Haarausfall Ursachen und Behandlung: Was Sie Wissen Müssen

Fast jede dritte Frau hat im Laufe ihres Lebens mit Haarausfall zu kämpfen. Der Leidensdruck ist groß. Auch lichteres Haar ist mit zunehmendem Alter keine Seltenheit.

Haare erneuern sich beim Menschen ständig. Sie hören nach einer bestimmten Zeit auf zu wachsen und fallen aus, neue Haare wachsen nach. Ein täglicher Verlust von 50 bis 100 Haaren ist dabei völlig normal und Teil des natürlichen Haarzyklus. Der menschliche Kopf besitzt normalerweise zwischen 80.000 und 120.000 Terminalhaare.

Dauert der Haarausfall mehrere Wochen und gehen täglich mehr als hundert Haare aus oder es entstehen haarfreie Stellen, liegt Haarausfall vor. Von krankhaftem Haarausfall (Alopezie) sprechen Ärzte erst bei über 100 Haaren pro Tag.

Die Ursachen für Haarausfall sind vielfältig. Haarausfall tritt in unterschiedlichen Formen auf:

Die Ursachen von Haarausfall können vielfältig sein. Häufigere Ursachen sind zum Beispiel:

  • Genetische Veranlagung
  • Gestörter Hormonhaushalt
  • Infektionen
  • Krankheiten
  • Nährstoffmangel
  • Geschwächtes Immunsystem
  • Ungesunde Lebensweise

Oft bestehen eine erhöhte Empfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber männlichen Geschlechtshormonen. Dies ist die häufigste Ursache für den anlagebedingten Haarausfall.

Auch Eisenmangel kann ein wesentlicher Auslöser für Haarausfall sein.

Verschiedene Ursachen von Haarausfall.

Formen von Haarausfall

Es gibt unterschiedliche Arten von Haarausfall, die verschiedene Ursachen haben können:

  • Erblich bedingter Haarausfall (Androgenetische Alopezie)
  • Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata)
  • Diffuser Haarausfall (Alopecia diffusa)
  • Vernarbender Haarausfall (Alopecia cicatricalis)

Die häufigste Form ist die androgenetische Alopezie, die bis zu 70% der Männer und 40% der Frauen betrifft.

Androgenetische Alopezie bei Mann und Frau.

Androgenetischer Haarausfall

Erblicher Haarausfall (Androgenetische Alopezie) ist die häufigste Ursache von Haarausfall - bei Männern und Frauen. Die androgenetische Alopezie ist die verbreitetste Form des erblich bedingten Haarausfalls. Sie betrifft bis zu 80 Prozent der Männer und etwa 40 Prozent der Frauen über 70 Jahren.

Bei Männern beginnt der Haarausfall typischerweise an den Schläfen oder über dem Scheitel und breitet sich dann Richtung Hinterkopf aus. Das charakteristische Erscheinungsbild zeigt sich zunächst in der Ausbildung von Geheimratsecken, gefolgt von einer Stirnglatze. Im fortgeschrittenen Stadium bleibt oft nur noch der typische Haarkranz erhalten.

Bei Frauen äußert sich die androgenetische Alopezie anders als bei Männern. Statt einer vollständigen Glatzenbildung kommt es zu einer diffusen Ausdünnung des Haares, besonders entlang des Scheitels. Die Haarlinie an der Stirn bleibt dabei meist erhalten.

Der Verlauf ist dabei stark von genetischen Faktoren abhängig. Je früher der anlagebedingte Haarausfall einsetzt, desto schwerwiegender ist meist der weitere Verlauf. Oft besteht eine erhöhte Empfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber männlichen Geschlechtshormonen.

Frauen leiden häufig auch unter Haarausfall aufgrund einer Veränderung im Hormonhaushalt. Besteht ein Ungleichgewicht zwischen weiblichem Östrogen und männlichem Testosteron, lassen die männlichen Hormone die Haarfollikel schrumpfen. Die Haarwurzel wird schwach.

Hormonelle Veränderungen, wie sie während der Wechseljahre auftreten, können den Haarausfall bei Frauen verstärken. Ein sinkender Östrogenspiegel begünstigt dabei den Einfluss der Androgene auf die Haarfollikel. Auch Schilddrüsenerkrankungen können das Erscheinungsbild der Haare zusätzlich beeinträchtigen.

