Haarausfall nach Corona: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

In den letzten Monaten ist das Thema Haarausfall durch Corona vermehrt in den Fokus gerückt. Nach einer überstandenen COVID-19-Infektion klagen Patientinnen und Patienten häufig über verschiedene Langzeitfolgen, die Tage, Wochen und sogar Monate anhalten können. Neben gängigen krankheitsbedingten Symptomen während einer Corona-Erkrankung können auch später auftretende Symptome wie Haarausfall die Folge sein.

Haarausfall hat unterschiedliche Ursachen, Formen und Ausprägungen. Er kann beispielsweise genetisch bedingt vorliegen, durch hormonelle Veränderungen ausgelöst werden, eine Folge von Eisenmangel sein oder auch in stressigen Situationen auftreten. Dass Haare am Tag verlorengehen, ist nicht ungewöhnlich, sondern ganz normal. Zwischen 70 und 100 Haare fallen pro Tag aus. Mit steigendem Alter wird auch das Haar in der Regel etwas lichter. Von Haarausfall ist dann die Rede, wenn der Betroffene kontinuierlich Haare verliert, diese nicht nachwachsen und das Haar somit ausdünnt oder an einigen Stellen gänzlich verschwindet. Bei Haarausfall werden verschiedene Arten unterschieden.

Als mögliche Ursachen kommen Autoimmunerkrankungen infrage, bei der körpereigenes Gewebe angegriffen und zerstört wird - in diesem Fall vor allem die Haarwurzeln. Auch eine Störung der Gefäße, die zu einer schlechteren Versorgung der Haarwurzeln führt, kann Haarausfall begünstigen.

Ursachen von Haarausfall nach COVID-19

COVID-19 ist eine recht junge Erkrankung, weshalb sich einige Symptome oder Auswirkungen noch nicht genau erklären oder nachvollziehen lassen. Nach überstandener Corona-Erkrankung berichten jedoch einige Personen davon, dass sie mit lichter werdendem Haar und Haarausfall zu kämpfen haben. Medizinischen Annahmen zufolge ist der coronabedingte Haarausfall zum einen auf den körperlichen und psychischen Stress zurückzuführen. Zum anderen gehen Mediziner davon aus, dass sich COVID-19 auch auf die Gefäße der Haarwurzeln auswirken kann. Dadurch werden diese nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Infolgedessen gehen sie von der Wachstumsphase in die Ausfallphase über. Durch die geschwächte Versorgung nimmt auch die Verankerungsfähigkeit ab, wodurch sich das Haar langsam ablöst.

Dass der Haarausfall meist erst Monate nach der COVID-Erkrankung auftritt, löst bei Betroffenen häufig Panik aus, da sie die beiden Ereignisse nicht in Verbindung setzen. Die Patientinnen und Patienten sollten zunächst Ruhe bewahren und sich ärztlichen Rat einholen. Mediziner gehen davon aus, dass der coronabedingte Haarausfall in vielen Fällen reversibel ist, sobald sich die Haarwurzeln wieder etwas erholt haben. Anti-Haarausfall-Shampoos oder ähnliche Produkte helfen dabei in der Regel nicht. Stattdessen können sich die Betroffenen jedoch darauf konzentrieren, die Versorgung der Haarwurzeln zu unterstützen und optimale Voraussetzungen für das gesunde Haarwachstum zu schaffen.

Haarausfall nach Corona? Was tun? 🤯 │Dr. med. Alice Martin

Haarausfall als Teil von Long COVID-19

Eine weitere Facette der Corona-Erkrankung ist das sogenannte Long COVID-Syndrom, bei dem Menschen nach der Genesung von COVID-19 noch anhaltende Symptome haben. Haarausfall kann ein Teil dieser Symptome sein. Bei einigen Betroffenen tritt der Haarausfall mehrere Monate nach der Infektion auf. Langzeitfolgen von COVID-19 werden derzeit wissenschaftlich untersucht.

Erfahrungen mit COVID-bedingtem Haarausfall

Viele Menschen haben nach einer Corona-Erkrankung Erfahrungen mit Haarausfall gemacht. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass jeder Fall einzigartig ist und individuell betrachtet werden sollte. Einer der Gründe für vermehrten Haarverlust kann eine vorausgegangene Infektion der oberen bzw. unteren Atemwege sein, also ein fiebriger Infekt, der häufig nach einer Ansteckung mit dem Corona-Virus auftritt. Auch nach anderen Infekten, die mit Fieber einhergehen, kann Wochen später Haarausfall auftreten. Dies ist also kein ausschließliches Symptom einer Corona-Infektion.

