Ist Duschen bei Gewitter gefährlich? Ein Mythos unter der Lupe

Um die alltäglichsten Dinge ranken sich oft die meisten Mythen, so auch beim Duschen. Der Dusche wird so manche Kraft nachgesagt, sie soll die Macht haben, Cellulite, das Immunsystem und die Gesundheit im Allgemeinen beeinflussen oder sogar für den Rauswurf aus den eigenen vier Wänden sorgen können.

Gewitter können nicht nur in der Natur oder an Gebäuden schwere Schäden anrichten, sondern auch für dich gefährlich werden. Hier erfährst du, wie du dich bei Gewitter richtig verhältst und welchen Mythen du nicht glauben solltest.

Die Gefahr eines Blitzschlags

In Deutschland werden jedes Jahr durchschnittlich 110 Menschen vom Blitz getroffen. Die Zahl der Blitzeinschläge mit Todesfolge liegt nach Angaben des VDE bei jährlich vier Personen. Damit liegt die Zahl der Todesopfer zwar deutlich niedriger, allerdings tragen viele Überlebende schwere körperliche und seelische Verletzungen davon. Wichtig ist deshalb zu wissen, wo die Gefahren bei Gewitter liegen und wie du dich richtig verhältst.

Um die Gefahren eines Blitzeinschlags besser zu verstehen, ist hilfreich zu verstehen, wie ein Blitz funktioniert: Ein Blitz gleicht den Spannungsunterschied zwischen Gewitterwolken und der Erdoberfläche aus. So können Blitze mit gut 100 Millionen Volt einschlagen, was verheerende Folgen haben kann. Elektrogeräte solltest du vorsichtshalber bei Gewitter ausstecken.

Wie ein Blitz entsteht

Duschen bei Gewitter: Mythos oder Realität?

Ist Duschen bei Gewitter gefährlich? Ja, es kann gefährlich sein! Es hängt aber von eurer Wohnung oder eurem Haus ab. Die meisten Häuser haben ein ordentliches Blitzableiter-System. Duschen während eines Gewitters ist dann tatsächlich ungefährlich.

Hat euer Haus oder eure Wohnung aber keine Blitzschutzanlage oder ihr seid euch nicht sicher, weil ihr in einem Altbau wohnt, dann wartet lieber mit der Dusche bis nach dem Gewitter. In Altbauten sind die Wasserleitungen meist aus Metall und häufig fehlt eine ausreichende Erdung - sprich, dass der Blitz abgeleitet wird. Die Gefahr eines Blitzschlags bei Berührung mit Wasser ist dementsprechend höher.

Bei diesen Gegebenheiten sollten Sie es vermeiden, während eines Gewitters zu duschen:

  • Alte Häuser: Da in vielen älteren Häusern die Wasserleitungen aus Metall sind, leiten sie sehr gut.
  • Urlaub: Vermeiden Sie es, besonders im Auslandsurlaub, bei einem Gewitter zu duschen.

In neuen Häusern mit gutem Blitzableiter samt Erdung können Sie problemlos duschen gehen. Die Leitungen sind mittlerweile aus Kunststoff und schützen so zusätzlich. Wenn Sie allerdings Bedenken haben oder ein sehr starkes Gewitter ankommt, warten Sie vorsichtshalber, bis es vorbei ist.

Tipp: Zu einem Stromausfall kann es bei einem Gewitter immer kommen, deswegen ist eine weitere Lichtquelle im Bad ratsam.

Bei modernen Häusern mit Wasserrohren aus Kunststoff ist Duschen während eines Gewitters kein Problem. In modernen Wohnungen ist Duschen oder Baden bei Gewitter in der Regel kein Problem, denn heutzutage sind die Wasserrohre meist aus Kunststoff und somit nicht leitend.

Wenn du dir aber unsicher bist, ob dein Haus mit einem Blitzschutzsystem ausgestattet ist, solltest du bei Gewitter auf das Duschen, Baden und Händewaschen verzichten. In diesem Fall solltest du dich auch von anderen Leitungen aus Metall wie Heizungen fernhalten und auf das Telefonieren mit dem Schnurtelefon verzichten. Mobile Telefone kannst du ohne Bedenken benutzen.

Wer bei einem Gewitter duscht, könnte also gefährdet sein. Wer die Zeit während des Gewitters zum Telefonieren mit dem Handy nutzt, ist es sicher nicht. Festnetztelefone mit Schnur sind theoretisch anfälliger. Hier könnte der Blitz über Leitungen in das Haus weitergeleitet werden. Doch für diesen Fall sind Gebäude in der Regel abgesichert, etwa durch Blitzableiter und Überspannungsschutz. In städtischen Gebieten sei die Gefahr generell gering, so der Experimentalphysiker Hans-Dieter Betz gegenüber Brisant, weil stark verzweigte unterirdische Leitungen die Spannung rasch aufteilen würden.

