Seit 20 Jahren sucht Heidi Klum nach dem nächsten Topmodel, und genauso lange reißt die Kritik an der Sendung "Germany's Next Topmodel" (GNTM) nicht ab. Doch was macht die Sendung so umstritten und gleichzeitig so beliebt? Dieser Artikel wirft einen Blick hinter die Kulissen, beleuchtet die Herausforderungen und Veränderungen, die die Kandidatinnen durchleben, und untersucht die Kritik, die an der Sendung geübt wird.
2018 stand 'Germany's Next Topmodel' ganz im Zeichen von Diversity - das betonte die Jury zumindest fortlaufend. Zum ersten Mal durften auch kurvige Mädchen um den Titel 'Germany's Next Topmodel' kämpfen. Doch was vor der Kamera zu Begeisterungsstürmen führte, sorgte hinter den Kulissen für mächtig Stress. Denn untereinander ist die Toleranz alles andere als groß. Im Gespräch mit dem deutschen 'OK'-magazin hat Ex-Kandidatin Leonie jetzt ausgepackt und erzählt, wie rüde es wirklich hinter den Kulissen zugeht und wie übel mit den beiden Curvy Models Sarah und Pia umgegangen wird.
Am Set hießen sie Ugly Models. Das war ein offizieller Begriff. Eine Insiderin aus dem Umfeld der Produktion will auch wissen, warum es die beiden Mädchen so schwer haben. Der Grund ist fast immer der Gleiche: Eifersucht! Viele der Mädchen sind eifersüchtig auf Sarah und Pia. Sie haben das Gefühl, dass Heidi die beiden bevorzugt, um der Show ein besseres Image zu verpassen. Sie würden es öffentlich zwar nie zugeben, aber die meisten der dünnen Kandidatinnen sind der Meinung, dass so kurvige Mädels nichts bei GNTM zu suchen haben, weil sie im Model-Business ohnehin kaum Chancen hätten.
Harte Worte in einer Zeit, in der Curvy Stars wie Ashley Graham oder Angelina Kirsch einen lukrativen Model-Deal nach dem nächsten an Land ziehen. Für Heidi Klum und GNTM sind Pia und Sarah jedenfalls ein Segen. Seit Jahren steht die Show in der Kritik, jungen Mädchen ein falsches Bild zu vermitteln. Dass sich am Ende aber tatsächlich ein Curvy Model 'Germany's Next Topmodel' nennen darf - das bezweifelt die Insiderin stark. Wenn man bei GNTM wirklich auch kurvigen Mädchen eine Chance geben will, warum sind es dann nur so wenige. Das Verhältnis zwischen dünnen und kurvigen Kandidatinnen stimmt einfach nicht.
Ohne GNTM? Wie in jedem Jahr werden die "Germany's Next Topmodel"- Kandidatinnen professionell umgestylt. Extensions, Kurzhaarschnitte, krasse Farbveränderungen - die heutige "Germany's Next Topmodel"-Folge steht wieder ganz im Zeichen des Umstylings. Einige Teilnehmerinnen würden lieber hinschmeißen, als sich die Haare abschneiden zu lassen. "Es geht darum, den Mädchen einen eigenständigen Look zu geben", sagt Michael Michalsky.
Doch die Kandidatinnen sehen das größtenteils ganz anders und gehen auf dem Friseurstuhl mal wieder durch die emotionale Hölle. Für Kim kommt es ganz besonders dicke: Ihre lange blonde Mähne soll - schnipp, schnapp - komplett ab. "Ich habe Angst, dass ich dann aussehe wie ein Junge. Es gibt Mädchen, die so hässliche Haare haben, da muss man doch nicht meine nehmen", klagt sie. Und auch Laura-Franziska weint dicke Krokodilstränen, als sie sich in die Hände der Stylistin begeben muss. Sie fühlt sich überfordert, da sie ja jetzt gar nicht weiß, wie sie später aussehen wird.
