Haargel mit Duft im Test: Was Sie vor dem Kauf wissen sollten

Lässig verstrubbelt, frech zur Tolle getürmt oder streng im Wet Look nach hinten gekämmt - viele angesagte Frisuren sitzen erst dann gold­richtig, wenn Haargel ins Spiel kommt. „Mega starker Halt“ für „extreme Looks“ - Haargele werben meist mit Superkräften.

Deutsch­land­weit greifen rund vier Millionen Menschen mehr­mals pro Woche zu Haargel, ergab eine Umfrage der Arbeits­gemeinschaft Verbrauchs- und Medien­analyse. Meist sind es Männer. „Haargel ist heute wieder ein Thema, anders als noch vor wenigen Jahren“, sagt Steven Meth vom Zentral­verband des Deutschen Friseur­hand­werks. „Styling­produkte dürfen im Haar wieder sicht­bar sein.“

Haarspray fixiert, Styling-Gel frisiert zusätzlich. Im Unterschied zum Haarspray, mit dem eine fertige Frisur fixiert wird, formt man mit Styling-Gelen die Haare und fixiert sie gleichzeitig. Es gibt Gele, die sich zum Föhnen eignen und andere, die an der Luft trocknen sollen.

Haargel soll die Haare formen, aber nicht verkleben oder beschweren. Es soll Wind und Wetter trotzen, aber leicht auswasch­bar sein. „Die Haare sollten natürlich bleiben und nicht wie Plastikhaare aussehen“, wünscht sich zum Beispiel der Berliner Schauspieler Marc C. Behrens, der privat wie beruflich auf Haar­festiger schwört.

Die Gele im Test protzen vor allem mit Versprechen zur Halt­barkeit: 24 Stunden „Ultra Starker Halt“ heißt es etwa bei L‘Oréal, „ohne Rück­stände, ohne Verkleben, ohne zu beschweren“ bei Rewe und Penny, „absolute Kontrolle für maximales Power-Styling“ bei Aldi Süd. Auf vielen Tuben steht ein Haltegrad, der zeigen soll, wie stark das Gel ist. Im Test reicht er von 4 bis 8. Nutzern hilft er nur begrenzt: Es gibt keine einheitliche Definition.

Im Unterschied zu den mitunter recht schmierigen Haarwachsen trocknen Gele nach dem Stylen und werden fest. Während man Wachs-Frisuren nachträglich immer wieder verändern und nacharbeiten kann, bleibt eine Gel-Frisur den ganzen Tag so, wie sie morgens geformt wurde. Vorausgesetzt, man hat ein Gel erwischt, das sich nicht vorzeitig aus dem Staub macht.

Testergebnisse und Inhaltsstoffe

Die STIFTUNG WARENTEST hat 16 Produkte getestet. Öko-Test hat rund 50 Haarwachse und Haargele auf Schadstoffe untersucht. Auf den Prüf­stand kamen Männer- und Unis­expro­dukte - teure vom Friseur wie Marlies Möller, Klassiker wie Wella, güns­tige aus dem Drogerie- oder Supermarkt. Die Preisspanne ist riesig: Sie reicht von 85 Cent bis rund 25 Euro pro Tube.

Wir untersuchten die Gele in drei Schritten. Ein Friseur frisierte 22 Männer und Frauen mit den Gelen, mit einem weiteren Friseur beur­teilte er dann ihr Styling­potenzial - etwa in Bezug auf Festig­keit, Volumen und Glanz der Frisur. In dieser Prüfung unterschieden sich die Gele nur in Details (Testergebnisse). Im zweiten Schritt benutzten Test­personen die Gele zu Hause und bewerteten, wie sie sich im Alltag anwenden lassen. Als Drittes prüften wir ihre Halt­barkeit im Labor.

Schnell wurde klar: Aussagen wie „ultra starker Halt“ sind über­trieben, Nutzer sollten realistische Erwartungen haben. Am Ende verdienen nur 5 von 15 Gelen die Gesamt­note Gut, der Rest ist Mittel­maß. Bestes Styling­ergebnis und stärksten Halt erreicht ein Haargel vom Friseur: Schwarz­kopf Osis+ Rock Hard. Mit 6,95 Euro pro 100 Milliliter ist es recht teuer. Ähnlich gut, mit 1,03 Euro aber viel güns­tiger: dm Balea Men Maximum Power Styling Gel. Das güns­tigste gute Gel ist Aldi Süd Kür (57 Cent).

Nur zwei Gele hielten die Locken super in Form: das güns­tige Maximum Power Styling Gel von dm und das teure Schwarz­kopf Osis+ Rock Hard aus dem Friseur­handel. Als einziges erreichte Osis+ auch im Friseurtest ein Sehr gut. Schwarz­kopf gehört zur Firma Henkel, dem Markt­führer von Haar­pflege- und Haarstyling­produkten. Ironie dieses Tests: Henkel stellt neben dem Testsieger auch den Test­verlierer her.

