Haarwuchs nach Chemo: Erfahrungen und Was Sie Wissen Sollten

Dauerhafter Haarverlust ist eine häufige Folge einer Chemotherapie. Bei vielen Patienten führt eine Zytostatikatherapie zum Ausfallen der Haare, was eine der belastendsten Nebenwirkungen einer Krebstherapie darstellt. Nach dem Ende der Behandlung wachsen die Haare in der Regel wieder nach. Allerdings gibt es nur wenige Daten zum anhaltenden Haarausfall.

Eine Chemotherapie besteht oft aus mehreren Teilen, die unterschiedlich stark auf die Haarwurzeln wirken. Je nach Krebsart gibt es auch Chemotherapien, bei denen das Haar lediglich etwas dünner wird. Ihr Arzt kann Ihnen das im Vorfeld sagen.

Hier sind die wichtigsten Punkte zusammengefasst:

  • Haarausfall ist eine häufige Nebenwirkung: Viele, aber nicht alle Chemotherapien verursachen Haarausfall.
  • Es gibt Möglichkeiten, den Haarausfall zu reduzieren: Kühlhauben können helfen, den Haarausfall zu minimieren.
  • Die Haare wachsen in der Regel nach: Nach dem Ende der Chemotherapie wachsen die Haare meist wieder nach, aber die Textur und Farbe können sich verändern.
  • Unterstützung ist wichtig: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt und suchen Sie Unterstützung, um mit den emotionalen Auswirkungen des Haarausfalls umzugehen.

Ursachen des Haarausfalls bei Chemotherapie

Das Prinzip der Chemotherapie basiert auf der Zerstörung von Krebszellen, die sich übermäßig ausbreiten. Leider wirkt sich diese Behandlung auch auf gesunde Zellen aus, beispielsweise auf die der Haarwurzel. Infolgedessen fallen die Haare aus. Dieser Verlust kann je nach den verabreichten Medikamenten mehr oder weniger plötzlich eintreten oder auch gar nicht.

Bei einer Chemotherapie greifen die verabreichten Medikamente (Zytostatika) in ganz spezieller Weise in den Teilungsvorgang der Krebszellen ein: Entweder stoppen sie das Wachstum der Zellen oder sie verhindern, dass sich die Zellen vermehren. Dabei wirken Zytostatika vor allem auf sich teilende Zellen. Da Tumorzellen sich ständig vermehren, werden vor allem diese geschädigt. Allerdings greifen Zytostatika auch gesunde Zellen an, die sich oft teilen, etwa die Schleimhaut- und Haarwurzelzellen.

Die Haarwurzeln sind schnell teilende Zellen, die durch eine Chemotherapie vorübergehend geschädigt werden können. Nicht jede Chemotherapie verursacht jedoch Haarausfall, und tatsächlich gibt es seit einiger Zeit die sogenannte Kühlkappen-Therapie, welche den Haarausfall eindämmen soll.

Weitere Faktoren, die eine Rolle spielen können:

  • Die Widerstandsfähigkeit der Haare
  • Die Dosierung der Chemotherapie
  • Das Tragen einer Kühlmütze, um Haarausfall zu verhindern

Dauerhafter Haarausfall nach Chemotherapie

Wissenschaftler aus Korea und den USA untersuchten dies in einer prospektiven Kohortenstudie. 61 erwachsene Frauen mit frühem bis fortgeschrittenem Brustkrebs wurden an der Brustkrebsklinik am Samsung Medical Center in Seoul, Korea, von Februar 2012 bis Juli 2013 mit einer adjuvanten Chemotherapie (CTX) behandelt. Nach sechs Monaten berichteten knapp 40 Prozent der Frauen über dauerhaften Haarverlust; nach drei Jahren waren es 42,3 Prozent. Bei den meisten Frauen wuchs das Haar nicht mehr vollständig nach.

Patientinnen, die eine Taxan-basierte CTX bekommen hatten, waren häufiger betroffen. Dauerhafter CTX-induzierter Haarverlust sei eine häufige Nebenwirkung bei Brustkrebspatientinnen, folgern die Forscher um Danbee Kang. Die Ärzte sollten die Frauen vor der Therapie darüber aufklären und unterstützende Maßnahmen anbieten, um die Lebensqualität möglichst wenig zu belasten.