Wie man sich bei Gewitter richtig verhält

Wie du dich bei Gewitter richtig verhältst, kommt darauf an, ob du dich in einem Gebäude befindest oder dich draußen aufhältst. Daneben spielt eine Rolle, ob dein Haus über ein Blitzschutzsystem oder nur einen Blitzableiter verfügt.

Verhalten im Gebäude

  • Suche Unterschlupf in Gebäuden mit Blitzableiter oder Blitzschutzsystem: In Gebäuden mit Blitzableitern oder, noch besser, mit Blitzschutzsystemen bist du sicher vor Blitzeinschlägen.
  • Schließe Fenster und Türen: Gewitter bringen oftmals auch Starkregen, Hagel und Sturmböen mit sich.
  • Stecke alle elektrischen Geräte aus: Eingesteckte Elektrogeräte wie PCs, Fernseher oder Küchengeräte können bei einem Gewitter durch Überspannungsschäden beschädigt werden. Eine Möglichkeit, dem vorzubeugen, sind eingebaute Überspannungsschutzgeräte.

Verhalten im Freien

Insbesondere Erhebungen und alleinstehende Bäume solltest du bei Gewitter meiden.

  • Suche Unterschlupf im Auto: Ein geschlossenes Fahrzeug aus Metall bietet selbst bei direktem Blitzeinschlag einen guten Schutz. Die Metallkarosserie bildet hier einen sogenannten Faraday’schen Käfig und leitet den Strom direkt in die Erde. Für Flugzeuge und Züge gilt übrigens dasselbe. Aber: Vorsicht bei Fahrzeugen, die nicht komplett aus Metall sind.
  • Gehe in die Hocke und stelle die Füße nah zusammen: Da sich die Spannung rings um die Einschlagstelle im Boden ausbreitet, besteht auch bei einem Blitzeinschlag in einigen Metern Entfernung noch Gefahr. Der Strom kann noch immer über die Erde deinen Körper durchlaufen - entscheidend ist hier die sogenannte Schrittspannung. Damit ist der Spannungsunterschied gemeint, den deine Beine aufweisen, wenn deine Füße weit auseinander stehen, da die Spannung ringsum die Einschlagstelle kreisförmig abnimmt. Daher solltest du möglichst wenig Kontaktfläche zum Untergrund haben, um den Spannungsunterschied möglichst gering zu halten.
  • Halte Abstand zu anderen Personen: Wenn du mit einer größeren Gruppe unterwegs bist, solltet ihr ausreichend Abstand zueinander halten und euch keinesfalls berühren.
  • Ziehe deinen Rucksack aus und berühre keine metallischen Gegenstände: Metallische Gegenstände ziehen zwar keine Blitze an, leiten diese aber sehr gut. Sollte ein Metallgegenstand vom Blitz getroffen werden, den du berührst, würde dies schwere Verbrennungen nach sich ziehen.
Ein Auto als Faradayscher Käfig
  • Stelle dich nicht unter Bäume: Bäume sind zwar hohe Punkte in der Landschaft, die wahrscheinlicher vom Blitz getroffen werden als du. Allerdings kann die Spannung zu dir überspringen, wenn du dich in der Nähe von Bäumen aufhältst. Zudem besteht Gefahr, von abgespaltenen Ästen getroffen oder durch Feuer verletzt zu werden. Insbesondere alleinstehende Bäume werden häufiger vom Blitz getroffen. Da ist es auch unerheblich, ob es sich um Eichen oder Buchen handelt („Eichen sollst du weichen. Buchen sollst du suchen.) Im Wald sieht es etwas anders aus: Hier geht die größte Gefahr von herabfallenden Ästen aus.
  • Meide weite Felder: Auf flachen Ebenen bist du die höchste Erhebung und erhöhst somit das Risiko, vom Blitz getroffen zu werden.
  • Lege dich nicht flach auf den Boden: Solltest du eine flache Wiese nicht mehr rechtzeitig verlassen können, solltest du dich nicht flach auf den Boden legen, denn die Erde leitet und du bietest damit viel Kontaktfläche.
  • Vermeide Fahrrad- und Motorradfahren: Anders als im Auto bist du hier nicht vor einem Blitzeinschlag geschützt.
  • Halte dich nicht im oder auf dem Wasser auf: Schwimmen, Tauchen oder Segeln im Wasser kann bei Gewitter gefährlich werden, denn Wasser leitet. Zudem stellst du auf dem Wasser meist den höchsten Punkt dar und bist damit besonders gefährdet. Bei ersten Anzeichen solltest du das Wasser deshalb verlassen. Wenn das nicht mehr möglich ist und du dich beispielsweise auf einem Boot ohne Überdachung befindest, solltest du dich in Kauerstellung begeben und keine Metallgegenstände berühren.
  • Vermeide Berge: Wenn du auf einer Bergwanderung vom Gewitter überrascht wirst und nicht mehr rechtzeitig ins Tal kommst, solltest du Unterschlupf suchen, zum Beispiel in einer Hütte. Notfalls bieten auch Höhlen oder Felsvorsprünge Schutz.
  • Renne nicht vor einem Gewitter weg: Hier spielt wieder die sogenannte Schrittspannung eine Rolle: Beim Rennen stehen deine Füße gespreizt auf dem Boden. Das führt zu einem großen Spannungsunterschied zwischen deinen Beinen, wenn in der Umgebung ein Blitz einschlägt. Da sich die Spannung nach dem Einschlag kreisförmig im Boden ausbreitet und an Stärke verliert, besteht bei auseinandergespreizten Beinen ein hoher Spannungsunterschied. Dadurch kann der Strom durch deinen Körper fließen und zu schweren Verletzungen führen.
  • Vermeide Reiten und Golfspielen: Obwohl du dich generell bei Gewittern nicht draußen aufhalten solltest, sind diese beiden Sportarten besonders gefährlich.