Doch immerhin versucht sie nicht, mit der Jury zu diskutieren. Ganz im Gegenteil zu Kim und Lara-Kristin, der ebenfalls ein Kurzhaarschnitt verpasst werden soll. Die sind völlig durch den Wind - und das liegt nicht am Haartrockner des Stylingteams - beide suchen nämlich nochmal das Gespräch mit Heidi Klum, Thomas Hayo und Michael Michalsky und feilschen um jeden Zentimeter ihrer Haarpracht. Doch die Modelmama kennt kein Erbarmen - als Kim fragt, was denn geschehe, wenn sie sich nicht neu frisieren ließe, antwortet sie: "Weiß nicht, vielleicht müssen wir dich dann nach Hause schicken". Doch dann gewährt sie ihren "Meeeeeedchen" fünf Minuten Bedenkzeit. Werden Kim und Lara-Kristin einen vorzeitigen Rückflug nach Deutschland spendiert bekommen?
Wie in jedem Jahr fand auch bei der 20. Staffel von “Germany’s Next Topmodel” wieder ein großes Umstyling statt. Dieses Mal durften sich sogar 16 von 21 Mädels auf ein krasses Vorher-nachher-Styling freuen. Und auch wenn die Models wussten, dass es irgendwann so weit sein wird, liefen am Ende doch ein paar Tränen, als sie ihren neuen Look sahen.
Heidi Klum lässt sich diese besondere Folge von “GNTM” natürlich nicht persönlich entgehen und begleitete die Models den ganzen Tag bei ihren Typveränderungen, die mal mehr und mal weniger dramatisch ausgefallen sind. Auch wenn die Vorher-nachher-Stylings oft mit Emotionen verbunden sind, betont Supermodel Heidi Klum immer wieder, dass sie nur das Beste für ihre Kandidat:innen möchte und immer das Ziel im Kopf hat, ihre Modelkarriere voranzutreiben, sodass sie aus der Menge herausstechen können und ihre Persönlichkeit betont wird.
Von radikalem Kurzhaarschnitt über Farbveränderungen bis zu XXL-Extensions war auch in der 20. Staffel von “Germany’s Next Topmodel” wieder alles dabei. Für viele ein Segen, für andere im ersten Moment ein Fluch. Trotz des Umstylings mussten vier Models die Show verlassen. Nicht mehr dabei sind Lucia, Natali, Valeria und Stella.
Einige Beispiele für die Vorher-Nachher-Looks der Kandidatinnen in der 20. Staffel von GNTM:
Diese Beispiele zeigen, wie unterschiedlich die Umstylings sein können und wie sie die Kandidatinnen verändern.
GNTM gibt es seit 20 Jahren - und genauso lange gibt es schon Kritik an der Sendung. Können Sie die Kritik nachvollziehen? Nein, das kann ich nicht nachvollziehen. GNTM wird immer vorgeworfen, dass die Kandidatinnen und Kandidaten keine Handys benutzen dürfen, nicht einfach auf die Straße gehen dürfen - aber das ist in jedem Format so. Überall gibt man sein Handy ab und darf nicht einfach rausgehen, das hängt mit der Versicherung zusammen.
Mir geht es auf den Keks, dass viele Menschen immer so schnell eine Meinung haben, aber nicht hinterfragen, warum die Dinge so sind, wie sie sind. Wenn man sich mal überlegt, welche Frauen am lautesten waren und sich immer wieder beschwert haben, dann sind das die, die am hysterischsten waren und bei denen es mit der Karriere nicht geklappt hat. Das war bei Lijana Kaggwa so, die während der Staffel durch so viele negative Dinge aufgefallen ist, aber hinterher der Liebling der Nation war, weil sie erzählt hat, wie sie bei GNTM manipuliert worden sein soll.
Warum hat sich Lena Gercke nie beschwert? Oder Toni Dreher-Adenuga? Aber trotzdem heißt es immer, GNTM sei das schlimmste Format der Welt, Heidi sei an allem Schuld. Die Leute sollen sich mal andere Reality-Shows anschauen, wie es dort abgeht und was dort für Menschen sind. Die können sich weder benehmen, noch haben sie Anstand oder ticken sauber.
Dürre Models, Laufstegtraining, Heidis Quietschestimme. Wer braucht das schon? Ich sage, wir brauchen es.Wir brauchen GNTM, weil es dem Donnerstagabend einen Sinn gibt. Mal ehrlich, wir, die arbeitenden Frauen über 30, gehen am Donnerstagabend nicht mehr weg wie früher, als wir wussten, dass wir den Freitag auch mit wenig Schlaf bewältigen. Doch sitzt man zu Hause, fühlt man sich alt. Konzept: Frauen sitzen zusammen, trinken, essen, lästern. Ach ja, und nebenbei läuft GNTM.Wir brauchen GNTM, weil wir darüber quatschen können.
