Die Haarfarbe unserer Kinder ist genetisch vorbestimmt. Wie funktioniert die Vererbung der Haarfarbe und welche Faktoren spielen dabei eine Rolle? Dieser Artikel gibt einen Überblick über die komplexen Zusammenhänge der Haarfarbenvererbung.
Wir Menschen besitzen einen doppelten Chromosomensatz, der sich bei der Zeugung mit dem unseres Partners vermischt. Jeder Geschlechtspartner trägt zwei unterschiedliche Vererbungsmerkmale in sich, von denen jeweils nur eines an unser Kind weitergegeben wird. Die Eigenschaft von Haut- und Haarfarbe wird heterozygot vererbt.
Verantwortlich für die Haarfarbe ist der Farbstoff Melanin. Der Stoff wird von sogenannten Melanozyten (Hautzellen) produziert und anschließend über die Haarwurzel ins Haar eingelagert.
Beim Menschen kennen wir hauptsächlich zwei Varianten von Melanin:
Das Mengenverhältnis der beiden gebildeten Pigmente bestimmt dann, welchen genauen Farbton das Haar später annimmt, von hellblond bis schwarz.
Wie genau die Gene an der Herstellung der farbgebenden Stoffe Eumelanin und Phäomelanin beteiligt sind, ist noch unklar. Die nachfolgende Tabelle zeigt, wie die beiden Farbstoffe die Vererbung beeinflussen:
| Haarfarbe Baby | Eumelanin | Phäomelanin |
|---|---|---|
| Schwarze Haare | Sehr viel | Kaum |
| Braune Haare | Viel | Wenig |
| Blond | Wenig | Viel |
| Rote Haare | Kaum | Hauptsächlich |
Es ist nicht einfach vorherzusagen, welche Haarfarbe ein Baby bekommen wird. Anders als bei der Augenfarbe ist das bei den Haaren unmöglich. Die Haarfarben-Vererbung ist von mehreren Genen beider Partner abhängig. Wissenschaftler haben inzwischen 123 verschiedene Gene identifiziert, die bei der Baby-Haarfarbe mitmischen können.
Trotzdem lassen sich Tendenzen voraussagen: Wenn beide Eltern (und vielleicht auch Großeltern oder Geschwister) schwarzhaarig sind, wird das Kind mit höherer Wahrscheinlichkeit auch schwarze Haare haben. Jedoch sind auch blonde Haare nicht ausgeschlossen. Blonde und rote Haare unterliegen beim Kreuzungsprozess dunklen Haartypen, daher werden diese Haarfarben immer seltener. Trotzdem kann es sein, dass zwei dunkelhaarige Menschen ein blondes Kind bekommen, wenn sie beide die Geninformation für helles Haar weitergegeben haben.
Eltern können Gene für rote und blonde Haare tragen, auch wenn sie selbst dunkle Haare haben. Wenn dann beide Elternteile die entsprechenden Gene zur Bildung von Phäomelanin weitervererben, können blonde beziehungsweise rote Haare entstehen.
Rote Haare entstehen durch eine Mutation auf dem Chromosom 16. Damit ein Baby rote Haare bekommt, müssen beide Elternteile diese Genmutation in sich tragen - sie müssen dabei aber nicht selbst rote Haare haben.
Übrigens: Genetische Studien konnten nachweisen, dass es bereits rothaarige Neandertaler gab. Rothaarige Babys gibt es also fast schon so lange wie uns Menschen.
Die Haarfarbe des Babys kann sich im Laufe des ersten Lebensjahres verändern (meist zwischen dem dritten und neunten Lebensmonat). Darüber hinaus kann sich die kindliche Haarfarbe vom Kleinkindalter ins Schulalter hinein bis hin zur Pubertät verändern. Viele Kinder bekommen erst im Grundschulalter, manche sogar erst mit Einsetzen der Pubertät, ihre bleibende Haarfarbe. Dieser Prozess hängt von der individuellen genetischen Veranlagung und der Entwicklung des Pigmentstoffes Eumelanin ab.
Gut zu wissen: Durch das ständige Ausfallen und Nachwachsen von Babyhaaren verändert sich häufig die Haarfarbe. Hat ein Neugeborenes hellblonde Haare, ist es nicht unwahrscheinlich, dass es später dunkle Haare hat, und andersherum.
Auch Kinder, die als Babys und in der frühen Kindheit sehr helle Haare haben, können im Laufe der Jahre immer dunkler werden. Das liegt am dunklen Pigmentstoff Eumelanin, dessen Produktion erst ab dem zweiten Lebensjahr einsetzt.
Nicht nur die Haarfarbe verändert sich: Viele Kleinkinder haben süße Löckchen, die mit den Jahren verschwinden. Das liegt daran, dass die ersten Haare meist sehr fein sind und sich leicht aufrollen. Werden die Haare kräftiger und länger, kann sich das Haar nicht mehr so leicht kringeln - und die Locken verschwinden.
In den letzten zwei Monaten der Schwangerschaft bekommt ein Kind eine große Ladung Hormone mitgeschickt, die sich in den ersten Monaten langsam abbaut. Haarausfall nach der Geburt ist das Resultat, in diesem Fall aber völlig normal. Die Haare wachsen schnell nach, und ihr natürlicher Wachstumszyklus pendelt sich innerhalb der ersten Lebensjahre ein.
Manche Babys bekommen auch eine kahle Stelle am Hinterkopf, wenn sie viel in einer Position liegen. Achten Sie darauf, dass Ihr Baby regelmäßig die Position wechselt.
Babyhaare wachsen in einem langsamen und oft ungleichmäßigen Tempo. In den ersten Monaten ist der Haarwuchs sehr fein und spärlich. Erst nach etwa einem Jahr beginnt sich das Haarwachstum zu stabilisieren, und das Haar wird dichter und kräftiger. Der genaue Wachstumszyklus variiert stark von Baby zu Baby.
Dem Baby die Haare zu schneiden oder zu rasieren, um das Wachstum anzukurbeln, ist wirkungslos. Das Wachstum hat mit dem natürlichen Zyklus der Haare zu tun, egal wie lang diese Haare sind. Die Haardichte und Struktur sind genetisch bestimmt und werden durch einen Haarschnitt nicht beeinflusst. Haare schneiden macht erst dann Sinn, wenn dem Kind die Haare ins Gesicht hängen oder sie sich ständig verknoten.
Haare waschen ist nicht nur für die Sauberkeit wichtig, sondern auch zur Stimulation der Kopfhaut. Da Babys Haare in den ersten Monaten meist sehr fein sind, genügt es, das Köpfchen ohne Shampoo, mit lauwarmen Wasser oder einem feuchten weichen Waschlappen zu reinigen. Achten Sie bei der Pflege der Baby-Haare immer darauf, keinen Druck auf den Kopf des Babys auszuüben. Die Schädeldecke ist bei Babys noch nicht geschlossen (Fontanelle) und daher sehr empfindlich.
Es ist keine Überraschung dass Erbmerkmale jahrhundertelang in den Genen von Familien schlummern, ohne sichtbar zum Ausbruch zu kommen. Es wäre schade wenn wir unsere Kinder vorwiegend über äußere Merkmale, wie die Haut-, Augen-, oder Haarfarbe beurteilen würden. Der Eindruck eines Menschen ergibt sich durch das Gesamtbild seiner äußerlichen Erscheinung und seiner Charaktereigenschaften. Die Faszination der Vererbung liegt gerade in ihrer natürlichen Vielfalt.
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