Schilddrüsenerkrankungen nehmen ab der Lebensmitte zu, vor allem bei Frauen. Viele Menschen leiden unter Symptomen, die bekanntermaßen oftmals nicht oder nicht gleich einer Erkrankung der Schilddrüse zugeordnet werden. Beschwerden wie Müdigkeit, Schwitzen, Haarausfall, Gewichtszunahme und Schlaflosigkeit werden dann häufig vorschnell den Wechseljahren zugeschrieben, warnt der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V. (BDN). Doch Funktionsstörungen der Schilddrüse werden in der Phase des hormonellen Umbruchs leicht übersehen. Bei mehr als einem Drittel der über 45-jährigen Frauen finden sich Auffälligkeiten der Schilddrüse.
Die Lage der Schilddrüse im Halsbereich
„Es besteht eine Verwechslungsgefahr“, so Schmidt. „Dies alles sind Beschwerden, die auch für die Wechseljahre typisch sind“, betont Schmidt. „Wir wissen, dass das Risiko für eine Entzündung der Schilddrüse mit zunehmendem Lebensalter und vor allem mit den Wechseljahren steigt“, sagt BDN-Experte Professor Dr. med.
Eine Blutuntersuchung der Schilddrüsenhormone schützt vor Verwechslungsgefahr. „Der Nuklearmediziner prüft dann den Wert des Thyreoidea-stimulierendes Hormons (TSH) mit einem Bluttest und untersucht die Schilddrüse mit Ultraschall, unter Umständen auch mit einer Szintigraphie“, erläutert BDN-Experte Schmidt. Stellt sich heraus, dass die TSH-Werte behandlungsbedürftig sind, verschreiben die Ärzte bei einer Unterfunktion Hormontabletten.
Anders verhält es sich, wenn die Frauen eine Hormonersatztherapie machen. „Deren Dosierung sollte aber bei Patientinnen in den Wechseljahren, insbesondere wenn Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorliegen, zunächst niedrig sein“, betont Schmidt. Liegt eine Überfunktion vor, kommen Schilddrüsenhormonblocker, eine Radiojodtherapie oder eine Operation infrage.
Dabei gilt für Frauen in den Wechseljahren: Eine Behandlung ist unbedingt empfehlenswert, weil Überfunktionen das Risiko für Herzrhythmusstörungen, Schlaganfälle und Alzheimer in der zweiten Lebenshälfte weiter erhöhen. „Darüber hinaus fördern Überfunktionen nach der Menopause die Entstehung von Osteoporose, die ohnehin durch die Wechseljahre schon begünstigt wird“, erklärt Matthias Schmidt.
Die Hashimoto-Thyreoiditis, auch bekannt als chronisch lymphozytäre oder Autoimmunthyreoiditis (AIT) ist eine der häufigsten Autoimmunerkrankungen. Eine Information der Autoren des Hashimoto-Guide vom Zentrum für Schilddrüsenerkrankungen Dr. Lunow und PartnerDa die Entzündung der Schilddrüse meist langsam beginnt, werden die Symptome und Beschwerden der Hashimoto-Thyreoiditis zunächst kaum wahrgenommen oder andere Ursachen vermutet.
Unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Traurigkeit oder Gewichtszunahme stellen sich nach und nach ein und die Betroffenen gewöhnen sich an diese Veränderungen. Die eigentliche Ursache aber, die chronische Schilddrüsenentzündung wird nicht diagnostiziert. Häufig liegt schon eine latente Schilddrüsenunterfunktion vor, die aber durch die Anwendung veralteter Normwerte für TSH (bis 4,0 gilt als „hochnormal“) nicht diagnostiziert wird.
Die Beschwerden der Patienten werden deshalb in der Regel von den Ärzten nicht der Hashimoto-Thyreoiditis zugeordnet, was für die Betroffenen dann leider meist einen langen Leidensweg von Arzt zu Arzt zur Folge hat. Der Krankheitsverlauf von Hashimoto Thyreoiditis beginnt im Allgemeinen kaum wahrnehmbar. Viele Patienten nehmen diese Symptome als schicksalsgegeben hin.
