Jede vierte Frau - und auch mancher Mann - fixiert die Frisur täglich mit Haarspray. Doch welches Haarspray ist das Richtige? ÖKO-TEST konnte von 20 Marken nur fünf Sprays empfehlen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Haarsprays, insbesondere treibgasfreie Varianten, und vergleicht verschiedene Produkte hinsichtlich Inhaltsstoffe, Leistung und Eignung für unterschiedliche Bedürfnisse.
Kommt Haarspray mit Druck aus der Dose geschossen, bildet es in der Luft eine Wolke fein verteilter Tröpfchen, auch Aerosole genannt. Noch kleinere Teilchen mit einem Durchmesser von fünf Mikrometer und weniger sind sogar lungengängig, sie dringen also bis in die Lungenbläschen vor. Dort werden sie vom Körper als Fremdkörper erkannt, können Entzündungen auslösen und die Selbstreinigung der Schleimhaut stören.
Im Extremfall führen sie zu Gewebeveränderungen, sodass die Lunge ihre Funktion - die Aufnahme von Sauerstoff aus der Atemluft - nur noch eingeschränkt erfüllen kann. Im Jahr 2007 veröffentlichte das Forschungsinstitut für Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung einen Artikel mit der Überschrift "Haarspraylunge". Darin beschrieben ist der Fall einer 32-jährigen Friseurin, bei der Nebelaerosole aus der Sprühdose zu schweren Lungenschäden führten.
Haarspray verspricht Halt und Volumen für Hochsteckfrisuren. ÖKO-TEST hat 20 Haarsprays in die Labore geschickt. So richtig überzeugend waren die Haarsprays nicht: Fünf Produkte - drei davon Pumpsprays und zwei mit Treibgas - bekamen "gute" und "befriedigende" Noten. Mehr als die Hälfte der Testprodukte rauschte jedoch mit "mangelhaft" und "ungenügend" durch den Test.
In allen 20 Haarsprays stecken Harze oder Polymere als Filmbildner, sie erhalten dafür Minuspunkte. Sprays mit Treibmittel werteten wir stärker als Pumpsprays ab, denn sie erzeugen eine viel größere Zahl von Tröpfchen, die lungengängig sind. Während bei den von uns untersuchten Pumpsprays mit sechs Pumpstößen in drei Sekunden durchschnittlich 53.000 Partikel in einen Liter Luft gingen, waren es bei den Treibgassprays im Schnitt 350.000 Partikel. Für Gehalte des Vergällungsmittels Diethylphthalat gab es acht Mal Punktabzug.
Alle Haarsprays sind stark parfümiert, in fünf Fällen jedoch mit den Duftstoffen Eichenmoos, Hydroxycitronellal oder Lyral. Diese Substanzen verursachen relativ häufig Kontaktallergien mit unangenehmen Hautrötungen, Juckreiz und Pusteln. Polyzyklische Moschus-Verbindungen, die durch ihre häufige Verwendung in Bodylotions, Waschmitteln und Co.
Problematische Inhaltsstoffe sind bei Haarsprays sogenannte Filmbildner: Sie können mit dem feinen Haarspraynebel in den Atemtrakt und bis in die Lunge gelangen, dort deponiert werden, die Schleimhaut reizen und ihren Selbstreinigungsmechanismus stören. Partikel, die 20 Mikrometer (μm) und weniger messen, sind einatembar; Partikel mit einem Durchmesser von 5 μm und weniger gelten als lungengängig, gelangen also bis in die Lungenbläschen.
Die Zahl der Partikel und ihre Größe ist durch die Technik, mit der das Haarspray vernebelt wird, beeinflussbar. Die Bewertung: Filmbildner in Sprayaerosolen sind - unerheblich, ob sie wie Schellack natürlicher Herkunft sind oder wie Acrylate aus dem Labor stammen - problematisch. Daher kann ein Haarspray mit Pumpzerstäuber bestenfalls "gut" abschneiden und eins mit Treibmittel allenfalls mit der Note "befriedigend" aus dem Test gehen.
Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen:
Das Gesamturteil beruht auf dem Test der Inhaltsstoffe.
