Ursachen, Krankheit und Behandlung von Haarausfall (Alopecia)

Haarausfall, auch Alopezie genannt, ist ein Zustand, der durch teilweisen oder vollständigen Verlust der Haare gekennzeichnet ist. Es gibt verschiedene Arten von Alopezie, die unterschiedliche Ursachen haben können.

Alopecia Areata

Alopecia Areata: Kreisartiger Haarausfall

Die Alopecia areata (AA) ist eine chronische, immunvermittelte Krankheit, die durch einen akut einsetzenden Haarausfall gekennzeichnet ist. Sie ist nach dem anlagenbedingten Haarausfall die zweithäufigste Ursache für Haarausfall. Die Wahrscheinlichkeit, mindestens einmal im Leben an einer AA zu erkranken, beträgt 2 % (Lebenszeitinzidenz). Bei 40 % der Patienten tritt die AA das erste Mal vor dem 20. Lebensjahr auf - bei ca. 85% zeigt sich die AA bis zum 40.

Die Alopecia areata zeigt ein sehr breites klinisches Bild. Der Haarverlust kann alle behaarten Bereiche des Kopfes und Körpers betreffen. Bei einer Alopecia areata zeigen sich hier in meisten Fällen die typischen kreisrunden haarlosen Areale an der Kopfhaut. Sie kann sich aber auch durch teilweisen oder kompletten Verlust der Augenbrauen, Wimpern oder Barthaare, oder auch an anderen behaarten Arealen zeigen. Die Hautoberfläche ist unauffällig.

Wie entsteht die Alopecia Areata?

Die genaue Ursache der AA ist noch nicht vollständig geklärt, doch ist es allgemein anerkannt, dass der Kollaps des Immunprivilegs des Haarfollikels eine entscheidende Rolle in der Entstehung der Krankheit spielt. Der Entzündungsprozess der Erkrankung wird über das Einwandern von Immunzellen in und um den Haarfollikel vermittelt. Dadurch kommt es zu einem Bienenschwarm-ähnlichen Infiltrat. Daran sind Lymphozyten wie T-Zellen und NK-Zellen sowie Mastzellen und dendritische Zellen beteiligt. Die Entzündungsreaktion ist auch über Botenstoffe (Zytokine) vermittelt. Entscheidende Zytokine bei AA sind Interferon-γ-, Interleukin-2- und Interleukin-15. Das Aufflammen einer AA führt zu einer deutlich verkürzten Anagen (Wachstums)-Phase des Haarwachstumszyklus. Es wird vermutet, dass auch genetische Faktoren einen Einfluss haben.

Kreisrunder Haarausfall - Ist er heilbar? | Dr. med. Barbara Meyer-Lehmann

Diagnose der Alopecia Areata

Die klinische Untersuchung gemeinsam mit der Dermatoskopie der Kopfhaut sind die wichtigsten Schritte und, in meisten Fällen, ausreichend um die Diagnose Alopecia areata zu stellen. Sehr hilfreich ist ein Test zur Einschätzung der Aktivität der Alopecia areata, aber auch zum Ausschluss anderer Haarerkrankungen, so wie der Trichotillomanie. Der Test wird am Randbereich der haarlosen Areale sowie an klinisch unauffälligen Haaren durchgeführt. Hierbei wird ein dickes Haarbüschel (ca. 20-50 Haare) zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger am Haaransatz nahe der Kopfhaut fest gefasst, und dann fest, aber nicht gewaltsam von der Kopfhaut weggezogen. Wenn mehr als 10 % der erfassten Haare zwischen den Fingern am Ende verbleiben, gilt dies als positiver Zupftest und deutet auf aktiven Haarausfall hin. Für einen gültigen Test sollten die Haare mindestens einen Tag lang nicht gewaschen werden.

Das „Severity of Alopecia Tool’’ oder der sog. SALT Score ist ein sehr hilfreiches, visuelles Mittel zur Bestimmung des prozentualen Kopfhaarausfalls bei Alopecia areata.