Haarausfall bei Frauen: Welche Medikamente und Behandlungen helfen? | ARD GESUND

Bei jüngeren Frauen kann die Abnahme der Haardichte zum Beispiel auch durch ein Polyzystisches Ovar Syndrom (PCOS) bedingt sein.

Diffuser Haarausfall

Diffuser Haarausfall ist eine häufige Form von Haarverlust. Gleichmäßig, über den ganzen Kopf verteilt, fallen die Haare aus. Die Haare wirken allgemein dünner, die Kopfhaut scheint durch, aber keine einzelnen kahlen Stellen sind zu sehen.

Es werden zwei Formen von diffusem Haarausfall unterschieden:

  • Der Spättyp tritt zwei bis vier Monaten nach einem auslösenden Ereignis (zum Beispiel eine Medikamenteneinnahme) auf. Innerhalb von 6 bis 12 Monaten wachsen die Haare wieder dicht nach.
  • Der Haarausfall vom Frühtyp tritt nach einer schweren Schädigung der Haarfollikel auf. Die Haare fallen schon einige Tage später aus. Auch hier wachsen die Haare wieder nach, oft dichter als vorher.

Die Ursachen sind vielfältig. Mögliche Auslöser sind zum Beispiel Schilddrüsenerkrankungen, bestimmte Medikamente, chronische Erkrankungen, Autoimmunkrankheiten, schwere Infekte wie eine Grippe, Mangelernährung (beispielsweise Eisen, Zink, Selen, Vitmin D oder Vitamin A) oder eine Chemotherapie.

Kreisrunder Haarausfall

Kreisrunder Haarausfall - auch Alopecia areata genannt - kann in nahezu jedem Lebensalter auftreten. Dabei gehen die Haare schmerzlos und büschelweise aus. Die Krankheit kann neben dem Kopfhaar auch die übrige Körperbehaarung betreffen. Fallen die Haare komplett aus, sprechen Experten von einer Alopecia areata universalis.

Eine weitere häufige Form ist die Alopecia areata (kreisrunder Haarausfall), die schon im Kindes- oder jungen Erwachsenenalter auftreten kann. Hierbei greift das Immunsystem die Haarfollikel an, wodurch das Haar kreisrund ausfällt.

Alopecia areata ist eine Autoimmunkrankheit. Durch einen Angriff des Immunsystems werden die Haare in ihrem Wachstum so stark gestört, dass sie ausfallen.

Die Symptome entwickeln sich meist plötzlich: An einer oder mehreren Stellen der Kopfhaut fallen die Haare kreisförmig aus. Bei etwa 20% der Betroffenen zeigen sich zusätzlich Veränderungen an den Fingernägeln.

Die gute Nachricht: Bei etwa einem Drittel der Patienten kommt es innerhalb von sechs Monaten nach der ersten Manifestation zu einer spontanen Besserung. Insgesamt sind 50-80% der Betroffenen nach einem Jahr beschwerdefrei.

Weitere Alopezien

Daneben gibt es noch vernarbende und atrophisierende Alopezien. Dazu gehört eine Gruppe von unterschiedlichen Krankheiten, die zu einer irreversiblen Zerstörung von Haarfollikeln führt.

  • Die Folliculitis decalvans ist eine hartnäckige Kopfhautentzündung mit narbigen haarlosen Bereichen.
  • Die Folliculitis et perifollicultits capitis abscedens et suffodiens kommt fast nur bei Männern vor und zeichnet sich durch entzündliche haarlose Areale aus.
  • Beim Lichen ruber follicularis entstehen kleinfleckige haarlose Stellen, die oft erst nach Jahren bemerkt werden. Durch übermäßige Keratinbildung (Hyperkeratose) der Haarfollikel entsteht ein „weißer Rand“ um die einzelnen Haare in den betroffenen Arealen. Gleichzeitig können auch Veränderungen an Finger- und Fußnägeln vorkommen.
  • Die postmenopausale frontal fibriosiernde Alopezie (Kossard) ist eine Variante des Lichen ruber follicullaris und betrifft meistens ältere Frauen. Der Haare fallen vor allem an der Stirn aus, fast immer zusammen mit den Augenbrauen.

