Körperstellen stark behaart, an denen in der Regel nur bei Männern kräftige Haare zu sehen sind. Dazu zählen zum Beispiel der Bereich zwischen Nase und Oberlippe (“Damenbart“), Kinn und Wangen, die Oberschenkel oder die Region zwischen den Brüsten.
Unter Hirsutismus versteht man eine ungewöhnlich starke, androgenabhängige Körperbehaarung bei Frauen. Bei einem Hirsutismus treten statt der Vellushaare hingegen an den „typisch männlichen Stellen“ Terminalhaare auf, sodass die Behaarung deutlich kräftiger ist.
Hirsutismus kann psychisch sehr belastend sein, ist in den meisten Fällen jedoch gesundheitlich harmlos. Verschiedene Methoden zur Haarentfernung oder Medikamente können den starken Haarwuchs eindämmen.
Hirsutismus, der plötzlich auftritt, sehr stark ist oder mit weiteren Beschwerden einhergeht, sollte immer ärztlich abgeklärt werden.
Frauen mit Hirsutismus haben einen sehr starken Haarwuchs, der eher der typischen männlichen Körperbehaarung entspricht. Zum Beispiel wachsen vermehrt dicke und dunkle Haare am Kinn und auf der Oberlippe, am Oberkörper oder Po. Zudem ist die Behaarung unter den Achseln und im Genitalbereich oft stark ausgeprägt - ähnlich wie bei Männern.
Zudem wachsen die Haare im Genitalbereich oft bis auf den Oberbauch oder die Innenseiten der Oberschenkel.
Haare wachsen nahezu am ganzen Körper - bei beiden Geschlechtern. An bestimmten Stellen sind lange und kräftige Haare zu finden: die Terminalhaare. Sie bilden unter anderem das Kopfhaar, die Wimpern und die Augenbrauen. Während bei Männern auch Bereiche wie Kinn, Wangen oder Brust mit Terminalhaaren bedeckt sind, wachsen bei Frauen dort normalerweise die weniger sichtbaren Vellushaare.
Wenn die starke Behaarung andere Körperstellen oder den ganzen Körper betrifft, handelt es sich nicht um Hirsutismus, sondern um eine sogenannte Hypertrichose.
In neun von zehn Fällen hat Hirsutismus keine erkennbaren krankhaften Ursachen. Ärzte sprechen dann von einem idiopathischen Hirsutismus. Bei vielen Frauen ist der verstärkte Haarwuchs schlicht Veranlagung. Ihre Haarfollikel reagieren vermutlich von Natur aus besonders empfindlich auf männliche Sexualhormone (Androgene).
Seltener lässt sich ein bestimmter Auslöser feststellen, etwa eine hormonelle Störung. Bestimmte Hormone sind dann im Übermaß vorhanden. Ein möglicher Hinweis auf eine hormonelle Ursache sind zusätzliche Symptome einer Vermännlichung. Zur Vermännlichung kommt es, wenn im Körper zu viele männliche Sexualhormone vorhanden sind.
Mit bis zu 80 Prozent ist das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) die häufigste Ursache für einen ausgeprägten Hirsutismus. Andere Ursachen für Hirsutismus sind seltener.
Andere mögliche Ursachen sind:
Auch Frauen haben männliche Geschlechtshormone (Androgene) im Körper, aber in der Regel deutlich weniger als Männer. Die Menge an Androgenen beeinflusst, wo welcher Haartyp wächst. Bei Jungen in der Pubertät werden dadurch die Haare im Gesicht dicker und dunkler, der Bartwuchs beginnt. Auch am restlichen Körper verändert sich die Behaarung. Nimmt der Anteil an Androgenen im Körper der Frau zu, kann es zu einer solchen eher für Männer typischen Ausprägung der Körperbehaarung kommen.
Die Diagnose Hirsutismus ergibt sich für den Arzt unmittelbar aus dem charakteristischen männlichen Behaarungstyp einer Patientin: An Stellen wie Kinn, Oberlippe oder Brust finden sich vermehrt die kräftigen Terminalhaare.
Der Arzt oder die Ärztin wird im nächsten Schritt herausfinden wollen, ob bestimmte Erkrankungen oder Medikamente den Hirsutismus hervorgerufen haben. Verschiedene Blutwerte geben Aufschluss darüber, ob der Hirsutismus eine hormonelle Ursache hat und welche Erkrankung dahinterstecken könnte. Je nachdem, welche Ursache der Arzt vermutet, sind gegebenenfalls weitere Untersuchungen sinnvoll.
