Die Initiative „Hair Help the Oceans“ hat sich zum Ziel gesetzt, mit abgeschnittenen Haaren natürliche Ölfilter zu bauen und so die Meere zu säubern. Friseurmeister Emidio Gaudioso aus Bückeburg ist der Kopf hinter dieser Idee und erhält Unterstützung von Salons aus ganz Deutschland, sogar aus Hamburg.
Friseurmeister Emidio Gaudioso will mit Haaren das Meer retten.
Die MOPO sprach mit Gaudioso darüber, wie er auf diese Idee kam und wo die Filter bereits zum Einsatz kommen. Doch wie effektiv ist diese Initiative wirklich? Und was sagen die beteiligten Friseure dazu?
Vor zwei Jahren startete ein Würzburger Unternehmensberater gemeinsam mit dem Friseur aus Niedersachsen die Aktion "Hair Help the Oceans". Die Idee ist gut und macht Hoffnung auf einen sauberen Planeten. Denn: Haare können viel Fett aufsaugen.
Viele Hundert Friseurinnen und Friseure erzählen ihren Kunden täglich die Geschichte von den Haaren, die Motoröl und Sonnencreme aus Meeren und Flüssen filtern. Die Geschichte zieht, viele Menschen wollen der Umwelt gerne helfen, vor allem, wenn es so einfach ist.
Die Initiative will mit Haaren die Verschmutzung der Meere bekämpfen.
Rund 1.800 Friseursalons in Deutschland und mehreren Nachbarländern beteiligen sich. Es kommen ständig neue Friseure dazu und andere springen wieder ab. Auch Friseurmeister Max Böhm aus Treuchtlingen schickt einmal im Monat einen großen Karton voller Haare nach Bückeburg. Ihm war die Umwelt und eine sinnvolle Verwertung des Haarabfalls wichtig.
"Ich zahle 25 Euro dafür, dass ich mitmachen darf. Dafür spare ich mir ein bisschen Müllgebühren für den Restmüll", sagt Max Böhm. Und er darf sich das Logo von "Hair Help the Oceans" ins Schaufenster hängen.
Jeden Tag liefert die Post Kartons mit abgeschnittenen Haaren nach Niedersachsen, zu einem Friseursalon in Bückeburg. Jeden Tag liefert die Post Kartons mit Haaren bei Emidio Gaudiosos Friseursalon ab. Mit einem kleinen Transporter werden sie von Gaudiosos Mitarbeitenden zu einem 1.200 qm großen Firmengelände am Rand der Kleinstadt gebracht.
Dass mit Haaren gefüllte Schläuche gegen Umweltverschmutzungen wirksam sind, haben Inselbewohner bei einer Ölkatastrophe vor Mauritius im Indischen Ozean erprobt. Öl setzt sich an der Haaroberfläche fest, somit kann ein Haar das drei- bis neunfache seines Gewichts an Öl aufnehmen, sagen Experten.
An der Hochschule Magdeburg-Stendal hat Abwasser-Experte Prof. Jürgen Wiese im Auftrag von "Hair Help the Oceans" einige Tests durchgeführt. "Ich finde die Ideen cool", sagt Wiese zu BR24. Und dass er den Enthusiasmus von Emidio Gaudioso schätzt. Deshalb habe er einige "orientierende Untersuchungen" gemacht und auf "konzeptioneller Ebene diskutiert".
Die Frage sei nun, wie man daraus ein kommerzielles Produkt machen könnte, so Jürgen Wiese.
Doch bisher retten die Haare kein Meer. Sie warten noch auf ihren Einsatz. Die Initiative "Hair Help the Oceans" kann sich vor Haaren kaum noch retten.
In die Entwicklung eines konkreten Produktes scheint derzeit niemand viel Zeit zu stecken. "Wir machen das alles ja nur nebenbei", sagt Gaudioso. Sein Geschäftspartner Thomas Keitel bestätigt dies bei einem Telefonat. Während Gaudioso viele Interviews gibt, zwei Prototypen von Haarschlauch-Füllmaschinen mitentwickelt hat und sich um die angelieferten Haare kümmert, ist Keitel für die Buchführung zuständig.
