Glatzenbildung und Vererbung: Was sagt die Wissenschaft?

Viele Männer fragen sich, ob Haarausfall vererbbar ist und von wem er vererbt wird. Der erblich bedingte Haarausfall, auch androgenetische Alopezie genannt, ist die häufigste Form des Haarausfalls weltweit. Die Genetik spielt eine große Rolle, aber wie genau sieht die Vererbung aus? Dieser Artikel beleuchtet die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Vererbung von Haarausfall und klärt auf, welche Rolle Mutter und Vater spielen.

Androgenetische Alopezie beim Mann

Die Rolle der Gene bei Haarausfall

Schon lange vermutet man, dass die Erbanlagen bei der Entstehung von Haarausfall eine Rolle spielen. Wissenschaftler suchen seit den 1990er Jahren nach Stellen im Erbgut des Menschen, die bei Männern zu Glatzenbildung führen. Inzwischen haben sie über hundert Gene gefunden, die beim Haarausfall mitspielen. Die Forschung konzentriert sich nun auf das Verständnis der Signalwege und Netzwerke, die für das Haarwachstum verantwortlich sind. Nur wenn dieses System im Detail verstanden wird, können Hinweise gefunden werden, wie es sich beeinflussen lässt, um Haarausfall zu verhindern.

Die Ergebnisse zeigen, dass mehrere Gene an der Entwicklung des männlichen Haarausfalls beteiligt sind. Es beginnt mit Geheimratsecken, die Stirn wird höher, das Haar am Hinterkopf immer dünner. Jeder zweite Mann leidet unter mehr oder weniger starkem Haarausfall.

Die Forscher um Professor Markus Nöthen vom Life & Brain Zentrum des Universitätsklinikums Bonn sowie Dr. Roland Kruse vom Universitätsklinikum Düsseldorf scheinen nun erstmals eine der verantwortlichen Erbanlagen identifiziert zu haben.

Über mehrere Jahre hatten die Forscher bundesweit nach Familien gesucht, bei denen mehrere Männer vom Haarausfall betroffen. In Blutproben der Freiwilligen suchten sie dann nach Kandidatengenen - und wurden schließlich fündig: In einem ersten Schritt gelang es dem Team, die Suche auf eine Reihe von Regionen auf verschiedenen Chromosomen einzugrenzen.

Das Androgenrezeptor-Gen

In einer Region, die den stärksten Beitrag vermuten ließ, lag die Erbanlage für den Androgen-Rezeptor. "In einer dieser auffälligen Regionen liegt das Gen für den Androgen-Rezeptor", erklärt Dr. Axel Hillmer vom Bonner Forschungszentrum Life&Brain. "Wir wussten bereits aus einer vorherigen Studie, dass der Rezeptor beim Haarverlust eine Rolle spielt."

Wahrscheinlich führt die Genvariante zu mehr Androgen-Rezeptoren in der Kopfhaut. „Unsere Ergebnisse lassen zwei Erklärungen zu“, erklärt Axel Hillmer aus Nöthens Arbeitsgruppe. „Entweder wird bei den Betroffenen mehr Androgenrezeptor gebildet, oder die Rezeptorvariante, die aufgrund der Genveränderung entsteht, ist stabiler und wird nicht so schnell abgebaut.

Das betroffene Gen liegt auf dem X-Chromosom und wird daher von der Mutter vererbt. Es ist erst die zweite Erbgut-Region, die zweifelsfrei mit dem vorzeitigen Haarverlust in Verbindung gebracht werden kann.

Interessant sind die Befunde auch für die Vererbungswege: So liegt das zuvor einzige bekannte Risiko-Gen für den Androgenrezeptor auf dem X-Chromosom. Männer erben das X-Chromosom immer von ihrer Mutter.

Eine Variante dieses Gens fand sich unter Männern, die schon früh unter Glatzenbildung litten, sehr viel häufiger als bei Männern, die im Alter von über 60 Jahren noch volles Haar hatten", erklärt Nöthen.

Durch beide Mechanismen kann es zu einer stärkeren Wirkung der Androgene kommen, was dann wiederum zum Haarausfall führt, erläutern die Forscher.

