Die Geschichte von Haar und Kamm ist eng mit der Entwicklung der Schönheitsideale und der Körperpflege verbunden. Von den Germanen bis zur Moderne spiegeln sich in der Haartracht und den dazugehörigen Werkzeugen kulturelle Werte und gesellschaftliche Veränderungen wider.
Historischer Kamm aus Hirschhorn.
Schon antike Geschichtsschreiber wie Tacitus berichten über den Schönheitskult der Germanen. Schönheit war nicht allein den Römern vorbehalten. Auch die Germanen legten großen Wert auf ihre Pflege, ihre Kleidung, ihren Schmuck und ihre Haartracht. Ein besonderes Augenmerk legten die germanischen Völker auf ihre Haartracht.
Das Haar wurde stets gekämmt und nachgeschnitten - zahlreiche Funde kunstvoll geschnitzter Kämme aus Tierknochen und Rasiermesser weisen darauf hin. Ebenso wichtig wie das Haupthaar war die Barttracht: Schon damals waren feine Schnurr- und Backenbärte in Mode. Auch die germanische Frau flocht ihr meist rötliches oder blondes Haar zu einem Zopf.
Die Zöpfe waren insbesondere bei den eher dunkelhaarigeren Römerinnen, die sich gerne mit außergewöhnlichen Perücken schmückten, begehrt und brachten gutes Geld ein. Denn „blond“ war für sie die Haarfarbe der Göttinnen. Allerdings schnitt keine germanische Frau ihren Zopf freiwillig ab: Lange Haare waren ein Zeichen der Freiheit - nur Sklavinnen wurden geschoren und ihre Zöpfe verkauft.
Die Sorgfalt, die die Germanen auf ihre Haare verwendeten, galt dem gesamten Körper. Die Germanen waren durchaus reinliche Menschen und keine zotteligen „Barbaren“. Archäologen fanden heraus, dass sie sich mit einer besonderen Seife wuschen: Ein Gemisch aus feingesiebter Asche von Buchenholz und Ziegentalg. Diese gräulich anmutende Mixtur ähnelt zwar in keiner Weise der Seife von heute, half aber trotzdem gut gegen den Schmutz.
Wichtig war nur, dass das Mischungsverhältnis aus Asche und Fett stimmte, um eine alkalische Substanz mit einem PH-Wert von 9 zu gewinnen. Den glänzenden Haaren entsprach ein weiterer Wunsch: Schon um Christi Geburt hatten Frauen offenbar das Bedürfnis, sich nicht nur zu reinigen, sondern auch ihre Schönheit zur Geltung zu bringen. Das Wort Schminke stammt aus dem Germanischen.
Ebenso wie die Römerinnen verstanden es auch die blonden Frauen jenseits des Limes, sich hübsch zu machen und Substanzen aus der Natur für die eigene Verschönerung zu nutzen. Beispielweise färbten sie ihre Wangen und Lippen mit zerriebenem Eisenoxid rot. Auch wenn es verwunderlich scheint: Selbst in der Antike waren nicht alle Substanzen „bio“ und der Gesundheit nicht immer zuträglich.
Die große Anzahl an Schmuckstücken, die Archäologen in germanischen Siedlungen und in Gräberfeldern freigelegt haben, zeigt den hohen Stellenwert, den diese bei den germanischen Völkern innehatten. Gewandspangen, Gürtelfibeln, Glasperlen, Ringe, Ketten und geschmückte Waffen der Germanen sind in vielen Museen zu bestaunen.
Manche Schmuckstücke wie Gewandspangen und Gürtelverschlüsse waren für die tägliche Kleidung unabdingbar, andere, wie Halsketten, Ringe und reich verzierte Waffen trugen die Menschen eher an Fest-tagen. Schmuck galt schon damals ein Zeichen der jeweiligen sozialen Stellung und des persönlichen Reichtums. Viele Schmuckstücke waren nicht aus Gold oder Silber, sondern aus Metall gefertigt, das die Germanen vor allem aus geschmolzenen Münzen gewannen.
Besonders wichtig war ihnen die Verzierung, für die man viele Techniken kannte wie etwa das Feuervergolden oder die Filigranarbeit. Häufig wurden auch Halbedelsteine verwendet. Ebenso wie die Bärenfälle, die die Germanen angeblich trugen.
