Haarausfall bei Krebs: Ursachen, Umgang und was Sie tun können

Der Haarausfall ist für viele Menschen eine der schwersten Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Er kann zum Beispiel belasten, weil andere nun erkennen können, dass man an Krebs erkrankt ist. Auch das Selbstbild als Frau oder Mann kann leiden. Bei Frauen spielt dabei in erster Linie der Verlust des Kopfhaars, bei Männern auch der von Bart- und Körperhaaren eine Rolle.

Wer die Diagnose Krebs erhält und sich einer Chemotherapie unterziehen muss, dem steht auch der Verlust von Kopf- und Körperhaar bevor. Sich selbst die Haare vom Kopf in Büscheln ziehen zu müssen, ist ein einschneidender Moment. Es bedeutet nicht nur festzustellen, krank zu sein - gerade Haare sind für das Gefühl kraftvoll oder jugendlich zu sein bedeutsam.

Es bedeutet auch, etwas von seinem alten Ich, seiner Identität, einzubüßen. Ähnlich wie Körperschmuck oder Kleidung können Haare identitätsstiftend sein. Weshalb Forschende auch untersucht haben, ob Symptome, die die Krankheit sichtbar machen, wie der Haarausfall, in Verbindung mit mentaler Gesundheit stehen. Das Ergebnis ihrer Untersuchung lautete: Von 638 Krebs-Erkrankten gaben über 80 Prozent an, dass Symptome, die ihr Erscheinungsbild veränderten, ihnen Sorgen oder Leid ("distress") verursachten.

Darauf, dass Frauen und Männern das Ausfallen der Haare durch eine Chemotherapie zu schaffen macht, weist eine weitere Studie aus England hin. Die Forschenden schlossen, dass es für Patientinnen und Patienten hilfreich ist, wenn sie von Ärztinnen, Ärzten und Krankenschwestern über mögliche Auswirkungen von Krebs-verursachtem Haarverlust auf die Wahrnehmung ihrer Identität aufgeklärt werden. Weiterhin fehlt es Männern an konkreten Angeboten, um mit dem ausfallenden Haar zurechtzukommen.

Ursachen für Haarausfall bei Krebstherapie

ChemotherapieEine Krebsbehandlung mit Chemotherapie zielt darauf, die sich schnell teilenden Krebszellen in ihrem Wachstum zu hemmen oder sie zu zerstören. Diese Form der Therapie wirkt auf den ganzen Körper und schädigt auch schnell wachsendes, gesundes Gewebe - wie die Haarwurzel-Zellen. In der Folge hören die Haare auf zu wachsen und fallen aus.

Neben dem Kopfhaar können Augenbrauen, Wimpern, Bart, Achsel- und Schamhaare verloren gehen.BestrahlungEine Bestrahlung zerstört die Krebszellen um den bestrahlten Bereich herum. Wird etwa der Kopf bestrahlt, kann das die Haarwurzeln schädigen und Haarausfall begünstigen.

Zielgerichtete TherapieZielgerichtete Therapien greifen nur ganz bestimmte Strukturen der Krebszellen an. Gesundes Gewebe schädigen sie in der Regel nicht. Es gibt jedoch Wirkstoffe, die sich gegen Strukturen richten, die auch bei gesunden Zellen vorkommen. Betrifft es die Zellen der Haarwurzeln, ist Haarausfall möglich.

ImmuntherapieImmuntherapien dienen dazu, dass Immunsystem zu aktivieren und dieses gezielt gegen die Krebszellen zu richten. Wie es dabei genau zu Haarausfall kommt, ist bisher unklar. Man vermutet, dass Entzündungsprozesse an den Haarwurzeln eine Rolle spielen.

AntihormontherapieWie Antihormontherapien mit Haarausfall zusammenhängen, ist ebenfalls noch nicht vollständig geklärt. Was man weiß: Geschlechtshormone beeinflussen das Haarwachstum.

