Haarausfall ist eine häufige und oft belastende Nebenwirkung von Krebsbehandlungen, insbesondere bei Brustkrebs. Viele Menschen fürchten sich vor dem Haarausfall, obwohl andere Nebenwirkungen gesundheitlich oft gravierender sind. Hier erfahren Sie mehr über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Haarausfall im Zusammenhang mit Brustkrebs.
Haarausfall kann durch verschiedene Krebstherapien verursacht werden. Hier sind die häufigsten Ursachen:
Vor allem bei Therapien mit zytostatischen Medikamenten kommt es zu Haarausfall. Zytostatika sind Medikamente, die die Zellteilung und das Zellwachstum stoppen. Sie richten sich vor allem gegen sich schnell teilende Zellen, zu denen auch die Zellen der Haarwurzeln gehören. Um sich zu schützen, stoßen die Haarwurzeln die Haare ab und gehen in eine verlängerte Ruhephase. Nicht jede Chemotherapie verursacht Haarausfall, und das Ausmaß kann variieren. Der Haarausfall ist abhängig von den verwendeten Medikamenten.
Auch bei anderen Krebstherapien wie zielgerichteten Therapien, Immuntherapie und Strahlentherapie können die Haare ausfallen. Bei der Bestrahlung wird sehr genau auf die Krebszellen gezielt. Wenn Kopf- oder Körperbehaarung im Strahlengang liegt, kann es passieren, dass die Haare dort ausfallen. Im Gegensatz zu einer Chemotherapie fallen sie jedoch nur an diesem Ort aus und nicht überall. Haarausfall ist seltener als bei Chemotherapien und hängt vor allem von der individuellen Veranlagung des Patienten und der Strahlendosis ab. Nach Therapieende erholen sich die Haarwurzeln normalerweise wieder und das Haar kann langsam nachwachsen.
Das Wachstum mancher Tumore wird durch Hormone, körpereigene Signaleiweiße, beschleunigt. Dazu gehören vor allem bestimmte gynäkologische Tumore wie einige Arten von Brustkrebs, Gebärmutterkrebs oder Eierstockkrebs. Ein Hormonentzug kann deshalb zu sexuellen Störungen führen, aber auch Nebenwirkungen wie Haarausfall haben. Zum Beispiel kann es bei Frauen zu ähnlichen Symptomen wie beim Beginn der Wechseljahre kommen und es kann ein diffuser Haarverlust auftreten, der jedoch meist nicht bis zur Glatze führt.
Hormontherapie
Bei den zielgerichteten Therapien, auch "targeted therapies" genannt, richtet sich die Therapie gegen bestimmte biologische Merkmale des Tumors und greift so in dessen Wachstumsverhalten ein. Da die Zielstrukturen der Medikamente jedoch auch in gesunden Zellen vorkommen, hat die Therapie Nebenwirkungen. Es kann zu diffusem Haarausfall oder Haarbruch kommen, der Tage bis Monate nach dem Therapiebeginn einsetzt. Er ist jedoch sehr viel seltener als bei einer Chemotherapie. Als Nebenwirkung kann es passieren, dass die Haare dünner werden oder fleckförmig ausfallen. Dies kommt jedoch sehr selten vor. Der Grund für den Haarverlust unter dieser Therapieform ist noch nicht abschließend geklärt.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Haarausfall während und nach der Brustkrebsbehandlung zu bewältigen:
Mit Kühlhauben kann man das Ausfallen von Haaren vermindern, aber nicht vollständig verhindern. Die Kopfhaut wird gekühlt, während das Medikament verabreicht wird. Das Prinzip: durch Kühlen der Kopfhaut wird die Durchblutung vermindert. Die Blutgefäße werden enger und es gelangt weniger Krebsmedikament an die Kopfhaut. Insgesamt sind Kühlhauben gut verträglich und haben als häufigste Nebenwirkung Kopfschmerzen.
Eine immer wieder diskutierte Option ist der Einsatz von Kühlhauben zur Chemotherapie. Dabei werden während der Infusion der Krebsmedikamente, oft kurz vorher beginnend und bis zu anderthalb Stunden danach, Kühlkappen auf den Kopf gesetzt. Sie sehen ähnlich aus wie ein Fahrradhelm und enthalten gelgefüllte Kühlpads. Vor der Verwendung werden die Hauben eingefroren und müssen zwischendurch eventuell gegen eine neue Haube ausgetauscht werden. Ziel des Ganzen ist es, dass durch die Kühlung der Stoffwechsel in den Haarwurzelzellen verlangsamt wird. Außerdem verengen sich die Blutgefäße in der Kopfhaut.
Bis die Haare wieder komplett nachgewachsen sind, pflegt man sie am besten sehr schonend. Man kann den Kopf mit Wasser und einem milden Shampoo oder Seife waschen und mit einer Creme pflegen. Achten Sie darauf, besonders bei Kälte die Haut mit einer Mütze oder einem Tuch zu schützen. Auch eine gesunde Ernährung ist wichtig.
Eine Möglichkeit, die Haarwurzeln zu stärken ist auch, eine PRP-Therapie beim Haarexperten durchführen zu lassen. PRP steht für Platelet Rich Plasma oder plättchenreiches Plasma. Bei dieser Eigenbluttherapie wird dem Patienten eine kleine Menge Blut entnommen und auf spezielle Art aufbereitet. Danach wird es in die Kopfhaut gespritzt. Dort kann es durch seine Nährstoffe und Wachstumsfaktoren das Haarwachstum stimulieren.
Ein Wirkstoff, der zur Wirkstoffgruppe der Diuretika, also harntreibenden Mittel, gehört und gleichzeitig Haarausfall vorbeugt und deshalb gern begleitend zur Chemotherapie eingesetzt wird, erhöht offenbar nicht das Risiko für einen Rückfall bei Brustkrebs. Das kaliumsparende Diuretikum hat auch eine antiandrogene Wirkung, weshalb es gern zur Vorbeugung des therapiebedingten Haarausfalls bei Brustkrebs eingesetzt wird. Gleichzeitig befürchteten Wissenschaftler jedoch, dass das Mittel wegen seiner hormonartigen Wirkung einen Rückfall bei der Erkrankung begünstigen könnte. Dennoch könne nach dieser Untersuchung davon ausgegangen werden, dass das Diuretikum nicht zu einem erhöhten Rückfallrisiko bei Brustkrebs führe und hinsichtlich dieses Punktes bedenkenlos zur Behandlung von Haarausfall eingesetzt werden könne.
Haarausfall bei Brustkrebs ist eine häufige Nebenwirkung, die jedoch mit verschiedenen Methoden behandelt und bewältigt werden kann. Es ist wichtig, sich frühzeitig zu informieren und Unterstützung zu suchen, um die psychische Belastung zu minimieren.
| Therapie | Häufigkeit des Haarausfalls | Maßnahmen |
|---|---|---|
| Chemotherapie | Sehr häufig | Kühlhauben, Perücken, Kopfbedeckungen, Kurzhaarfrisur |
| Strahlentherapie | Seltener | Schonende Haarpflege, Kopfbedeckungen |
| Hormontherapie | Gelegentlich | Volumenaufbauende Produkte, Perücken |
| Zielgerichtete Therapie | Selten | Haarwachstumsfördernde Mittel |
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