Haare haben eine wichtige physiologische und psychologische Bedeutung. Sie schützen vor ultraviolettem Sonnenlicht und haben biologischen Signalcharakter. Volle Haare symbolisieren Jugendlichkeit und Schönheit, daher suchen viele Betroffene ärztlichen Rat bei Haarausfall.
Verschiedene Muster von Haarausfall.
Jeder Mensch besitzt etwa 80.000 bis 120.000 Terminalhaare am Kopf. Diese bestehen aus Keratinen und werden vom Haarfollikel gebildet. Jeder Haarfollikel durchläuft Phasen des Wachstums und der Ruhe.
Die Wachstums- oder Anagenphase dauert 2-6 Jahre. Dabei wächst das Haar mit einer Geschwindigkeit von etwa 0,3 mm pro Tag oder 1 cm pro Monat. Nach einer kurzen Übergangsphase (Katagen) kommt eine 2-4 monatige Ruhephase, das Telogen, bevor das Haar schließlich ausfällt.
Normalerweise wachsen die etwa 100.000 Kopfhaare völlig unabhängig voneinander. Innere oder äußere Einflussfaktoren können Haarfollikel durch vorzeitigen Übergang vom Anagen ins Telogen synchronisieren und so nach 2-4 Monaten einen stärkeren Haarausfall auslösen. Zu diesen Einflussfaktoren gehören Hormone, Wachstumsfaktoren, Medikamente und Jahreszeiten.
Haarausfall kann verstärkter Haarausfall (Effluvium) oder sichtbare Haarlosigkeit (Alopezie) bedeuten. Ein Ausfall von bis zu 100 Haaren täglich ist normal. Wichtig ist die Frage nach Medikamenten. Bei Frauen sollte nach gynäkologischen Faktoren wie dem An- oder Absetzen hormoneller Kontrazeptiva gefragt werden. Physiologisch ist das vorübergehende, postpartale Effluvium 2-4 Monate nach der Geburt des Kindes.
Bei extremen toxischen Einflüssen, zum Beispiel durch Chemotherapie, ist die Schädigung der Haarfollikel so stark, dass die Haare innerhalb von ein bis drei Wochen im Haarfollikel abbrechen.
Durch Inspektion des behaarten Kopfes (Kapillitium) wird geklärt, ob eine sichtbare Haarverminderung (Alopezie) und ob ein bestimmtes Haarlichtungsmuster vorliegt. Zu achten ist auf entzündliche Rötungen und Schuppungen, da Psoriasis und Ekzeme zu Effluvium führen können. Hilfreich ist auch eine dermatoskopische Untersuchung der Kopfhaut. Der orientierende Haarzugtest wird durch das Tricho(rhizo)gramm ergänzt.
Hierbei werden etwa 20-50 Haare mit einer gummiarmierten Arterienklemme epiliert und mikroskopisch analysiert. Dabei lassen sich die in den verschiedenen Wachstumsphasen unterschiedlich geformten Wurzeln auszählen. Liegt der Anteil der Telogenhaare höher als 20 %, deutet dies auf einen verstärkten Haarausfall hin. Aufschluss über die Anagen-Telogen-Ratio gibt auch das nichtinvasive Phototrichogramm. Allerdings lassen sich damit nicht Wurzelanomalien, wie zum Beispiel dystrophe Haare, beurteilen.
Labordiagnostisch auszuschließen sind beim Effluvium unbekannter Ursache vor allem:
Die androgenetische Alopezie ist die häufigste Form des Haarausfalls. Sie betrifft bis zu 70 % aller Männer und 40 % aller Frauen. Histologisch beobachtet man eine fortschreitende Miniaturisierung von Terminalhaarfollikeln in genetisch prädisponierten Kopfhautarealen, eine Verkürzung der Wachstumsphasen und verminderte Haarschaftdicken.
Die androgenetische Alopezie zeigt typische Haarausfallsmuster: der männliche Typ mit Geheimratsecken und Lichtung im Bereich der Tonsur (Klassifikation Norwood-Hamilton) beziehungsweise der weibliche Typ mit Mittelscheitel-Lichtung (Ludwig-Klassifikation).
Androgenetische Alopezie vom weiblichen Typ Ludwig Grad I
Die Ausbildung der männlichen androgenetischen Alopezie wird unterschiedlichen genetischen Varianten des Androgen-Rezeptors sowie Androgenen zugeschrieben. Hierbei ist vor allem das durch das Enzym 5α-Reduktase aus Testosteron gebildete Dihydrotestosteron (DHT) entscheidend. Es gibt allerdings keinen Zusammenhang zwischen Glatzenbildung und Androgenspiegeln im Blut. Vielmehr wird die Ursache in einer individuell unterschiedlich ausgeprägten Sensibilität der Haarfollikel gegenüber in der Regel normwertigen zirkulierenden Androgenen angenommen.