Wer schaut denn schließlich überhaupt noch fern? Ist das Angebot unter der Woche unterirdisch, gipfelt es am Wochenende in "Wetten, dass", früher Smalltalk-Quelle schlechthin. Jetzt tut sich das noch nicht mal mehr jemand an, um mitreden zu können. Mit wem auch, wenn es keiner gesehen hat. Ansonsten gucken wir Serien auf DVD, und selbst wenn wir dieselben sehen, sind wir bei unterschiedlichen Folgen und können nicht darüber sprechen ohne etwas zu verraten. GNTM sieht jeder, und wer es nicht sieht, kann es sogar in renommierten Medien nachlesen.
Wir brauchen GNTM, weil es uns Bestätigung gibt. Diese wirren, dürren Wesen irrlichtern durch die Sendung, sind 16, haben keinen Plan vom Leben und hoffen, dass Heidi sie rettet. Das tut gut: Denn wir sind 30, haben einen handfesten Job (oder, ok,.. sind Journalistin), sind nicht dürr, wissen, wo wir hinwollen und hoffen, dass Heidi uns nicht rettet. Oder uns in den Pool schmeißt. Und wir wollen auch kein Foto.
Wir fühlen uns gut, erwachsen, moralisch erhaben, wenn die "Mädschen" sich zickend in die Haare kriegen und Schokoriegel verstecken. Wir nehmen bei Sätzen wie "Ich weiß, ich esse zu viel Obst" noch drei Gummibärchen. Wir wissen, dass richtige Männer was zum Anfassen brauchen. Wir brauchen GNTM, weil Fremdschämen so unfassbar gut tut. Egal, ob aus der Lockenmähne die hässliche, raspelkurze Frisur wird oder aus dem Weizenblond ein Telekom-Rosa. Und erst die Klamotten! Ja, wir sehen gar nicht so übel aus.
Wir brauchen GNTM, weil es uns bestätigt, dass wir intelligent sind. Im Gegensatz zu den "Mädschen" haben wir nämlich nach der achten Staffel langsam echt intellektuell überrissen, dass "nur eine Germanys Next Topmodel werden kann". Also eben jedes Jahr eine.
Modedesigner Kilian Kerner gehört seit Jahren zum GNTM-Inventar: Der Berliner sitzt immer wieder als Gastjuror an Heidi Klums Seite bei "Germany's Next Topmodel". Auch in der 21. Folge der aktuellen Staffel wird er zu sehen sein - am Donnerstag, 22. Mai. Im Interview mit unserer Redaktion spricht der 46-Jährige über Diversität in der Modelbranche, warum er für Gesetze in den sozialen Netzwerken plädiert - und wie die Chancen der aktuellen Kandidatinnen und Kandidaten auf den GNTM-Sieg stehen.
Wenn etwa der Fotograf Rankin einer Kandidatin bescheinigt "She's a model", dann kommt die Kandidatin sehr weit. Oder Sie selbst: Sie haben für Ihre Kampagne "20 Jahre Kilian Kerner" vergangenes Jahr Lea und Jermaine gebucht. Die beiden haben am Ende gewonnen.
Ich glaube absolut nicht, dass sie gewonnen haben, weil sie den Job bei mir gekriegt haben. Ich hatte einfach einen guten Riecher und einen guten Model-Geschmack. Aber wir Gastjuroren haben natürlich Einfluss. Natürlich hört sich Heidi an, was wir sagen. Am Ende ist es aber ihre Show, und die Models gewinnen, die das in ihren Augen am besten gemacht haben. Wir sind als Gastjuroren ja auch nur eine Folge dabei, Heidi sieht die Models jede Woche.
GNTM bleibt ein polarisierendes Format, das sowohl Kritik als auch Begeisterung hervorruft. Die Sendung hat sich im Laufe der Jahre verändert und versucht, diverser zu werden, doch die Herausforderungen und der Druck auf die Kandidatinnen bleiben bestehen. Ob man die Sendung nun liebt oder hasst, eines ist sicher: GNTM bietet Gesprächsstoff und sorgt für Unterhaltung.
tags: #gntm #hassliche #frisuren
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