Da die eigentliche Haaranlage durch eine Krebsbehandlung meist nicht geschädigt wird, wachsen die Haare nach Ende der Therapie in der Regel nach. Ist die Behandlung abgeschlossen und sind die Medikamente im Körper abgebaut, wachsen die Haare wieder nach. Das passiert meist innerhalb von drei bis sechs Monaten. Bis das Haar vollständig nachgewachsen ist, kann es aber noch länger dauern.

Das nachwachsende Haar ist oft fülliger und lockiger. Zudem kann die Farbe der neuen Haare von der ursprünglichen Haarfarbe abweichen.

Wie schnell fallen die Haare aus?

Bei einer Chemotherapie fallen die Haare üblicherweise ein bis vier Wochen nach Behandlungsbeginn aus. Manchmal fängt der Haarausfall erst nach mehreren Therapie-Sitzungen an. Bei Haarausfall durch eine Bestrahlung verhält es sich ähnlich.

Kommt es im Zuge einer zielgerichteten Therapie zu Haarveränderungen, treten diese indes erst zwei bis drei Monate nach Behandlungsbeginn auf.

Umgang mit dem Haarausfall

Abgesehen von der Diagnose und den Symptomen von Krebs ist es oft schwierig, mit Haarausfall zu leben. Er beeinträchtigt das Selbstbild, das Gefühl der Weiblichkeit bei Frauen, macht die Krankheit für andere sichtbar und ist eine ständige und tägliche Erinnerung an ihre Präsenz. Sie können einfache Gewohnheiten im Alltag einführen, um diese Tortur besser zu bewältigen und den Haarausfall während der Krebserkrankung zu bekämpfen:

  • Waschen Sie Ihr Haar sanft Verwenden Sie ein mildes Shampoo, das für empfindliches Haar geeignet ist, sobald die Behandlung beginnt. Ein Shampoo bei Haarausfall kann das Nachwachsen der Haare unterstützen. Bei einer Chemotherapie empfehlen wir Ihnen, Ihr Haar am Tag vor der Behandlung zu waschen und es danach drei bis sieben Tage lang nicht mehr zu waschen.
  • Vermeiden Sie Schäden Es ist wichtig, das durch die Behandlung bereits geschwächte Haar und die Kopfhaut nicht noch weiter zu schädigen: Trocknen Sie Ihr Haar, ohne es zu stark zu reiben, und vermeiden Sie Haartrockner, Glätteisen oder Lockenstäbe, Färben, Dauerwellen oder Lockenwickler usw.
  • Pflegen Sie Ihre Kopfhaut Wenn Ihr Haar ausgefallen ist, ist es wichtig, die freiliegende Kopfhaut vor äußeren Einflüssen zu schützen (Schutz vor Sonne, Verschmutzung, Kälte, Wind usw.). Die tägliche Anwendung einer feuchtigkeitsspendenden Creme, Lotion oder eines Serums hilft auch, die Überempfindlichkeit der Kopfhaut zu lindern, die häufig mit Haarausfall einhergeht.

Bevor die Haare ausfallen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich darauf vorzubereiten. Wer lange Haare hat, kann sich zum Beispiel schon vor Beginn der Chemotherapie eine Kurzhaarfrisur schneiden lassen. Setzt der Haarausfall dann ein, wirken ausgefallene Haarbüschel weniger groß und beängstigend. Sich die Haare selbst abzurasieren, bewahrt vor dem Gefühl des dauernden Haarverlusts - und davor, immer wieder Haare zum Beispiel aus dem Bett, von der Kleidung oder im Bad entfernen zu müssen.

Um die kahle Kopfhaut zu bedecken, eignen sich Mützen, Tücher, Kappen oder Perücken aus Kunst- oder Echthaar. Aus Echthaar geknüpfte Perücken lassen sich so schneiden wie die frühere Frisur und wirken sehr natürlich. Sie sind allerdings teurer als Kunsthaarperücken. Wer sich für eine Perücke entscheidet, kann sich von der Ärztin oder dem Arzt, der die Chemotherapie verabreicht, ein Rezept dafür ausstellen lassen. Die Krankenkassen übernehmen in der Regel einen Teil der Kosten für eine Kunsthaarperücke.