Erst nach der probeweisen Einnahme von Schilddrüsenhormonen, stellen die Patienten dann fest, wie gut es ihnen eigentlich gehen könnte. Dabei führen oft schon geringe Dosen von Schilddrüsenhormonen zu einer deutlichen Verbesserung des Allgemeinzustandes mit Rückgang der Beschwerden. Hier können Sie einen Online-Termin bei unseren Schilddrüsen-Experten buchenDa die verschiedenen Organe unseres Körpers Schilddrüsenhormone unterschiedlich aufnehmen, stellen sich nicht selten paradoxe Symptome und Beschwerden einer Überfunktion bzw. Unterfunktion der Schilddrüse ein: Anzeichen beider Störungen können gleichzeitig auftreten oder sich abwechseln.
Zu Beginn der Hashimoto-Thyreoiditis kann es zu einer übermäßigen Produktion von Schilddrüsenhormonen kommen, sodass im Organismus ein entsprechendes Überangebot entsteht. Hashimoto-Schub verursacht eine passagere Schilddrüsenüberfunktion Diese Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) wird als „Hashitoxikose“ bezeichnet. Auch im weiteren Krankheitsverlauf kann es in Phasen einer besonders hohen Entzündungsaktivität zu vorübergehenden Symptomen einer Schilddrüsenüberfunktion kommen, da die Schilddrüse die Hormone auf Vorrat produziert und diese dann durch die Zerstörung der Schilddrüsenzellen unkontrolliert ausgeschüttet werden.
Typische Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion sind:
Symptome wie Schwitzen werden bei Frauen in den Wechseljahren dabei nicht selten irrtümlicherweise als Wechseljahrsbeschwerden eingestuft. Daher sollte auch bei derartigen, scheinbar typischen Beschwerden anderer Herkunft immer auch eine Schilddrüsendiagnostik erfolgen, um eine Hashimoto-Thyreoiditis auszuschließen.
Der typische Verlauf einer Hashimoto-Thyreoiditis ist durch eine fortschreitende Zerstörung der Schilddrüse gekennzeichnet. Gewebezerstörung führt zu einer Schilddrüsenunterfunktion Deshalb stehen im weiteren Krankheitsverlauf die Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) im Vordergrund. Immunpathogenetisch spielen dabei besonders die sogenannten CD4+ T-Zellen und ihre Differenzierungen in Th1, Th2, Th17 und Treg eine Rolle.
Es kommt zu einer massiven Stimulation und Produktion von B-Zellen und Plasmazellen, die Antikörper gegen die Schilddrüsenzellen bilden. Zusätzlich werden Lymphozyten, Makrophagen und Zytokine wie Interferon oder TNF alpha aktiviert. Hierdurch wird der Autoimmunprozess verstärkt und es kommt zur Zerstörung der Schilddrüse.
Weil fast alle Organe durch die Schilddrüsenhormone beeinflusst werden, sind auch die Symptome einer Unterfunktion sehr vielseitig.
Typische Symptome einer Unterfunktion bei Hashimoto-Thyreoiditis sind:
Die Vielzahl und Variabilität der möglichen Symptome bei Hashimoto-Thyreoiditis führen in der Regel dazu, dass die Diagnose erst sehr spät gestellt wird.
Symptome der Hashimoto-Thyreoiditis
Die Behandlung einer symptomatischen Hypothyreose erfolgt durch die Substitution mit L-Thyroxin (Levothyroxin). Es entspricht dem körpereigenen Schilddrüsenhormon T4. Im Blut und den meisten Körperzellen wird es in T3 umgewandelt. Das ist die biologisch deutlich aktivere und wirksamere Form der beiden Schilddrüsenhormone. Nebenwirkungen treten bei richtiger Dosierung praktisch nicht auf. In hohen Dosen kann die Einnahme zu Nervosität führen.
Nach zwei bis drei Monaten machen Ärztinnen und Ärzte eine erste Verlaufskontrolle und bestimmen den TSH-Wert erneut. So wird festgestellt, welche Dosis auf Dauer die richtige ist. Mediziner und Medizinerinnen unterscheiden eine sogenannte latente Hypothyreose von einer manifesten. Manifest heißt, die Person hat erhöhte TSH-Werte und leidet unter den Beschwerden einer Schilddrüsenunterfunktion. Eine latente Hypothyreose heißt, dass die betroffene Person zwar erhöhte TSH-Werte, aber keine Symptome hat.