Wenn Sie unter Haarausfall nach einer Coronainfektion leiden, ist es ratsam, Ihren Arzt bzw. Ihre Ärztin aufzusuchen. Eine gründliche Untersuchung und Bewertung kann helfen, die genaue Ursache des Haarausfalls zu ermitteln und entsprechende Behandlungsoptionen zu besprechen.

Was sagt der Experte zum Thema Haarausfall nach Covid-19-Infektion?

Der Haarausfall-Experte Dr. Uwe Schwichtenberg aus Bremen erläutert in seinem Podcast die Zusammenhänge zwischen Haarausfall und einer Corona-Infektion aus medizinischer Sicht.

Haarpflege und Maßnahmen bei Haarausfall nach einer Corona-Erkrankung

Bei vermehrtem Haarausfall ist es grundsätzlich ratsam, Ihr Haar ausreichend zu pflegen und auf die Zufuhr wichtiger Nährstoffe zu achten. Verwenden Sie Haarpflegeprodukte, die speziell für empfindliches oder dünner werdendes Haar entwickelt wurden. Achten Sie auf eine ausreichende Zufuhr bestimmter Nährstoffe, z. B. Seien Sie geduldig und geben Sie Ihrem Haar Zeit, sich zu erholen. Wer Covid überstanden hat, kann noch lange nach dem Abklingen der Krankheit an den Folgen leiden. Dazu gehört auch mitunter der Haarausfall.

Dr. Royeck: Die Ursachen von Haarausfall sind äußert vielfältig. Grundsätzlich lässt sich der Haarausfall bzw. Vernarbend bedeutet, dass es zu einer irreversiblen Zerstörung der Haarfollikel kommt, meistens durch länger bestehende Entzündungsreaktionen verursacht. Ein neues Haarwachstum ist bei fortgeschrittenem Befall der Haarfollikel dann nicht mehr möglich. Beispiele wären hier z. B. Nicht vernarbend bedeutet, dass es zu keiner irreversiblen Zerstörung der Haarfollikel kommt und neues Haarwachstum prinzipiell wieder möglich ist. Ursachen wären beispielweise Telogenes Effluvium (Diffuser Haarausfall) oder auch alopecia Areata (Kreisrunder Haarausfall).

Telogenes Effluvium kann dabei durch zahlreiche Ursachen bedingt sein. Die Virusinfektion bzw. die dadurch bedingten internistischen Erkrankungen wie eine Lungenentzündung stellen eine starke Belastung für den Körper da. Eine solche Belastung kann zur Entwicklung eines sog. Dies bedeutet, dass das Haar aus seiner Wachstumsphase in die Ausfallphase (Telogene Phase) wechselt. Das Haar löst sich dabei von der Blutversorgung und seiner Verankerung ab. Das Haar fällt dabei aber nicht direkt aus, sondern erst nachdem es sich langsam aus eben dieser Verankerung gelöst hat. Die Symptomatik des Haarausfalls beginnt daher in der Regel erst Monate nach der eigentlichen Covid-Erkrankung.

Dr. Royeck: Nach aktuellem Stand gehen wir davon aus, dass auch der covidbedingte Haarausfall, so wie jedes andere Telogene Effluvium, reversibel ist. Um dies zu beweisen, fehlen aber schlichtweg noch ausreichend Studiendaten.

PRP Eigenbluttherapie als Behandlungsmöglichkeit

Die modernste Möglichkeit zur Verjüngung der Haut und zur Behandlung von Haarausfall ist die sogenannte PRP-Therapie. Sie ist auch unter den Bezeichnungen Eigenblutbehandlung, Vampire Lift und Plasmabehandlung bekannt. Bei der Therapie wird dem Patienten zunächst eine kleine Menge Blut entnommen, die dann speziell aufbereitet wird. Durch Zentrifugation wird das Blutplasma isoliert. Dabei handelt es sich um das PRP (platelet-rich plasma; plättchenreiches Plasma). Das PRP wird anschließend unter die Haut beziehungsweise in die Kopfhaut injiziert. Dort entfaltet es seine positive Wirkung: Die körpereigenen Regenerationsprozesse und die Neubildung von Zellen werden angeregt.

