Haarausfall nach Corona: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Viele Menschen erleben nach einer überstandenen Corona-Infektion Haarausfall. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen dieses Phänomens und gibt Ratschläge zur Behandlung und Pflege der Haare.

Überblick

Wenn die Haare plötzlich vermehrt ausfallen, ist man schnell auf der Suche nach dem “Warum”. Das ist gar nicht so einfach, denn Gründe kann es viele geben: Die Haare können saisonal bedingt ausfallen oder aufgrund eines Nährstoffmangels oder einer falschen Duschroutine. Doch kann auch eine vergangene Corona-Infektion dazu führen, dass die Haare ausfallen?

Haarausfall wurde bei Corona-Infektionen häufig bemerkt, neben mitunter lebensgefährlichen Symptomen. Seit der Corona Pandemie stellen wir eine zunehmende Anzahl an Patienten fest, die Haarausfall durch Corona vermuten.

Eine Studie aus dem Jahr 2020 hat ergeben, dass einer von fünf Patienten, die mit Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert wurden, innerhalb von sechs Monaten nach der ersten Infektion Haarausfall erlitt. Von den Personen, die an der Studie des Jin-Yin-tan-Krankenhauses in Wuhan teilnahmen, welche in der Fachzeitschrift “The Lancet Journal” veröffentlicht wurde, gaben rund 22 Prozent Haarausfall als ein Symptom bzw. eine Folge ihrer Corona-Infektion an.

Wie viel Haarausfall ist normal?

“Wir verlieren von Haus aus am Tag ungefähr 100 Haare. Bleibt es bei den rund 100 Haaren, muss man sich normalerweise keine Sorgen machen, sie wachsen wieder nach. Wenn Haare wirklich büschelweise ausgehen, heißt, wenn nach sechs bis acht Wochen schon die Kopfhaut sichtbar wird, sollte man einen Arzt aufsuchen”, weiß Friseur Josef Baranowski.

Derselben Meinung ist auch Dermatologe Dr. Merkel: “Wer über einen längeren Zeitraum, also über Wochen, mehr als 100 Haare am Tag verliert, sollte einen Spezialisten aufsuchen, also zum Beispiel einen Dermatologen, und seine Blutwerte bestimmen lassen, um zu schauen, woher dieser vermehrte Haarausfall kommt, und dementsprechend gegebenenfalls eine Therapie einleiten.”

Ursachen: Warum fallen die Haare nach Corona aus?

Wie wir wissen, gibt es eine Vielzahl an Symptomen und (Langzeit-)Folgen, die eine Corona-Infektion mit sich bringen kann. Auch die Gründe für Haarausfall sind vielfältig. Hier findest du mögliche zehn Ursachen außer Corona.

Doch zurück zu Haarausfall als Long-Covid-Folge: “Das ‘Warum’ ist nicht zu 100 Prozent geklärt, doch bei Corona handelt es sich um ein schweres Virusgeschehen. Und wenn man eine schwere Infektion wie Corona hat, kann es aber auch eine schwere Grippe oder auch ein operatives Ereignis sein, dann zentralisiert der Kreislauf etwas, und dementsprechend werden die Haare von Mikronährstoffen usw. minderversorgt und fallen in die sogenannte Telogenphase”, so Dr. Merkel über die Ursachen und die Hintergründe zum Haarausfall nach Corona.

Weiter erklärt er: “Unsere Haare haben zwei Wachstumsphasen: die Anagenphase, die circa fünf bis sieben Jahre andauert, und die Telogenphase (zwei bis drei Monate). In dieser fällt das Haar aus, und es wird ein neues in der Wurzel produziert. Bei bestimmten Ereignissen kann es sein, dass vermehrt Haare in diese telogene ‘Todesphase’ rutschen, und der:die Patient:in bemerkt auf einmal einen verstärkten Haarausfall. So verhält es sich auch bei der Corona-Infektion.”

Corona beschädigt Gefäße, aktuellen Erkenntnissen zufolge greifen Autoantikörper die innere Haut der Gefäße an (Endothel). Woraufhin die Versorgung von Zellen und Organen nicht mehr optimal funktioniert.

