Haarausfall bei Brustkrebs: Ursachen und Behandlung

Haarausfall ist eine häufige und oft belastende Nebenwirkung von Krebsbehandlungen, insbesondere bei Brustkrebs. Viele Menschen fürchten sich vor dem Haarausfall, obwohl andere Nebenwirkungen gesundheitlich oft gravierender sind. Hier erfahren Sie mehr über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Haarausfall im Zusammenhang mit Brustkrebs.

Ursachen von Haarausfall bei Brustkrebs

Haarausfall kann durch verschiedene Krebstherapien verursacht werden. Hier sind die häufigsten Ursachen:

Chemotherapie

Vor allem bei Therapien mit zytostatischen Medikamenten kommt es zu Haarausfall. Zytostatika sind Medikamente, die die Zellteilung und das Zellwachstum stoppen. Sie richten sich vor allem gegen sich schnell teilende Zellen, zu denen auch die Zellen der Haarwurzeln gehören. Um sich zu schützen, stoßen die Haarwurzeln die Haare ab und gehen in eine verlängerte Ruhephase. Nicht jede Chemotherapie verursacht Haarausfall, und das Ausmaß kann variieren. Der Haarausfall ist abhängig von den verwendeten Medikamenten.

  • Wie Chemotherapeutika wirken: Eine Chemotherapie wirkt im ganzen Körper und greift alle Zellen an, die sich schnell teilen. Neben dem gewünschten Ziel, den Krebszellen, fallen dieser Wirkung auch andere sich schnell teilende Zellen zum Opfer, wie zum Beispiel die Haarwurzelzellen. Das lässt sich nicht vermeiden, wenn eine Chemotherapie eingesetzt wird.
  • Anagenes Effluvium: Bei Haarausfall durch Chemotherapie handelt es sich um ein anagenes Effluvium, d.h. die Haare fallen in der Wachstumsphase aus. Im Gegensatz dazu steht das telogene Effluvium, bei dem die Haare vorzeitig in die Ruhephase eintreten.
  • Betroffene Bereiche: Die allermeisten Patienten, die von einem Haarverlust unter Chemotherapie betroffen sind, verlieren ihr Kopfhaar bis zur Glatze. Grundsätzlich können aber alle Körperhaare betroffen sein. Auch Barthaare, Augenbrauen und Wimpern können ausfallen.
  • Beginn und Verlauf: Klassischerweise beginnt der Haarausfall im Rahmen einer Chemotherapie nach etwa zwei bis vier Wochen. Auch für Außenstehende sichtbar wird der Haarverlust in der Regel erst, wenn mindestens die Hälfte aller Kopfhaare ausgefallen sind. Die Haare können einzeln oder büschelweise ausfallen.

Strahlentherapie

Auch bei anderen Krebstherapien wie zielgerichteten Therapien, Immuntherapie und Strahlentherapie können die Haare ausfallen. Bei der Bestrahlung wird sehr genau auf die Krebszellen gezielt. Wenn Kopf- oder Körperbehaarung im Strahlengang liegt, kann es passieren, dass die Haare dort ausfallen. Im Gegensatz zu einer Chemotherapie fallen sie jedoch nur an diesem Ort aus und nicht überall. Haarausfall ist seltener als bei Chemotherapien und hängt vor allem von der individuellen Veranlagung des Patienten und der Strahlendosis ab. Nach Therapieende erholen sich die Haarwurzeln normalerweise wieder und das Haar kann langsam nachwachsen.

  • Wirkungsweise: Dabei wird das Krebsgewebe zielgerichtet ionisierender Strahlung ausgesetzt. Ionisierende Strahlung schädigt die DNA und damit das Erbgut der Krebszellen. Damit wird ihre Teilungsrate verringert und die Zellen zum Absterben gebracht.
  • Arten der Bestrahlung: Klassischerweise wird die Bestrahlung von außen mit bestimmten Formen von Röntgenstrahlung durchgeführt. Im Gegensatz dazu wird bei der sogenannten Brachytherapie die Strahlenquelle direkt im oder unmittelbar neben dem Krebsgewebe platziert.
  • Voraussetzungen: Voraussetzung für eine Strahlentherapie ist, dass der Tumor strahlensensibel ist, also besonders empfindlich gegenüber ionisierender Strahlung.

