Trommelfellverletzung: Ursachen, Symptome und Behandlung

Eine Trommelfellverletzung entsteht, wenn ein Riss (Ruptur) oder ein Loch (Perforation) im Trommelfell auftritt. Fachleute unterscheiden zwei Formen der Trommelfellverletzung: direkte und indirekte Verletzungen.

Das Trommelfell (hier blau) bildet die Grenze zwischen Außen- und Mittelohr. Der Druckausgleich zwischen Mittelohr und Umgebung funktionert normalerweise über die Ohrtrompete (Eustachische Röhre).

Ursachen einer Trommelfellverletzung

Nach dem Entstehungsmechanismus unterscheiden Fachleute zwei Formen der Trommelfellverletzung:

  1. Direkte Trommelfellverletzung: Das Trommelfell wird durch einen spitzen oder stumpfen Gegenstand gewaltsam verletzt. Hierzu zählen zum Beispiel Äste, die bei der Gartenarbeit versehentlich in den Gehörgang geraten. Manche Menschen stochern auch mit Haarnadeln, Wattestäbchen ("Ohrenstäbchen") oder Stiften im Ohr herum, zum Beispiel um Ohrenschmalz zu entfernen. HNO-Ärztinnen und -Ärzte warnen eindringlich davor. Wenn stärkere Gewalt im Spiel ist, können auch Schäden im Mittelohr entstehen - zum Beispiel eine Verletzung der Gehörknöchelchen. Womöglich wird sogar das Innenohr in Mitleidenschaft gezogen. Auch Verbrennungen und Verätzungen verursachen manchmal eine direkte Trommelfellverletzung. Verbrennungen des Trommelfells entstehen zum Beispiel bei (Über-Kopf-)Schweißarbeiten.
  2. Indirekte Trommelfellverletzung: Bei indirekten Trommelfellverletzungen spielt der äußere Druck - meistens der Luftdruck - eine entscheidende Rolle. Hinter dem Trommelfell, also im Mittelohr, befindet sich ein luftgefüllter Hohlraum, die Paukenhöhle. Wenn der Luftdruck in der Umgebung steigt oder fällt, passt sich der Druck in der Paukenhöhle normalerweise rasch an. Der Druckausgleich erfolgt über ein Verbindungskanälchen zwischen Mittelohr und Rachen - die sogenannte Tube oder "Ohrtrompete" (Eustachische Röhre). Dieser Ausgleichsmechanismus gerät jedoch manchmal an seine Grenzen: wenn der Umgebungsluftdruck sehr plötzlich und stark ansteigt oder fällt. Ein plötzlicher äußerer Überdruck entsteht beispielsweise bei einer Explosion in nächster Nähe, bei einer Ohrfeige mit der flachen Hand oder bei einem Kopfsprung ins Wasser. Auch im Flugzeug ändert sich der Luftdruck in der Kabine relativ rasch. Beim Start nimmt er ab, bei der Landung nimmt er wieder zu. Beim Tauchen kann es ebenfalls zu schnellen Druckschwankungen kommen, die das Trommelfell schlimmstenfalls reißen lassen.

Wer schon einmal eine Trommelfellverletzung (auch nach früherer Einlage eines Paukenbelüftungsröhrchens) hatte, muss damit rechnen, leichter einen erneuten Riss zu erleiden.

Mittelohrentzündung: Ursachen, Symptome, Behandlung | Kenhub

Die Rolle des Trommelfells beim Hören

Das Trommelfell hat eine Schlüsselfunktion im Hörprozess. Die dünne, gespannte Membran verschließt das Mittelohr nach außen hin, bildet also die Grenze zwischen Außen- und Mittelohr. Schallwellen gelangen über den Gehörgang zum Trommelfell und bringen es zum Schwingen. Die Schwingungen des Trommelfells übertragen sich direkt auf die Gehörknöchelchen, die sie verstärken und zum Innenohr weiterleiten. Dort wandeln spezielle Sinneszellen die mechanischen Schwingungen in elektrische Impulse um.