Drei große Schiffscontainer seien bis oben voll gestopft mit Haarwolle, erklärt Emidio Gaudioso. Und zeigt uns zwei kleinere. Er demonstriert, wie die Mengen an Haarwolle büschelweise hinter eine Lattenwand geworfen werden. "Wir beschweren das dann mit Paletten, damit mehr reinpasst", sagt er.
Hier in der Halle stehen auch die Prototypen der Maschinen, die Emidio Gaudioso zusammen mit einem Maschinenbauer hergestellt hat. Damit können Stoffschläuche befüllt werden. Eine Maschine saugt, eine andere stopft. Dahinter hängt ein riesiges Transparent mit einer glücklichen Meeresschildkröte. Doch bisher läuft keine Produktion.
Es fehle noch an der Zertifizierung, erklärt Emidio Gaudioso zunächst und verweist auf Professor Jürgen Wiese, dessen Ergebnisse dazu noch nötig seien. Doch auf Nachfrage wird klar, an der Zertifizierung arbeitet niemand. Wiese erklärt, eine Zertifizierung werde es von ihm nicht geben. "Wir haben kein Leitschema bekommen", sagt er auf Anfrage von BR24.
Er erklärt, die Zertifizierung der Schläuche sei derzeit gestoppt. Es gebe Probleme mit dem Stoff, in den die Haare eingefüllt werden könnten. Offenbar ist noch unklar, welches Material sich überhaupt eignen würde. "Man will ja nicht, dass der Stoff das Öl aufsaugt, sondern die Haare innen drinnen", erklärt Abwasser-Experte Jürgen Wiese.
Friseurmeister Max Böhm aus Treuchtlingen will der Initiative noch Zeit geben. Die Idee sei einfach zu gut. Und als selbständiger Friseurmeister verstehe er, dass Dinge Zeit brauchten, wenn sie nebenbei erledigt werden müssten.
Sein Kollege Arben Lumi aus Weißenburg meint hingegen, es sei schade, wenn Geld in irgendwelchen Kanälen versickere und nur wenig beim eigentlichen Zweck ankomme. Andererseits sei auch viel Geld notwendig, wenn eine Sache richtig groß werden soll. "Wir werden in ein, zwei Jahren sehen, was daraus geworden ist", so Lumi.
Doch die Vertretung des bayerischen Friseurhandwerks hat nicht mehr so viel Geduld und distanziert sich von "Hair Help the Oceans". "Grundsätzlich passt die Zielsetzung der Initiative in die Zeit, in der alle etwas für Nachhaltigkeit tun wollen", sagt die Geschäftsführerin des Landesinnungsverbands der Bayerischen Friseure, Doris Ortlieb.
Bei dem Projekt gebe es allerdings bisher keine Ergebnisse. Deshalb habe man die Initiative bisher auch nicht empfohlen. Allein in der Stadt München machen rund 30 Friseure bei "Hair Help the Oceans" mit. "Wenn es kein Produkt gibt, ist es Greenwashing“, meint Obermeister Christian Kaiser. Das könne die Innung dann natürlich nicht unterstützen.
Laut Angaben des Geschäftspartners Thomas Keitel erzielt die Initiative monatlich rund 32.000 bis 35.000 Euro Umsatz durch die Mitgliedsbeiträge der beteiligten Friseursalons. Allerdings, so Keitel, bleibe dabei kaum etwas übrig, um die Arbeitsstunden der Beteiligten zu decken.
| Einnahmen | Ausgaben |
|---|---|
| 32.000 - 35.000 Euro/Monat (Mitgliedsbeiträge) | Unbekannt (Kosten für Logistik, Lagerung, Entwicklung) |
Die Initiative sammelt große Mengen an Haaren.
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