Da Haarspray für normales Haar und für Volumen mit starkem und ultrastarkem Halt am beliebtesten ist, haben wir 21 solcher Sprays eingekauft. Das Gros wird in Metalldosen mit Treibmittel angeboten.
Hier ist eine Übersicht einiger Haarsprays im Vergleich:
Für unseren Test haben wir hauptsächlich Haarsprays mit sehr guten Bewertungen in unterschiedlichen Shops ausgewählt. Obwohl es ein Ranking gibt, sind nur wenige der Sprays enttäuschend, und für verschiedene Bedürfnisse ist das passende Produkt dabei. Was den Grad der Fixierung betrifft, widersprechen wir vielen Herstellerangaben und schätzen die Intensität als geringer als deklariert ein.
| Position | Modell | Preis | Finish | Naturkosmetik | Lieferzeit |
|---|---|---|---|---|---|
| Platz 1 | Paul Mitchell Firm Style Freeze and Shine Super Spray | ca. 21 € | natürlich | Sofort lieferbar | |
| Platz 2 | Redken Aerosolfreies Haarspray | ca. 19 € | glänzend | Sofort lieferbar | |
| Platz 3 | Wella Professionals 8005610533070 | ca. 15 € | glänzend | Sofort lieferbar | |
| Platz 4 | Seb Man the Fixer - Fixierspray | ca. 13 € | eher matt | Sofort lieferbar | |
| Platz 5 | YoungHair The Root Fix Ansatzspray | ca. 10 € | natürlich | Sofort lieferbar |
Wella Deluxe Haarspray Sensitiv stark: Dank des gelungenen Sprühkopfs ist die Intensität variabel dosierbar und bleibt, ohne aufzufallen, auf den Haaren zurück. Strähnen verkleben nicht und fühlen sich nicht zu trocken an. Ohne Parfüm heißt natürlich nicht duftfrei: Man riecht den Alkohol und andere Bestandteile.
Got2b Sprühkleber: Er überrascht mit einem wenig künstlich wirkendem Finish im Verhältnis zur enormen Fixierung, die er bietet. Er hat sich beim Styling von Perücken zum Kultprodukt entwickelt und wird bei besonderen Frisuren und Anlässen nicht enttäuschen.
Balea Professional Keratin & Volumen Haarspray: Das Haar wird besonders fluffig und weich. Man möchte sich ständig ins Haar fassen. Wir empfehlen das Spray dennoch für leichten Halt bei offenem Haar sowie als Styling-Vorbereitung, beispielsweise vor dem Glätten.
Color Wow Cult Favorite Firm + Flexible Haarspray: Es bietet mittleren Halt, bei dem die Haare noch viel Spiel haben und sich griffig anfühlen. Es lässt sich problemlos ausbürsten und hinterlässt keinerlei sichtbare Reste.
Die Anwendung von Haarspray und Haarlack ist überaus intuitiv. Der Sprühnebel legt sich wie ein Haarnetz über die Frisur und fixiert, indem die einzelnen Haare aneinander haften bleiben. Geht man näher ran und versprüht viel Produkt konzentriert an einer Stelle, werden die Haarsträhnen nass und verkleben. Es bildet sich entsprechend ein dichter Überzug, der sich starr und schwer anfühlt. Ein auffälliger, künstlicher Glanz betont den Effekt.
Bei Haarsprays wird die Fixierung durch unterschiedliche Polymere erzielt. Die Zusammensetzung ist zwar je nach Hersteller individuell, dennoch findet man in den Inhaltsstofflisten der meisten Testprodukte vor allem »Octylacrylamide/Acrylates/Butylaminoethyl Methacrylate Copolymer«. Bei zertifizierter Naturkosmetik wird mangels Alternativen auf Schellack (Shellac) gesetzt, das aus den Ausscheidungen bestimmter Läuse gewonnen wird. Es ist unbedenklich und biologisch abbaubar, jedoch begrenzt erhältlich und nicht vegan. Haarsprays auf dieser Basis haben den Nachteil, nicht wasserresistent zu sein und Rückstände zu hinterlassen.