Hormontherapie

Das Wachstum mancher Tumore wird durch Hormone, körpereigene Signaleiweiße, beschleunigt. Dazu gehören vor allem bestimmte gynäkologische Tumore wie einige Arten von Brustkrebs, Gebärmutterkrebs oder Eierstockkrebs. Ein Hormonentzug kann deshalb zu sexuellen Störungen führen, aber auch Nebenwirkungen wie Haarausfall haben. Zum Beispiel kann es bei Frauen zu ähnlichen Symptomen wie beim Beginn der Wechseljahre kommen und es kann ein diffuser Haarverlust auftreten, der jedoch meist nicht bis zur Glatze führt.

Hormontherapie

Zielgerichtete Therapien und Immuntherapie

Bei den zielgerichteten Therapien, auch "targeted therapies" genannt, richtet sich die Therapie gegen bestimmte biologische Merkmale des Tumors und greift so in dessen Wachstumsverhalten ein. Da die Zielstrukturen der Medikamente jedoch auch in gesunden Zellen vorkommen, hat die Therapie Nebenwirkungen. Es kann zu diffusem Haarausfall oder Haarbruch kommen, der Tage bis Monate nach dem Therapiebeginn einsetzt. Er ist jedoch sehr viel seltener als bei einer Chemotherapie. Als Nebenwirkung kann es passieren, dass die Haare dünner werden oder fleckförmig ausfallen. Dies kommt jedoch sehr selten vor. Der Grund für den Haarverlust unter dieser Therapieform ist noch nicht abschließend geklärt.

Neuer Haarwuchs nach der Chemotherapie - was kann ich tun? (Tipps von Ärztin)

Behandlung und Umgang mit Haarausfall

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Haarausfall während und nach der Brustkrebsbehandlung zu bewältigen:

Kühlhauben

Mit Kühlhauben kann man das Ausfallen von Haaren vermindern, aber nicht vollständig verhindern. Die Kopfhaut wird gekühlt, während das Medikament verabreicht wird. Das Prinzip: durch Kühlen der Kopfhaut wird die Durchblutung vermindert. Die Blutgefäße werden enger und es gelangt weniger Krebsmedikament an die Kopfhaut. Insgesamt sind Kühlhauben gut verträglich und haben als häufigste Nebenwirkung Kopfschmerzen.

Eine immer wieder diskutierte Option ist der Einsatz von Kühlhauben zur Chemotherapie. Dabei werden während der Infusion der Krebsmedikamente, oft kurz vorher beginnend und bis zu anderthalb Stunden danach, Kühlkappen auf den Kopf gesetzt. Sie sehen ähnlich aus wie ein Fahrradhelm und enthalten gelgefüllte Kühlpads. Vor der Verwendung werden die Hauben eingefroren und müssen zwischendurch eventuell gegen eine neue Haube ausgetauscht werden. Ziel des Ganzen ist es, dass durch die Kühlung der Stoffwechsel in den Haarwurzelzellen verlangsamt wird. Außerdem verengen sich die Blutgefäße in der Kopfhaut.

