Täglich lassen sich viele Menschen die Haare beim Friseur schneiden oder schwingen die Schere zu Hause selbst. Am Ende hat man eine neue Frisur, und die alten Haare landen in der Regel im Müll. Dabei kann man mit einer Haarspende jemandem ganz einfach etwas Gutes tun. Besonders Menschen, die wegen einer Chemotherapie ihre Haare verloren haben, wünschen sich häufig eine Echthaarperücke.
Viele Krebskranke wollen eine Perücke. Zweithaarspezialisten passen Perücken an und sammeln Haarspenden für die Produktion.
"Für viele ist der Haarverlust das Schlimmste an der Erkrankung. Gerade Frauen ohne Haare werden stigmatisiert", sagt die Friseurin und Zweithaarspezialistin Britta Hespos-Schröder.
Die gespendeten Haare werden zu Echthaarperücken verarbeitet. Diese haben gegenüber Kunsthaarperücken den Vorteil, dass sie länger haltbar sind. "Echthaarperücken kann man außerdem auch noch färben und die Frisur kann man verändern. Wobei es mittlerweile auch Kunsthaarperücken gibt, die man verändern kann", sagt Hespos-Schröder.
Gerade Frauen leiden unter dem Haarverlust, aber auch Männer leiden darunter. Allerdings übernimmt die Krankenkasse bei Männern nicht die Kosten für eine Perücke, weil gesagt wird, dass eine Glatze bei Männern zum normalen Erscheinungsbild gehört.
Generell übernimmt die Krankenkasse die Kosten in Höhe des Preises einer Kunsthaarperücke: "Das sind etwa 420 Euro, bei Echthaarperücken muss die Kundin die Differenz selbst aufbringen, es sei denn, sie leidet an einer Allergie gegen Kunsthaar. Echthaarperücken kosten aber schnell 1.000 bis 2.000 Euro. Abgesehen davon, dass sie sich länger halten, sind sie auch notwendig. Ich finde es schon toll, dass Haarersatz mittlerweile anerkannt wird, das war bis vor drei, vier Jahren noch anders.
"Wir setzen uns dafür ein, dass Betroffene einmal pro Jahr eine Echthaarperücke von der Krankenkasse erstattet bekommen, leider gibt es Kassen, die diese Leistung gar nicht mehr oder nur alle 24 Monate übernehmen", sagt Rausch.
Durch Krankheit ist es für Betroffene sehr belastend ihre Haare zu verlieren. Vor allem für Kinder und Frauen stellt dies eine große Herausforderung dar, weil in unserer Gesellschaft schönes Haar mit Weiblichkeit verbunden ist.
Ein schöner Gedanke ist es, jemandem direkt eine Freude zu machen, lässt sich aber leider nicht realisieren. Da jede Perücke aus vier bis fünf Haarspenden besteht, müsste sich der Empfänger oder die Empfängerin gleich mit mehreren Haarspendern treffen - und zwar deutschlandweit.
Zwischen 1500 und 4500 Euro kostet eine Echthaarperücke. Bei Kindern übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen davon einige Hundert Euro. Erwachsene müssen die Kosten für eine Perücke komplett aus der eigenen Tasche bezahlen. Meine Haare sind also kostbar.
Kinder bis 18 Jahre, die aus medizinischen Gründen ihre Haare verlieren, bekommen von ihm gratis Echthaarperücken. Ermöglicht wird das durch die vielen Haarspenden, die seine Manufaktur erhält.
Herr Rieswick, was machen Sie mit den Haaren, die Sie bekommen? Ich beurteile zuerst die Qualität des Zopfes. Dann sortiere ich zu kurze und kaputte Haare aus. Die gesunden bringe ich ins Haarspendelager. Dort suche ich zusammen mit der Kundin oder dem Kunden passende Zöpfe für die Perücke aus.
Wie viele Menschen versorgen Sie mit Ihren Perücken? Jeden Tag kommen bei uns etwa 60 Spenden an. Wir können nicht alle verwerten, denn die Qualität der Haare ist wichtig. Circa 100 Kinder erhalten von uns jedes Jahr zuzahlungsfrei eine Perücke. Hinzu kommen noch etwa 100 Perücken monatlich für Erwachsene.
Wie lange brauchen Sie für eine Perücke? Zwischen 200 und 250 Stunden. Dazu knüpfe ich 20.000 bis 50.000 Haare.
Für Betroffene gilt: Ist bei Ihnen eine Krebstherapie (z. B. eine Chemotherapie oder Bestrahlung) geplant? Kommt es bei der Therapie erfahrungsgemäß zu Haarverlust?
Frauen können sich eine Perücke ärztlich verschreiben lassen. In diesem Fall zahlen gesetzliche Krankenkassen die Kosten oder einen Zuschuss für eine Perücke. Das gilt auch für Kinder und Jugendliche.
Infografik zum Thema Haarausfall bei Krebstherapie
Das Haar sollte mindestens 30 Zentimeter lang und trocken sein, damit es von Haarknüpfern verarbeitet werden kann. "Um einen ordentlichen Knüpfknoten machen zu können, müssen die Haare mindestens 25 Zentimeter lang sein. Alle Haare, die kürzer sind, fallen bei der Verarbeitung also schon raus.