Diagnose von Haarausfall

Wenn Sie über einen längeren Zeitraum verstärkten Haarausfall bemerken, sollten Sie die Ärztin oder den Arzt aufsuchen. Dies gilt insbesondere, wenn der Haarverlust plötzlich einsetzt oder sich kahle Stellen bilden.

Bei der Untersuchung fragen Ärztin oder Arzt ausführlich nach der Vorgeschichte der Patientin, bisherigen Untersuchungen und Therapien sowie Symptomen. Dann werden die Haare unter der Lupe betrachtet und geprüft, ob sie brüchig sind.

Die Diagnose von Haarausfall erfolgt durch verschiedene Untersuchungsmethoden. Zunächst führen die Ärztin oder der Arzt ein ausführliches Gespräch, um mögliche Auslöser wie Medikamente, Erkrankungen oder Ernährungsgewohnheiten zu identifizieren. Anschließend wird die Kopfhaut gründlich untersucht, um die Art des Haarausfalls und den Zustand der Haarfollikel zu beurteilen.

Ein Zupftest zeigt, ob sich die Haare schnell lösen. Bleiben mehr als 5 lose Haare übrig, deutet dies auf einen aktiven Haarausfall hin.

Anschließend wird die Haarwurzel untersucht. Ein sogenanntes Trichogramm zeigt, in welcher Wachstumsphase die Haare ausfallen. Ein wichtiges diagnostisches Verfahren ist das Trichogramm, das den Anteil der Haare in verschiedenen Wachstumsphasen bestimmt.

Weitere Erkenntnisse kann eine computergestützte Haaranalyse liefern.

Ergänzend können Blutuntersuchungen durchgeführt werden, um mögliche Grunderkrankungen wie Schilddrüsenfehlfunktionen oder Eisenmangel zu erkennen.

Diagnostik von Haarausfall: Trichogramm.

Behandlungsmethoden

Je früher die passende Behandlung eingeleitet wird, umso größer ist die Erfolgschance der Therapie. Zunächst muss aber die genaue Ursache des Haarausfalls gefunden sein, erst dann erstellt der Arzt einen individuellen Therapieplan.

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Bewährte Wirkstoffe sind Minoxidil (80-90% Erfolgsquote) und bei Männern Finasterid. Eine frühzeitige ärztliche Diagnose ist wichtig für den Behandlungserfolg.

Ist ein bestimmtes Medikament für Haarausfall verantwortlich, kann möglicherweise ein alternatives Präparat ausprobiert werden.

Medikamente

Für die Behandlung von erblich bedingtem Haarausfall stehen verschiedene Therapieoptionen zur Verfügung.

Es gibt zwei Wirkstoffe, die dem Haarausfall wirksam entgegensteuern können. Der Blutdrucksenker Minoxidil lässt bei erblich bedingtem Haarausfall in einigen Fällen neue, kräftigere Haare nachwachsen. Studien belegen eine beeindruckende Wirksamkeit: Bei 80-90% der Behandelten konnte das Haarwachstum stabilisiert werden.

Allerdings kann das Medikament Nebenwirkungen wie Kreislaufbeschwerden und Haarwuchs im Gesicht verursachen.

Bei Männern kommt zusätzlich das Medikament Finasterid zum Einsatz. Dieser Wirkstoff kann bei bis zu 90% der behandelten Männer den Haarverlust aufhalten und führt bei etwa 50% zu einer wahrnehmbaren Verdichtung des Haares. Allerdings sollten mögliche Nebenwirkungen wie Libidoverlust oder erektile Dysfunktion beachtet werden.

Gegen hormonbedingten Haarausfall verschreiben Dermatologinnen und Dermatologen Tabletten, die Anti-Androgene enthalten.

Koffein-Präparate: Bei diagnostiziertem Haarausfall können Hautärzte als Therapie die Injektion koffeinhaltiger Präparate in die Kopfhaut verschreiben.

Haartransplantation

Eine weitere Behandlungsoption stellt die Haartransplantation dar, die jedoch erst erfolgen sollte, wenn der Haarausfall gestoppt oder deutlich verlangsamt wurde. Die Methode eignet sich besonders für Menschen mit kahlen Stellen durch erblich bedingten Haarausfall, bei dem die Haarwurzeln gegenüber männlichen Geschlechtshormonen überempfindlich reagieren.