Vier Haargele enthalten den Duft­stoff Butylphenyl Methyl­propional, der unter dem Namen Lilial gehandelt wird: 3 Wetter Taft, Edeka, L‘Oréal und Netto Marken-Discount. Der wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU (SCCS) stuft Lilial als kritisch ein: Möglicher­weise kann er das Erbgut verändern. Im Tier­versuch zeigte sich, dass Lilial die Fort­pflan­zungs­fähig­keit beein­trächtigen kann. Solange es keine Entwarnung gibt, hat Lilial unserer Ansicht nach in Kosmetika nichts zu suchen.

Styling-Gele im Vergleich: von Festigkeiten und InhaltsstoffenViele Hersteller bieten Styling-Gele in verschiedenen Festigkeitsgraden an. Je nach Haarstruktur, Haarlänge und Frisurenwunsch hat man die Wahl zwischen mittlerem, starkem oder ultrastarkem Halt. Alle Gele werden auf der Basis von Wasser und Alkohol hergestellt, zu denen sich neben weiteren Inhaltsstoffen vor allem Filmbildner gesellen, die für den Halt zuständig sind.

Als Filmbildner dienen in der Regel Polymere. Diese Kunststoffe setzen sich auf der Haaroberfläche fest, während Wasser und Alkohol verdunsten. Ein Gel für besonders starken Halt hat also besonders viele Polymere im Gepäck.

Während die Polymere im Haargel offensichtlich von keiner Seite als eindeutig ungesund eingestuft werden, findet man auf den Listen der Inhaltsstoffe oftmals andere schädliche Substanzen. Dazu gehören zum Beispiel synthetische UV-Filter oder auch Konservierungsstoffe, die etwa das krebsverdächtige Formaldehyd abspalten. Auch synthetische Duftstoffe werden nicht immer vertragen. Phthalate können im Körper wie Hormone wirken.

Immerhin: Kein Gel enthält Mikro­plastik, versichern die Anbieter. Die winzigen festen Kunst­stoff­partikel stehen in der Kritik, da sie die Umwelt belasten. Ohne Kunststoffe geht es jedoch meist nicht: Lösliche Poly­mere sorgen für die gelartige Konsistenz der Produkte und dafür, dass das Haar fest wird. Sie werden mit Löse­mitteln wie Wasser oder Alkohol kombiniert. Wenn die Löse­mittel verdunsten, setzen sich die Poly­mere am Haar ab, über­ziehen es wie ein feines Netz und härten aus.

Die ökologischen Auswirkungen der Poly­mere sind unzu­reichend erforscht. Umwelt­bewusste Nutzer können zu den Naturkosmetik-Gelen dm Alverde und Ross­mann Alterra greifen. Sie verwenden natürliche Poly­mere wie Schellack oder Xanthan Gummi, die durch Mikro­organismen voll­ständig abge­baut werden können. Beide erwiesen sich als echte Alternative zu konventionellen Haargelen: Die Styling-, Halt­barkeits- und Anwendungs­prüfung bestanden sie mit gut.

Wer diesen riskanten Stoffen komplett aus dem Weg gehen möchte, greift nach einer Naturkosmetik. Darin sorgt meistens das natürliche Festigungsmittel Xantan für den nötigen Halt, das aus Zuckerstoffen gewonnen wird. Leider können natürliche Styling-Gele aber nur selten mithalten, wenn es um die gewünschten Effekte geht.

Insgesamt untersuchten die Tester:innen 51 Haarstylingprodukte - davon neun zertifizierte Naturkosmetik-Produkte - auf Inhaltsstoffe und Problemstoffe. Die Tester:innen prüften dabei, ob Formaldehyd, halogenorganische Verbindungen, PEG-Verbindungen, bedenkliche UV-Filter, Mikroplastik, Mineralölrückstände sowie problematische Konservierungsstoffe oder Duftstoffe (etwa Moschusdüfte) enthalten sind.

Das Ergebnis bei Öko-Test fällt sehr gemischt aus: 19 Haarwachse und -gele sind „gut“ oder „sehr gut“, darunter viele Naturkosmetik-Produkte. Zunächst die gute Nachricht: Vor allem Haarstyling-Produkte mit einem Naturkosmetik-Siegel konnten bei Öko-Test überzeugen. Sie enthielten zwar wie alle Produkte Parfüm, waren aber frei von bedenklichen Inhaltsstoffen.

Deutlich schlechter schnitten viele bekannte konventionelle Produkte ab. Die Mängelliste bei Öko-Test ist lang: synthetische Polymere - also flüssige Kunststoffe auf Erdölbasis - steckten in fast allen Pasten, Pomaden, Wachsen und Gelen. Die Kunststoffe sorgen dafür, dass die Haare standhaft und fest bleiben. Doch beim Haarewaschen gelangt das (Mikro-)Plastik in die Umwelt und ist dort teils nur schwer abbaubar.

Auch Paraffine fand das Labor in vielen Haarstyling-Produkten im Test. Sie sollen die Haare in Form halten. Doch Paraffine basieren auf Mineralöl und damit auf Erdöl. Laut Öko-Test können sich die Fette „in Leber, Niere oder Lymphknoten sammeln“. Zudem ist eine Verunreinigung mit aromatischen Mineralöl­kohlenwasserstoffen (MOAH), einem Mineralölbestandteil, möglich. MOAH stehen im Verdacht, krebserregend und erbgutverändernd zu sein.

