Haarausfall: Ursachen, Diagnose und moderne Behandlungsmethoden

Haarausfall ist ein weitverbreitetes Problem, das sowohl Männer als auch Frauen betrifft und oft mit erheblichem Leidensdruck verbunden ist. Eine volle, glänzende Haarpracht wird häufig mit Jugend und Gesundheit assoziiert, was den Verlust der Haare besonders belastend macht. Glücklicherweise gibt es verschiedene Ursachen, Diagnosemethoden und moderne Behandlungsansätze, die Betroffenen helfen können.

Ursachen von Haarausfall

Prinzipiell kann Haarausfall viele Ursachen haben. Viele sind ungefährlich und erfordern keine medizinische Behandlung.

  • Altersabhängiger Haarausfall: Dieser natürliche Prozess zeigt sich meist erstmals im jüngeren Erwachsenenalter im Bereich der Stirnhöcker und am Scheitel und wird genetisch gesteuert.
  • Androgenetische Alopezie (AGA): Die häufigste Form des Haarausfalls (über 90 % der Patienten) ist die androgenetische Alopezie (AGA) [7]. Diese Form des Haarausfalls ist erblich und meist hormoneller Genese. Bei dieser androgenetischen Alopezie (Alopecia androgenetica, AGA) reagieren die Haarfollikel aufgrund einer erhöhten Anzahl an Rezeptoren für Testosteron und Dihydrotestosteron (DHT) besonders empfindlich auf die beiden Stoffe. Durch Einwirkung der Hormone verkürzt sich die Wachstumsphase und der gesamte Haarzyklus läuft beschleunigt ab. Die Haarfollikel verkleinern sich, ihre Funktion nimmt ab.
  • Diffuser Haarausfall (Effluvium): Hier verlassen Haarfollikel vorzeitig die Wachstumsphase, gehen also gleichzeitig vom Anagen ins Telogen über. Nach etwa zwei bis vier Monaten kommt es dadurch zu einem spürbar stärkeren Haarausfall. Dieser Vorgang tritt bei einigen Menschen saisonal auf.
  • Medikamente: Betablocker, Phenprocoumon oder Simvastatin können als unerwünschte Begleiterscheinung Haarausfall auslösen.
  • Postpartales Effluvium: Es tritt zwei bis vier Monate nach der Entbindung auf. Als Auslöser für die Synchronisation der Wachstumsphasen gilt hier vor allem die hormonelle Umstellung.
  • Krankheiten und Nährstoffmangel: Schilddrüsenfehlfunktion, Syphilis oder schwere Infektionen, zum Beispiel eine Lungenentzündung, können ein Effluvium auslösen. Auch Eisenmangel sowie ein Mangel an Biotin, B-Vitaminen, Zink oder Eiweiß stehen im Verdacht, Haarverlust zu verursachen (5).
  • Chemotherapie: Zytostatika greifen gezielt sich schnell teilende Zellen an. Daher kann eine Therapie mit Zytostatika bewirken, dass alle Kopfhaare, die sich gerade in der stoffwechselaktiven Phase befinden, nach einer bis zwei Wochen in der Wurzel abbrechen.
  • Alopecia Areata: Wie der altersbedingte Haarausfall ist vermutlich auch die Neigung zum kreisrunden Haarausfall - zumindest teilweise - in den Genen angelegt, da dieser familiär gehäuft auftritt. Betroffen sind Menschen beiderlei Geschlechts, jeden Alters und sogar Kinder - in Deutschland etwa eine Million Menschen.
  • Trichotillomanie: Haarverlust kann in seltenen Fällen auch die Folge einer gestörten Impulskontrolle sein (14). Bei der Trichotillomanie reißen sich Betroffene vor allem unter Anspannung die eigenen Haare aus. Die Handlung wirkt auf sie entspannend und befriedigend.

Es gibt auch seltene Haarerkrankungen, die zu Haarausfall führen können. Ein Beispiel ist die postmenopausale frontale fibrosierende Alopezie.

Stress ist ebenfalls ein wichtiger Faktor. Der Stress, den wir alle angesichts der Weltlage, Klimakrise, Inflation, Corona und allgemeinen Arbeitsbelastung haben, ist der absolute Haarausfall-Trigger.

Norwood-Skala für männlichen Haarausfall

Diagnostische Abklärung

Angesichts der vielen möglichen Ursachen sollte bei einem außergewöhnlich starken und länger anhaltenden Haarausfall ein Arzt, am besten ein Dermatologe, konsultiert werden. Nach der Anamnese wird der Arzt die Haare genau anschauen. Dazu zählen nicht nur die Kopfhaare, sondern auch die übrigen Körperhaare und sogar die Nägel.