Hier soll individuell entschieden werden, ob L-Thyroxin eingenommen werden soll oder nicht. Dagegen spricht, dass die Betroffenen keine Beschwerden durch ihre Erkrankung haben. Dafür sprechen Hinweise, dass bei mäßig oder stark erhöhten TSH-Werten das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigen könnte.
L-Thyroxin sollte am besten auf nüchternen Magen, 30 Minuten vor dem Essen, am besten vor dem Frühstück, eingenommen werden. Hormonausschüttungen im Körper unterliegen einem tageszeitlichen Rhythmus, deshalb ist es ratsam, auch L-Thyroxin immer zur selben Uhrzeit einzunehmen.
Bei einer Schilddrüsenautonomie werden unabhängig von den Steuerungsmechanismen der Hirnanhangdrüse zu viele Schilddrüsenhormone produziert. Die konkreten Ursachen lassen sich im Einzelnen nicht immer genau feststellen. Es wird davon ausgegangen, dass in vielen Fällen chronischer Jodmangel zu einer Aktivierung von Wachstumsfaktoren in der Schilddrüse führt.
Die Schilddrüsenzellen versuchen trotz Jodmangel mehr an Schilddrüsenhormonen zu produzieren und koppeln sich vom eigentlich gut funktionierenden Regelkreis ab und werden autonom. Das kann in einem Adenom (autonomes Adenom), an einer Stelle (unifokale Autonomie), an mehreren Stellen (multifokale Autonomie) oder sehr vielen Stellen in der gesamten Schilddrüse (disseminierte Autonomie) geschehen.
Bei einer unifokalen Schilddrüsenautonomie können häufig auch genetische Veränderungen (Mutationen) festgestellt werden. Autonomien entstehen in der Regel schleichend. Am Anfang merkt der Patient zunächst nichts davon. Zum Ausgleich der Überproduktion von Schilddrüsenhormon in den autonomen Zellen können die gesunden Schilddrüsenzellen ihre Hormonproduktion durch Gegensteuerung der Hirnanhangsdrüse drosseln, sodass die Gesamtbilanz der Schilddrüsenhormonproduktion ausgeglichen werden kann und im Blut noch keine erhöhten Schilddrüsenhormonspiegel festgestellt werden können (latente Hyperthyreose).
Mit Fortschreiten der Autonomie oder bei zusätzlicher Jodzufuhr kommen die körpereigenen Regulationsmechanismen an ihre Grenzen und es kommt zu einem erhöhten Schilddrüsenhormonspiegel im Blut (manifeste Hyperthyreose). Es müssen nicht immer alle Symptome gleichzeitig oder gleich schwer auftreten. Manchmal steht ein Symptom im Vordergrund und ist wegweisend. Je ausgeprägter und länger die Hyperthyreose besteht, umso ausgeprägter sind meist die Symptome.
Die Behandlung richtet sich nach der Ausprägung einer evtl. Grundsätzlich sollten Patienten mit einer Autonomie möglichst wenig zusätzliches Jod aufnehmen, da den krankhaft überproduzierenden Schilddrüsenzellen auch noch ein wichtiger Baustein geliefert und die Hormonproduktion noch mehr gesteigert werden könnte. Also sollten solche Patienten z. B. in keinem Fall zusätzliche Jodtabletten einnehmen.
Aber auch in vielen Lebensmitteln befindet sich relativ viel Jod (z. B. Meeresfisch, Meeresfrüchte, Algen). Sehr viel Jod befindet sich weiterhin in bestimmten medizinischen Kontrastmitteln für Röntgenuntersuchungen und in bestimmten Medikamenten (z. B. Herzmittel Amiodaron). Bei einer manifesten Hyperthyreose steht zunächst die medikamentöse Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion im Vordergrund.
Zur Senkung des Hormonspiegels stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung (Thyreostatika). Am häufigsten werden Medikamente vom Thionamid-Typ (Thiamazol, Carbimazol) eingesetzt. Diese hemmen in der Schilddrüse den Einbau von Jod in die Schilddrüsenhormone und drosseln so die Neuproduktion. Die bereits im Körper befindlichen Hormone werden nicht beeinflusst.