Drei Produkte im Test enthielten zudem Formaldehyd bzw. -abspalter; ein Konservierungsstoff, den Öko-Test kritisiert. Die Verbraucherschützer:innen warnen, dass Formaldehyd Kontaktallergien auslösen kann und bereits in geringen Mengen die Schleimhäute reizt.

Öko-Test kommt zu folgendem Schluss: Der Preis ist für ein gutes Haarwachs und Haargel nicht unbedingt entscheidend. Zudem waren nur vier der 38 konventionellen Haarstyling-Produkte im Test frei von Mikroplastik bzw. frei von synthetischen Polymeren. Leider hat sich seitdem bei den meisten konventionellen Haargelen und Haarwachsen bekannter Marken nicht viel geändert.

Tipps zur Anwendung

Alle Gele im Test können laut Anbietern ins feuchte oder trockene Haare einge­arbeitet werden. Friseur Steven Meth empfiehlt, dazu die Hände anzu­feuchten. „Das macht das Gel geschmeidiger und verzögert den Trock­nungs­prozess.“

Wer wenig Erfahrung hat, sollte ein Gel mit schwächerem Haltegrad ausprobieren. Denn: „Bei Haargel ist Nach­stylen schwierig.“ Wichtig: Vor dem Schlafen­gehen sollte Haargel ausgewaschen werden.

Es gibt Gele, die sich zum Föhnen eignen und andere, die an der Luft trocknen sollen. Die meisten lassen sich beliebig in das feuchte oder trockene Haar einarbeiten, je nachdem, welches Ergebnis angestrebt wird. Im feuchten Haar läuft es auf einen Wet-Look hinaus, während ein natürlicher Look gelingt, wenn das Gel im trockenen Haar verteilt wird.

Ein gutes Gel zeichnet sich dadurch aus, dass es sich nicht innerhalb eines Tages in Luft auflöst. Manche halten sogar noch am nächsten Tag. Experten sind allerdings der Meinung, dass Hairstyling-Produkte den Haaren und der Kopfhaut zuliebe abends ausgewaschen werden sollten. Wer dagegen ständig gegelte Haare hat, sollte seinem Kopf gelegentlich eine Tiefenreinigung mit einem Spezialshampoo gönnen. Sonst werden die von der Außenwelt abgeschlossenen Haare mit der Zeit womöglich so spröde, dass Bruchgefahr besteht. Die Kopfhaut ist natürlich auch dankbar, wenn sie wieder atmen kann.

Wer einmal zu viel Gel aufgetragen hat, muss es nicht unbedingt mit einem Shampoo auswaschen und wieder von vorn anfangen. Oft hilft es, die Haare mit den Händen locker durchzurubbeln, wobei man den Kopf vorzugsweise über die Badewanne hält. Von einem starken Gel bleibt danach trotzdem genug übrig.

Styling-Gele können Haare zu Berge stehen lassen. Damit gelingen Spikes- oder Igel-Looks ebenso wie chaotische Bettfrisuren oder streng nach hinten gelegte Haare. Sie sind für kurze Haare geeignet.

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Alternativen zu Haargel

Auch Wachs, Pasten, Haarlack und Schaum­festiger sind beliebte Helfer für modische Frisuren (Gel, Schaum oder Wachs: Festiger für alle Fälle).

Haargel: Ist wasserbasiert und lässt sich leicht auswaschen. Es macht das Haar steif, sodass sich die Frisur nicht umstylen lässt.

Haarwachs: Basiert auf natürlichen (Carnauba, Kokos) oder erdölbasierten Wachsen wie Paraffinen oder Vaseline. Gibt dem Haar starken Halt, härtet aber nicht aus. Die Frisur lässt sich nach dem Stylen verändern. Haarwachs lässt sich schwerer auswaschen als Gel.

Haarpasten: Sind nicht klar definiert. Ihre Konsistenz reicht von klebrigem Lehm bis zu dicker Zahnpasta. Pasten geben mittleren bis starken Halt, sind matt oder leicht glänzend.

Frisier-/Stylingcreme: Gibt es seit rund einhundert Jahren. Die wasserbasierten Cremes geben leichten Halt, sind flexibel und halten sich beim Glanz zurück. Sie sind auch für feineres Haar geeignet.

Pomade: Pomade verleiht dem Haar einen glatten, akkuraten Look, meist mit starkem Glanz. Sie ist besonders geeignet für Kamm-Frisuren, die sich umstylen lassen.

Clay: Enthält Tonerde (clay = Englisch für Lehm/Ton), meist Bentonit. Es lässt das Haar dicker wirken und gibt ihm Halt, ohne es zu beschweren. Ideal für Frisuren mit viel Volumen.

ProduktNotePreis pro 100ml
Schwarzkopf Osis+ Rock HardSehr gut6,95 Euro
dm Balea Men Maximum Power Styling GelGut1,03 Euro
Aldi Süd KürGut0,57 Euro

tags: #Haargel #mit #Duft #Test

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