Die PRP-Therapie findet ambulant statt und dauert etwa eine Stunde. Eine örtliche Betäubung sorgt dafür, dass die Behandlung ohne Schmerzen verläuft. Mit Einschränkungen oder Ausfallzeiten ist in der Regel nicht zu rechnen. PRP ist reich an Stammzellen und Wachstumsfaktoren. Es unterstützt gezielt die Reparaturmechanismen des Körpers. Da es sich ausschließlich um natürliche Substanzen handelt, ist die PRP-Therapie zudem sehr gut verträglich und belastet den Körper nicht. Sie kann mit anderen Behandlungsmethoden kombiniert werden. Vor allem die Verbindung aus Microneedling und PRP-Therapie hat sich in der ästhetischen Medizin als effektiv erwiesen.

Die PRP Eigenblut Therapie ist ein sehr gutes Mittel um Haarverlust entgegenzuwirken. Mit Hilfe der nebenwirkungsfreien PRP-Therapie ist es möglich, Haarausfall zu stoppen und neues Haarwachstum anzuregen. Sind noch Haarwurzeln vorhanden, können inaktive Haarwurzeln mit der PRP-Behandlung nach ca. 4 Monaten aktiviert und so das Haarwachstum gefördert werden. Auch ist es möglich mit der PRP-Behandlung das eigene Haar zu stärken und zu kräftigen. Dabei sind keine Nebenwirkungen oder allergische Reaktionen zu erwarten, da die Behandlung mit körpereigenem Blut erfolgt. Die PRP-Therapie ist sowohl für Frauen als auch für Männer geeignet und altersunabhängig sehr gut verträglich.

Vorteile der PRP-Therapie:

  • Verdichtung der aktiven Haarwurzeln
  • Aktivierung von inaktiven schlafenden Haarwurzeln
  • Wachstum neuer Haare wird angestoßen
  • Dichteres und volleres Haar bekommen
  • Reaktivierung körpereigener Zellerneuerung in der Kopfhaut
  • Stärkung der Haarwurzeln und Vitalisierung der Kopfhaut

Eine PRP Behandlung kann bereits nach einmaliger Behandlung gute Ergebnisse erzielen. Für ein optimales Ergebnis empfehlen wir 4 - 6 PRP Behandlung im Abstand von 4 Wochen.

Studien zum Thema Haarausfall und Corona

In einer im Mai 2022 veröffentlichen Studie wurde die Häufigkeit von Haarausfall (telogen effluvium) bei COVID-19-Patienten untersucht. Die Studie ergab, dass von 198 Patienten, die wegen COVID-19 behandelt wurden, 48 (also 24%) unter Haarausfall litten.

Eine im Oktober 2022 veröffentliche Studie untersuchte die Häufigkeit von Haarausfall nach COVID-19-Infektion in Saudi-Arabien und die damit verbundenen Faktoren. Von den 806 Teilnehmern berichteten 52,7 % über Haarausfall nach einer COVID-19-Infektion.

Eine im Juli 2022 veröffentliche Studie der Universtät Birmingham untersuchte Symptome und Risikofaktoren im Zusammenhang mit COVID-19. Die Studie untersuchte 115 Symptome bei 486.149 Erwachsenen mit einer bestätigten SARS-CoV-2-Infektion und verglich die Häufigkeit von Symptomen mit 1.9 Millionen Menschen ohne Infektion. Unter den 62 Symptomen, die nach 12 Wochen signifikant mit SARS-CoV-2 assoziiert waren, waren Anosmie, Haarausfall, Niesreiz, Ejakulationsschwierigkeiten und verminderte Libido am häufigsten.

Tabelle: Studienergebnisse zum Haarausfall nach COVID-19

StudieTeilnehmerAnteil der Patienten mit Haarausfall
Veröffentlicht im Mai 2022198 COVID-19 Patienten24%
Veröffentlicht im Oktober 2022 (Saudi-Arabien)806 Teilnehmer52,7%
Veröffentlicht im Juli 2022 (Universität Birmingham)486.149 Erwachsene mit SARS-CoV-2Haarausfall als signifikant assoziiertes Symptom

Long COVID, ist ein Zustand, bei dem die Symptome von COVID-19 bei manchen Menschen über die akute Phase hinaus anhalten und das tägliche Leben beeinträchtigen. Einige häufige Symptome von Long COVID sind Müdigkeit, Kurzatmigkeit, Husten, Brustschmerzen, Gelenk- und Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Schwindel, Verlust des Geschmacks- oder Geruchssinns, Schlafstörungen und Konzentrationsprobleme. Auch Haarausfall wird als Symptom von Long Covid gemeldet.

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