Dafür werden Haare am Hinterkopf entnommen. An den kahlen Stellen setzt der Arzt Mikroschlitze und verpflanzt die Transplantate. Dabei bestimmt er auch die Dichte und Richtung, in der die Haare in Zukunft wachsen sollen. Das Ganze geschieht in Millimeterarbeit.

Bei der vernarbenden Alopezie, bei der es zu einer dauerhaften Schädigung der Haarfollikel kommt, kann eine Haartransplantation ebenfalls sinnvoll sein. Allerdings muss der zugrundeliegende Krankheitsprozess zunächst unter Kontrolle gebracht werden.

Die modernste Technik ist die I-FUE-Methode (Follicular Unit Extraction), die besonders schonend und minimal-invasiv durchgeführt wird. Bei diesem Verfahren werden einzelne Haarfollikel oder kleine Follikelgruppen von 1-2 Haaren aus gut behaarten Bereichen entnommen und in die kahlen Stellen transplantiert.

Die Kopfhaut wird bei dieser Methode nur minimal belastet, was zu einer schnelleren Heilung führt.

Weitere Therapieansätze

Neben der medikamentösen Behandlung gewinnen regenerative Therapieansätze zunehmend an Bedeutung. Die PRP-Therapie (Platelet Rich Plasma) nutzt körpereigene Selbstheilungskräfte: Dabei wird blutplättchenreiches Plasma aus dem eigenen Blut gewonnen und in die Kopfhaut injiziert, um das Haarwachstum zu stimulieren.

Die Laserlichttherapie stellt eine weitere innovative Behandlungsoption dar. Diese Methode kann das Haarwachstum bei bestimmten Arten von Haarausfall fördern.

Was hilft noch? Tipps und Tricks

Ob Öle, Seren oder Pulver zum Einnehmen: Im Einzelhandel werben viele Produkte damit, Haarverlust "aktiv" zu bekämpfen - mit natürlichen Inhaltsstoffen wie Bambus oder Basilikum. Expertinnen und Experten zweifeln jedoch an der Aussagekraft von oft kleinen und über einen kurzen Zeitraum durchgeführten Herstellerstudien.

Auch Nahrungsergänzungsmittel versprechen mitunter eine hohe Wirksamkeit bei Haarausfall, ihre Wirksamkeit ist oft jedoch nicht belegt. Die Produkte enthalten neben Vitaminen häufig auch Spurenelemente oder Extrakte, manchmal in sehr hohen Dosen. Diese sind per se nicht schädlich, jedoch kann der Körper beispielsweise zu viel Vitamin A - dessen Tagesbedarf einige der Vitaminkapseln vollständig decken - nicht ausscheiden. Eine langfristig zu hohe Aufnahme von Vitamin A kann zu trockener Haut und Haarausfall führen.

Grundsätzlich gilt: Wer sich ausgewogen und ausreichend ernährt, muss in der Regel keine Nahrungsergänzungsmittel gegen Haarausfall einnehmen.

Dennoch gibt es einige Tipps und Tricks, wie Frauen dünne Haare pflegen und kaschieren können. Mittlerweile haben sich einige Friseurinnen und Friseure darauf spezialisiert.

  • Beim Fönen - und auch bei starker Sonneneinstrahlung - ein Hitzeschutzspray auftragen.
  • Für mehr Volumen Haarspray und Styling-Schaum für den Haaransatz verwenden.
  • Eine schonende Pflege der Kopfhaut ist entscheidend, um das Haarwachstum zu unterstützen. Besonders wichtig ist es, mechanische Belastungen zu vermeiden. Zu straff gebundene Zöpfe, Dutts oder Flechtfrisuren können eine sogenannte Traktionsalopezie verursachen.
  • Schützen Sie Ihre Kopfhaut auch vor übermäßiger Hitzeeinwirkung durch Föhn oder Glätteisen.
  • Für die tägliche Pflege empfiehlt sich die Verwendung milder Shampoos, die speziell für empfindliche Kopfhaut entwickelt wurden. Die Wassertemperatur sollte dabei lauwarm sein, da zu heißes Wasser die Talgproduktion anregt und die Kopfhaut zusätzlich reizen kann.

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