Weitere Mythen rund um Gewitter

Es gibt unzählige Regeln, wie du dich während eines Gewitters richtig verhalten solltest. Aber worauf du dich wirklich vertrauen kannst, ist oft unklar.

Mythos: „Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen“

Fakt: Wissenschaftlich belegt ist der Reim nicht. Bei Gewittern solltest du Bäume jeder Art meiden. Hohe, allein stehende Bäume und Baumgruppen sind besonders gefährlich. Wird das Gewitter von Regen begleitet, besitzt ein nasser Baum sogar noch bessere Leitfähigkeit. Während des Blitzschlags wird elektrische Spannung in den Boden abgegeben, weshalb es schon gefährlich sein kann, sich nur in der Nähe eines Baumes aufzuhalten.

Mythos: Ein Regenschirm zieht Blitze an.

Fakt: Dass Regenschirme Blitze anziehen, ist nicht belegt. Allerdings erhöhst du auf freiem Gelände deine Position, wenn du den Schirm aufspannst und wirst dadurch leichter zum Ziel. Außerdem ist erwiesen, dass der Blitz - wenn er in eine Person mit Regenschirm einschlägt - den Schirm als erstes erreicht und über Arm, Rumpf und Beine ins Herz fließt.

Mythos: Telefonieren mit dem Handy ist gefährlich.

Fakt: Entgegen mancher Behauptungen ist das Handy bei Gewitter vollkommen ungefährlich, egal, ob Sie es nur bei sich tragen oder sogar telefonieren. Lediglich Telefonleitungen bei Kabeltelefonen im Haus können einen Stromschlag verpassen, der aber ungefährlich ist und eher das Telefon beschädigt. Das gilt vor allem bei oberirdisch verlegten Telefonleitungen.

Mythos: Ein Blitz schlägt nie zweimal ein.

Fakt: Doch, genau das tun sie. Manchmal sogar mehr als zweimal. Bekanntestes Beispiel ist das Empire State Building in New York.

Erkennen eines herannahenden Gewitters

Dass ein Gewitter ansteht, erkennst du häufig bereits an der typischen Amboss-Wolke. Grundsätzlich gilt: Beim ersten Anzeichen von Gewittern solltest du dich frühzeitig in Sicherheit begeben. Gewitter erkennst du meist schon früh an den sogenannten Cumulonimbus-Wolken, die die Form eines Amboss haben. Baut sich eine solche Gewitterwolke auf, kannst du dich auf ein Gewitter gefasst machen. Spätestens ab einer Entfernung von etwa fünf Kilometern solltest du dich vor Blitzeinschlägen in Sicherheit begeben.

Zähle die Sekunden zwischen Blitz und Donner und teile die Zahl durch drei. So erhältst du grob die Entfernung in Kilometern. Wenn du also 15 Sekunden bis zum Donner zählst, ist das Gewitter rund 5 Kilometer entfernt und damit schon relativ nah. In diesem Fall solltest du dich unmittelbar in Sicherheit begeben.

Wird die Gefahr durch Blitze und Gewitter unterschätzt? (Ganze Folge) | Quarks

Verhaltensregeln bei Gewitter
Situation Empfehlung
Im Gebäude Blitzableiter nutzen, Fenster schließen, Elektrogeräte ausstecken
Im Freien Auto (Faradayscher Käfig) suchen, Hocke mit geschlossenen Füßen, Abstand zu anderen halten
Bäume Meiden
Wasser Verlassen
Handy Ungefährlich

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