Durch eine Unterversorgung der Haarfollikel mit Sauerstoff und Nährstoffen werden sie geschädigt und funktionieren nicht mehr richtig bzw. sterben ab. Das zeigt sich im anagenen Effluvium (Haarausfall in der Wachstumsphase der Haare mit unterschiedlichen Haarlängen).

Die Folge ist diffuser Haarausfall, welcher sich über das gesamte Kopfhaar erstreckt. Wir stellen immer wieder fest, dass Corona Autoimmunerkrankungen auslöst bzw. reaktiviert.

Die Professorin und Leiterin der Immundefekt-Ambulanz, Carmen Scheibenbogen der Charité Universitätsklinik in Berlin stellte treffend fest: “Long-COVID hat alle Anzeichen einer Autoimmunkrankheit.” Corona führt also zumindest bei manchen Erkrankten dazu, dass das Immunsystem fehlgesteuert reagiert.

Wie lange dauert Haarausfall nach Corona?

“Es gab eine größere Studie in Italien, welche ergab, dass die Patient:innen im Schnitt 70 Tage nach Infektionsbeginn den Haarausfall erleiden. Das heißt: Wenn die Haare in die Todesphase oder Telogenphase hineingeraten, dann sind sie meistens noch etwa acht bis zehn Wochen nicht vital in der Haarwurzel und fallen dann aus”, erklärt Dr. Merkel.

Wie lange dieser Zustand anhält, weiß der Dermatologe ebenfalls: “Meiner Erfahrung nach dauert der Haarausfall ungefähr drei bis sechs Monate. Das heißt, die Patient:innen kommen meist nach drei Monaten, wenn sie bemerken, dass vermehrt Haare ausfallen. Und dann müssen sie noch mal durch ein Tal, wo vermehrt die Haare ausfallen. Das Gute ist, dass dieser Haarausfall nicht bleibt. Die Haarwurzel wird nicht beschädigt, und dementsprechend kommen die Haare auf jeden Fall wieder nach.”

Haarausfall nach Corona: Was kann ich dagegen tun?

Unsere Experten haben drei Tipps, die gegen den Haarausfall nach der überstandenen Covid-Erkrankung helfen können und schnelle Besserung versprechen:

  1. Haarwasser und Hausmittel:

    Der Geheimtipp von Friseur Josef Baranowski: “Was ich absolut empfehlen kann, ist ein Haarwasser wie z.B. Minoxicutan. Das ist ein Produkt, das den Haarausfall stoppt bzw. aufhält und die Durchblutung der Kopfhaut anregt. Dadurch werden die Haarwurzeln zum Wachsen motiviert. Mein Tipp bei Haarausfall und Haarbruch - jeden Morgen ein bis zwei Teelöffel Bio-Kurkuma-Konzentrat (Pulver) in einem Glas lauwarmem Wasser auflösen und trinken. Kurkuma ist ein altes Hausmittel und wirkt entzündungshemmend.”

  2. Mesotherapie:

    “Diese Therapie ist eine der ältesten Haartherapien: Bei der Mesotherapie werden Vitamine und Proteine in die Kopfhaut injiziert, um die Haarwurzeln, die in dem Moment ein bisschen verkümmert sind, optimal zu ernähren und sie zu unterstützen, wieder ein vollwertiges Haar zu bilden. Die Mesotherapie macht man ungefähr in monatlichen Abständen”, so Dr. Merkel.

  3. PRP:

    Dermatologe Dr. Merkel kennt noch eine zweite Therapie, die helfen kann - die sogenannte PRP. “Das ist eine Kurzform für Platelet-Rich Plasma, wobei man Blut abnimmt, zentrifugiert und aktiviert und daraus eigenes Blutplasma gewinnt. In diesem befinden sich die eigenen Wachstumsfaktoren und Stammzellen.

Haarpflege und Maßnahmen bei Haarausfall nach einer Corona-Erkrankung:
Bei vermehrtem Haarausfall ist es grundsätzlich ratsam, Ihr Haar ausreichend zu pflegen und auf die Zufuhr wichtiger Nährstoffe zu achten. Verwenden Sie Haarpflegeprodukte, die speziell für empfindliches oder dünner werdendes Haar entwickelt wurden. In Ihrer Apotheke erhalten Sie z. Achten Sie auf eine ausreichende Zufuhr bestimmter Nährstoffe, z. B. Seien Sie geduldig und geben Sie Ihrem Haar Zeit, sich zu erholen.