Eine von Natur aus starke Körperbehaarung bedarf nicht zwingend einer speziellen Behandlung. Bei Hirsutismus, der durch eine bestimmte Erkrankung oder Medikamente ausgelöst wurde, richtet sich die Therapie vor allem nach der jeweiligen Ursache.
Bei einem mild ausgeprägten Hirsutismus ist eine Behandlung - rein medizinisch betrachtet - meist nicht nötig. Ob der übermäßige Haarwuchs stört oder nicht, ist individuell sehr unterschiedlich. Viele Frauen fühlen sich aber wohler damit, die Haare zu entfernen.
Hat ein PCO-Syndrom den Hirsutismus begünstigt, kann bei übergewichtigen Frauen eine Gewichtsabnahme den Hormonhaushalt positiv beeinflussen. Da bei einem PCO-Syndrom häufig der Zuckerstoffwechsel gestört ist, kann auch eine Behandlung mit dem Antidiabetikum Metformin infrage kommen, welches als Tablette eingenommen wird.
Eine Alternative ist die Behandlung mit sogenannten Antiandrogenen oder der „Antibabypille“. Antiandrogene Wirkstoffe in Tablettenform, zum Beispiel das verschreibungspflichtige Cyproteronacetat, hemmen den Einfluss der männlichen Sexualhormone auf die Haarfollikel. In der Schwangerschaft und Stillzeit sind sie allerdings nicht geeignet. Zu häufigen Nebenwirkungen zählen Gewichtszunahme, depressive Verstimmungen oder Zwischenblutungen.
Bei übermäßiger Gesichtsbehaarung steht der Wirkstoff Eflornithin als Creme zur Verfügung. Die Creme wird meist zweimal täglich auf die betroffenen Partien aufgetragen und vollständig einmassiert. Bis eine Wirkung sichtbar ist, können einige Wochen vergehen. Nach Absetzen der Behandlung kehrt die Behaarung nach und nach zurück, sodass häufig eine dauerhafte Anwendung nötig ist. Zu möglichen Nebenwirkungen zählen lokale Reaktionen wie Kribbeln, Brennen, Juckreiz oder Rötungen.
Zur Haarentfernung gibt es Produkte und Methoden, die man selbst anwenden kann, zum Beispiel:
Bei diesen kosmetischen Verfahren wachsen die Haare nach einer gewissen Zeit wieder nach, da die Haarwurzeln intakt bleiben. Es ist möglich, dass bei der Anwendung Hautreizungen auftreten.
Um die Haare dauerhaft und sachgerecht entfernen zu lassen, kann man eine Fachärztin oder einen Facharzt aufsuchen. Hier kommen zwei Methoden infrage: die Photoepilation und die Elektrolyse. Bei der Photoepilation werden Haarfollikel mithilfe von Licht geschädigt, bei der Elektrolyse mit Strom. In beiden Fällen wachsen die Haare weniger oder gar nicht mehr nach. Auch bei diesen Verfahren sind Nebenwirkungen möglich.
Bei Frauen mit einem sehr ausgeprägten Hirsutismus kommen die Haare trotzdem oft wieder zurück. Dann können zusätzlich Medikamente helfen.
Hormonelle Verhütungsmittel mit Östrogen und Gestagen wie die Antibabypille können die Menge männlicher Geschlechtshormone im Körper senken. Sie eignen sich jedoch nur für Frauen, die aktuell nicht schwanger werden möchten. Andere Arzneimittel hemmen die Aufnahme von Androgenen im Körper. Alle diese Medikamente können Nebenwirkungen haben. Es ist daher wichtig, gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt den möglichen Nutzen und die Risiken abzuwägen.
Frauen mit Hirsutismus wird empfohlen, die Medikamente mindestens 6 Monate lang zu nehmen. Erst dann zeigt sich, ob die Behandlung anschlägt oder nicht.
Wenn die starke Behaarung andere Körperstellen oder den ganzen Körper betrifft, handelt es sich nicht um Hirsutismus, sondern um eine sogenannte Hypertrichose.