Aktuell geht man bei der androgenetischen Alopezie von einem polygenen Erbgang aus. Der Androgenrezeptor wird auf dem X-Chromosom vererbt, was auf den mütterlichen Einfluss bei der androgenetischen Alopezie hinweist. Zur androgenetischen Alopezie bei Frauen gibt es nur wenige verfügbare Daten, aber auch hier klare Hinweise auf genetische Einflüsse.
Das diagnostische Vorgehen bei androgenetischer Alopezie einschließlich eines diagnostischen Algorithmus wurde im Rahmen eines europäischen Konsensus 2011 erarbeitet:
Hauptziel ist, den Haarausfall zu stoppen und den Miniaturisierungsprozess der Haarfollikel wenn möglich umzukehren, und so Wiederwachstum anzuregen. Die Wirksamkeit einer gewählten Therapie sollte durch standardisierte Übersichtsfotografien oder durch ein Phototrichogramm objektiviert werden.
Derzeit sind zwei pharmakologische Wirkstoffe für die Behandlung einer androgenetischen Alopezie als effektiv anerkannt: topische Minoxidillösung (bei Frauen und Männern) und die Finasterid-1-mg-Tablette (nur bei Männern).
Minoxidil, ein Kaliumkanalöffner, ist als 2%ige-Lösung für die Frau und als 5%ige Lösung oder Schaum für den Mann zugelassen und in Apotheken rezeptfrei verkäuflich. Um die Therapie zu vereinfachen, ist 2016 die Zulassung eines 5 %igen Minoxidil-Schaums zur einmal täglichen Behandlung bei Frauen zu erwarten. Die Minoxidil-Externa sind der einzige topische Wirkstoff mit hohem Evidenzniveau (Evidenzlevel 1). In großen Studien konnte der Haarverlust bei 80-90 % der Behandelten gestoppt werden; bei etwa 50 % verdichtete sich das Haarkleid sichtbar. Als Nebenwirkung können Rötung, Schuppung der Kopfhaut, vereinzelt eine Kontaktdermatitis oder vor allem bei Frauen eine Hypertrichose, meist im Schläfenbereich, beobachtet werden.
Finasterid, ein 5α-Reduktase-Typ-II-Hemmer, wurde 1999 mit einer Dosierung von 1 mg/Tag in Deutschland bei Männern zwischen 18 und 41 Jahren zugelassen. Das Evidenzniveau für Finasterid 1 mg bei androgenetischer Alopezie ist sehr gut (Evidenzlevel 1). Ähnlich wie Minoxidillösung ist Finasterid 1 mg/Tag in der Lage, den Haarverlust bei 80-90 % der Behandelten zu stoppen, und bei etwa 50 % der Männer das Haarkleid sichtbar zu verdichten. Das Nebenwirkungsprofil zeigt relativ gute Verträglichkeit, mit einer leicht erhöhten Rate von reversiblem Libidoverlust und erektiler Dysfunktion (etwa 2 %), sowie einer leicht erhöhten Gynäkomastie-Inzidenz. Für Frauen ist Finasterid nicht zugelassen, da es bei männlichen Föten zu fetalen Fehlbildungen führen kann und bei postmenopausalen Frauen mit androgenetischer Alopezie unwirksam ist.
Dutasterid, ein dualer 5α-Reduktase-Inhibitor (Typ I und II wird gehemmt), ist aktuell nur für die Behandlung der benignen Prostatahyperplasie zugelassen. Von einer Off-label-Anwendung raten wir daher ab.
Aus der gegenwärtigen Studienlage lässt sich keine ausreichende Evidenz für den topischen Einsatz von natürlichen Östrogenen, Progesteron oder von Antiandrogenen zur Behandlung der androgenetischen Alopezie der Frau ohne hormonelle Dysregulation ableiten. Für den Einsatz systemischer Antiandrogene bei Frauen mit androgenetischer Alopezie ohne Zyklusstörung gibt es ebenfalls keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege in der verfügbaren Literatur.
Allerdings kann die antiandrogene Therapie der androgenetischen Alopezie bei Frauen mit hormoneller Dysregulation durch Antiandrogene wie Cyproteronazetat, Chlormadinonazetat oder Dienogest erfolgen (Evidenzlevel 3).