Hartnäckig hält sich dieses Klischee: Schon Caesar schrieb in seinem vierten Buch über die Gallischen Kriege, speziell über den germanischen Stamm der Sueben: „Obwohl die Gegend dort überaus kalt ist, haben sie sich angewöhnt, in den Flüssen zu baden und nichts außer Fellen als Kleidung zu tragen. Da diese sehr kurz sind, bleibt der größte Teil des Körpers nackt.“ Dass das nicht so ganz stimmen kann, ist schon allein den damaligen klimatischen Bedingungen geschuldet.
Etwas realistischer als Cäsar beschreibt es der Geschichtsschreiber Tacitus, etwas 150 Jahre später. Er nennt als typische Kleidungsstücke der Germanen Mantel, Umhang, Kittel und Hose. Obwohl es für die Archäologen extrem schwierig ist, nach so langer Zeit, noch verlässliche Textilquellen zu finden, macht die moderne Technik doch vieles möglich.
Tacitus‘ Aussage deckt sich weitgehend mit den heutigen Ergebnissen, die Forscher beispielsweise an Funden von Moorleichen festgemacht haben. Allerdings war ein Mantel, kein Mantel nach heutigem Verständnis, sondern ein rechteckiges Tuch, das von einer Gewandspange zusammengehalten wurde. Die Frauen besaßen ähnliche Kleidung: In der Regel trugen sie ein langes, hemdartiges Gewand, das die Arme freiließ und mit zwei Gewandspangen auf den Schultern befestigt wurde.
Da die Germanen Selbstversorger waren, stand in beinahe jedem Haus ein Webrahmen. Oft bauten sie neben ihren großen Wohnstallhäusern ein so genanntes Grubenhaus, in dem sie aus Wolle und Leinen Mäntel und Tücher webten. Zusammengehalten wurden die Umhänge mit Gewandspangen, die wie Sicherheitsnadeln funktionierten. Diese Fibeln fanden Archäologen in den Gräbern der Verstorbenen.
Paarige Fibeln aus Frauengräbern weisen darauf hin, dass die Kleider an den Schultern befestigt wurden. Forscher haben bei Ausgrabungen auch die so typischen Webgewichte gefunden. Diese Gewichte, meist schwere Keramikringe, wurden an die Enden der Fäden gebunden, damit diese straff blieben.
Für die Arbeit am Webstuhl kam in der Antike ein spezielles Werkzeug zum Einsatz: das Webschwert. Verschiedene Methoden, wie die Computertomographie ermöglichen es den Archäologen heute, organische Reste wie Holz, Fell und Stoff zu analysieren und so Rückschlüsse auf die Materialien zu gewinnen, die die Germanen damals nutzen. So stellten Textilarchäologen fest, dass die Germanen für ihre Kleidung meist Schafwoll- und Leinengarne verwendeten. Diese färbten sie nicht mit Indigo-Blau, sondern mit heimischen Pflanzen.
Der Beruf des Friseurs, wie wir ihn heute verstehen, entstand erst gegen 1900. In der frühen Neuzeit war das Bart- und Haareschneiden Aufgabe der Bader, die ihre Badstuben in Städten und größeren Ortschaften betrieben. Neben dem Baden und Rasieren führten sie auch sogenannte niedere chirurgische Eingriffe wie das Zähneziehen durch. Im 19. Jahrhundert wurden dann allmählich die medizinischen Aspekte von der Körperpflege getrennt.
1871 wurde in Berlin der Bund deutscher Barbiere, Friseure und Perückenmacher gegründet. In diese Zeit fallen die Anfänge des Friseurladens von Nikolaus Spielmann. Während sich das Mobiliar seit den 1920er-Jahren dort kaum veränderte, machten die Arbeitsgeräte des Friseurs eine rasante Entwicklung durch. In der Anfangsphase waren die wichtigsten Handwerkszeuge Rasiermesser und Schere.
Das Rasieren war im ländlichen Raum ursprünglich die wichtigste Arbeit des Friseurs. Bis um 1900 wurden die Haare nur mit Kamm und Schere geschnitten. Dann kam die Handschneidemaschine auf, mit der das Haar effiliert, also ausgedünnt werden konnte. Damit wurden mechanisierte Kurzhaarschnitte möglich. Die ersten elektrischen Geräte setzten sich in den 1930er-Jahren durch. In dieser Zeit entwickelte sich auch das Friseurgeschäft für Frauen, der Damensalon, auf dem Land.
Die Arbeit in der Landwirtschaft machte den Frauen ursprünglich eine kunstvolle Gestaltung der Frisur unmöglich. Man trug als junges Mädchen Zöpfe, später wurde das lange Haar zu einem Knoten zusammengebunden. Dies war praktisch, unter anderem weil das Haar so weniger schnell schmutzig wurde. Seit den 1930er-Jahren wurde die städtische Kurzhaarmode besonders von den jungen Frauen auf dem Land übernommen, anfangs mit dem Bubikopf, später mit der Dauerwelle.