Was tun bei Haarausfall während der Chemotherapie?

Es gibt keine Behandlung, die den Haarausfall durch Chemotherapie verhindern kann. Sie können jedoch die Schwere des Haarausfalls verringern, wie z.B. der Kühlhelm: Ein Kühlhelm wird während der Chemotherapie-Infusionen auf den Kopf gesetzt, um den Blutfluss zur Kopfhaut zu verlangsamen und so die Wirkung der Chemotherapie-Moleküle auf die Haarfollikel zu verringern. Diese eher unbequeme Technik hat sich bei einigen Patient:innen als erfolgreich erwiesen.

Während der gesamten Dauer der Chemotherapie-Behandlung ist es wichtig, Ihre Kopfhaut und Ihr Haar zu pflegen:

  • Waschen Sie die Haare sanft: Es ist besser, von Beginn der Behandlung milde Shampoos zu verwenden, die für empfindliches Haar geeignet sind. Die Anwendung erfolgt durch sanftes Massieren der Kopfhaut mit den Fingerspitzen. Es wird empfohlen, die Haare am Tag vor einer Chemotherapie zu waschen und nach der Behandlung 3 bis 7 Tage zu warten, um sie erneut zu waschen.
  • Vermeiden Sie Schäden an den Haaren: Es ist wichtig, das Haar und die Kopfhaut, die durch die Behandlung bereits geschwächt sind, nicht weiter zu schädigen: Trocknen Sie das Haar, ohne es zu stark zu reiben, und vermeiden Sie die Verwendung von Haartrocknern, Glätteisen oder Lockenstäben, Färbungen, Dauerwellen und Lockenwicklern ...
  • Schützen Sie die Kopfhaut: Wenn das Haar ausgefallen ist, ist es wichtig, die freiliegende Kopfhaut vor äußeren Schäden (Sonne, Verschmutzung, Kälte, Wind usw.) zu schützen. Was das Gesicht betrifft, können Sie eine Sonnencreme auftragen, wenn Sie der Sonne ausgesetzt sind, und jeden Tag eine Feuchtigkeitscreme.

Haarausfall bei Krebs während der Chemotherapie und mein Haarwachstum nach der Chemo 👶🏼✂️

Optionen bei Haarverlust

Wenn Sie mit dem Haarverlust rechnen müssen: Überlegen Sie, ob und wie Sie diesen kaschieren möchten. Es gibt viele verschiedene Lösungen. Versuchen Sie, eine Maßnahme zu finden, die zu Ihnen passt und mit der Sie sich wohl fühlen. Vielleicht sprechen Sie auch mit Angehörigen oder Freunden darüber. Auch ein psychologisches Gespräch kann hilfreich sein.

Einige Optionen sind:

  • Perücken: Die Krankenkasse übernimmt bei Frauen einen Grundbetrag von 400 Euro. Es gibt Kunsthaar-, Misch- und Echthaarvarianten. Lassen Sie sich gut beraten, welche Perücke am besten zu Ihnen passt.
  • Mützen und Tücher: Sie können eine Mütze oder ein Tuch tragen, um Ihren Kopf zu bedecken. Dies kann besonders nachts oder in den Wintermonaten angenehm sein.
  • Glatze: Manche Frauen fühlen sich mit einer Glatze wohler. Es zeugt von unglaublicher Stärke, unverhüllt sein neues Ich zu zeigen.

Die Kühlhauben-Therapie

Durch die Kälte wird die Kopfhaut während der Infusion schlechter durchblutet und die Gefäße verengen sich, sodass eine geringere Dosis des Medikaments in die Haarwurzeln gelangen kann. Trotzdem wird das Haar etwas ausgedünnt, der Haarausfall als solcher kann jedoch aufgehalten werden. Die Kosten von 100 Euro pro Anwendung müssen vom Patienten übernommen werden.