Symptome einer Trommelfellverletzung

Typische Symptome einer Trommelfellverletzung sind:

  • Schmerz: Während oder direkt nach der Trommelfellverletzung kommt es oft zu einem stechenden Schmerz im Ohr, der jedoch nur kurz anhält.
  • Hörminderung: Leichte Trommelfellverletzungen mit kleinen Rissen haben üblicherweise nur einen geringen Hörverlust zur Folge. Größere Trommelfellverletzungen oder zusätzliche Schäden an den Gehörknöchelchen können auch eine ausgeprägte Hörminderung verursachen.
  • Blut im Ohr: Bei einer Trommelfellverletzung kann es zu leichten Blutungen kommen. Dann tritt eventuell etwas Blut aus dem Gehörgang aus.
  • Schwindel: Wurde auch das Innenohr gereizt oder verletzt, kann es zum Beispiel zu Drehschwindel, Übelkeit und ruckartigen Augenbewegungen (Nystagmus) kommen.

Mögliche Komplikationen einer sehr ausgedehnten Trommelfellverletzung sind Mittelohrentzündungen, eine Gesichtslähmung oder eine dauerhafte Schädigung des Gehörs bis hin zur Taubheit.

Diagnose einer Trommelfellverletzung

Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten erkennen eine Trommelfellverletzung beim Blick in den Gehörgang mit Hilfe des Otoskops und des Ohrmikroskops. Die Ärztin oder der Arzt fragt nach möglichen Auslösern einer Trommelfellverletzung - beispielsweise einer Flugreise, einer lauten Explosion oder einem Tauchurlaub. Außerdem sind die aktuellen Beschwerden und die Krankengeschichte von Interesse. Hörprüfungen zeigen, ob eine Hörminderung eingetreten ist, ob das Innenohr beteiligt ist und ob eine Schädigung der Gehörknöchelchen vorliegt. Zur ersten Orientierung ist der Stimmgabelversuch nach Weber hilfreich.

Therapie einer Trommelfellverletzung

Die Therapie richtet sich danach, wie groß die Trommelfellverletzung ist. Schmale Trommelfellverletzungen heilen meist von alleine wieder aus. In der Heilungsphase ist es besonders wichtig, das Ohr trocken und sauber zu halten. Verletzungen mit ausgefransten Enden müssen geschient werden, damit die Enden zueinander finden. Reicht das nicht aus, wird eine Myringoplastik notwendig. Bei diesem Eingriff wird das Trommelfell mit körpereigenem Gewebe wiederhergestellt. Erforderlichenfalls müssen auch die Gehörknöchelchen rekonstruiert werden (Tympanoplastik).

Schienung: Zunächst werden die eingerollten Ränder des eingerissenen Trommelfells straffgezogen. Im Anschluss wird das Trommelfell aufgerichtet und mit einer speziellen Silikonfolie geschient, so dass die Ränder wieder glatt zusammenwachsen können.

Rekonstruktion: Ist der Trommelfellschaden so schwer ist, dass eine Schienung nicht ausreicht, muss das Trommelfell mithilfe der Myringoplastik rekonstruiert werden. Dazu wird körpereigenes Gewebe - zum Beispiel Faszie, Knorpelhaut oder Knorpel - entnommen und damit fehlende Teile im Trommelfell ersetzt. Kleine Perforationen (zum Beispiel Schweißperlen-Verletzungen) können auch durch ein Stück körpereigenes Fett verschlossen werden. Nach der Rekonstruktion wird das Trommelfell mit Silikonfolie geschient.

Oft legt die Ärztin oder der Arzt abschließend einen Mullstreifen in den Gehörgang ein, der mit einer antiseptischen Lösung getränkt ist. Das senkt das Risiko einer Infektion.

Vorbeugung von Trommelfellverletzungen

Trommelfell-Verletzungen sind leider nicht immer zu verhindern. Doch es gibt einige Tipps, die helfen, das Risiko zu senken:

  • Wer einen Tauchgang plant, sollte sich vorher ärztlich untersuchen lassen und unter anderem klären, ob die Ohren gesund sind.
  • Bei einer Flugreise können eine Erkältung, eine Mittelohrentzündung oder auch anlagebedingt enge Tuben Probleme bereiten. Am besten klärt man zuvor mit einer Ärztin oder einem Arzt ab, ob der Flug besser verschoben werden sollte.
  • Druckausgleich beim Fliegen: Bei Start und Landung nicht schlafen, regelmäßig kauen (zum Beispiel Kaugummi), Schlucken oder das sogenannte Valsalva-Manöver vornehmen.
  • Wer zum Beispiel im Beruf lauten Explosionen ausgesetzt ist, der sollte unbedingt einen Gehörschutz tragen. Bei Schweißarbeiten sollten ein Gesichts- und Ohrenschutz getragen werden.
  • Versuchen Sie nicht, den Gehörgang mit Wattestäbchen oder anderen Utensilien zu säubern. Nach dem Duschen reicht es, die äußere Ohrmuschel mit einem Handtuch oder mit loser Watte zu trocknen und zu säubern.