Es wird also von der Mutter vererbt - daher schlagen Männer in punkto Haarausfall oft nach ihrem Großvater mütterlicherseits. Das neu entdeckte Gen liegt dagegen auf Chromosom 20 und kann sowohl von der Mutter als auch vom Vater vererbt werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen:

  • Das Androgenrezeptor-Gen liegt auf dem X-Chromosom und wird von der Mutter vererbt.
  • Männer erben das X-Chromosom von ihrer Mutter, was erklärt, warum sie oft nach ihrem Großvater mütterlicherseits schlagen.
  • Es gibt Hinweise auf weitere Gene, die unabhängig vom elterlichen Geschlecht vererbt werden.

Die Forscher vermuten, dass für den vorzeitigen Haarverlust noch weitere Gene verantwortlich sind. "Wir versuchen nun herauszufinden, welche Funktion das betroffene Gen beim Haarwachstum übernimmt", sagt der Bonner Wissenschaftler Dr. Felix Brockschmidt.

Vererbung von der Mutter oder vom Vater?

Viele Menschen, die sich nach den Kosten für eine Haartransplantation erkundigen, tun dies, weil sie unter männlichem Haarausfall leiden, die die häufigste Form von Haarausfall ist und 80% der Männer ihr ganzes Leben lang betrifft.

Es beginnt mit Geheimratsecken, die Stirn wird höher, das Haar am Hinterkopf immer dünner. Jeder zweite Mann leidet unter mehr oder weniger starkem Haarausfall.

Traditionell neigen die Menschen immer dazu, zu glauben, dass männlicher Haarausfall von Männern herrührt, das heißt, dass sie vom Vater vererbt wird, und dass wir deshalb, wenn wir einen kahlköpfigen Vater haben oder sein Vater (also unser Großvater) kahlköpfig ist, das gleiche Problem haben werden.

Beim männlichen Haarausfall muss jedoch die Rolle des X-Chromosoms in Betracht gezogen werden.Warum? Weil es dasjenige ist, das das Gen enthält, das den Androgenrezeptor kodiert. Wir haben die Schlüsselrolle der Androgene bereits erklärt... und es stellt sich heraus, dass das X-Chromosom nicht von unserem Vater, sondern von unserer Mutter vererbt wird.

Da das Gen auf dem X-Chromosom liegt, schlagen Männer in vielen Fällen beim Thema Haarausfall eher nach ihrem Großvater mütterlicherseits als nach ihrem Vater.

Daher können wir offen sagen, dass der männliche Haarausfall von der Mutter vererbt wird, da ihre genetische Vererbung die wichtigste ist, um festzustellen, ob wir an Alopezie leiden werden.

Angesichts der Tatsache, dass Frauen ebenfalls zwei X-Chromosome haben (während Männer nur ein X-Chromosom haben), müssen wir zu dem Schluss kommen, dass Haarausfall hauptsächlich von den Genen unserer Mutter vererbt wird, und den Glauben ein für alle Mal vergessen, dass wir das Erbe unseres Vaters betrachten müssen, um herauszufinden, ob wir kahlköpfig sein werden oder nicht.

Allerdings trägt nicht nur ein Gen zu der verfrühten Glatzenbildung bei. "Wir haben Hinweise auf weitere Gene, die unabhängig vom elterlichen Geschlecht vererbt werden", betonte der Leiter der Arbeitsgruppe, Markus Nöthen.

Die Wissenschaftler vermuten, dass für den vorzeitigen Haarverlust noch weitere Gene verantwortlich sind.

Andere Faktoren, die Haarausfall beeinflussen

Es ist jedoch wichtig, darauf hinzuweisen, dass es unmöglich ist, allein anhand der Familiengeschichte zu sagen, ob eine Person an Haarausfall leiden wird.

Außerdem sind sich die Experten einig, dass es unmöglich ist, zu wissen, in welchem Ausmaß Haarausfall bei uns eintritt. Es ist nur möglich, den Risikofaktor unter Berücksichtigung unserer genetischen Veranlagung zu kennen; dies liegt daran, dass die Gene nicht alles bestimmen: Immer mehr Forschungen deuten darauf hin, dass äußere Umweltfaktoren oder andere Faktoren wie die Ernährung die bestimmten Gene (zum Beispiel solche, die mit Haarausfall zusammenhängen) aktivieren oder nicht.