Allerdings gibt es bisher nur wenige aussagekräftige Studien zur Wirksamkeit der Kühlhaube gegen den Haarverlust bei einer Chemotherapie. Ein Kritikpunkt ist, dass nur wenige Männer und überwiegend Frauen teilgenommen haben. Außerdem unterschieden sich die Studien hinsichtlich der verabreichten Zytostatika, Dauer der Chemotherapie und Art der eingesetzten Kühlkappen. Auch wie ausgeprägt der Haarausfall war, wurde auf verschiedene Weise gemessen. Daher sind die Studienergebnisse mit Vorsicht zu betrachten.

Theoretisch seien auch Nachteile durch die Kopfhautkühlung möglich, schreibt das DKFZ: Die Chemotherapie wäre zum Beispiel im Bereich der gekühlten Kopfhaut auch weniger gegen Krebszellen wirksam.

Haarwuchs nach der Chemotherapie

Nachdem Sie die Chemotherapie abgeschlossen haben - oder auch nur die Komponenten, die Haarwurzel-Zellen töten - dauert es etwa sechs bis acht Wochen, bis die Haare wieder zu wachsen beginnen. Sie wachsen zunächst ziemlich gleichmäßig und sind damit noch weit von einer klassischen (Kurzhaar-)Frisur entfernt, bei der das Deckhaar meist ja deutlich länger ist als die Haare im Nacken.

In der Regel setzt der Haarwuchs zwei bis vier Wochen nach der letzten Chemotherapie-Anwendung wieder ein. Nach sechs Wochen ist oft schon so viel neues Haar vorhanden, dass auf die Perücke verzichtet werden kann.

Nach einer Chemotherapie kann das Kopfhaar manchmal etwas anders nachwachsen und anders aussehen als vorher. Es kann zum Beispiel gelockt statt glatt sein oder eine andere Farbe besitzen. Es kann beispielsweise heller oder dunkler als früher sein. Ein möglicher Grund ist, dass die Chemotherapie die Haarfollikel verändert. Woher die Effekte aber wirklich kommen, ist noch nicht geklärt.

Einige wichtige Punkte zum Haarwuchs nach der Chemo:

  • Die ersten Haare sind noch ziemlich schwach. Es kann helfen, sie noch einmal abzurasieren.
  • Oftmals sind sie zunächst recht lockig, aber das kann sich schnell wieder ändern.
  • Die Farbe kann anders sein als bisher, graue Haare fallen mehr auf.
  • Bis zur ersten brauchbaren Kurzhaar-Frisur kann ein halbes Jahr ab Start des Haar-Wachstums vergehen. Für alles, was länger ist, musst Du schon mit einem Jahr rechnen.

Unterstützende Maßnahmen und Tipps

  • Sprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam, ob und in welchem Ausmaß ein Haarverlust bei Ihrer Chemotherapie zu erwarten ist. Lassen Sie sich auch gut über andere Nebenwirkungen der Zytostatika informieren.
  • Wenn Sie sich für eine Lösung entschieden haben: Kümmern Sie sich rechtzeitig darum, etwa um eine Perücke. Die gesetzlichen Krankenkassen und privaten Krankenversicherungen beteiligen sich an den Kosten für die Perücke. Den richtigen Haarersatz zu finden, braucht manchmal etwas Zeit. Warten Sie nicht ab, bis die ersten Haare ausfallen.
  • Vermeiden Sie Kälte, um Beschwerden durch Polyneuropathien abzumildern. Bei kaltem Wetter empfiehlt es sich, Handschuhe und dicke Socken zu tragen.
  • Achten Sie auf eine sorgfältige Körperpflege, um Infektionen vorzubeugen, da die Chemotherapie das Immunsystem schwächen kann.
  • Essen Sie, worauf Sie Lust haben, und trinken Sie viel, um die Ausscheidung von Medikamenten zu unterstützen. Vermeiden Sie Nikotin und Alkohol.

Der Haarausfall bei einer Chemo lässt sich nicht als „gutes“ Zeichen deuten, sondern nur als ein Hinweis darauf, dass die Zytostatika die Haarwurzelzellen angreifen.

Wichtig: Die Informationen auf dieser Seite können eine professionelle Beratung durch ausgebildete und anerkannte Ärztinnen und Ärzte nicht ersetzen. Sollten Sie Fragen haben, klären Sie diese bitte in einem persönlichen Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt.

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