Therapie der Alopecia Areata

Das therapeutische Vorgehen ist bei jedem Patienten unterschiedlich und abhängig von individuellen Faktoren wie der Ausprägung der Erkrankung und Nebenerkrankungen. Die derzeitig eingesetzten Therapien zielen vor allem auf das Unterdrücken des Entzündungsprozesses ab und bekämpfen nicht die eigentliche Ursache der Krankheit.

  • Lokale Kortikosteroide: Hierbei wird ein stark bis sehr stark wirksames Kortikosteroid (Klasse III/IV) im Bereich der Haarausfallherde an der Kopfhaut angewendet.
  • Kortison-Injektionen: Hier wird mit einer dünnen Nadel eine bestimmte Menge eines Kortisonpräparates (Triamcinolonacetonid Kristallsuspension) in die Kopfhaut eingespritzt. Während jeder Sitzung erfolgen mehrere Injektionen an den Rand der Haarausfallsbereiche. In der Regel erfolgen ca. 3-5 Unterspritzungen alle 4-8 Wochen.
  • Systemische Therapie mit Kortison: Die systemische Therapie mit Kortison erfolgt meistens in Form einer oralen Prednisolon-Stoßtherapie, d.h. tägliche ca. einwöchige orale Einnahme von Kortikosteroiden jeweils unterbrochen durch einnahmefreie Intervalle. Die gesamte Dauer der Therapie beträgt mindestens 3 Monate.
  • Dithranol: Diese Option ist aufgrund ihres günstigeren Risikoprofils eine Alternative zur Sensibilisierungstherapie, besonders bei Kindern. Der Wirkmechanismus ist derzeit unklar, es wird jedoch vermutet, dass die vom Dithranol verursachte leichte Reizung der Kopfhaut zu einer Umlenkung der Entzündungszellen führt und es damit zur Förderung des Nachwachsens der Haare kommt.
  • JAK-Inhibitoren: Bislang sind zwei Januskinase (JAK) Inhibitoren für die Behandlung der schweren AA zugelassen. Aktuell laufen weitere Studien mit weiteren JAK-Inhibitoren (Ruxolitinib, Upadacitinib).
  • Minoxidil: Dies ist eine Substanz, die die Durchblutung um den Haarfollikel verbessert und so das Haarwachstum anregt. Der Wirkstoff hat keinen Einfluss auf die Entzündung, fördert jedoch das Haarwachstum, nachdem die Entzündung von der für die AA angesetzten Therapie (z.B. topische Kortikosteroide) unterdrückt wurde.
  • Zink Supplementierung: Zink hilft die Immunantwort zu modulieren, und könnte bei Zink-Mangel hilfreich sein. Aber die verfügbaren Daten sind noch widersprüchlich, und kommen von kleinen Studien und Fallberichten.
  • Vitamin D Supplementierung: Die Einnahme bei entsprechendem Vitaminmangel könnte von Bedeutung sein.

Alopecia Areata Stadien

Alopecia Totalis und Universalis: Vollständiger Haarverlust

Der totale Haarausfall oder Alopecia totalis ist eine Erkrankung, die jeden in jedem Alter treffen kann, egal ob Mann oder Frau. Dabei entstehen zunächst vereinzelte kahle Stellen, denn meistens zeigen sich die ersten Symptome in Form einer Alopecia areata, bei der es zu stellenweise kahlen Flecken auf der Kopfhaut kommt. Im Falle der Alopecia areata totalis nehmen die kahlen Stellen jedoch ein extremes Ausmaß an und führen nach einiger Zeit sogar weiter als zur Kahlheit auf dem Kopf. Im Folgestadium sind dann oft auch Wimpern, Augenbrauen, Schamhaare und Körperhaare betroffen, sodass es zum totalen Haarverlust am ganzen Körper kommen kann.