Auf dem Land setzten sich neue Methoden manchmal erst lange nach ihrer Erfindung durch. Im Obergeschoss können sich Besucher über die neuere Geschichte des Friseurhandwerks informieren.
Im einstigen Lehrerwohnhaus aus Idstein ist heute ein historischer Friseurladen aus Steinau an der Straße untergebracht. Die Raumaufteilung dieses Friseurladens ist mit der des Gebäudes aus Idstein fast identisch. Die meisten Einrichtungsgegenstände stammen aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Das älteste Möbelstück aus der Zeit der Jahrhundertwende ist ein Haarwaschbecken, das rechts vom Frisiertisch steht.
Der Friseurladen wurde 1890 von Nikolaus Spielmann begründet. Er ging nach seiner Friseurlehre auf Wanderschaft und kam dabei nach Paris, wo er für kurze Zeit arbeitete. Nach seiner Rückkehr legte er die Meisterprüfung ab und machte sich, als gerade Zwanzigjähriger, als Barbier und Herrenfriseur selbstständig.
Ein ländliches oder kleinstädtisches Friseurgeschäft war nur in den Abendstunden und an Sonntagen zu betreiben. Diese Arbeitszeiten ermöglichten es dem Friseur, eine Nebenerwerbslandwirtschaft aufrecht zu erhalten. Nikolaus Spielmann besaß drei bis vier Kühe, darunter zwei Fahrkühe, mit denen er seine Felder bewirtschaftete. In den ersten Jahren verfügte der Friseur wohl eher nicht über einen regelrechten Arbeitsraum.
Bärte und Haare wurden zunächst in der elterlichen Stube gestutzt. Erst nach und nach richtete er einen Geschäftsraum ein. Darauf weist auch die heute noch vorhandene Ladeneinrichtung hin, die nicht aus einem Guss ist. Der 1899 geborene Sohn von Nikolaus Spielmann, Heinrich, führte das Geschäft bis 1991 weiter.
Vom Spielmännje sind allerlei Anekdoten überliefert. Neu integriert in die Originaleinrichtung des Salons Spielmann wurden eine Hörstation, in der ein ehemaliger Stammgast von seinen Friseurbesuchen erzählt, und ein Filmausschnitt, den der Hessische Rundfunk 1988 mit Heinrich Spielmann und Mitgliedern des heutigen Bartklubs Gründau-Steinau gedreht hat.
Der zweite Teil der Dauerausstellung knüpft an die Hauptarbeit im Friseursalon Spielmann um 1900 an: das Rasieren und gelegentliche Haareschneiden. Wer es sich leisten konnte, kam täglich zum Rasieren, andere selten, zu besonderen Gelegenheiten oder gar nicht. Nach dem Ersten Weltkrieg brach das Rasiergeschäft langsam weg. Immer mehr Männer rasierten sich mit modernen Sicherheitsrasierern selbst.
In den 1950er-Jahren wurde viel Geld für die neumodischen Elektrotrockenrasierer ausgegeben. Als Ausgleich zum dramatischen Rückgang der professionellen Herrenrasur gewann das Damengeschäft immer mehr an Bedeutung. In der Dauerausstellung hat daher ein kleiner Damensalon aus Frankfurt Heddernheim Platz gefunden, der mit seiner bescheidenen Größe von sechs Quadratmetern bis vor wenigen Jahren seiner Betreiberin eine nebenberufliche Existenz sicherte.
| Epoche | Haarpflege | Werkzeuge | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Germanen | Regelmäßiges Kämmen, Waschen mit Ascheseife | Kämme aus Tierknochen, Rasiermesser | Lange Haare als Zeichen der Freiheit, Bartpflege |
| Frühe Neuzeit | Baden und Rasieren durch Bader | Rasiermesser, Zangen für Zahnextraktionen | Bader als medizinische Dienstleister |
| Um 1900 | Haarschnitte und Rasur im Friseursalon | Rasiermesser, Schere, Handschneidemaschine | Entstehung des modernen Friseurberufs |
| 20. Jahrhundert | Entwicklung des Damensalons, Kurzhaarfrisuren | Elektrische Haarschneidemaschinen, Dauerwellengeräte | Emanzipation der Frau im Spiegel der Frisur |
tags: #Haar #und #Kamm #Geschichte
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