In Bezug auf die Rolle, die Stress als ein weiterer auslösender Faktor bei männlichen Haarausfall spielt, neigen neueste Studien dazu, ihn für weniger wichtig zu halten als bisher angenommen; ja, es stimmt, dass Stress den Körper dazu veranlassen kann, seine Androgenspiegel zu erhöhen (z.B. Dihydrotestosteron- oder DHT-Spiegel). Aber vergessen wir nicht, dass es letztlich die genetische Veranlagung ist, die darüber entscheidet, ob sie einen größeren Haarausfall verursacht oder nicht.

Aktuelle Forschung und Erkenntnisse

Aktuelle Forschungen, unter anderem von der Universität Bonn, haben neue Erkenntnisse über die genetische Grundlage des Haarausfalls geliefert. Neben dem bekannten X-Chromosom, das die Empfindlichkeit gegenüber DHT bestimmt, konnten Wissenschaftler mehr als ein Dutzend weiterer Gene identifizieren, die eine Rolle bei der Entstehung von Haarausfall spielen. Diese Gene beeinflussen Prozesse wie die Wachstumsphase der Haare, die Zellteilung in den Haarfollikeln und die Reaktion der Haarwurzeln auf Hormone.

Einem Team der Universitäten Bonn und Düsseldorf ist es nun erstmals gelungen, eine der verantwortlichen Erbanlagen zu identifizieren. Jahrelang hatten die Genetiker bundesweit nach Familien gefahndet, in denen mehrere Generationen von Männern von einem verstärkten Haarausfall betroffen sind, und nahmen von ihnen Blutproben.

Beim Vergleich fanden die Genetiker eine auffällige Gemeinsamkeit: Bei den meisten Männern mit Glatze taucht ein Defekt in der Bauanleitung ihrer Androgen-Rezeptoren auf. Durch den Defekt bildeten sich entweder mehr Androgen-Rezeptoren in der Kopfhaut oder die Rezeptorvariante sei stabiler, meinen die Forscher. In jedem Fall würde die Wirkung der Androgene verstärkt, so dass es zum Haarausfall komme.

Eine wissenschaftliche Studie, die 2017 von britischen Forschern an der Universität Edinburgh durchgeführt wurde, ergab, dass 280 Gene am Haarausfall beteiligt sind; und tatsächlich befinden sich viele davon auf dem X-Chromosom, das Männer über die mütterliche Linie vererben.

Therapie und Behandlungsmöglichkeiten

Gibt es für den männlichen Haarausfall eine Lösung? In den letzten Jahren gab es viele Fortschritte in der Behandlung; es ist immer noch nicht jedes Mal möglich, das Haar wieder nachwachsen zu lassen, aber in vielen Fällen kann der Haarausfall mit Medikamenten wie Minoxidil oder Finasterid (Propecia) gestoppt werden.

Einige Studien weisen darauf hin, dass diese Medikamente Nebenwirkungen wie den Verlust des Sexualtriebs auslösen können; dieser Effekt tritt jedoch nur bei 4% der Patienten auf und ist nur vorübergehend.

Tabelle: Therapeutische Optionen zur Behandlung der androgenetischen Alopezie und ihre Evidenz

Therapie Evidenzlevel Details
Topische Minoxidillösung 1 Wirksam bei Frauen und Männern, stoppt Haarverlust bei 80-90% der Behandelten.
Systemische Therapie mit Finasterid 1 Nur für Männer zugelassen, stoppt Haarverlust bei 80-90% der Behandelten.
Eigenhaartransplantation 4 Ergänzende Maßnahme bei fortgeschrittener androgenetischer Alopezie.
Systemische Antiandrogene 3 Wirksam bei Frauen mit hormoneller Dysregulation.

Es ist auf jeden Fall bei Haarausfall nicht wichtig, ob dieser von der Mutter oder vom Vater vererbt wird, sondern sich an einen Spezialisten zu wenden, um die Ursache und die beste Behandlung zu ermitteln, die oft auch eine Haartransplantation erfordert.

Die besten Tipps gegen Haarausfall | Dr. Johannes Wimmer

Gerade bei erblich bedingtem Haarausfall spielt die Wahl der richtigen Pflege eine zentrale Rolle. Wenn Haarausfall genetisch bedingt ist, bedeutet das nicht, dass man nichts dagegen tun kann.

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