Haarausfall Ursachen: Was tun bei 300 Haaren täglich?

Viele Menschen leiden unter Haarausfall, und es ist wichtig, die Ursachen zu verstehen, um die richtigen Maßnahmen ergreifen zu können. Der deutsche Begriff Haarausfall kann sowohl verstärkten täglichen Haarwechsel (Effluvium) meinen, als auch die sichtbare Haarlosigkeit (Alopezie).

Im Folgenden werden die verschiedenen Aspekte des Haarausfalls beleuchtet, von den Ursachen über die Diagnose bis hin zu den Behandlungsmöglichkeiten.

Haarausfall bei Frauen: Welche Medikamente und Behandlungen helfen? | ARD GESUND

Normaler Haarausfall - Was gilt als "normal"?

Jeder Mensch verliert täglich Haare, egal ob Mann oder Frau. Das ist ganz normal. Bei gesunden Erwachsenen liegt der tägliche Haarverlust im Durchschnitt bei 20 bis 80 Haaren pro Tag - vorausgesetzt, es wird täglich gewaschen.

Je seltener das Haar gewaschen wird, desto höher kann die Zahl an ausgefallenen Haaren an Waschtagen sein - ohne dass dies krankhaft sein muss:

  • Bei Haarwäsche alle zwei Tage können 40-160 Haare ausfallen.
  • Bei Haarwäsche alle drei Tage ist ein Verlust von mehreren Hundert Haaren am Waschtag physiologisch völlig unauffällig.
  • Wer nur einmal pro Woche wäscht, kann problemlos 400-500 Haare an diesem Tag verlieren - das ist kein Grund zur Besorgnis.

Denn: Die meisten Haare verlieren wir beim Waschen und Kämmen, nicht in Ruhephasen. Auch zyklusabhängige Schwankungen sind bei Frauen völlig normal - etwa nach dem Eisprung oder kurz vor der Menstruation.

Wann muss ich zum Arzt?

Am häufigsten ist der altersbedingte Haarausfall, der vor allem Männer oft schon in jungen Jahren betrifft. Bei diesem Haarausfall ist es nicht notwendig, zum Arzt zu gehen, da es keine wirksame Behandlungsmöglichkeit gibt.

Einen Arzt aufsuchen sollte man, wenn:

  • die Haare plötzlich in großer Zahl („büschelweise“) ausfallen
  • dies durch Jucken der Kopfhaut begleitet wird
  • deutlich abgegrenzte kahle Stellen am Kopf, im Bart oder den Augenbrauen entstehen

Ursachen für Haarausfall

Die Ursachen für Haarausfall sind vielfältig. Hier sind einige der häufigsten:

Androgenetische Alopezie

Die androgenetische Alopezie, auch anlagebedingter oder männlicher Haarausfall genannt, ist die häufigste Form des Haarausfalls. In etwa 95 Prozent der Fälle ist er auf diese Form zurückzuführen.

Die Dermatologie geht davon aus, dass die Ursache eine genetisch bedingte Übersensitivität auf ein bestimmtes männliches Hormon (5alpha-Dihydrotestosteron) ist.

Da das Hormon in geringen Mengen auch bei Frauen vorkommt, können sie ebenfalls von dieser Form betroffen sein. Allerdings in einer unterschiedlichen Ausprägung: Während die androgenetische Alopezie bei Frauen zu lichterem Haar führt, wird sie bei Männern zunächst durch „Geheimratsecken“ sichtbar und kann zu einer vollständigen Glatze führen.

Diffuser Haarausfall

Wenn das Haar über den Schopf verteilt immer dünner wird, liegt ein diffuser Haarausfall vor. Die Ursachen können ganz unterschiedliche sein:

  • äußere Faktoren, wie zu viel Stress oder Schlafmangel
  • Vitaminmangel
  • Einnahme von Medikamenten
  • Röntgenstrahlen
  • Infektionen
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Hormonschwankungen, beispielsweise nach dem Absetzen der Pille sowie während und nach einer Schwangerschaft

Kreisrunder Haarausfall

Der kreisrunde Haarausfall (Alopecia areata) beginnt meist mit einzelnen kahlen Stellen am Kopf, die sich schnell ausbreiten. Bei schweren Fällen ist die gesamte Körperbehaarung betroffen und die Haare fallen komplett aus.

Als Grund für einen kreisrunden Haarausfall wird ein fehlerhaftes Immunsystem vermutet: Körpereigene Abwehrzellen greifen in dem Fall die Zellen der Haarwurzeln an.

Reaktiver Haarausfall

Der wissenschaftliche Name für reaktionären oder gelegentlichen Haarausfall ist „akutes Telogen Effluvium“. Dies ist die häufigste Form des Haarausfalls bei Frauen. Sie ist gekennzeichnet durch das Auftreten von vermehrtem Haarausfall in der Telogenphase, 2 bis 3 Monate nach dem Auftreten eines auslösenden Ereignisses.