Weitere Maßnahmen

  • Kurzhaarfrisur: Wer lange Haare hat, kann sich zum Beispiel schon vor Beginn der Chemotherapie eine Kurzhaarfrisur schneiden lassen. Setzt der Haarausfall dann ein, wirken ausgefallene Haarbüschel weniger groß und beängstigend.
  • Haare abrasieren: Sich die Haare selbst abzurasieren, bewahrt vor dem Gefühl des dauernden Haarverlusts - und davor, immer wieder Haare zum Beispiel aus dem Bett, von der Kleidung oder im Bad entfernen zu müssen.
  • Kopfbedeckungen und Perücken: Um die kahle Kopfhaut zu bedecken, eignen sich Mützen, Tücher, Kappen oder Perücken aus Kunst- oder Echthaar. Aus Echthaar geknüpfte Perücken lassen sich so schneiden wie die frühere Frisur und wirken sehr natürlich. Sie sind allerdings teurer als Kunsthaarperücken.
  • Make-up: Ausgefallene Wimpern und Brauen können durch künstliche Wimpern und Make-up ersetzt werden. Wer sich vorher nicht selbst geschminkt hat, kann sich in einer Vielzahl von Videos im Internet Tipps und Anregungen holen, manche Kliniken und Selbsthilfe-Organisationen bieten auch spezielle Kurse an.
  • Austausch und Unterstützung: Eine Möglichkeit ist auch, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen oder bei einer Psychoonkologin oder einem Psychoonkologen Unterstützung zu suchen und über die Sorgen und Ängste zu sprechen, die mit dem Haarausfall zusammenhängen.

Pflege nach der Therapie

Bis die Haare wieder komplett nachgewachsen sind, pflegt man sie am besten sehr schonend. Man kann den Kopf mit Wasser und einem milden Shampoo oder Seife waschen und mit einer Creme pflegen. Achten Sie darauf, besonders bei Kälte die Haut mit einer Mütze oder einem Tuch zu schützen. Auch eine gesunde Ernährung ist wichtig.

PRP-Therapie

Eine Möglichkeit, die Haarwurzeln zu stärken ist auch, eine PRP-Therapie beim Haarexperten durchführen zu lassen. PRP steht für Platelet Rich Plasma oder plättchenreiches Plasma. Bei dieser Eigenbluttherapie wird dem Patienten eine kleine Menge Blut entnommen und auf spezielle Art aufbereitet. Danach wird es in die Kopfhaut gespritzt. Dort kann es durch seine Nährstoffe und Wachstumsfaktoren das Haarwachstum stimulieren.

Medikamentöse Behandlung

Ein Wirkstoff, der zur Wirkstoffgruppe der Diuretika, also harntreibenden Mittel, gehört und gleichzeitig Haarausfall vorbeugt und deshalb gern begleitend zur Chemotherapie eingesetzt wird, erhöht offenbar nicht das Risiko für einen Rückfall bei Brustkrebs. Das kaliumsparende Diuretikum hat auch eine antiandrogene Wirkung, weshalb es gern zur Vorbeugung des therapiebedingten Haarausfalls bei Brustkrebs eingesetzt wird. Gleichzeitig befürchteten Wissen­schaftler jedoch, dass das Mittel wegen seiner hormonartigen Wirkung einen Rückfall bei der Erkrankung begünstigen könnte. Dennoch könne nach dieser Untersuchung davon ausgegangen werden, dass das Diuretikum nicht zu einem erhöhten Rückfallrisiko bei Brustkrebs führe und hinsichtlich dieses Punktes bedenkenlos zur Behandlung von Haarausfall eingesetzt werden könne.

Zusammenfassung

Haarausfall bei Brustkrebs ist eine häufige Nebenwirkung, die jedoch mit verschiedenen Methoden behandelt und bewältigt werden kann. Es ist wichtig, sich frühzeitig zu informieren und Unterstützung zu suchen, um die psychische Belastung zu minimieren.

Therapie Häufigkeit des Haarausfalls Maßnahmen
Chemotherapie Sehr häufig Kühlhauben, Perücken, Kopfbedeckungen, Kurzhaarfrisur
Strahlentherapie Seltener Schonende Haarpflege, Kopfbedeckungen
Hormontherapie Gelegentlich Volumenaufbauende Produkte, Perücken
Zielgerichtete Therapie Selten Haarwachstumsfördernde Mittel

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