Weitere Ohrprobleme

Ohrenschmalz-Pfropf

Wenn Geräusche leiser und dumpfer klingen als zuvor oder sich das Ohr verstopft anfühlt, kann ein Ohrenschmalz-Pfropf der Grund sein. Dann hat sich viel Ohrenschmalz angesammelt und den äußeren Gehörgang verstopft - also den Bereich zwischen Ohrmuschel und Trommelfell.

Symptome:

  • Schwindel
  • Hustenreiz
  • Fiepen oder andere Ohrgeräusche
  • unangenehmer Geruch aus dem Ohr

Behandlung:

  • Auflösen mit Ohrentropfen oder Öl
  • Ohrspülung in der Arztpraxis
  • Entfernung mit Spezialinstrumenten

Gehörgangsentzündung

Bei der Gehörgangsentzündung ist die Haut des Gehörgangs entzündet und verursacht oft starke Schmerzen und Juckreiz. Ursache sind meist Bakterien. Häufiges Schwimmen und Tauchen, Grunderkrankungen wie Diabetes oder Grippe sowie das Reinigen der Ohren mit Wattestäbchen können das Risiko für eine Otitis externa erhöhen.

Behandlung:

  • Desinfizierende Ohrentropfen
  • Antibiotika bei schwereren Infektionen
  • Hausmittel wie Zwiebelwickel (äußerlich)

Vibrieren im Ohr

Ein Vibrieren im Ohr kann verschiedene Ursachen haben, wie z.B. eine Fehlfunktion der Eustachischen Röhre, Muskelzuckungen im Mittelohr oder Gefäßanomalien. Die Behandlung hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab und kann Medikamente, Entspannungstechniken oder in seltenen Fällen einen chirurgischen Eingriff umfassen.

Diagnostische Verfahren:

  • Hörtest (Audiometrie)
  • Tympanometrie
  • MRT oder CT-Scans

Knalltrauma

Bei einem Knalltrauma handelt es sich um eine Schädigung der Haarzellen im Innenohr durch Einwirkung eines erhöhten Schalldrucks auf das Ohr. Die Patienten klagen über ein Gefühl, als sei das Ohr verstopft sowie über einen Hörverlust auf dem betroffenen Ohr.

Therapie:

  • Hämorheologische Infusionstherapie
  • Kortison

Zusammenfassung

Trommelfellverletzungen können durch verschiedene Faktoren verursacht werden, darunter direkte Traumata, Druckveränderungen und Infektionen. Die Symptome variieren je nach Schweregrad der Verletzung. Die Behandlung reicht von konservativen Maßnahmen bis hin zu chirurgischen Eingriffen. Es ist wichtig, bei Anzeichen einer Trommelfellverletzung oder anderen Ohrproblemen einen Arzt aufzusuchen, um Komplikationen zu vermeiden und das Hörvermögen zu erhalten.

Zusammenfassung der Ohrprobleme und Behandlungen
Ohrproblem Ursachen Symptome Behandlung Vorbeugung
Trommelfellverletzung Direktes Trauma, Druckveränderungen Schmerzen, Hörverlust, Blutungen Heilung von selbst, Schienung, Myringoplastik Vermeidung von Traumata, Druckausgleich
Ohrenschmalzpfropf Übermäßige Ohrenschmalzproduktion Dumpfes Gefühl, Juckreiz, Hörverlust Ohrentropfen, Ohrspülung Regelmäßige ärztliche Reinigung
Gehörgangsentzündung Bakterien, Pilze, Reizungen Schmerzen, Juckreiz, Rötung Ohrentropfen, Antibiotika Vermeidung von Reizungen, Trockenhalten
Knalltrauma Hoher Schalldruck Verstopftes Gefühl, Hörverlust Infusionstherapie, Kortison Gehörschutz

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