Spender, die Haare privat zusenden, sollten laut Rausch darauf achten, dass sie in einem oben und unten zugebundenen Zopf verschickt werden. "Lose Haare sind eine Katastrophe. Wir nehmen sie nicht an, denn Haare sind nicht glatt, sondern haben Schuppen wie Tannenzapfen und wenn sie durcheinander geraten, verhaken sie sich deswegen und verfilzen schnell", sagt Rausch.
Ein weiteres Kriterium sei, dass die Haare nicht chemisch behandelt worden sein dürfen, da dadurch die Haarstruktur aufgebrochen wird.
Dreadlocks, Haare mit chemischer Dauerwelle oder dauerhaft geglättetes Haar sind für Haarspenden nicht geeignet. Auch Haare, die vom Boden aufgehoben wurden und durcheinanderliegen, können leider nicht verwendet werden. Nur Zöpfe können zu Perücken weiterverarbeitet werden.
Gefärbte Haare können beim Bundesverband der Zweithaarspezialisten nicht eingereicht werden. Hinweis: Bitte verschicken Sie keine feuchten oder nassen Haare. Feuchtigkeit kann dazu führen, dass die Haare schimmeln.
Und das geht so:
Sie brauchen nicht zu einem speziellen Friseur gehen. Bitte beachten Sie dabei, dass die Haarspende immer ein Zopf sein muss, idealerweise geflochten. Wenn Sie dickes Haar haben, können Sie Ihre Haare auch in mehrere Zöpfe teilen.
Die Haarlänge wird ab dem oberen Zopfband gemessen, wie auf dem Bild zu sehen ist. Die Haare müssen oberhalb des Zopfes abgeschnitten werden. Hinweis: Bitte messen Sie die Länge vor dem Schneiden!
Die Haare sollten nicht ohne Fixierung (Zopfgummi) geschnitten werden. Messen Sie die Haarspende vorher. Geschätzte Spenden sind oft zu kurz.
Die Bremer Krebsgesellschaft empfiehlt Spendenwilligen, sich an die Internetseite "haare-spenden.de" oder an den Bundesverband der Zweithaarspezialisten Rapunzel (BVZ) zu wenden.
Beim BVZ werden die Spenden gesammelt, geordnet und einmal pro Jahr an Haarwarenhersteller versteigert. "Wir hatten zuletzt immer so zwischen 300 und 400 Kilo Haare pro Jahr. Als wir 2009 angefangen haben, sind es nur 23 Zöpfe gewesen", sagt die Geschäftsführerin des BVZ, Ramona Rausch.
Der Erlös aus der Versteigerung spendet der BVZ dann abzüglich der eigenen Kosten. "Letztes Jahr haben wir 197.000 Euro eingenommen und davon 167.000 Euro an die DKMS LIFE gespendet", sagt die Geschäftsführerin. Die Organisation bietet Kosmetikseminare für Krebskranke an, um einen Umgang mit den äußerlichen Veränderungen durch die Erkrankung zu finden.
"Wir haben alle Friseure dazu aufgerufen, sich an der Aktion zu beteiligen", sagt Rausch, "Fragen Sie einfach nach, ob der jeweilige Friseur mitmacht, falls ja, schneidet er die Haare ab und schickt sie fachgerecht zu uns." Der BVZ erhält aber auch von Privatpersonen Haarspenden. "Gehen Sie einfach zum Friseur Ihres Vertrauens, lassen Sie sich die Haare schneiden und senden Sie sie einfach selbst zu uns", sagt sie.
Beim BVZ werden abgeschnittene Zöpfe gesammelt und einmal jährlich unter Echthaar verarbeitenden Betrieben versteigert.
Hier sind einige seriöse Organisationen, an die Sie Ihre Haare spenden können:
Die Zweithaarmanufraktur Rieswick lagert eingehende Haarspenden ein und fertigt daraus Echthaar-Perücken. Rieswick & Partner gibt der Deutschen Krebshilfe bzw. der Deutschen KinderKrebshilfe für Haarspenden eine freiwillige Spende.
Hunderte Haarspenden, im Schnitt eine alle 1,5 Tage, und dies aus ganz Deutschland! Und nicht nur das! Das Team von Rieswick & Partner spendet für jede Haarspende an eine wohltätige Organisation Ihrer Wahl.
auf einen Zettel die Bitte notieren, den Erlös an den Förderkreis Bonn e.V. zu spenden, wird das Team von Rieswick & Partner dies veranlassen. So helfen Sie gleich zweimal! 0228/93393003.
Rieswick & Partner gibt der Deutschen Krebshilfe bzw. der Deutschen KinderKrebshilfe für Haarspenden eine freiwillige Spende.
Wichtiger Hinweis: Bitte schicken Sie keine Haarspenden direkt an die Deutsche Krebshilfe. Die Deutsche Krebshilfe nimmt keine Haarspenden an. Das liegt daran, dass noch viele Arbeitsschritte nötig sind, bevor aus einer Haarspende eine fertige Perücke wird.
Abschließend lässt sich sagen: Wer schöne und vor allem lange Haare hat, nimmt diese nicht unbedingt als Privileg wahr. Eine Haarspende ist eine wunderbare Möglichkeit, Menschen zu helfen, die durch Krankheit ihre Haare verloren haben und sich nach einer Echthaarperücke sehnen.
tags: #Haare #spenden #Perücke
Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen
Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.