Eine adäquate ärztliche Untersuchung beim Symptom Haarausfall umfasst folgende Aspekte:

  • Anamnese (Fieber, Medikamente, Heparingabe?)
  • Klinische Inspektion (Alopezie? Entzündung?)
  • Klinischer Zugtest (Haare vermehrt und leicht ausziehbar?)
  • Trichodermatoskopie (Inspektion der Haare und Kopfhaut mit Dermatoskop)
  • Trichogramm (mikroskopische Haarwurzelanalyse)
  • Blutuntersuchungen (je nach Konstellation, nicht obligat)

Ein Blick durch die Lupe verrät, ob an kahlen Stellen noch Haarfollikel vorhanden sind. Für ein Trichogramm braucht der Arzt 50 bis 100 Haare von unterschiedlichen Bereichen der Kopfhaut. Unter dem Mikroskop erkennt er an der Haarwurzel, wie viele Haare sich in jeweils in der Wachstums-, Übergangs- und Ruhephase befunden haben. Eine Biopsie ist selten und hauptsächlich bei narbigen Alopezien oder unklaren Befunden erforderlich. Um möglichen Krankheiten oder Mangelerscheinungen als Ursache auf den Grund zu gehen, ist eine Blutuntersuchung erforderlich.

Trichoscan:

Trichoscan einer AGA vor PRP-Behandlung

Trichoscan einer AGA nach 6 Monaten mit insgesamt 4 PRP-Behandlungen

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Behandlungsmöglichkeiten

Je nach Ursache des Haarausfalls gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten.

Medikamentöse Behandlungen

  • Minoxidil: Minoxidil wirkt durch ein Zusammenspiel von Effekten wie einer Vergrößerung des Haarschaftdurchmessers und einer Verlängerung der Wachstumsphase. Frauen sollten eine zweiprozentige, Männer eine fünfprozentige Lösung zwei Mal täglich auftragen.
  • Alfatradiol: Alfatradiol ist ein Stereoisomer des weiblichen Sexualhormons 17β-Estradiol, aber praktisch ohne hormonelle Wirkungen. Es hemmt wie Finasterid die Bildung von DHT.
  • Finasterid: Finasterid hemmt selektiv das Enzym 5a-Reduktase Typ II und senkt somit die Serumkonzentration von Dihydrotestosteron um 70 %.

Für Männer ist außerdem noch das Anti-Haarausfall-Medikament Finasterid zugelassen. Es greift tief in den Stoffwechsel ein, hemmt die sogenannte 5-Alpha-Reduktase in den Zellen, die für die Umwandlung des Sexualhormons Testosteron in das aktivere Dihydrotestosteron (DHT) zuständig ist. Dieses sorgt bei Kindern für die Ausbildung der männlichen Geschlechtsorgane, aber auch für das Wachstum der Körperbehaarung und für den Haarausfall auf dem Kopf.

In jeder Drogerie erhältlich und völlig unbedenklich sind Haarwuchsmittel mit Koffein. Der Wachmacher regt die Durchblutung an. Durch die verbesserte Zirkulation werden die Haarwurzeln besser versorgt.

PRP-Therapie (Plättchenreiches Plasma)

Als besonders effektiv gilt ein sogenanntes PRP-Treatment. "PRP ist die Kurzform für plättchenreiches Plasma, das aus dem entnommenen Blut der zu behandelnden Person gewonnen wird", erklärt die Dermatologin. "Um die Blutplättchen zu isolieren, wird das Blut zentrifugiert. Das daraus gewonnene Material enthält körpereigene Wachstumsfaktoren - in die Kopfhaut injiziert, regen diese Wachstumsfaktoren den Haarwuchs an." Die Expertin empfiehlt mindestens drei, besser fünf Sitzungen im Abstand von jeweils vier bis sechs Wochen.

Autologes PRP wird mehr und mehr in der Behandlung von Alopezien eingesetzt. Im Rahmen einer Haartransplantation kann PRP verwendet werden, um ein besseres Ergebnis des chirurgischen Eingriffs zu erzielen [3]. So können die Haarfollikel eingebettet in PRP implantiert werden.

Injektionsnadel und -tiefe bei Anwendung von PRP

Haartransplantation

Bei einer Haartransplantation werden die eigenen Haare vom Hinterkopf zu kahlen oder schütteren Stellen transplantiert. So können die Haarfollikel eingebettet in PRP implantiert werden.

Haartransplantation Einzelentnahme - FUE

Weitere Tipps

  • Gesunde Ernährung: Eine gesunde, ausgewogene Ernährung ist essenziell, um Mangelerscheinungen, die Haarausfall zur Folge haben können, entgegenzuwirken.
  • Schonende Haarpflege: Vermeide es, beim Bürsten oder Kämmen zu ziehen. Rubbele die Haare nicht nach der Wäsche mit einem Handtuch ab, sondern tupfe oder wringe sie sanft aus.
  • Vermeidung von Zugfrisuren: Am einfachsten ist die Bekämpfung der Traktionsalopezie durch Vermeidung des Auslösers. Konkret bedeutet das, nicht ständig die gleiche Frisur zu tragen - gönne deinem Haar immer wieder Erholungspausen, indem du es offen trägst oder nur locker hochsteckst.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Wirksamkeit der Behandlungen je nach Alopezie-Art unterschiedlich ist. Studien mit standardisiertem Design zur Bestätigung der Ergebnisse sind notwendig.

Behandlung Wirkung Hinweise
Minoxidil Vergrößerung des Haarschaftdurchmessers, Verlängerung der Wachstumsphase Rezeptfrei in Apotheken erhältlich
Finasterid Hemmt die Bildung von DHT Verschreibungspflichtig, nur für Männer zugelassen
PRP-Therapie Regt den Haarwuchs durch Wachstumsfaktoren an Mindestens drei Sitzungen empfohlen

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