Die häufigsten Ursachen für reaktionären Haarausfall sind:

  • hormonelle Störungen, insbesondere nach einer Geburt
  • Stress
  • Müdigkeit
  • eine unausgewogene Ernährung
  • eine Infektion mit Fieber
  • saisonale Veränderungen im Herbst und im Frühjahr

Diagnose von Haarausfall

Eine adäquate ärztliche Untersuchung beim Symptom Haarausfall umfasst folgende Aspekte:

  • Anamnese (Fieber, Medikamente, Heparingabe?)
  • Klinische Inspektion (Alopezie? Entzündung?)
  • Klinischer Zugtest (Haare vermehrt und leicht ausziehbar?)
  • Trichodermatoskopie (Inspektion der Haare und Kopfhaut mit Dermatoskop)
  • Trichogramm (mikroskopische Haarwurzelanalyse)
  • Blutuntersuchungen (je nach Konstellation, nicht obligat)

Behandlung von Haarausfall

Die beste Therapie ist die, die gezielt auf die auslösende Ursache wirkt. Deshalb ist die ausgedehnte, weitreichende Diagnostik Grundlage einer erfolgreichen Behandlung von Haarwuchsstörungen.

Grundsätzlich ziehen wir eine Lokalbehandlung von außen aufgrund der geringeren Nebenwirkungen einer Tablettentherapie vor.

Behandlung der androgenetischen Alopezie

Zur Behandlung der androgenetischen Alopezie des Mannes gibt es nur zwei Wirkstoffe, die sich in gut kontrollierten, wissenschaftlichen Studien bewiesen haben: Die Finasterid 1 mg Tablette (Propecia® und Generika) und die 5-prozentige Minoxidil-Lösung (Regaine® 5% Männer, Alopexy®) bzw. der 5-prozentige Minoxidil-Schaum (Regaine® Männer Schaum).

Die insgesamt wirksamste Substanz gegen die androgenetische Alopezie der Frau ist die 2-prozentige Minoxidil-Lösung (Regaine® Frauen), wie zahlreiche, gut kontrollierte klinische Studien belegen.

Behandlung der Alopecia areata

Die Therapie der Alopecia areata ist sehr einfach bei kleinen, erst kurz bestehenden Arealen, und oft frustran bei längeren, ausgeprägten Verläufen. Im ersteren Fall kommt es sowieso meist zur Spontanremission (egal, was der Arzt macht), im zweiten Fall hilft oft nichts.

Aufgrund des Mangels evidenzbasiert wirksamer Medikamente geben wir gerne für etwa drei Monate Zink-Präparate, da sie möglicherweise positive immunmodulatorische Eigenschaften haben und in der Regel keine Nebenwirkungen hervorrufen.

Behandlung von Haarausfall bei Frauen

Bei Alopezie mit Hyperandrogenämie sind systemisch gegebene Antiandrogene wie z. B. Cyproteronacetat, Chlormadinonacetat oder Dienogest hilfreich.

Tipps zur Reduzierung von Haarausfall

Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie man den Haarausfall reduzieren kann:

  1. Vorsicht bei minderwertigen Bürsten: Beschaffen Sie sich lieber eine Bürste mit abgerundeten Borsten oder mit Naturborsten, die eine geringere Reibung und einen kleineren Verschleiß der Haare verursachen.
  2. Reduzieren Sie die Häufigkeit der Waschvorgänge: Versuchen Sie, die Haare nicht täglich zu waschen und benutzen Sie spezielle Pflege für dünnes Haar.
  3. Zu heißes Wasser beschädigt das Haar: Achten Sie auf die richtige Wassertemperatur bei der Haarwäsche. Das Wasser sollte weder zu heiß noch zu kalt sein.
  4. Schränken Sie das Styling ein: Jede Wärmebehandlung und Auftragung von Styling-Produkten schwächen das Haar.
  5. Reduzieren Sie das Färben der Haare: Achten Sie jedoch darauf, dass die Farben möglichst wenig aggressiv sind. Wählen Sie lieber eine der Profi-Farben, die eine sophistiziertere Technologie haben, oftmals auch kein Ammoniak enthalten und schonender für das Haar sind.
  6. Vorsicht auch beim zu häufigen Zusammenbinden der Haare: Versuchen Sie das Tragen von Haargummis zu reduzieren oder benutzen Sie lieber hochwertige Gummis, die speziell gestaltet sind, um das Haar nicht zu verletzen.
  7. Ergänzen Sie Proteine, Eisen und Vitamin B: Um das Haarwachstum wiederherzustellen, sind Proteine, Eisen und Lebensmittel mit Vitamin B von Bedeutung.
  8. Entspannung und Kopfmassage: Der Haarausfall kann auch durch eine schlechte Lebensweise (wenig Schlaf, Rauchen, Alkoholverzehr) gefördert werden.

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