Ausgefallene Wimpern und Brauen können durch künstliche Wimpern und Make-up ersetzt werden. Wer sich vorher nicht selbst geschminkt hat, kann sich in einer Vielzahl von Videos im Internet Tipps und Anregungen holen, manche Kliniken und Selbsthilfe-Organisationen bieten auch spezielle Kurse an.

Eine Möglichkeit ist auch, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen oder bei einer Psychoonkologin oder einem Psychoonkologen Unterstützung zu suchen und über die Sorgen und Ängste zu sprechen, die mit dem Haarausfall zusammenhängen.

Bis die Haare wieder komplett nachgewachsen sind, pflegt man sie am besten sehr schonend. Bis die Haare wieder komplett nachgewachsen sind, pflegt man sie am besten sehr schonend. Wer sich mit dem Haarausfall unwohl fühlt und in der Öffentlichkeit keine Glatze tragen möchte, kann ihn auf verschiedene Weise verbergen:

  • Den Kopf mit einer Mütze, einem Hut oder Tuch bedecken: Das hält außerdem warm. Wichtig ist, dass die Bedeckung gut sitzt und nicht wehtut.
  • Für ein Haarteil oder eine Perücke fragen Sie Ihre behandelnde Ärztin oder Ihren behandelnden Arzt nach einem entsprechenden Rezept.
  • „Streuhaare“ verwenden: Das sind Fasern, die sich elektrostatisch mit dem eigenen Haar verbinden und das Haar so fülliger wirken lassen. Man bekommt sie als Pulver rezeptfrei in der Apotheke.
  • Wimpern oder Augenbrauen ersetzen: Wenn Wimpern betroffen sind, künstliche Wimpern tragen. Wenn Augenbrauen ausfallen, künstliche Augenbrauen aufkleben oder mit Schminke nachzeichnen. Eventuell ist Permanent-Make-up eine geeignete Lösung. Viele Selbsthilfegruppen und Kliniken bieten spezielle Kosmetikseminare an.

Neuer Haarwuchs nach der Chemotherapie - was kann ich tun? (Tipps von Ärztin)

Was sollte man zu Perücken wissen?

Es gibt Perücken aus Echt- und Kunsthaar, die verschieden geknüpft sind. Im Tragekomfort unterscheiden sie sich kaum. Perücken aus Echthaar sind jedoch aufwändiger zu pflegen und teurer.

Die Preise für Perücken sind sehr verschieden. Manche kosten einige hundert Euro, andere mehr als tausend Euro. Erkundigen Sie sich im Zweithaarstudio zu den aktuellen Preisen.

Bei der Wahl des Zweithaarstudios ist darauf zu achten, dass es von der jeweiligen Krankenkasse als Anbieter zugelassen ist.

Damit die Krankenkasse die Kosten für eine Perücke trägt oder anteilig übernimmt, muss der Arzt oder die Ärztin den Haarersatz verordnen. Zudem muss die Krankenkasse die Verordnung genehmigen.Bei gesetzlich versicherten Frauen, Kindern und Jugendlichen erstatten die Krankenkassen in der Regel die Kosten für eine Perücke. Bei Männern ist es mit der Kostenerstattung schwieriger. Der Grund ist, dass man bei ihnen annimmt, dass sie selten unter dem Haarausfall leiden.

Ob die Kosten ganz oder teilweise übernommen werden, hängt vom Perücken-Modell ab. Hat die Perücke Eigenschaften, die über die medizinisch notwendige Versorgung hinausgehen, muss man die Mehrkosten selber tragen.

Haarpflege während der Krebstherapie

Fallen die Haare aus, ist die Kopfhaut an den haarlosen Stellen sehr empfindlich und benötigt eine spezielle und schonende Pflege.