Essenziell für eine optimale Verteilung und lange Haltbarkeit ist der Einsatz von Alkohol. Durch die sofortige Verdunstung kann sich ein weniger poröses und somit stabileres Polymernetz bilden. Auch bleiben die Haare so trocken und wie gewünscht frisiert. So praktisch es ist, so hat es leider auch den Nachteil, beim Einatmen tief in die Atemwege gelangen zu können.
Auch bei großzügiger Anwendung von Haarspray genügt üblicherweise die normale Haarwäsche mit Shampoo, um die Rückstände herauszuwaschen. Verwendet man beispielsweise anlassbedingt sehr viel Haarlack oder nimmt zusätzlich viele andere Stylingmittel, können Rückstände im Haar übrig bleiben oder bei sehr dichtem, dickem Haar problematisch sein. Ein Tipp ist es, die Haare mit Duschöl vorzubehandeln oder gänzlich darauf zuzusteigen. Da die Polymere nicht wasserlöslich sind und man viel Tensid aus Shampoo zum Lösen benötigt, ist eine Ölbasis mit Emulgator eine sanfte aber effiziente Methode, um sie rückstandslos zu entfernen, ohne die Kopfhaut zu irritieren.
Die Unterschiede zwischen Drogerie-Haarsprays und denen aus dem professionellen Bereich sind in den letzten Jahren immer kleiner geworden. Ein Blick in die Inhaltsstofflisten verrät, dass auch die Formulierungen sich nur durch wenige Details unterscheiden. Pflegende Zusätze finden sich genauso in günstigen wie teureren Produkten, werden jedoch sparsam eingesetzt. Man möchte den Film schließlich leicht halten. Einerseits können das Öle oder Glycerin sein, die das Haar nach dem Ausbürsten geschmeidiger machen und für Glanz sorgen. Darüber hinaus ist der Einsatz von Proteinen wie Keratin populär. Sie legen sich um die Haare und sorgen für extra Volumen und Griffigkeit.
Eine raffinierte Rezeptur zu entwickeln, hat jedoch seinen Preis. Früher oder später werden Innovationen kopiert oder an günstige Marken eines Konzerns vererbt, der Weg dahin ist jedoch kostspielig. Ein weiterer Kostenfaktor können aber auch besondere Duftstoffe sein, die für Wiedererkennung und einen Hauch Luxus sorgen.
Die Parfümierung ist ein wesentlicher Bestandteil des Haarspray-Konzepts, um den Geruch des Alkohols und anderer Bestandteile zu überdecken. Dennoch sind zunehmend unparfümierte Produkte auf dem Markt, beispielsweise Wella Deluxe Haarspray Sensitiv oder L’Oréal Professionell Infinium Pure in unserem Test. Viele Kunden kaufen »der Nase nach« und vermuten hinter einem unschönen Duft »schlechtere« Inhaltsstoffe, dabei ist es eigentlich andersherum. Dennoch ist man in dieser Sparte noch nicht am Ziel angekommen. Die Performance unparfümierter Haarsprays kommt an die der besten mit Duft nicht heran. Es ist möglich, dass man sich beim Einsatz von Alkohol zurückhält und so das fixierende Netz nicht optimal gebildet wird.
Haarspray funktioniert nicht nur als fixierendes Finish im Haar. Ein Polymerfilm kann auch als Hitzeschutz funktionieren. Wer vor dem Styling mit Glätteisen oder Lockenstab kein Schutzprodukt zur Hand hat, kann es ja einmal mit sparsam dosierten, leicht fixierendem Spray versuchen, wie es viele Hairstylisten praktizieren.
Haarspray mit UV-Schutz kann das Haar sowie die Haarfarbe vor Schäden und Veränderungen durch Sonnenstrahlung schützen. Allerdings ist nicht überall ein echter UV-Filter drin, wo ein solcher Schutz angepriesen wird. In den Produkten in unserem Test kommen die UVB-Absorber Ethylhexyl Salicylate (Octisalate) und / oder Ethylhexyl Methoxicynnamate (Octinoxat) zum Einsatz und sind aufgrund ihrer Eigenschaften gut geeignet dafür. Bedenken sollte man jedoch stets, dass ein kurzer Spritzer nicht ausreicht.
tags: #Haarspray #ohne #Treibgas #Test #Rossmann
Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen
Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.