Dauerhafter Haarverlust ist eine häufige Folge einer Chemotherapie. Bei vielen Patienten führt eine Zytostatikatherapie zum Ausfallen der Haare, was eine der belastendsten Nebenwirkungen einer Krebstherapie darstellt. Nach dem Ende der Behandlung wachsen die Haare in der Regel wieder nach. Allerdings gibt es nur wenige Daten zum anhaltenden Haarausfall.
Eine Chemotherapie besteht oft aus mehreren Teilen, die unterschiedlich stark auf die Haarwurzeln wirken. Je nach Krebsart gibt es auch Chemotherapien, bei denen das Haar lediglich etwas dünner wird. Ihr Arzt kann Ihnen das im Vorfeld sagen.
Hier sind die wichtigsten Punkte zusammengefasst:
Das Prinzip der Chemotherapie basiert auf der Zerstörung von Krebszellen, die sich übermäßig ausbreiten. Leider wirkt sich diese Behandlung auch auf gesunde Zellen aus, beispielsweise auf die der Haarwurzel. Infolgedessen fallen die Haare aus. Dieser Verlust kann je nach den verabreichten Medikamenten mehr oder weniger plötzlich eintreten oder auch gar nicht.
Bei einer Chemotherapie greifen die verabreichten Medikamente (Zytostatika) in ganz spezieller Weise in den Teilungsvorgang der Krebszellen ein: Entweder stoppen sie das Wachstum der Zellen oder sie verhindern, dass sich die Zellen vermehren. Dabei wirken Zytostatika vor allem auf sich teilende Zellen. Da Tumorzellen sich ständig vermehren, werden vor allem diese geschädigt. Allerdings greifen Zytostatika auch gesunde Zellen an, die sich oft teilen, etwa die Schleimhaut- und Haarwurzelzellen.
Die Haarwurzeln sind schnell teilende Zellen, die durch eine Chemotherapie vorübergehend geschädigt werden können. Nicht jede Chemotherapie verursacht jedoch Haarausfall, und tatsächlich gibt es seit einiger Zeit die sogenannte Kühlkappen-Therapie, welche den Haarausfall eindämmen soll.
Weitere Faktoren, die eine Rolle spielen können:
Wissenschaftler aus Korea und den USA untersuchten dies in einer prospektiven Kohortenstudie. 61 erwachsene Frauen mit frühem bis fortgeschrittenem Brustkrebs wurden an der Brustkrebsklinik am Samsung Medical Center in Seoul, Korea, von Februar 2012 bis Juli 2013 mit einer adjuvanten Chemotherapie (CTX) behandelt. Nach sechs Monaten berichteten knapp 40 Prozent der Frauen über dauerhaften Haarverlust; nach drei Jahren waren es 42,3 Prozent. Bei den meisten Frauen wuchs das Haar nicht mehr vollständig nach.
Patientinnen, die eine Taxan-basierte CTX bekommen hatten, waren häufiger betroffen. Dauerhafter CTX-induzierter Haarverlust sei eine häufige Nebenwirkung bei Brustkrebspatientinnen, folgern die Forscher um Danbee Kang. Die Ärzte sollten die Frauen vor der Therapie darüber aufklären und unterstützende Maßnahmen anbieten, um die Lebensqualität möglichst wenig zu belasten.
Es gibt keine Behandlung, die den Haarausfall durch Chemotherapie verhindern kann. Sie können jedoch die Schwere des Haarausfalls verringern, wie z.B. der Kühlhelm: Ein Kühlhelm wird während der Chemotherapie-Infusionen auf den Kopf gesetzt, um den Blutfluss zur Kopfhaut zu verlangsamen und so die Wirkung der Chemotherapie-Moleküle auf die Haarfollikel zu verringern. Diese eher unbequeme Technik hat sich bei einigen Patient:innen als erfolgreich erwiesen.
Während der gesamten Dauer der Chemotherapie-Behandlung ist es wichtig, Ihre Kopfhaut und Ihr Haar zu pflegen:
Wenn Sie mit dem Haarverlust rechnen müssen: Überlegen Sie, ob und wie Sie diesen kaschieren möchten. Es gibt viele verschiedene Lösungen. Versuchen Sie, eine Maßnahme zu finden, die zu Ihnen passt und mit der Sie sich wohl fühlen. Vielleicht sprechen Sie auch mit Angehörigen oder Freunden darüber. Auch ein psychologisches Gespräch kann hilfreich sein.
Einige Optionen sind:
Durch die Kälte wird die Kopfhaut während der Infusion schlechter durchblutet und die Gefäße verengen sich, sodass eine geringere Dosis des Medikaments in die Haarwurzeln gelangen kann. Trotzdem wird das Haar etwas ausgedünnt, der Haarausfall als solcher kann jedoch aufgehalten werden. Die Kosten von 100 Euro pro Anwendung müssen vom Patienten übernommen werden.
Allerdings gibt es bisher nur wenige aussagekräftige Studien zur Wirksamkeit der Kühlhaube gegen den Haarverlust bei einer Chemotherapie. Ein Kritikpunkt ist, dass nur wenige Männer und überwiegend Frauen teilgenommen haben. Außerdem unterschieden sich die Studien hinsichtlich der verabreichten Zytostatika, Dauer der Chemotherapie und Art der eingesetzten Kühlkappen. Auch wie ausgeprägt der Haarausfall war, wurde auf verschiedene Weise gemessen. Daher sind die Studienergebnisse mit Vorsicht zu betrachten.
Theoretisch seien auch Nachteile durch die Kopfhautkühlung möglich, schreibt das DKFZ: Die Chemotherapie wäre zum Beispiel im Bereich der gekühlten Kopfhaut auch weniger gegen Krebszellen wirksam.
Nachdem Sie die Chemotherapie abgeschlossen haben - oder auch nur die Komponenten, die Haarwurzel-Zellen töten - dauert es etwa sechs bis acht Wochen, bis die Haare wieder zu wachsen beginnen. Sie wachsen zunächst ziemlich gleichmäßig und sind damit noch weit von einer klassischen (Kurzhaar-)Frisur entfernt, bei der das Deckhaar meist ja deutlich länger ist als die Haare im Nacken.
In der Regel setzt der Haarwuchs zwei bis vier Wochen nach der letzten Chemotherapie-Anwendung wieder ein. Nach sechs Wochen ist oft schon so viel neues Haar vorhanden, dass auf die Perücke verzichtet werden kann.
Nach einer Chemotherapie kann das Kopfhaar manchmal etwas anders nachwachsen und anders aussehen als vorher. Es kann zum Beispiel gelockt statt glatt sein oder eine andere Farbe besitzen. Es kann beispielsweise heller oder dunkler als früher sein. Ein möglicher Grund ist, dass die Chemotherapie die Haarfollikel verändert. Woher die Effekte aber wirklich kommen, ist noch nicht geklärt.
Einige wichtige Punkte zum Haarwuchs nach der Chemo:
Der Haarausfall bei einer Chemo lässt sich nicht als „gutes“ Zeichen deuten, sondern nur als ein Hinweis darauf, dass die Zytostatika die Haarwurzelzellen angreifen.
Wichtig: Die Informationen auf dieser Seite können eine professionelle Beratung durch ausgebildete und anerkannte Ärztinnen und Ärzte nicht ersetzen. Sollten Sie Fragen haben, klären Sie diese bitte in einem persönlichen Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt.
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