Was tun gegen Haarausfall nach Corona?
Bei anhaltendem Haarausfall nach einer Corona-Infektion sollte man mögliche Nährstoffmängel ärztlich abklären lassen und dem Körper durch ausgewogene Ernährung, Pflege und Ruhe optimale Bedingungen für die Erholung bieten.

Überblick über Studien zum Thema Haarausfall nach Corona

Mehrere Studien haben die Häufigkeit von Haarausfall nach einer COVID-19-Infektion untersucht:

Studie Teilnehmer Ergebnis
Mai 2022 198 COVID-19-Patienten 24% litten unter Haarausfall (Telogen Effluvium)
Oktober 2022 (Saudi-Arabien) 806 Teilnehmer 52,7% berichteten über Haarausfall nach COVID-19
Juli 2022 (Universität Birmingham) 486.149 Erwachsene mit SARS-CoV-2-Infektion Haarausfall gehörte zu den häufigsten Symptomen nach 12 Wochen

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Haarausfall nach einer Corona-Infektion ein häufiges Phänomen ist. Es ist wichtig, geduldig zu sein und dem Körper Zeit zur Erholung zu geben. Bei anhaltenden Problemen sollte ein Arzt konsultiert werden.

Haarausfall stoppen nach Corona

Haarausfall ist keine Diagnose, sondern ein Symptom. Dr. Royeck: Die Ursachen von Haarausfall sind äußert vielfältig. Grundsätzlich lässt sich der Haarausfall bzw. Vernarbend bedeutet, dass es zu einer irreversiblen Zerstörung der Haarfollikel kommt, meistens durch länger bestehende Entzündungsreaktionen verursacht.

Ein neues Haarwachstum ist bei fortgeschrittenem Befall der Haarfollikel dann nicht mehr möglich. Beispiele wären hier z. B. Nicht vernarbend bedeutet, dass es zu keiner irreversiblen Zerstörung der Haarfollikel kommt und neues Haarwachstum prinzipiell wieder möglich ist.

Ursachen wären beispielweise Telogenes Effluvium (Diffuser Haarausfall) oder auch alopecia Areata (Kreisrunder Haarausfall). Telogenes Effluvium kann dabei durch zahlreiche Ursachen bedingt sein, z. B. Dr. Royeck: Bei fortbestehenden Entzündungsreaktionen der Kopfhaut (Rötungen, Schmerzen, Schwellungen) sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.

Weiterhin gilt die Faustregel, dass bei Ausfall von mehr als 100 Haaren pro Tag eine Abklärung erfolgen kann. Wichtig und oft missverstanden ist aber folgender Punkt: Die 100 Haare, welche pro Tag ausfallen dürfen, fallen nicht zwingend aus, sondern verbleiben zunächst über Tage auch einfach nur sehr locker im Haarfollikel.

Haarausfall kann als eines der Symptome von Long Covid sein. Dr. Royeck: Die Virusinfektion bzw. die dadurch bedingten internistischen Erkrankungen wie eine Lungenentzündung stellen eine starke Belastung für den Körper da.

Eine solche Belastung kann zur Entwicklung eines sog. Dies bedeutet, dass das Haar aus seiner Wachstumsphase in die Ausfallphase (Telogene Phase) wechselt. Das Haar löst sich dabei von der Blutversorgung und seiner Verankerung ab.

Das Haar fällt dabei aber nicht direkt aus, sondern erst nachdem es sich langsam aus eben dieser Verankerung gelöst hat. Die Symptomatik des Haarausfalls beginnt daher in der Regel erst Monate nach der eigentlichen Covid-Erkrankung.

Telogene Effluvium kann auch durch zahlreiche andere Erkrankungen bedingt sein, z. B. Dr. Royeck: Das Telogene Efflvium verursacht einen reversiblen Haarausfall. Das heißt, dass die Haarfollikel erhalten bleiben und nach dem ausgefallenen Haar ein neues Haar nachwächst.

Haare, die zum Zeitpunkt der Infektion in ihre Ausfallphase gewechselt sind, werden in bis zu sechs Monaten ausfallen. Parallel sollte aber untersucht werden, ob die neu nachwachsenden Haare auch optimale Bedingungen für ihr Wachstum haben.

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