Die Eigenhaartransplantation stellt eine ergänzende Maßnahme bei fortgeschrittener androgenetischer Alopezie dar. Hierbei werden Haare aus dem okzipitalen, nicht androgensensitiven Bereich entnommen und in betroffene Areale transplantiert. Nicht nur bei der männlichen sondern auch bei der weiblichen androgenetischen Alopezie kann eine Verdichtung durch Haarfollikeltransplantation erzielt werden (Evidenzlevel 4). Ergänzend kann als einfachste und vom Betroffenen selber anwendbare Methoden, um Zeichen von androgenetischer Alopezie zu verdecken ein entsprechendes Haarstyling hilfreich sein. Bei starker Ausprägung kommen Haarersatzteile oder Perücken in Frage.
Die Alopecia areata („kreisrunder Haarausfall“) ist eine oft plötzlich auftretende Alopezie, die zunächst meist kreisrund ist und sich dann zentrifugal oder multilokulär ausbreiten kann. Die Erkrankung hat eine genetische Komponente. Wenn das gesamte Kapillitium betroffen ist, spricht man von Alopecia areata totalis, bei komplett haarlosem Körper von Alopecia areata universalis. Eine akute Alopecia areata beginnt diffus mit starkem Haarverlust. Mit einer Lebenszeitinzidenz von etwa 1-2 % ist die Alopecia areata nach androgenetischer und diffuser Alopezie die dritthäufigste Form des Haarausfalls.
Alopecia areata: Scharf begrenzte, haarlose Areale
Komorbiditäten sind andere entzündliche und autoimmune Erkrankungen wie das atopische Ekzem, die Hashimoto Thyreoiditis, der Morbus Basedow und die Vitiligo.
Folgende Aspekte sind prognoseverschlechternd:
Pathogenetisch wird eine Autoimmunreaktion vermutet, da sich in Kopfhautbiopsien von Patienten mit Alopecia areata im untersten Anteil der Haarfollikel (Bulbusregion und dermale Haarpapille) eine dichte, bienenschwarmartige Infiltration von Lymphozyten und anderen Immunzellen zeigt. Vorwiegend durch zytotoxische T-Lymphozyten beziehungsweise Zytokine (Interferon-γ, Interleukin-2, Interleukin-15-Rezeptor-β) wird der Haarfollikel reversibel geschädigt, so dass das Haar ausfällt.
Bisher ist immer noch ungeklärt, warum und wann eine Alopecia areata auftritt, warum die Haare Zentimeter neben einem Alopezie-Areal völlig normal wachsen oder warum eine Spontanremission eintritt. Seelische Belastungen und Stressereignisse werden als Auslöser diskutiert, sind aber wissenschaftlich nicht belegt. Ebenso wenig lässt sich eine Alopecia areata durch mögliche Infektionsfoci oder Umwelteinflüsse hinreichend erklären.
Der Verlauf und die Dynamik der Alopecia areata sind individuell sehr unterschiedlich. Die klinische Manifestation umfasst viele Varianten:
Bei einem Drittel der Patienten tritt nach der Erstmanifestion im Verlauf von sechs Monaten eine Spontanremission ein, und etwa 50-80 % der Patienten sind nach einem Jahr erscheinungsfrei und ohne Beschwerden.
Die Therapie der Alopecia areata erfolgt stadiengerecht. Vor allem bei gering ausgeprägten Formen und geringem Leidensdruck ist das Abwarten einer möglichen Spontanremission sinnvoll. Die Anwendung von Zink als potenziellem Immunmodulator kann aufgrund des geringen Nebenwirkungsrisikos vor allem bei Kindern erwogen werden. Die Anwendung von topischen Kortikosteroiden für einige Wochen ist unbedenklich, aber in ihrer Wirksamkeit nicht etabliert. Deutlichere Effekte im Halbseitenversuch wurden nach Einsatz von sehr starken Kortikosteroiden mit Okklusionsbehandlung gesehen.
Eine mögliche Therapiealternative ist die intraläsionale Injektion von Triamcinolon-Kristallen. Diese kann bei wenigen stabilen Herden versuchsweise eingesetzt werden. Eine Therapie mit systemischen Kortikosteroiden kann im Einzelfall hilfreich sein.
Das wirksamste Therapieverfahren (Evidenzlevel 2) ist die topische Immuntherapie mit Diphenylcyclopropenon oder Quadratsäure-Dibutylester.