Bei der Alopecia totalis - auch bekannt als Alopecia universalis - handelt es sich wahrscheinlich um eine Autoimmunerkrankung, die den Körper veranlasst, die eigenen Haarfollikel anzugreifen und letztendlich vollständig zu zerstören. Im fortgeschrittenen Stadium verursacht dies letztendlich die Haarlosigkeit am ganzen Körper. Tatsächlich tritt Alopecia universalis häufiger auf, wenn auch schon vorherige Generationen von der Erkrankung betroffen waren. Man geht deshalb aktuell von einer Kombination aus genetischer Prädisposition und Umweltfaktoren aus, die den Krankheitszustand hervorrufen.

Ursachen und Behandlung

Die Ursachen für Alopecia totalis sind nicht vollständig geklärt und rufen bis heute auch bei Medizinern große Fragezeichen hervor.

Für viele ist dies die alles entscheidende Frage bei Alopecia totalis: Wachsen Haare wieder oder können Sie irgendetwas tun, um das Haarwachstum wieder anzuregen? Die Antwort ist leider ernüchternd, denn bisher gilt die Krankheit als nicht heilbar bzw. es ist kein Mittel bekannt, dass das Haarwachstum wieder anregen kann, wenn die Haarlosigkeit am ganzen Körper bereits aufgetreten ist. Das hängt in erster Linie damit zusammen, dass die Ursache meist nicht geklärt werden kann.

Obwohl der totale Haarausfall normalerweise kein Zeichen für einen kritischen Gesundheitszustand ist, kann es äußerst schwierig sein, emotional mit der Diagnose fertig zu werden.

Psychische Auswirkungen und Umgang mit Alopecia Totalis

Da die Erkrankung Alopecia totalis häufig zu einem vollständigen Haarausfall am ganzen Körper führt, kann dies eine niederschmetternde Diagnose für Betroffene sein, die zu Isolations- und Angstgefühlen führen kann. Patienten mit Alopecia totalis berichten oft, dass sie sich deprimiert und ängstlich fühlen. Sie können sich auch unsicher und isoliert fühlen, da sie ihren Zustand nur schwer verbergen können. Dies kann zu sozialem Rückzug und Funktionsstörungen im Alltag führen.

Neben den körperlichen Auswirkungen der Alopecia totalis durch die fehlende Schutzfunktion, die normalerweise von Augenbrauen, Wimpern und anderen Körperhaaren geschaffen wird, kann die Erkrankung somit auch erhebliche Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben.

Bei der schwerwiegenden Diagnose Alopezia totalis ist guter Rat teuer, denn ein Heilmittel wurde bisher nicht gefunden. Für Betroffene ist es deshalb besonders wichtig, einen Umgang mit der Erkrankung zu finden, der ihnen weiterhin eine hohe Lebensqualität ermöglicht. Heutzutage bestehen einige Möglichkeiten von hochwertigen Perücken bis zu einer Haartransplantation, bei der gesunde Haarfollikel (wenn noch vorhanden) aus einem anderen Bereich des Körpers entnommen und auf den kahlen Bereich der Kopfhaut verpflanzt werden.

Weitere Formen von Haarausfall

Neben den oben genannten Formen gibt es noch weitere Arten von Haarausfall, wie z.B.:

  • Androgenetische Alopezie: Die häufigste Form, die erblich bedingt ist und Männer und Frauen betrifft.
  • Diffuser Haarausfall: Kann durch verschiedene Faktoren wie Stress, Medikamente oder Mangelernährung ausgelöst werden.
  • Vernarbender Haarausfall: Führt zur Zerstörung der Haarfollikel und damit zu dauerhaftem Haarausfall.

Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Alopecia totalis eine seltene Krankheit ist, die einen Haarausfall am ganzen Körper zur Folge hat und damit oft große (emotionale) Leiden verursacht. Es gibt keine bekannte Heilung für diese Krankheit.

Alopezie-Typ Beschreibung Häufigkeit
Alopecia Areata Kreisrunder Haarausfall Häufig
Alopecia Totalis Vollständiger Verlust der Kopfbehaarung Selten
Alopecia Universalis Vollständiger Verlust der Körperbehaarung Selten
Androgenetische Alopezie Erbblich bedingter Haarausfall Sehr häufig

tags: #haarausfall #ursachen #krankheit #alopecia

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