Gene Simmons' Glatze und die Rock 'n' Roll-Zirkuswelt

Die Welt des Rock 'n' Roll ist bekannt für Exzesse, spektakuläre Auftritte und natürlich für ihre ikonischen Frisuren. Doch was passiert, wenn die Haarpracht schwindet? Wie gehen Rockstars mit dem natürlichen Haarausfall um? Ein Blick auf Gene Simmons von Kiss und andere Größen der Szene offenbart interessante Einblicke.

Die amerikanische Rockband KISS ist nicht nur wegen ihrer Musik bekannt. Ihren Kultstatus verdankt die Band vor allem ihrem schrillen Äußeren. Lange, schwarz gefärbte Haare, geschminkte Gesichter, Plateaustiefel und schräge, schwarz-weiße Phantasiekostüme sind die Markenzeichen der Anfang der 1970er Jahre in New York gegründeten Musikgruppe.

In den 1970er Jahren waren KISS nicht die einzigen Stars, die mit Kostümierungen auf die Bühne traten. Die Vertreter des so genannten Glamrocks, wie Queen oder David Bowie, trugen ebenfalls aufwändige Bühnenkostüme und Maskierungen. Die Kostümierungen der Band KISS waren zu Zeiten des Glamrocks allerdings sehr viel düsterer, als die der meisten Glamrock-Vertreter. Auch war ihre Musik lauter und härter.

Die Shows der Band verbanden Horrorszenarien und pyrotechnische Effekte. KISS hat mit dem Vertrieb von Werbeartikeln eine Marktlücke entdeckt. Die Band gilt als Erfinderin des Merchandising in der Musikbranche. Spielfiguren, Stiefel, T-Shirts, ja sogar einen Spielautomaten bietet die Band ihren Fans. Wer sich zum Karneval oder zu Halloween als KISS-Bandmitglied kostümiert, der transportiert also neben seiner Liebe zur Band auch die ganz große Erfolgsgeschichte. Und ein bisschen Gruselfeeling dazu, denn gruselig und schockierend sollten die Shows der Band sein.

Dafür spuckte Bassist Gene Simmons extra Blut und Feuer. Das Blut bestand zwar “nur” aus Joghurt und Lebensmittelfarbe, aber übel sah es trotzdem aus. Wer Songs wie “I was made for lovin’ you” singt, der kann wiederum so böse nicht sein. Die Freude am Spektakel dürfte bei den Auftritten der Band im Vordergrund stehen.

Zu einem KISS-Kostüm gehört das stilechte Make-up, wobei es sechs verschiedene Variationen gibt. The Starchild heißt die Gesichtsmaske des Sängers und Gitarristen Paul Stanley. The Demon ist die Maske von Sänger und Bassist Gene Simmons. Das Gründungsmitglied Ace Frehley trug The Spaceman. Diese Maske wird auch vom derzeitigen Sänger und Gitarrist Tommy Thayer genutzt. Die Maske kennzeichnen, wie die Maske von Gene Simmons, die über beide Augen gemalten spitz auslaufenden Formen, diese sind bei The Spaceman jedoch nur schwarz konturiert. Die Maske des aktuellen Sängers und Schlagzeugers Eric Singer heißt The Catman. Vor Singer trug Schlagzeuger und Gründungsmitglied Peter Criss die Maske. The Fox trug der ehemalige Sänger und Schlagzeuger Eric Carr. Seine Augen waren rot-schwarz umrandet und die Lippen schwarz ausgemalt.

Beim ersten offiziellen Auftritt der Band im Dezember 1973 in New York setzte Sänger und Bassist Gene Simmons versehentlich seine langen Haare in Brand. Das könnte an der großen Menge Haarspray gelegen haben, die er benutzt hatte. Gefahr hin oder her, ein echter Rocker trägt Mähne. Headbanging ohne fliegende Haarspitzen? Das ist undenkbar. Deshalb gehört zu einem KISS-Kostüm und der legendären Gesichtsmaske auch eine ordentliche Rocker-Perücke.

Die Frisuren der Bandmitglieder sind irgendwo zwischen herausgewachsener Vokuhila-Frisur und undefinierter Mähne einzuordnen. Die Perücke von The Starchild Paul Stanley besteht aus schulterlangen, gelockten Haaren. The Spaceman trägt auch schulterlanges, aber eher gewelltes Haar. Die Perücke von The Demon Gene Simmons ist mit Abstand die auffälligste.

Doch abseits der Bühne zeigt sich Gene Simmons oft mit einer Glatze. Dies wirft die Frage auf: Dürfen echte Rocker zum natürlichen Haarausfall stehen? Simmons selbst scherzte einst, dass er sich im Notfall seine Sack-Haare und die vom Rücken auf den Kopf pflanzen lassen würde.

Auch andere Rocker haben ihren Umgang mit dem Thema gefunden:

  • Metallica-Frontmann James Hetfield gab sich nicht mehr mit seinem spärlichen Haarwuchs zufrieden - Glatze!
  • Judas-Priest-Sänger Rob Halford rasiert sich deshalb den Schädel.
  • Der bekannteste deutsche Kappenträger: Klaus Meine von den Scorpions. "Die Kappe ist bei mir mittlerweile zum Markenzeichen geworden."

So zeigt sich, dass auch im Rock 'n' Roll die Zeiten sich ändern und die alternden Stars ihren eigenen Weg finden, mit dem Lauf der Zeit umzugehen.

In einem Interview erinnerte sich Slade-Gitarrist Dave Hill an die wilden Zeiten in den 70ern und den Einfluss seiner Band auf spätere Generationen von Rockmusikern. Er erzählte, wie er und seine Bandkollegen von Kiss beeinflusst wurden, die später sogar als Support-Act für Slade spielten. Hill erinnerte sich, wie er Gene Simmons und Paul Stanley von Kiss nach einem Konzert traf und sie ihm erzählten, dass sie das Livealbum von Slade genutzt hatten, um sich für ihre Proben in Stimmung zu bringen.

KISS - Gene Simmons Bass Solo / I Love It Loud - Rock Am Ring 2010 - Sonic Boom Over Europe Tour

"Wenn man sich Kiss mal so ansieht, merkt man schon, dass wir sie beeinflusst haben", sagte Hill.

Die Anekdoten aus den 70ern zeigen, dass die Rockmusik eine Welt des Wandels und der gegenseitigen Beeinflussung ist. Von den wilden Bühnenauftritten bis hin zum Umgang mit dem Älterwerden - die Rockstars haben ihren eigenen Weg gefunden, um im Zirkus des Rock 'n' Roll zu bestehen.

Gene Simmons auf der Bühne (Quelle: Wikimedia Commons)

Einige Rocker und ihre Frisuren im Wandel der Zeit

Künstler Frühere Frisur Heutige Frisur/Markenzeichen
Gene Simmons (Kiss) Lange, schwarze Haare (Perücke) Glatze (privat)
James Hetfield (Metallica) Lange Zotteln Glatze
Rob Halford (Judas Priest) Volle Haarpracht Rasierter Schädel
Klaus Meine (Scorpions) Lange Haare Kappe

Gene Simmons beim Wacken Open Air 2023 (Quelle: Metal Hammer)

tags: #gene #simmons #glatze

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