Es gibt unterschiedliche Arten von Haarausfall, die verschiedene Ursachen haben können. Doch bis zu 100 Haare am Tag zu verlieren, ist noch normal. Erst wenn es mehr werden, spricht man in der Medizin von krankhaftem Haarausfall (Effluvium). Er sollte behandelt werden, bevor noch mehr Haare verloren gehen. Denn Haarausfall, dessen Ursache in einer anderen Krankheit, Medikamenten oder etwa Stress liegt, ist relativ gut therapierbar.
Fast jede dritte Frau hat im Laufe ihres Lebens mit Haarausfall zu kämpfen. Der Leidensdruck ist groß. Haare erneuern sich beim Menschen ständig. Sie hören nach einer bestimmten Zeit auf zu wachsen und fallen aus, neue Haare wachsen nach. Und auch lichteres Haar ist mit zunehmendem Alter keine Seltenheit. Dauert der Haarausfall mehrere Wochen und gehen täglich mehr als hundert Haare aus oder es entstehen haarfreie Stellen, liegt Haarausfall vor.
Egal, welche Ursache - ein Haarverlust ist für Betroffene immer eine extreme Belastung. Die vernarbende Alopezie betrifft Frauen und Männer gleichermaßen. Aber um was genau handelt es sich dabei? Bei vernarbender Alopezie werden die Haarfollikel zerstört; Haare können nicht mehr nachwachsen, der Haarverlust ist nicht umkehrbar. Bei einer vernarbenden Alopezie richtet sich das Immunsystem aus verschiedenen Gründen gegen die eigenen Haarfollikel.
Beim diffusen Haarausfall dünnt das Haar über den gesamten Kopf aus. Bemerkbar macht sich das dadurch, dass täglich mehr als 100 Haare ausfallen. Von diffusem Haarausfall spricht man, wenn sich das Haar auf dem Kopf insgesamt ausdünnt und die Kopfhaut stärker durchschimmert als üblich. Anzeichen dafür ist, dass täglich mehr als 100 Haare ausgehen.Mitunter macht sich der Haarausfall an den Schläfen, am Vorderkopf und im Scheitelbereich verstärkt bemerkbar.Anders als beim anlagebedingten oder kreisrunden Haarausfall, bilden sich beim diffusen Haarausfall üblicherweise keine kahlen Stellen. Es passiert auch nicht, dass die Haare komplett ausfallen.
Die Ursachen für den Haarausfall sind sehr verschieden. So können zum Beispiel Hormonveränderungen, bestimmte Erkrankungen, Nährstoffmangel oder die Einnahme einiger Medikamente diffusen Haarausfall auslösen. Manchmal lässt sich auch kein Auslöser finden. Für gewöhnlich beginnt der Haarausfall zwei bis drei Monate nach dem auslösenden Ereignis. Bis die Haare wieder sichtbar nachgewachsen sind, dauert es zwischen sechs bis zwölf Monaten.Manchmal kann es passieren, dass der Haarausfall vier bis sechs Monate oder länger anhält.
Haare durchlaufen einen Lebenszyklus. Zunächst wachsen sie, dann ruhen sie und schließlich fallen sie aus. Die Haare durchlaufen diese Phasen zu unterschiedlichen Zeiten. Normalerweise befinden sich circa 10 Prozent aller Kopfhaare in der Ruhephase. Beim diffusen Haarausfall betrifft das bis zu 35 Prozent. Haarausfall tritt auch als Nebenwirkung einer Chemotherapie oder Bestrahlung auf. Solche Behandlungen schädigen gesundes Gewebe, das schnell wächst und sich erneuern kann - wie die Haare.
In der Folge der Therapie verkümmern die wachsenden Haare und fallen ein bis vier Wochen später aus. Das passiert meist sehr rasch und großflächig. In der Regel betrifft es neben dem Kopfhaar auch Augenbrauen, Wimpern und Schambehaarung.Teilweise brechen die Haare wenige Millimeter über der Kopfhaut ab. Man nennt sie deshalb umgangssprachlich „Ausrufezeichen-Haare“.Vergiftungen, zum Beispiel mit Schwermetallen wie Thallium oder Kadmium, können ebenfalls zu einem raschen Ausfall der Haare führen.
Es gibt verschiedene Faktoren, Einflüsse und Erkrankungen, die diffusen Haarausfall auslösen können.Bei einem Teil der betroffenen Menschen ist die Ursache unklar.
tags: #Haarverdünnung #Ursachen #und #Behandlung
Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen
Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.