Hypertrichose ist eine androgenunabhängige Zunahme des Haarwuchses, bei der Alter oder Geschlecht keine Rolle spielen. Es gibt einen Unterschied zwischen angeborener und erworbener Hypertrichose. Bei der erworbenen übermäßigen Behaarung kann die Wachstumsphase des Haarzyklus beschleunigt sein. Die Gründe dafür sind vielfältig.
Bei einer Hypertrichose kommt es in einem umschriebenen Bereich oder auf der gesamten behaarten Haut zu einer untypischen, übermäßigen Behaarung. Hypertrichosen können angeboren sein oder sich im Laufe des Lebens entwickeln. Hypertrichose beschreibt ein Symptom, bei dem es zu einem im Vergleich zur geschlechtertypischen Behaarung verstärktem Haarwuchs kommt bzw. zu Behaarung an Körperstellen, die normalerweise unbehaart sind.
Die Ursachen für die verschiedenen Ausprägungen der Hypertrichose sind recht unterschiedlich.
Aufgrund verschiedener Reizfaktoren kann es in einzelnen Hautbereichen zu einer spontan auftretenden Hypertrichose mit einer Umwandlung der Vellusbehaarung in Terminalhaare kommen. Die Hypertrichose tritt meist mit einiger zeitlicher Verzögerung nach der entsprechenden Reizung auf.
Sobald ein Verdacht auf eine Hypertrichose besteht, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Dieser rekonstruiert zunächst in einer Patientenbefragung (Anamnese) den Krankheitsverlauf und die Entwicklung der Symptome. Zur richtigen Einordnung möglicher Ursachen müssen in der Anamnese und der darauffolgenden Untersuchung das Alter der Patienten beim Auftreten der Hypertrichose, die Haarart, die Lokalisation der Behaarung bzw.
Eine Blutuntersuchung mit Bestimmung verschiedener Hormonkonzentrationen (Androgene, Schilddrüsen-, Hypophysen- und Nebennierenrinden-Hormone) kann Aufschluss über die Ursachen der Hypertrichose liefern. Differentialdiagnostisch ist insbesondere bei Frauen ein hormonell bedingter Hirsutismus auszuschließen.
Die Abklärung der genauen Ursachen ist unerlässlich, um die richtige Therapieform zu wählen. Abhängig von den Gründen und dem Ausmaß der Hypertrichose, kommen unterschiedliche Behandlungsmethoden in Frage.
Als kurzfristige Behandlungsmethode kommt im Allgemeinen eine gewöhnliche Rasur, eine Epilation, Laserepilation oder eine elektrische Verödung der Haarwurzeln (Elektroepilation) in Frage.
Liegt der Verdacht auf bestimmten Medikamenten als Auslöser der Hypertrichose, stehen häufig alternative Medikationspläne zur Verfügung, dies sollte dann in Absprache mit dem behandelnden Spezialisten abgeklärt werden.
Wurde ein hormonproduzierender Tumor diagnostiziert, kommt je nach seiner Art und Lage über eine chirurgische Therapie in Betracht.
Bei medikamenteninduzierten Hypertrichosen sollte mit dem behandelnden Arzt über die Möglichkeit eines Absetzens bzw. Wechsels der Medikation beraten werden.
Entsprechend sollte bei hormonellen Fehlregulationen (z.B.
Einer genetisch bedingten Hypertrichose lässt sich nicht vorbeugen. Ansonsten sollte das Einnehmen von Stereoiden und anderen verbotenen hormonellen Drogen unterlassen werden.
Der richtige Ansprechpartner bei einem Hirsutismus ist zunächst der Hautarzt oder der Frauenarzt (Gynäkologe). Bei der weiteren Abklärung der hormonellen Ursachen hilft bei Bedarf ein Endokrinologe - also ein Hormonspezialist - weiter. Spezielle Fragen bezüglich der Behaarung sind gegebenenfalls ein Fall für den Hautarzt.
Auf jeden Fall ist ein Arztbesuch ratsam, wenn die verstärkte Körperbehaarung plötzlich auftritt - insbesondere dann, wenn weitere Symptome (wie eine tiefere Stimme oder ein Wachstum der Klitoris) hinzukommen. Aber auch bei leichteren Formen eines Hirsutismus empfiehlt sich die Rücksprache mit dem Haut- oder Frauenarzt, wenn ein großer persönlicher Leidensdruck damit verbunden ist.
Es ist wichtig zu wissen, dass der übermäßige Haarwuchs sehr unterschiedlich ausgeprägt sein kann.
Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.
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