Kommt es als Folge der Hyperthyreose zu Symptomen seitens des Herz-Kreislauf-Systems, wie z. B. zu hoher Pulsschlag oder Blutdruck, kann die zusätzliche Behandlung mit bestimmten dämpfenden Medikamenten, wie z. B. Definitive Therapien (z. B. Eine einmal bestehende Schilddrüsenautonomie heilt in der Regel nicht von selbst wieder aus. Dabei wird das krankhaft zu viel produzierende Schilddrüsengewebe z. B. Alternativ ist es unter Umständen auch möglich, das krankhafte Gewebe durch lokale Maßnahmen, wie z. B.
Schilddrüsenhormone beeinflussen unter anderem auch die haarbildenden Zellen. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) verlangsamt sich das Haarwachstum, die Haare werden brüchig, matt, stumpf und können ausfallen. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) wachsen die Haare zu schnell, werden immer dünner, können leicht abbrechen und so nur noch eine kurze Länge erreichen.
Zudem kann der Wachstumsrhythmus gestört werden, sodass auch ein diffuser Haarausfall auftreten kann. Schließlich können auch Medikamente, die zur Behandlung einer Hyperthyreose verordnet werden (Thyreostatika), zum Haarausfall führen. Daher sollte bei Problemen mit der Haarpracht und bei Haarausfall immer auch die Schilddrüsenfunktion abgeklärt werden.
Haarausfall kann ein Symptom für eine Schilddrüsenerkrankung sein
Schilddrüsenhormone beeinflussen auch das Wachstum und die Qualität der Fuß- und Fingernägel. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) wachsen die Nägel häufig sehr langsam, werden brüchig, splittern und brechen schnell. Manchmal treten auch Quer- oder Längsfurchen auf. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion wachsen die Nägel zu schnell, sind daher manchmal sehr dünn und schwach und brechen deshalb schnell. Bei Problemen mit Finger- und Fußnägeln sollte daher immer auch an die Schilddrüse gedacht werden.
Schilddrüsenhormone haben auch Auswirkungen auf das sexuelle Verlangen, die Orgasmusfähigkeit und die Potenz. Typische Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) sind eine verringerte Libido und ein abnehmendes sexuelles Interesse. Aber auch bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) können sexuelles Desinteresse oder Potenzstörungen auftreten.
Sowohl bei einer Überfunktion (Hyperthyreose), als auch bei einer Unterfunktion (Hypothyreose) der Schilddrüse kann es zur Einschränkung der Fruchtbarkeit von Frauen und von Männern kommen. Daher gehört die Untersuchung der Schilddrüsenfunktion zum Basisprogramm bei der Abklärung ungewollter Kinderlosigkeit.
Wer in einem Jod-Mangel-Gebiet wie Deutschland lebt, sollte seine Versorgung mit dem Spurenelement anhand von Jodid-Tabletten verbessern. Besonders dann, wenn ein Jod-Mangel und eine Tendenz zur Struma diagnostiziert worden sind. Grundsätzlich empfehlenswert ist auch, sich regelmäßig mit seiner Hausärztin oder seinem Hausarzt zu beraten und dort den TSH-Wert regelmäßig kontrollieren zu lassen. Sinnvoll sein kann darüber hinaus auch ein Ultraschall der Schilddrüse.
| Funktionsstörung | Häufige Symptome | Auswirkungen |
|---|---|---|
| Unterfunktion (Hypothyreose) | Müdigkeit, Gewichtszunahme, Haarausfall, Kälteempfindlichkeit, Verstopfung, trockene Haut, depressive Verstimmungen | Verlangsamter Stoffwechsel, Beeinträchtigung von Herz-Kreislauf-System, Muskulatur, Psyche, Fruchtbarkeit |
| Überfunktion (Hyperthyreose) | Schwitzen, Herzrasen, Gewichtsabnahme, Nervosität, Unruhe, Schlaflosigkeit, Wärmeintoleranz | Beschleunigter Stoffwechsel, Risiko für Herzrhythmusstörungen, Osteoporose, Diabetes |
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