Allgemeingültige Pflege-Tipps

Solange die Haare ausfallen und nicht vollständig nachgewachsen sind, ist es ratsam:

  • Den Kopf selten zu waschen und wenn, dann mit lauwarmem Wasser und mildem Shampoo.
  • Die Haare an der Luft trocknen zu lassen und nur vorsichtig zu rubbeln.
  • Die Haare mit einer weichen Bürste zu kämmen und am besten nicht zu föhnen und falls doch, nicht zu heiß.
  • Möglichst kein Haarspray, Spülungen oder Gel anzuwenden.
  • Auf Style-Prozeduren wie Färben zu verzichten.

Spezielle Pflege für die haarlose Kopfhaut

In dieser Zeit empfiehlt es sich:

  • Die Kopfhaut mit einer fetthaltigen Creme oder Salbe ohne Duftstoffe einzucremen.
  • Die Kopfhaut sanft zu massieren.
  • Tücher aus Baumwolle, Seide oder Viskose zu tragen. Sie halten besser auf dem Kopf als Tücher aus Kunstfasern. Auch Seidenkopfkissen können hilfreich sein.
  • Eine weiche Kappe oder Mütze aufzusetzen, um die Kopfhaut warm zu halten. Man kann sie auch nachts beim Schlafen tragen.
  • Die Kopfhaut vor der Sonne zu schützen, indem man den Kopf bedeckt oder Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor aufträgt.

Kühlkappen zur Vorbeugung von Haarausfall

Kühlkappen sollen helfen, Haarausfall zu vermeiden. Ärztinnen und Ärzte können sie anbieten, wenn mit starkem Haarverlust zu rechnen ist - etwa bei einer Chemotherapie über die Vene.

Man trägt die Kühlkappe einige Minuten vor, während und nach der Medikamentengabe. Das kann mit starkem Kälteempfinden und Kopfschmerzen verbunden sein.

Kälte verringert Wirkung des Medikaments

Die Kälte bewirkt, dass sich die Blutgefäße zusammenziehen. In der Folge fließt weniger Blut durch die Kopfhaut. Dadurch gelangt auch weniger Chemotherapie-Medikament über das Blut in die Kopfhaut und schließlich in die Haarzellen.

Gleichzeitig drosseln die Haarwurzeln ihren Stoffwechsel und nehmen insgesamt geringere Mengen des Medikaments auf: Die Haare werden weniger geschädigt und können erhalten bleiben.

Nutzen und Risiken sind abzuwägen

Der Einsatz von Kühlkappen eignet sich nicht für jede Krebsform und jede Krebsbehandlung. Zudem sind sie nicht überall verfügbar.

Sprechen Sie mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt, ob eine Kopfhautkühlung infrage kommt. Fragen Sie zudem bei Ihrer Krankenkasse nach, ob die Kosten dafür übernommen werden.

Generell ist vorab der Nutzen von Kühlkappen gegenüber den Risiken abzuwägen. Bei Brustkrebs gibt es die meisten Studien. Sie weisen darauf hin, dass eine Kühlung der Kopfhaut bei manchen Menschen starken Haarausfall verhindern kann. Ihr Nutzen ist bislang aber nicht abschließend geklärt.

Psychologische Unterstützung

Plötzlich und schnell die Haare zu verlieren, ist für viele Menschen ein einschneidendes Erlebnis.

Der Haarverlust kann dazu führen, dass man sich zum Beispiel traurig oder wütend fühlt. Auch fällt es manchmal schwer zu entscheiden, wie man am besten mit dem Haarausfall umgeht.

Dann kann es hilfreich sein:

  • Sich der Ärztin oder dem Arzt, dem Partner oder der Partnerin, den Freundinnen und Freunden oder Familienangehörigen anzuvertrauen und um Rat zu fragen.
  • Sich in Selbsthilfegruppen mit Menschen auszutauschen, die in der gleichen Situation sind oder waren.

Ist die emotionale Belastung sehr groß, bieten Psycho-Onkologinnen und Psycho-Onkologen therapeutische Hilfe.

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